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Rundrücken: Wie entsteht er und was kann man dagegen tun?

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Der sogenannte Rundrücken, fachsprachlich „Hyperkyphose“, ist eine weitverbreitete Haltungsschwäche und führt bei vielen Betroffenen zu Verspannungen und Schmerzen. Thomas Marx erklärt, wie der Brustkorb und die Sibson-Faszie die Körperhaltung beeinflussen können.

Was passiert bei einem Rundrücken?

Die verstärkte Krümmung der Brustwirbelsäule ist eine der meistverbreiteten Fehlstellungen. Fachlich wird sie als „Hyperkyphose“ bezeichnet, umgangssprachlich kennen die meisten Menschen sie unter dem Begriff „Rundrücken“ oder „Witwenbuckel“. Da in und unmittelbar um unsere Brustwirbelsäule herum lebensnotwendige Strukturen wie bedeutende Arterienstämme, Lymphgefäße, aber auch ein zentraler Teil des vegetativen Nervensystems verlaufen, kann eine Fehlhaltung Verspannungen und Schmerzen verursachen. Eine hyperkyphotische Haltung hat nicht zwingend eine schwache Rückenmuskulatur als Ursache, sondern kann auch von anderen Bereichen herrühren.

Warum bekommt man einen Rundrücken?

Eine Hyperkyphose bzw. Krümmung der oberen Wirbelsäule nach außen im Bereich der Brustwirbelsäule ist völlig normal und ist charakteristisch für die natürliche Form der Wirbelsäule. Wenn sich diese Krümmung aber so weit verstärkt, dass diese nicht mehr im Normbereich liegt, das heißt ab einem Winkel von 40°, spricht man von einer Hyperkyphose, dem umgangssprachlichen „Buckel“. Dabei wird die Krümmung der Wirbelsäule erfahrungsgemäß nach der sogenannten Cobb-Formel (nach John Robert Cobb) errechnet, die den seitlichen Krümmungsgrad der seitlichen Wirbelsäulenverkrümmung angibt: Anhand eines Röntgenbildes der Wirbelsäule werden zunächst der obere und untere Neutralwinkel ermittelt. Als Neutralwirbel werden diejenigen bezeichnet, die unmittelbar über und unter der kyphotischen Veränderung liegen, selbst aber noch nicht von dieser betroffen sind. Der Cobb-Winkel ist ein gängiges Verfahren in der Diagnostik und ein Maßstab für den Schweregrad der Wirbelsäulenerkrankung (eine Skoliose wird beispielsweise gleichermaßen diagnostiziert).

Kann ein Rundrücken wieder gerade werden?

Größtenteils werden die beiden Begriffe Kyphose und Hyperkyphose synonym verwendet und meinen in beiden Fällen gleichermaßen die krankhafte Veränderung des oberen Rückens. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen angeborenen oder erworbenen Hyperkyphosen. Bei der angeborenen Hyperkyphose sprechen Mediziner*innen von einer „kongenitalen Kyphose“. Meist aber entsteht eine Hyperkyphose im Laufe des Lebens, denn nicht wenige Betroffene sind 60 Jahre und älter. Zudem wird zwischen funktionellen und fixierten Hyperkyphosen unterschieden:

  • Eine funktionelle Hyperkyphose entsteht durch Fehlhaltung. Es mag auch sein, dass der Bereich der Brustwirbelsäule selbst gar nicht übermäßig verkrümmt oder verdreht ist, sondern andere Bereiche der Wirbelsäule die „Über-Krümmung“ der Brustwirbelsäule verursachen. Häufig ist die funktionelle Hyperkyphose auch muskulär-faszial begründet, was bedeutet, dass sie durch eine sehr hohe Spannung entsteht.
  • Eine fixierte Hyperkyphose ist eine feste Verformung der Wirbelsäule. Im Gegensatz zur funktionellen Kyphose liegen hier knöcherne Veränderungen vor. Diese knöchernen Veränderungen sind der Grund dafür, warum eine fixierte Kyphose nicht behoben werden kann – man kann aber etwas gegen begleitende Schmerzen tun.

Wie ist der Brustkorb aufgebaut?

