Das Zentrale Nervensystem und die „Landkarten“ des Körpers

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Hast du regelmäßig Verspannungen, Rückenbeschwerden oder Schmerzen? Fühlst du dich steif und unbeweglich? Gibt es Bewegungen, die sich für dich unsicher und instabil anfühlen? Dann erfahre jetzt mehr über das zentrale Nervensystem und dessen Gefahrenmanagement.

Wie betreibt das zentrale Nervensystem (ZNS) Gefahrenmanagement?

mit diesen übungen lassen sich rückenschmerzen effektiv behandelnUnser Zentrales Nervensystem versucht in erster Linie uns zu schützen, daher möchte es möglichst immer genau vorhersehen, was in der näheren Zukunft passiert. Kann es keine gute Prognose erstellen und bewertet die Situation als potentiell gefährlich, wird es dich schützen – typischerweise über Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, einen hohen Muskeltonus, Verspannungen, Schwindel, Migräne u.Ä.

Auch wenn es zunächst paradox klingt – wir sollten für diese eher unangenehmen Erscheinungen dankbar sein, denn sie verdeutlichen: dein ZNS passt auf dich auf! Derartige Beschwerden sollten aber natürlich nicht chronisch werden.

Zur besseren Prognostizierung erstellt und verändert das ZNS auf Basis aller eingehenden Informationen non-stop „Landkarten“ von allen körperlichen Systemen – so weiß das Gehirn stets, wo es „langgehen“ soll. In unterschiedlichen Bereichen unseres Gehirns verfügen wir daher über teilweise mehrere und verschiedene Landkarten – zum Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Bewegen, Verdauen usw.

Anforderungen an das zentrale Nervensystem

Je nach Anforderungslevel werden die Karten regelmäßiger und detaillierter erstellt und erweitert – wenig geforderte Systeme büßen über die Zeit an Leistungsfähigkeit und Funktionalität ein, denn:

Der Körper spart alles ein, was nicht regelmäßig genutzt und gefordert wird, da die Erhaltung von Fähigkeiten immer Energie kostet und die gilt es evolutionsbedingt zu sparen. Viel Sitzen und geradeaus auf einen Bildschirm Schauen fördert unsere Karten also nicht!

Generell gilt: Je besser die Landkarten, desto besser und zuverlässiger kann unser ZNS prognostizieren, was als nächstes passiert und desto besser kann das potentielle Gefahrenlevel eingeschätzt und reduziert werden.

Welche praktische Relevanz hat das jetzt für meinen Alltag?

Um derartige Schutzsignale zu vermeiden, lohnt es sich, die verschiedenen Landkarten regelmäßig zu fördern und zu erweitern. Dafür ist neben dem grundsätzlichen Training verschiedener Fähigkeiten Vielfalt essentiell – Dinge immer gleich oder sehr ähnlich zu machen bringt uns nicht wirklich weiter!

Es reicht bspw. nicht aus, die „Bewegungs-Landkarten“ ausschließlich im Fitnessstudio an Geräten zu trainieren, weil dadurch unglaubliche viele Bewegungsanforderungen des dynamischen Alltags ausgespart werden. Das wäre, als würde man nur einen Buchstaben des Alphabets lernen und somit der Möglichkeit beraubt sein, die sprachlichen Fähigkeiten zu erweitern.

Vielfalt und Abwechslung sind die Basis für ein funktionierendes ZNS

Auch freie Fitnessübungen wie bspw. Kniebeugen stets auf ähnliche Weise auszuführen, schult immer nur dieses spezifische Bewegungsmuster und damit nur diese eine Bewegungs-Landkarte. Doch wie wir bereits festgestellt haben, besteht folgende Kausalität: Bessere Landkarten im Gehirn à mehr Sicherheit für das ZNS à weniger schutzbedingte Einschränkungen im Körper.

Bewegungs-Landkarten unterscheiden sich zudem je nach Körperposition und müssen daher spezifisch gefördert werden. Wenn du bspw. deine Brustwirbelsäule im Sitzen rotieren kannst, bedeutet dies nicht, dass du das auch im Stehen kannst.

Wenn du die Kniebeuge in einem klassischen Krafttrainingsetting (z.B. im Fitnessstudio) ausübst, unterscheidet sich diese Bewegungs-Landkarte von der einer in einem Sportsetting (z.B. beim Fussballspielen) angewandten Beugung des Knies.

Übungen des zentralen Nervensystems

Es bieten sich also unendlich viele Möglichkeiten an, die körpereigenen Landkarten zu trainieren – und das lohnt sich allemal, denn dein ZNS findet neue Reize immer interessant und passt sich somit viel eher neuen Anforderungen an.

In der Trainingspraxis bedeutet das für deine sogenannten Bewegungs-Landkarten:

  • Übungen über unterschiedliche Fuß-, Knie-, Arm-, Oberkörper-, Kopf- und/oder Blickpositionen variieren – bspw. bei Kniebeugen oder Ausfallschritten den Oberkörper rotiert und den Kopf zur Seite geneigt halte
  • Regelmäßiges Seitwärts- und Rückwärtslaufen mit unterschiedlichen Blickpositionen
  • Beim Gehen und/oder Laufen die Kopfposition variieren und nicht nur in Laufrichtung halten
  • Regelmäßiges peripheres Sehen und Wahrnehmen
  • uvm.

Je besser deine Landkarten, desto weniger schutzbedingte Einschränkungen durch dein ZNS und desto mehr Leistungsfähigkeit im Alltag.

Viel Spaß und Erfolg beim Variieren deines Trainings!

Autor: Yassin Jebrini, Sportwissenschaftler (M.A.), Personal- und Neuro-Athletik-Trainer in Köln

www.yassin-jebrini.de

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Quellen:

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Über den Autor

Yassin Jebrini

Yassin Jebrini ist Sportwissenschaftler (M.A.), Personal- und Neuro-Athletik-Trainer in Köln.

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