Das Piriformis-Syndrom: Eine moderne Krankheit im Porträt

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Ein Mensch zu sein kann schon Spaß machen. Es bringt aber auch ein ebenso banales wie großes Problem mit sich: Wir kennen unseren Körper kaum. Klar, wenn wir bluten, dann ist für uns offensichtlich, dass wir uns verletzt haben. Wenn uns schlecht wird, schließen wir daraus, dass wir uns ein Magen-Darm-Virus eingefangen haben. Aber, Hand aufs Herz, wer weiß beim Stichwort Piriformis-Syndrom sofort, worum es geht?

Krankheit einer modernen Gesellschaft: Das Piriformis-Syndrom

Das Piriformis-Syndrom steht stellvertretend für Leiden, mit denen eine moderne Gesellschaft zu kämpfen hat.

Piriformis-Syndrom

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Einerseits hat es mit langem und falschem Sitzen zu tun. Keine Seltenheit in Zeiten, in denen wir eher stundenlang im Büro sitzen, als in Fabriken zu arbeiten. Andererseits hat das Piriformis-Syndrom aber auch mit Sport zu tun. Auch kein rares Bild, in einer Gesellschaft, die vom Joggen übers Stand-up-Paddling bis hin zum Bouldern eifrig Freizeitsport treibt.

Was ist also nun das Piriformis-Syndrom? Warum leiden immer mehr Menschen darunter und wie lässt sich dagegen vorgehen? Hier finden Sie nun die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Leiden.

Sehnen und Muskeln verrichten Schwerstarbeit

Die Partie, die um Hüfte und Gesäß entlang sowie den Rücken hoch verläuft, ist besonders verletzungsanfällig. Dort treffen dutzende Muskeln, Sehnen und Knochen zusammen. Zu allem Überfluss sind diese teilweise auch noch schlecht geschützt. Bei nahezu allen unseren Aktivitäten sind diese Körperteile in Bewegung, und zwar häufig im Zusammenspiel mit Händen und Füßen. Ein schneller Richtungswechsel beim Fußballspielen, ein Sprint zur U-Bahn-Station – Sehnen und Muskeln verrichten Schwerstarbeit.

Je stabiler die Mitte, desto mehr Spaß an Bewegung

Nicht zuletzt deshalb sind Core-Training und Stabilisationsübungen so wichtig. Eine robuste und muskulöse Körpermitte ist hochgradig belastbar und geht, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht so schnell in die Knie. Und das gilt eben nicht nur für Hochleistungssportler sondern für jeden Menschen. Natürlich bewegt sich der eine mehr, der andere weniger. Aber bewegen tun wir uns letztendlich doch alle. Und wenn dies ohne Komplikationen abläuft, machen wir das besonders gern und möchten darauf auch nicht verzichten wollen.

Laufen ohne den Piriformis-Muskel: Ein Ding der Unmöglichkeit

Kaum zu glauben, aber wahr: Ohne Piriformis-Muskel könnten wir im Grunde gar nicht laufen. Insbesondere kommt er zum Einsatz, wenn wir unsere untere Körperhälfte bewegen. Man muss sich den Muskel als eine Art flaches Band vorstellen, das in jeder Gesäßbacke sitzt. Dort gewährleistet er Stabilität für das Hüftgelenk und ermöglicht es uns, die Oberschenkel anzuheben und zu drehen. Erst durch diese Stabilität und diesen motorischen Spielraum, ist es uns möglich, das Gleichgewicht zu behalten und das Gewicht vom einen auf den anderen Fuß zu verlagern.

Logische Konsequenz: Der Piriformis-Muskel kommt bei so gut wie allen Sportarten zum Einsatz. Tennis ohne Gewichtsverlagerung? Fußball ohne Drehen der Oberschenkel? Laufen ohne die Füße zu heben? Undenkbar.

