Der Aufbau der Hüfte: Anatomie, Muskeln, Funktion

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Die Hüfte ist eines der stärksten und stabilsten Gelenke des menschlichen Körpers und an fast allen alltäglichen Bewegungen beteiligt. Um typische Verletzungen und Beschwerden im Hüftgelenk besser zu verstehen, ist es wichtig die komplexe Anatomie und Physiologie des Hüftgelenks zu kennen.

Inhaltsverzeichnis

  • Wie ist die Hüfte aufgebaut?
  • Wie äußert sich eine Hüftdysplasie?
  • Welche Muskeln bewegen die Hüfte?
  • Welche Bewegungen macht der M. Glutaeus Maximus?
  • Welche Muskeln stabilisieren das Hüftgelenk?
  • Die globalen Stabilisatoren
  • Wie kann ich meine Hüfte entlasten?

Wie ist die Hüfte aufgebaut?

Die Hüfte ist eines der stärksten und stabilsten Gelenke. Erfahre alles über die komplexe Anatomie und Physiologie des Hüftgelenks.Das Hüftgelenk (Articulatio coxae) ist das proximale (zum Körper hin gelegene) Gelenk der unteren Extremität. Es ist eines der stärksten und stabilsten Gelenke des menschlichen Körpers. Da es ein Kugelgelenk ist, ermöglicht es Bewegungen in allen Ebenen (Adduktion und Abduktion, Extension und Flexion, Außen- und Innenrotation). Das Hüftgelenk ist sehr stabil. Denn der Gelenkkopf (Caput femoris) steckt tief in der Hüftpfanne (Acetabulum) und drei starke Bänder, die das Hüftgelenk umschließen, sichern das Gelenk. Die Gelenkpfanne umschließt außerdem einen verhältnismäßig großen Teil des Femurkopfes. Die Kontaktfläche wird durch die Gelenklippe (Labrum acetabulare), einen faserknorpeligen Ring, vergrößert und kann sich bei Bewegungen verformen und gleicht dadurch beim Gehen und Laufen Belastungen durch Unebenheiten des Untergrunds aus.

Es verfügt darüber hinaus über starke Muskeln, welche das Gelenk stabilisieren. Die drei starken Bänder sichern das Hüftgelenk in fast allen Positionen, nur bei der Flexion sind die Bänderrelativ schlaff. Wird das Bein jetzt noch adduziert (Sitzen mit übereinandergeschlagenen Beinen) kann es leicht zu einer Luxation kommen. Zum Beispiel wenn die lateralen (außen liegenden) Muskeln insuffizient sind und/oder eine Hüftdysplasie vorliegt. Die Extension wird durch die Bänder limitiert, vorne (ventral) dominieren die Bänder, die Muskeln sind weniger zahlreich, hinten (dorsal) dominieren starke Muskeln, die Bänder sind weniger relevant.

Wie äußert sich eine Hüftdysplasie?

Die Bänder verstärken die Gelenkkapsel (Capsula articularis) und bilden mit ihr eine funktionelle Einheit. Die Gelenkkapsel verfügt über viele Rezeptoren, die dem zentralen Nervensystem Informationen über Stellungen, Bewegungen und Abweichungen mitteilen. Der aufgerichtete Stand entspricht der Nullstellung im Gelenk, dabei ist der Femurkopf von der Pfanne nicht vollständig bedeckt (vordere und obere Fläche sind frei). Vollständige Flächendeckung besteht bei 90° Flexion mit leichter Außenrotation und Abduktion. Der Gelenkkopf ist komplett mit hyalinem Knorpel überzogen, der eine Dicke von ca. 2,5 mm aufweist.

Der Winkel zwischen Femurhals und Femurschaft wird als Kollodiaphysenwinkel (CCD-Winkel) bezeichnet. Bei Erwachsenen beträgt er ca. 125°. Abweichungen von 5– 10° sind nicht pathologisch. Ist der Winkel verkleinert, entsteht eine O-Bein-Stellung (Genu varum oder Coxa vara), ist er vergrößert, entsteht eine X-Bein-Stellung (Genu valgum oder Coxa valga). Diese wirken sich degenerativ auf Hüft- und Kniegelenk aus und belasten viele passive Strukturen unphysiologisch. Bei einer Coxa valga verringert sich der Kraftarm der Adduktoren, was zu einer Mehrbelastung von Teilen des hyalinen Gelenkknorpels führt; die Arthrosegefahr steigt. Bei einer Coxa vara verlängert sich der Kraftarm der Adduktoren, wodurch sich die Biegespannung im Femur erhöht. Die Druckkräfte im Gelenk werden geringer, das Arthroserisiko sinkt. Jedoch muss die erhöhte Biegespannung im Femur (Oberschenkelknochen) durch den M. tensor fasciae latae ausgeglichen werden.

Welche Muskeln bewegen die Hüfte?

