Stand Up Paddling: Paddelspaß auf jedem Gewässer

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Stehen. Paddeln. Surfen. Welle. So lautet die Übersetzung des hawaiianischen Ausdrucks „Ku Hoe He’e Nalu“. Aus diesem exotischen Begriff hat sich etwas entwickelt, das aktuell zur absoluten Trendsportart avanciert: Stand Up Paddling. Auch bekannt als Stehpaddeln oder, so nennen es die ganz Coolen, die keine Zeit verlieren wollen, SUPen.

Zum Stehpaddeln bedarf es im Grunde nicht viel: Ein Brett, ein Paddel und ein Gewässer. Der Vorteil des Stehpaddelns ist, dass es nicht zwingend eines Wellenganges bedarf. Stand Up Paddling kann sowohl an Meeresküsten als auch auf vergleichsweise ruhigen Gewässern wie Seen und Flüssen betrieben werden. Also egal, ob an der Spree, am Tegernsee oder an der Ostseeküste – Stand Up Paddling geht immer.

Von Polynesien über Hawaii nach Europa

Aber wie ist der Trend Stand Up Paddling eigentlich nach Deutschland „herübergeschwappt“? Die Wurzeln des Stand Up Paddlings liegen in Polynesien. Dort bewegten sich Fischer stehend auf ihren Kanus und Bambusflößen fort. Im 20. Jahrhundert, etwa in den 1960ern, erreichte das Stand Up Paddling schließlich Hawaii. Insbesondere Surflehrer griffen auf diese Art der Fortbewegung zurück. Einerseits hatten sie so ihre Surfschüler bestens im Blick. Andererseits konnten sie auf dem Brett einen Stuhl aufstellen, um im Sitzen wackelfreie Fotos zu schießen.

Sprints, Langstrecken und Wildwasserabenteuer

Stand Up Paddling hat sich also aus einer Notwendigkeit aufgrund geografischer Umstände zu einem echten Sport entwickelt. Heute ist es eine eigenständige Wassersportart, die auch als Wettkampf praktiziert wird. Auf Seen und Flüssen werden vor allen Dingen die Disziplinen Sprint und Langstrecke betrieben. Bei Sprintwettbewerben absolvieren die Sportler eine Strecke von 500 Metern. Langstreckenläufe umfassen etwa acht bis zwölf Kilometer.

An Meeresküsten wird das Stand Up Paddling mit dem klassischen Surfen kombiniert. Auch auf Wildwassern wird Stand Up Paddling betrieben. Von allen Stehpaddel-Disziplinen ist dies vermutlich die herausforderndste. Denn dank Stromschnellen und Wirbeln wird den Sportlern sowohl in Bezug auf Kraft als auch Balance alles abverlangt.

Ein prima Training für Rumpf- und Bauchmuskeln

Apropos Kraft: Viele Anfänger denken, dass die Kraft beim Paddeln von den Armen ausgeht. Tatsächlich bleiben die Arme bei einer effektiven Paddelbewegung die meiste Zeit nahezu gestreckt. Die Kraft holt sich der Stand Up Paddler aus seinen vorderen und seitlichen Bauchmuskeln sowie der Rumpfmuskulatur. Außerdem sind die Beine durchgehend angespannt. Das passiert ganz automatisch, weil der Stand Up Paddler die Balance halten und Bewegungen seines Brettes ausgleichen möchte.

Stand Up Paddling kann theoretisch von jedem erlernt werden – egal ob Kind, durchtrainierter Sportler oder Rentner. Es ist relativ leicht, sich das Stand Up Paddling selbst beizubringen. Dennoch macht es Sinn, einen Anfängerkurs zu belegen. Das gilt insbesondere für Leute, die zuvor keinerlei Wassersport betrieben haben. Denn hierbei lernt man Dinge, die in puncto Sicherheit eine große Rolle spielen. Kann ich Strömungen auf Flüssen richtig einschätzen? Gelten in der Umgebung spezielle Naturschutzregelungen? Und wie sieht es auf dem Gewässer eigentlich mit Vorfahrtregeln aus? All diese Dinge sind essenziell, um beim Stand Up Paddling nicht nur Spaß zu haben, sondern auch in jeder Situation den Überblick zu behalten.

