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Laborparameter – Grundlage einer optimalen Ernährungsstrategie

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Die Auswertung von Blutbildern ist eine komplexe, aber interessante Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen körperlichen Symptomen und Blutwerten aufzudecken. Roy Epple erklärt, wie du die Laborparameter deiner Kunden richtig interpretieren und nutzen kannst.

Wieso sollten Laborparameter regelmäßig geprüft werden?

Blutwerte sind eine wichtige Komponente bei der Vorbeugung, Früherkennung und Heilung von Krankheiten. Mit ihrer Hilfe lassen sich Mangelzustände aufdecken und diverse Organfunktionen überprüfen, die mithilfe von Fragebögen oder Checkups nicht herausgefunden werden können. Für eine ganzheitliche Beratung sind die Werte der Laborparamter eine essenzielle Voraussetzung. Basierend auf den gewonnenen Messwerten werden dann Empfehlungen ausgesprochen hinsichtlich der Ernährung, geeigneter Nahrungsergänzungsmittel, des Lebensstils und des Ausmaßes körperlicher Aktivität.

Wann ist eine Supplementierung sinnvoll?

Zahlreiche Trainer empfehlen Nahrungsergänzungsmittel, obwohl der individuelle Messwert des Klienten gar nicht bekannt ist. Ohne das Wissen, ob überhaupt ein Mangel vorliegt, macht die Einnahme von Supplementen wenig Sinn. Genauso häufig wird jedoch auch behauptet, dass die zusätzliche Supplementierung von Vitaminen und Mineralien nicht notwendig sei.

Ob eine Supplementierung mit Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) notwendig ist oder nicht, hängt von vielen Faktoren ab. Beispielsweise die Aufnahme oder auch Resorption von Nährstoffen über den Verdauungstrakt, das Ausmaß körperlicher Aktivität, das tägliche Stresslevel, die Schlafqualität, die Ernährungsgewohnheiten und vieles mehr entscheiden über den Sinn und Zweck der Zufuhr von NEM.

Warum die Normwerte der Laborparameter nicht alles sind

Die Normwerte der Labore, die aus medizinischen, wissenschaftlichen und evidenzbasierten Erkenntnissen heraus festgelegt wurden, sollten immer kritisch betrachtet werden, denn die meisten Laborparameter stellen eine Momentaufnahme dar und unterliegen auch Tagessschwankungen. Außerdem ist es in manchen Fällen sinnvoll, zum Erlangen einer optimalen Gesundheit anstelle Versorgung manchen Normwert zeitweise auch zu unter- oder auch zu überschreiten. Da Normwerte Durchschnittswerte der nicht immer optimal versorgten Bevölkerung darstellen, müssen wir beim Auswerten und Interpretieren der Messwerte genauer hinsehen und nicht nur nach „normwertig“ beurteilen.

Für die Blutuntersuchung wird zwischen venösem, arteriellem und kapillarem Blut unterschieden. Das Kapillarblut (Ohrläppchen und Fingerkuppe) wird für Blutzucker- und Hämoglobinmessungen verwendet, das arterielle Blut dient der Bestimmung des pH-Wertes des Blutes und das venöse Blut ist das, das am häufigsten für Untersuchungen benötigt wird. Zusätzlich wird zwischen Serum, Plasma und Vollblut weiter differenziert. Zahlreiche Untersuchungen, wie beispielsweise über Mineralien, sollten im Vollblut und nicht im Serum vorgenommen werden, da sich im Serum nur ein sehr kleiner Teil der Mineralien wiederfindet.

Wieso sollte Magnesium supplementiert werden?

Das lebenswichtige Mineral Magnesium gehört heutzutage zu den häufigsten empfohlenen Nahrungsergänzungsmitteln in Deutschland. Viele Menschen haben einen Magnesiummangel durch ein erhöhtes Stresslevel, eine zu hohe Zufuhr von Alkohol und Softdrinks, ein hohes Sportpensum oder eine Malabsorption bedingt durch eine Dünndarminsuffizienz bzw. erhöhe Ausscheidung durch Diabetes mellitus. Dabei hat das Mineral wichtige Aufgaben: Unter anderem ist es als Co-Faktor an etwa 300 Stoffwechselprozessen und an der Erregungsübertragung zwischen Nerv und Muskel beteiligt, wirkt muskelentspannend, verbessert die Schlafqualität und die Regeneration, reduziert den Blutdruck und erhöht die Stresstoleranz.