Die Ursache des Piriformis-Syndroms

Konkret entsteht das Piriformis-Syndrom, wenn eine Quetschung im Bereich des Gesäßes vorliegt. Im Bereich von Hüfte und Gesäß ist es in unserem Körper, wie schon erwähnt, sehr eng. Die Nachbarn des Piriformis-Muskels sind der oberflächliche Gesäßnerv, der hintere Oberschenkelhautnerv und vor allem der Ischiasnerv. Der Piriformis-Muskel bedeckt den Ischiasnerv geradezu. Genau hier sitzt die Quelle des Piriformis-Syndrom: Der Piriformis-Muskel quetscht den Ischiasnerv ein.

Die Schmerzen strahlen häufig in andere Körperteile aus

Hier ist bewusst von einer Quelle die Rede. Denn ist die besagte Quetschung der Fall, konzentrieren sich die effektive dehnübungen gegen das piriformis-syndromSchmerzen in der Regel leider nicht auf eine Stelle. Der Ischiasnerv ist ein langer und dicker Nerv, der von der Lendenwirbelsäule mit kleinen Verzweigungen über die Waden bis hinunter in die Füße geht. Ergo strahlen die Schmerzen bei einem Piriformis-Syndrom häufig in andere Bereiche aus. Betroffen sind das Gesäß, der untere Rücken, Beine und Oberschenkel.

Ins Bein strahlen die Schmerzen in der Regel dann aus, wenn man sitzt. Zusätzlich treten bei Betroffenen häufig Taubheitsgefühle oder ein Kribbeln im Gesäß auf. Vereinzelt fühlt es sich auch so an, als würde jemand gegen die eigene Fußsohle piksen.

Typische Fehlbelastungen und andere Faktoren

Verspannungen und Reizungen am Piriformis-Muskel treten insbesondere, aber eben nicht nur durch Fehlbelastungen beim Joggen auf. Piriformis-Schmerzen sind manchmal nämlich auch das Resultat folgender Tätigkeiten:

  • eine ungewohnte und intensive körperliche Belastung, beispielsweise durch Gartenarbeit, Schneeschippen, Schlittschuhlaufen etc.
  • ein ständiges An- und Entspannen bestimmter Muskelgruppen beim Ausüben bestimmter Sportarten oder im Rahmen von Krafttraining
  • langes Stehen (Besuch eines Musikkonzerts oder Fußballstadion, Malerarbeiten etc.)
  • langes Sitzen am Arbeitsplatz oder im Auto

Wenn Sport zur Qual wird

Da der Muskel bei nahezu allen Sportarten von Wichtigkeit ist, treten Piriformis-Schmerzen natürlich auch im Rahmen von Belastungen während des Sports auf. Wenn zum Beispiel beim Treppensteigen oder Joggen Druck auf den Muskel ausgeübt wird, dann melden sich auch die Schmerzen. Sport ist dann mehr Qual als Spaß an Bewegung und Ausgleich zum Alltagsstress.

Die Diagnose beim Arzt: Information ist alles

Um ein Leiden akkurat zu behandeln, braucht man zunächst einmal was? Richtig, eine profunde Diagnose. Wenn Sie den Verdacht hegen, unter dem Piriformis-Syndrom zu leiden, sollten Sie sich beim Arzt dahingehend untersuchen lassen. Wichtig ist dabei auch das Gespräch. Je mehr Sie Ihrem Arzt über Ihren gesundheitlichen Zustand und Ihre körperliche Vorgeschichte verraten, desto genauer wird seine Diagnose ausfallen.

Typische Fragen, über die Sie sich am besten vorab Gedanken machen, sind die folgenden:

  • Wann traten die Schmerzen das erste Mal auf? Wie genau äußern sich die Schmerzen: Ist es eher ein Ziehen, ein Stechen oder ein unangenehmes Kribbeln?
  • Treiben Sie gern Sport? Wenn ja, welche Sportarten üben Sie häufig aus? Bei welchen Bewegungsabläufen während des Sports sind die Schmerzen am schlimmsten?
  • Verspüren Sie die Piriformis-Schmerzen auch im Sitzen?
  • Hatten Sie im Bereich der Hüfte und des Gesäßes schon mal ähnliche Probleme? Wurden Sie dort operiert oder besitzen künstliche Gelenke?
  • Welcher Arbeit gehen Sie nach? Sind Sie dabei körperlich stark gefordert oder verbringen Sie einen Großteil sitzend?