Der Brustkorb, der sog. Thorax, besteht aus 12 Brustwirbeln, 12 Rippenpaaren und dem Brustbein (Sternum). Er ist ein elastisch-federndes System, das durch die zwischen den Rippen liegenden Muskeln bei der Atmung unterstützt. Eine weitere Funktion des knöchernen Thorax ist der Schutz der Organe, insbesondere des Herzens und der Lungenflügel, der Oberbauchorgane und der großen Gefäße. Außerdem fungiert der Brustkorb als knöchernes Widerlager, d.h. er nimmt u.a. Muskelkräfte als Gegenkraft auf, für das Zwerchfell: Dieses setzt am unteren Rand des Brustkorbs an und schafft damit eine wesentliche Voraussetzung für die Atmung. In Zusammenhang mit der menschlichen Atemtätigkeit spielen zudem die Rippen eine wichtige Rolle, da sie mit ihren Auf- und Abwärtsbewegungen ebenfalls das periodische Ausdehnen und Zusammenziehen der Lunge ermöglichen. Kurz: Der Thorax schützt die lebensnotwendigen Organe. Er ist eine meisterhafte Kombination aus dem Zusammenspiel von Gelenken, Muskulatur und Knorpeln und hat eine hohe Stabilität.

Die Faszien des Brustkorbs

Erst das Zusammenspiel aus Kopf-, Hals- und Rumpffaszien ermöglicht dem Brustkorb, all seiner Aufgaben Herr zu werden. Den Faszien, wie z. B. dem Rippenfell (dieses überzieht den innenliegenden Bereich der gesamten Rippen) oder dem Brustfell, kommt eine wesentliche Rolle beim Aufbau des Brustkorbs zu. Die Pleura (das Brustfell) wird in drei unterschiedliche Bereiche gegliedert:

  • Pleura visceralis (Lungenfell): Sie ist das innere Blatt der Pleura, das die beiden Lungenflügel umhüllt.
  • Pleura parietalis (Rippenfell): Sie ist das äußere Blatt der Pleura und kleidet die Brustkorbwand innen aus.
  • Cavitas pleuralis (Pleuraspalt): Sie liegt zwischen den beiden Pleurablättern. Dieser Spalt wird von der Pleuraflüssigkeit ausgefüllt.

Welche Rolle spielt die Sibson-Faszie bei einem Rundrücken?

Die Sibson-Faszie im Bereich des Brustkorbs trägt maßgeblich zur Stabilität des oberen Thorax bei. Sie beginnt in ihrem Verlauf an der sog. Pleurakuppel; diese liegt auf Höhe oberhalb der ersten Rippe und des Schlüsselbeins und verbindet diese miteinander. Von der ersten Rippe erstreckt sie sich hinunter bis zum Übergang zwischen Hals- und oberer Brustwirbelsäule und trägt dazu bei, dass der Herzbeutel eine stabile Aufhängung und Position erhält. Zusammenhängende Bänder, die das Herz mit der Halswirbelsäule, dem vorderen Brustbein und dem darunterliegenden Zwerchfell verbinden, sind elementar wichtig, um die Stabilität zu gewährleisten.

In diesem Bereich des Körpers kommt es zu sehr viel Druck und physiologischen Spannungen, die wir für die Funktionalität im Bereich des Übergangs zwischen Hals- und Brustwirbelsäule brauchen. Dieser Bereich zwischen Hals- und Brustwirbelsäule ist bei vielen Menschen durch starke muskuläre Verspannungen, häufig als „Hexenschüsse“ identifiziert, gekennzeichnet. In diesem Zusammenhang treten vegetative Zeichen wie Schwitzen, Nervosität und ein hoher Muskeltonus auf. Dies steht in Zusammenhang mit dem Sympathikus, auch als „Stressnerv“ bezeichnet, der entlang der Brustwirbelsäule verläuft.

Alltägliche Körperfunktionen, wie die Bewegung des Zwerchfells, haben entscheidenden Einfluss auf die Organbewegung und auf die Atmung, die Ausweitung der Lungen und die impulsiven Kontraktionen des Herzens. All diese Funktionen unterliegen einer harmonisch funktionierenden Gleitfähigkeit der diversen Faszien untereinander.

Welcher Sport hilft bei einem Rundrücken?