Muskulär wird das Hüftgelenk vor allem durch die transversalen (querverlaufenden) Muskeln gesichert. Der M. piriformis und der M. obturatorius externus pressen dabei den Hüftkopf in die Gelenkpfanne. Eine weitere wichtige Rolle spielen die starken M. glutaeus medius und minimus, wobei der M. glutaeus medius deutlich dominiert.

Sie sichern den physiologischen Gang und verhindern ein Abkippen des Spielbeines beim Gang im Einbeinstand (dieses Abkippen im Spielbein wird auch als Trendelenburg-Gang oder Watschelgang bezeichnet). Dabei unsterstützt der M. tensor fasciae latae diese Funktion. Außerdem verhindert er zusammen mit dem lateralen Teil des M. glutaeus maximus hohe Biegespannungen im Oberschenkel (Zuggurtung). Beide dienen dazu, den Hüftkopf in die Pfanne zu pressen.

Welche Bewegungen macht der Glutaeus Maximus?

Der M. glutaeus maximus liegt dorsal (außen) und ist einer der stärten Muskeln in unserem Körper. Er verhindert Luxationen nach dorsal und streckt die Hüfte. Beispielsweise beim Aufstehen aus dem Sessel, Treppensteigen oder Anheben schwerer Gegenstände spielt er eine wesentliche Rolle (gute Übungen für das Training des M. glutaeus maximus sind: Kreuzheben, Kniebeugen, Ausfallschritt, Beinpresse, Squat). Die ebenfalls dorsal liegenden Mm. ischiocrurales (M. semimembranosus, M. semitendinosus, M. biceps femoris) sind ebenfalls starke Hüftstrecker. Ihre hüftstreckende Kraft hängt von der Knieposition ab. Da sie auch im Kniegelenk beugen, sind sie mit gestreckten Beinen, durch die bessere Vordehnung, stärker an der Streckung beteiligt, bei gebeugtem Knie verlieren sie an Hüftextensionskraft, da sie schon angenähert sind.

Der M. glutaeus maximus und die Adduktoren (M. pectineus, M. adductor longus, M. adductor brevis, M. gracilis, M. adductor magnus) sind relativ stark, sie sichern den aufrechten Gang und halten den Rumpf über dem Becken. Außerdem sind sie für die Sicherung der Beinachse mitverantwortlich. Die für den Alltag benötigten Winkelgrade liegen in etwa bei 120–125° Beugefähigkeit (z.B. beim Schuhebinden), sowie bei ca. 20° Abduktions- und Außenrotationsfähigkeit und einer leichten Extensionsfähigkeit. Die Beweglichkeit in den Gelenken lässt sich mit Hilfe von muskelfunktionsdiagnostischen Tests nach Janda oder Kendall ermitteln.

Welche Muskeln stabilisieren das Hüftgelenk?

Optimale Funktion und Kraft der lokalen Stabilisatoren haben einen wichtigen Einfluss auf die Stabilität des Hüftgelenkes. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe des Trainings, sie richtig zu fordern und zu belasten. Zu den lokalen Stabilisatoren zählen:

  • M. transversus abdominis
  • spinale Muskeln (Mm. multifidi)
  • Mm. rotatores Beckenboden
  • Zwerchfell
  • die hinteren Anteile des M. psoas major
  • quadratus lumborum

Diese Muskeln dienen der segmentalen (abschnittsmäßigen) Stabilisation und werden bewegungsunabhängig innerviert, also schon vor der Bewegung (dieses Prinzip wird auch als Feed-forward-Kontrolle bezeichnet). Diese Muskeln liegen drehachsennah. Da bei Hüftarthrosen auch die Lendenwirbelsäule in Mitleidenschaft gezogen worden sein kann, können diese Muskeln ihr typisches Innervationsmuster verlieren und nicht mehr vor der eigentlichen Bewegung stabilisieren. Dies führt dazu, dass weitere Probleme, Instabilität und Schmerzen in dieser Region entstehen können. Deshalb ist das Training dieser Muskeln ist sehr wichtig und eine Grundvoraussetzung für das Training mit Kunden und Patienten.

Die globalen Stabilisatoren

Zu den globalen Stabilisatoren zählen die von der Drehachse weiter entfernten Muskeln. Sie stabilisieren und bewegen und werden funktionsabhängig innerviert. Sie sind für große Kraftleistungen und Bewegungen nötig. Hierzu gehören:

  • M. obliquus externus abdominis,
  • der M. obliquus internus abdominis
  • M. rectus abdominis
  • der oberflächliche Teil des lumbalen Rückenstreckers

Die globalen Stabilisatoren sollte man erst nach den lokalen Stabilisatoren kräftigen, da sie ihre stabilisatorische Wirkung nur entfalten können, wenn eine lokale Stabilisation gegeben ist.

Wie kann ich meine Hüfte entlasten?

Die Druckbelastungsmessungen in der Literatur ergeben zum Teil unterschiedliche Ergebnisse. Doch zusammenfassend kann man folgende Druckkräfte im Gelenk annehmen:


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