Es gibt keinen „Piriformis-Test“

Bei einigen Patienten ist der Piriformis-Muskel tatsächlich bereits so stark angespannt respektive schmerzempfindlich, dass der Arzt die Reizung ertasten kann. Dennoch ist die Diagnose eines Piriformis-Syndroms dadurch erschwert, dass es keine Standarddiagnose gibt. Es existiert, vereinfacht gesagt, kein „Piriformis-Test“.

Das Ausschließen anderer Leiden

Stattdessen wird Ihr Arzt sich der sogenannten Ausschlussdiagnose bedienen. Symptome eines Piriformis-Syndroms sind denen anderer Leiden an Hüfte und Gesäß nicht unähnlich. Ausschließen muss Ihr Arzt bei seiner Diagnose daher die folgenden Beschwerden:

  • eine Blockade des Iliosakralgelenks
  • eine Erkrankung des Hüftgelenks
  • ein Bandscheibenvorfall, ausgelöst durch eine Reizung des Ischiasnervs
  • Tumore im kleinen Becken
  • ein erhöhter Gelenkverschleiß an der Lendenwirbelsäule bzw. am Kreuzbein

Ist all dies nicht der Fall, ist davon auszugehen, dass Ihre Schmerzen auf ein Piriformis-Syndrom zurückzuführen sind. Eine zusätzliche Kernspintomographie sowie Röntgenaufnahmen können den Arzt dabei unterstützen, sich ein klares Bild von Ihren Beschwerden zu machen.

Therapiemöglichkeiten bei einem Piriformis-Syndrom

Genauso unterschiedlich, wie sich die Schmerzen eines Piriformis-Syndroms äußern können, lässt sich das Syndrom auch therapieren. Zunächst einmal gilt: Wenn die Schmerzen bei Ihnen erst seit Kurzem und sehr stark auftreten, dann ist für eine Weile all das zu vermeiden, was die Schmerzen auslöst. Heißt im Klartext: Bis auf weiteres kein Sport. Sofern die Schmerzen auch beim Sitzen auftreten, sollten Sie versuchen, eine möglichst angenehme Sitzposition zu finden.

Schmerzmittel und die Behandlung mit Kälte und Wärme

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Gerade bei einem Piriformis-Syndrom im Anfangsstadium ist es eine Überlegung wert, zumindest vorübergehend Arzneien zu sich zu nehmen. Das können Schmerzmittel wie Ibuprofen, aber auch Salben und Muskelrelaxanzien sein. Bei sehr starken Schmerzen können Sie Ihren Arzt auch fragen, ob er es für angemessen hält, Ihnen schmerzstillende Mittel zu spritzen.

Nicht nur zur Elimination der Schmerzen, sondern ebenfalls zu Ihrem Wohlbefinden, tragen Behandlungen mit Kälte und Wärme bei. Fangopackungen, Körnerkissen und Eisbeutel können Sie ganz einfach zu Hause vorbereiten und anwenden. Dies ist speziell dann sinnvoll, wenn Sie sich an jenem Tage viel bewegt haben und zur Ruhe kommen möchten.

Piriformis-Übungen: Druck verringern und Stabilität wiedererlangen

Auch das Stichwort Physiotherapie ist ein Thema. Spezielle Piriformis-Übungen, die Sie allein zu Hause und/oder unter Anleitung eines Physiotherapeuten ausführen, zielen auf gleich zwei Dinge ab.

Zum einen bewirkt eine Dehnung der umgebenden Muskulatur, dass sich der Druck auf den Ischiasnerv verringert. Zum anderen sorgen die Übungen dafür, dass Sie wieder ein Gefühl für eine „richtige“ Körperhaltung erlangen und sich schmerzfrei bewegen können. Schließlich ist in der Regel genau dies der Auslöser eines Piriformis-Syndrom: Dauerhafte und falsche Belastung beim Sport.