Kinder sollten beim Stand Up Paddling aus Sicherheitsgründen idealerweise eine Schwimmweste tragen. Sollte sich der Nachwuchs nicht trauen, allein über das Gewässer zu paddeln, ist das überhaupt kein Problem. Einige Bretter sind so groß, dass ein Erwachsener im Stehen das Paddeln übernimmt, während sich der Nachwuchs vor ihm auf das Brett setzt.

Stand Up Paddling Yoga: Auf dem Wasser Körper und Geist in Einklang bringen

Die Bretter für Stand Up Paddling sind also sehr stabil. Dadurch hat sich ein weiterer Trend entwickelt. Dieser kombiniert Stand Up Paddling mit einer anderen Aktivität: Yoga. Bei Yoga geht es bekanntlich darum, Körper und Geist in Einklang zu bringen. Und wo geht das besser, als in der freien Natur? Stand Up Paddling Yoga verlangt nicht etwa sportliche Höchstleistungen, sondern Konzentration und Balance.

Viele Leute schwören darauf, via Yoga neue Kraft zu schöpfen, während sie langsam übers Wasser gleiten. Wer sich von der Yoga-Tauglichkeit der Bretter überzeugen möchte, hat an immer mehr deutschen Gewässern die Möglichkeit dazu. Sei es am Starnberger See bei München oder am Unterberger See bei Düsseldorf – die Zahl der Orte, an denen Kurse für Stand Up Paddling Yoga angeboten werden, steigt rasant.

Kurz oder lang? Die Wahl des richtigen Brettes

Das Brett bildet die Basis der Stehpaddel-Ausrüstung. Demnach sollte man darauf achten, dass es auf die jeweilige Umgebung und die Beschaffenheit des eigenen Körpers abgestimmt ist. Es gibt kurze und vergleichsweise leichte Bretter, die nicht länger als zwei Meter sind. Es existieren aber auch Bretter mit einer Länge von fast vier Metern. Generell gilt: Je größer und dicker das Brett, desto eher ist es für längere Touren geeignet. Und desto mehr Gewicht hält es aus. Ein gut vier Meter langes Brett mit einer Dicke von 15 Zentimetern kann locker mit bis zu 150 Kilogramm belastet werden.

Mehr Flexibilität durch aufblasbare Bretter

Alternativ greifen Stand Up Paddler zu aufblasbaren Brettern. Diese werden auch als Air SUPs oder iSUP Boards („i“ für „inflatable“, also „aufblasbar“) bezeichnet. Der Vorteil eines aufblasbaren Brettes ist, dass sich der Transport viel einfacher gestaltet. Zusammengerollt kann das Brett durchaus in einem Rucksack verstaut werden. In den Kofferraum eines Autos passen gleich mehrere Bretter dieser Art. Aufblasbare Bretter besitzen starren Brettern gegenüber allerdings einen Nachteil. Aufgrund der geringeren Steifigkeit kann es zur sogenannten Verwringung des Brettkörpers kommen. Dies wirkt sich negativ auf Stromlinienförmigkeit und Geschwindigkeit aus.

Stand Up Paddling können hartgesottenen Wasserratten übrigens sogar im Winter ausüben. Wichtig ist, bei eisigen Temperaturen einen speziellen Trockenanzug zu tragen. Zwar wärmt auch ein Neoprenanzug den Körper im Winter ausreichend. Ein Trockenanzug gewährleistet allerdings noch mehr Bewegungsfreiheit. Und diese ist gerade dann, wenn die Strömung mal etwas stärker sein sollte, wahres Gold wert.

 

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Über den Autor

Niklas Nowak

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