Phytinsäuren oder auch Phytate sind pflanzeneigene Schutzmittel oder auch Pestizide. Die Pflanzen bilden diese bioaktiven Substanzen, um sich gegen den Verzehr durch Fressfeinde zu schützen. Eine zu hohe Zufuhr dieser Antinährstoffe durch Getreide, Hülsenfrüchte und Nüsse kann andere Mineralstoffe, wie zum Beispiel Magnesium, unlöslich machen und dadurch die Aufnahme verringern. Des Weiteren werden immer weniger Lebensmittel mit einem hohen Magnesiumgehalt gegessen. Hierzu zählen beispielsweise Haferflocken, grünes Gemüse, Nüsse, Sesamsamen, Amaranth, Quinoa, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte. Vollkorngetreide enthält zwar auch viel Magnesium, jedoch überwiegen hier die Nachteile von Lektinen und Phytinsäuren. Mögliche Symptome eines Magnesiummangels sind Muskelkrämpfe, Migräne, Müdigkeit, innere Unruhe, Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.

Am häufigsten wird Magnesium im Serum (i. S.) gemessen, obgleich der Messwert im Vollblut aussagekräftiger ist. Der Normwert in der Serummessung liegt bei 0,7–1,1 mmol/l oder 1,7–2,6 mg/ dl. Der Normwert bei der Vollblutmineralanalyse beträgt 30–40 mg/l. Damit die Zelldepots gut aufgefüllt sind und der Körper mit ausreichend Magnesium versorgt ist, sollte der Zielwert im Serum mindestens bei 0,9–1,1 mmol/l liegen.

Vorteile einer Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren

Ein weiterer interessanter Messwert ist die Fettsäurenanalyse oder auch der AA/EPA-Quotient. Das „AA“ steht für Arachidonsäure, die wichtigste entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäure. „EPA“ steht für Eicosapentaensäure, die wichtigste entzündungshemmende Omega-3-Fettsäure. Ein zu großes Ungleichgewicht in Richtung Omega-6-Fettsäuren kann chronische Entzündungen im Körper begünstigen. Das ideale Verhältnis der essenziellen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren beträgt 1:2,5 oder sogar 1:1. Der Laborparameter liegt bei 40- bis 80-jährigen Patienten meistens bei 1:10–15. Bei jüngeren Menschen soll der durchschnittliche AA/EPA-Quotient sogar noch höher liegen. Messergebnisse von über 1:30 sind bei Jugendlichen nicht ungewöhnlich, selbst Quotienten von 1:70 wurden beobachtet.

Je höher der AA/EPA-Quotient, desto höher ist auch das Risiko für stille und symptomatische Entzündungen. Ein ungünstiges Fettsäurenverhältnis kann Entzündungen begünstigen. In der Folge wird weniger effizient Körperfett abgebaut und schwieriger Muskulatur aufgebaut. Wer ohne eine Supplementierung von Fischöl & Co sein Omega-3-Index verbessern möchte, sollte bei der nachfolgenden Übersicht Lebensmittel mit einem hohen Omega-6-Gehalt reduzieren und Produkte, die reich an Omega-3 sind, vermehrt konsumieren.

Folgende Lebensmittel haben einen hohen Omega-6-Gehalt

  • Speiseöle, wie Sonnenblumen- und Distelöl,
  • Milch,
  • Getreide,
  • Fleisch/ Fisch/Meeresfrüchte in schlechter Qualität,
  • Erdnüsse, Hülsenfrüchte und Soja.

Einen hohen Omega-3-Gehalt haben

  • Fleisch/Fisch/Meeresfrüchte in guter Qualität,
  • Eier,
  • Avocado,
  • Walnussöl,
  • Nüsse (außer Erdnüsse),
  • Samen,
  • Leinöl,
  • Spinat,
  • Rosenkohl,
  • Algen.

Auch hier bringt eine Blutuntersuchung Klarheit darüber, ob eine Zufuhr mit Fisch- oder Algenöl notwendig ist.

Wie merkt man, dass die Schilddrüse nicht richtig funktioniert?

Die Gesundheit und Funktion der Schilddrüse ist mittlerweile bei vielen Menschen beeinträchtigt. Aktuellen Angaben zufolge, hat jeder dritte Deutsche eine Erkrankung der Schilddrüse. Diese ist für folgende Aufgaben zuständig: Steuerung der Hormone, Jodspeicherung, Steuerung und Regulierung des Grundumsatzes, des Stoffwechsels und der Körpertemperatur und Energieproduktion. Zudem hat sie Einfluss auf chemische Abläufe im Gehirn, welche die Emotionen beeinflussen.

Für die Beurteilung der Schilddrüsengesundheit werden idealerweise mehrere Blutparameter hinzugezogen. Hierzu zählen der TSH-, der fT3- und der fT4-Messwert. Der Hypothalamus setzt das Hormon Thryreotropin (TRH) frei und gibt der Hypophyse den Stimulus, die Schilddrüse mit dem Thryreoidea-stimulierenden Hormon (TSH) zu aktivieren. TSH regt in der Schilddrüse die Hormonproduktion T4 und T3 an. Nur etwa sieben Prozent von T3 werden direkt von der Schilddrüse freigesetzt. Der Rest ist T4, das zunächst in das bioaktive T3 umgewandelt werden muss. Der größte Anteil des T3 wird in der Leber zu der stoffwechselaktiven Form T4 umgewandelt. Das restliche T4 wird in den peripheren Geweben und von den Darmbakterien zu T3 umgewandelt. Daraus resultiert, dass die Gesundheit der Leber und des Darms eine wichtige Voraussetzung für die Funktion der Schilddrüse darstellt.