Letzter Ausweg: Eine Operation

Von Fall zu Fall kann bei einem lädierten Piriformis-Muskel eine Behandlung mit Ultraschallwellen eine sinnvolle Alternative darstellen. Vereinzelt ist der Muskel leider dermaßen beschädigt, dass nur noch ein operativer Eingriff helfen kann. Dabei durchtrennt der Arzt den betreffenden Muskel.

Zu häufige und zu starke Belastung

Es lässt sich nicht oft genug betonen: Ein Piriformis-Syndrom ist üblicherweise die Folge sportlicher Betätigung, die den Piriformis-Muskel zu häufig und zu stark belastet hat. Der ganz klassische Fall ist „falsches“ Joggen über einen langen Zeitraum, bei dem der Muskel zunehmend in Mitleidenschaft gezogen wird. Aber auch zahlreiche Ausfallschritte im Rahmen vom Volleyballspielen, Fußballspielen oder Gymnastikeinheiten können letztendlich in einem Piriformis-Syndrom resultieren.

Den Schmerzen richtig vorbeugen

Mit dem Sport aufhören sollte man deshalb allerdings mitnichten. Vielmehr sollte man sich während des Sports immer wieder bewusst machen, den Körper richtig einzusetzen. Und ihn nicht unnötig und dauerhaft einem Terrain auszusetzen, das ihn schädigt. Natürlich sind bei gewissen Sportarten, nehmen wir zum Beispiel den Fußball, gewisse Dinge nicht vorhersehbar: Ein Gegenspieler läuft mit vollem Tempo in Sie hinein, Sie treten unglücklich auf oder stoßen bei einem Zweikampf in der Luft mit jemandem zusammen.

So beugen Sie dem Piriformis-Syndrom vor

  • Großzügiges Aufwärmen ist das A und O. Einmal auf „Betriebstemperatur“ gebracht, sind Muskeln und Sehnen besser durchblutet und damit weniger verletzungsanfällig. Dies wirkt sich auf den gesamten Bewegungsablauf aus. Mit anderen Worten: „Wer warm ist, läuft rund“.
  • Wenn Sie gern Joggen gehen, wählen Sie am besten Strecken ohne Steigungen und unebene Böden. Die dabei nötigen Ausgleichsbewegungen und „harten“ Schritte sind Gift für Ihren Piriformis-Muskel. Der ideale Laufboden sind weiche (aber nicht „einsickernde“) Rasenoberflächen oder Tartanbahnen. Auch sehr gut: Waldböden. Denn sie bestehen in der Regel aus einem Gemisch aus Erde, Moos und Laub. Das macht sie sehr elastisch und freut die Gelenke.
  • Fragen Sie sich beim Laufen zwischendurch immer wieder selbst: Wie halte ich gerade eigentlich meinen Körper? Ist man bereits längere Zeit unterwegs, ist es nicht ungewöhnlich, dass der Körper schlaffer und krummer wird. Oft merkt man das gar nicht. Schieben Sie dieser Nachlässigkeit einen Riegel vor, indem Sie Ihren Körper aufrichten und wieder mit stabiler Haltung joggen.
  • Den Körper nicht hängen zu lassen bzw. nicht korrekte Haltungen einzunehmen, gilt natürlich auch bei Gymnastik- und Kraftübungen. Wer zum Beispiel beim Arbeiten mit der Kettlebell, bei Kniebeugen oder Liegestützen auf die Dauer inkorrekte Bewegungsabläufe vollführt, riskiert damit, dass der Piriformis-Muskel übermäßigen Reizungen ausgesetzt ist.
  • Wer die Intensität einer sportlichen Tätigkeit intensivieren möchte, tut dies im Idealfall langsam. Bedeutet: Beim Krafttraining nicht gleich zehn Kilogramm mehr draufpacken, sondern maximal ein oder zwei Kilogramm. Beim Joggen nicht gleich die doppelte Strecke laufen, sondern die übliche Lauftour bloß um 20 Minuten verlängern. Sportlicher Ehrgeiz ist viel wert und lobenswert – jedoch ist er fehl am Platz, wenn man durch die Intensivierung Raubbau am eigenen Körper betreibt.

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Über den Autor

Niklas Nowak

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