Die Sibson-Faszie muss den hohen Spannungsverhältnissen trotzen – eine schlechte Haltung durch immer wiederkehrende gleiche Bewegungsmuster, wie z. B. bei der Arbeit am PC, können die Spannungen am Übergang zwischen Hals- und Brustwirbelsäule in ein Ungleichgewicht bringen. Eine „Überkrümmung“ der Brustwirbelsäule führt dazu, dass sich enorme Spannungen im Verlauf der Sibson-Faszie verankern. Da diese dazu neigt, sich zu verkürzen, sorgen diese inneren Spannungen dafür, dass sich die Muskulatur im Bereich der Brustwirbelsäule kompensatorisch anspannen muss, um einer Verstärkung der Kyphose vorzubeugen: Das „Tauziehen“ im Bereich der Brustwirbelsäulenmuskulatur beginnt und aufgrund der inneren und äußeren Spannungsverhältnisse entsteht zusätzlicher Druck. Um diese Spannungen zu lösen, können Trainingsroutinen Abhilfe schaffen. Diese sorgen langfristig dafür, die Sibson-Faszie geschmeidig und unverkrampft zu halten und somit beispielsweise auch Hexenschüssen vorzubeugen.

Fazit

Erfahrungen aus der Physiotherapie und Osteopathie zeigen, dass hyperkyphotische Haltungen durch langes, häufiges Sitzen, Bewegungsmangel und einseitige Bewegungsabläufe begünstigt werden. Diese schlechten Bewegungsmuster sind fatal, denn unsere Faszien brauchen Bewegung! Die Sibson-Faszie nimmt eine wesentliche Rolle ein bei der Regulation des Spannungsverhältnisses im Übergang zwischen der Hals- und der Brustwirbelsäule (auch CTÜ genannt, kurz für cervikothorakaler Übergang). Denn die inneren hohen Spannungen, die u. a. von den Organ- und Zwerchfellbewegungen ausgelöst werden, nehmen Einfluss auf den CTÜ und führen zu Verspannungen, die sich in der Folge in Form von Schmerzen äußern können.

Ist die Sibson-Faszie überlastet, kann das zu Nacken– bzw. oberen Brustwirbelsäulenschmerzen führen. Eine „geschmeidige“ Sibson-Faszie trägt zu einer verbesserten Beweglichkeit des CTÜ bei und sorgt für ein homogenes Zusammenspiel der inneren Zugkräfte und Druckverhältnisse im oberen Brustkorb und der Brustwirbelsäule. Mobilisierende Übungen im Bereich der Brustwirbelsäule, der Halswirbelsäule und des Brustkorbs sollten daher zusammen mit Atemübungen in die alltägliche Routine übergehen. Die hier aufgeführten Übungen sorgen dafür, dass die Sibson-Faszie geschmeidig bleibt und der innere Druck herausgenommen wird.

Übungen zum Öffnen des Brustkorbs

Atme bei allen Übungsvarianten in der Zielposition achtmal tief ein und aus. Versuche, nach der Einatmung jeweils ca. 10 Sekunden innezuhalten und erst dann langsam auszuatmen.

Ansteuerung des unteren Zwerchfelldrittels

Strecke im Stand die komplette Wirbelsäule. Öffne den Brustkorb, indem du beide Arme seitlich bis zu 120 Grad abduzierst und nach außen drehst.

Ansteuerung von BWS und Zwerchfell

Strecke im Kniestand die Brustwirbelsäule im Bereich zwischen den Schulterblättern so weit wie möglich. Führe die oben beschriebene Abduktion der Arme durch.

Ansteuerung des oberen Brustbeins und der Sibson-Faszie

Der Rundrücken ist eine weitverbreitete Haltungsschwäche und führt oft zu Schmerzen. Alles über Entstehung und Therapie, inklusive Übungen.

Bewege im Kniestand den kompletten Rumpf nach hinten. Biege die Wirbelsäule so weit nach hinten, dass du mit beiden Händen die Fersen berühren kannst.

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AutorThomas Marx

Der Physiotherapeut, Osteopath, Kinderosteopath,Chiro- und Heilpraktiker ist Gründer, Erfinder und Geschäftsführer der TMX Trigger GmbH. Zudem ist er als Dozent an der Physiotherapieschule TOP Physio und an der SFO (Schule für Osteopathie) tätig.

www.tmx-trigger.de

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Über den Autor

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