Welche Laborparameter indizieren eine beeinträchtigte Schilddrüsenfunktion?

Ein erhöhter TSH-Messwert tritt häufig bei einer Schilddrüsenunterfunktion auf. Die häufigsten Ursachen für eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) stellen Jodmangel und Hashimoto dar. Ein Mangel an Jod ist heute aufgrund von jodiertem Speisesalz geringer, dennoch ist die Zufuhr von Jod bei vielen Menschen immer noch nicht ausreichend. Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Jod sind Fisch, Meeresfrüchte, Schalentiere, Kiwis, Cranberries, Erdbeeren und tierische Produkte. Die Schilddrüse hat eine relativ lange Antwortzeit. So dauert es zirka vier bis sechs Wochen, bis ein hypothyreoter Patient, der medikamentös eingestellt ist, wieder normale TSH-Werte erreicht.

Die Ursache für eine eingeschränkte Funktion der Schilddrüse kann auch außerhalb der sogenannten HPT-Achse (Hypothalamic-Pituitary-Thyroid-Axis) zu finden sein. Die HPA-Achse (Hypothalamic-Pituitary-Adrenal-Axis) setzt das Stresshormon Cortisol frei. Eine zu hohe Konzentration an Cortisol hat einen hemmenden Einfluss auf die Schilddrüse und kann so unter Umständen eine Hypothyreose, also eine Schilddrüsenunterfunktion, hervorrufen. Wie hoch die Regulation der Jodaufnahme in der Schilddrüse ist, wird über den TSH-basal-Messwert dargestellt. Der Normbereich liegt bei 0,27–4,0 mU/l. Zechmann (2010) bezeichnet einen Messwert von größer 2,5–4 mU/l als subklinische Hypothyreose. Eine Herabsetzung des oberen Normwerts von 4 auf 2,5 mU/l wird diskutiert. Worin genau die Ursachen für Funktionseinschränkungen der Schilddrüse liegen, ist nicht so einfach zu beantworten. Damit die Schilddrüse optimal funktionieren kann, darf die HPA-Achse nicht zu aktiv sein (chronischer Stress) und ein weiterer Schilddrüsenwert reverse Triiodthyronin (rT3) sollte möglichst gering sein.

Der Blutwert rT3 ist eine biologisch unwirksame Form des fT3. Erhöhte rT3 Konzentrationen entstehen durch zu viel Stress, Niereninsuffizienz, Selen-Mangel, Entzündungen, Medikamente und Insulinresistenz. Eine weitere Ursache für eine Hypothyreose stellen Mangelerscheinungen wichtiger Co-Faktoren wie beispielsweise Tyrosin, Jod, Kupfer, B-Vitamine, Magnesium, Eisen, Zink, Selen, Vitamin A und Vitamin D dar. Die aufgeführten Co-Faktoren und ein geringer rT3 Messwert sind essentiell für die ausreichende Bildung der Schilddrüsenhormone.

Welche Laborparameter sollten regelmäßig gecheckt werden?

Bei der Zusammenarbeit mit meinen Klienten gehört die Blutanalyse bereits zum Check-Up mit dazu. Auffällige Laborparameter werden nach drei bis vier Monaten erneut bestimmt und wenn sich alle Blutwerte im Optimum befinden, wird ein erneutes großes Blutbild mit zusätzlichen individuellen Werten ein- bis zweimal pro Jahr interpretiert. Weitere, nicht routinemäßig bestimmte, Messwerte wie z. B. der Omega-3-Index, Magnesium, Vitamin D, TSH, fT3 und fT4 sollten zu der Bewertung des Gesundheitszustandes unserer Klienten hinzugenommen werden. Dadurch können geeignete Nahrungsergänzungsmittel bestimmt werden und die Auswahl der Lebensmittel, je nach Mangelerscheinung, angepasst werden.

Die Literaturangaben sind auf Anfrage beim Autor erhältlich.

Autor und Sportexperte: Roy Epple

Roy Epple ist seit über zehn Jahren hauptberuflich als Personal Trainer tätig. Sein Schwerpunkt ist die Betreuung von stark übergewichtigen Menschen und Personen mit Rückenbeschwerden. In seinen Seminaren referiert er u. a. über die Auswertung und Interpretation von Blutwerten.

personal-training-epple.de

Unser Tipp für alle Trainer: Das Trainermagazin

Diesen sowie weitere Artikel findest du in der TRAINER Ausgabe 05|2020

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