Anzeige

Anzeige

Athletiktraining im Profisport | Von Performance Coach Domenik Theodoro

0

Athletiktraining im Profisport: In vielen Sportarten entscheidet die körperliche Fitness über Sieg oder Niederlage. Daher sollten sowohl Mannschafts- als auch Individualsportler neben dem Training ihrer eigentlichen Sportart immer auch ein begleitendes Athletiktraining durchführen, um ein möglichst breites Spektrum an körperlicher Leistungsfähigkeit zu entwickeln. Von Domenik Theodoro, Performance Coach beim Basketballverein Brose Bamberg.

Denn nur dann kann das körperliche Potenzial mit den sportlichen Anforderungen möglichst lang aufrechterhalten werden. Performance Coach Domenik Theodorou vom Basketballverein Brose Bamberg gibt einen umfassenden Einblick in die Welt des Athletiktrainings und erklärt, worauf es beim täglichen Training mit Profisportlern besonders Ankommt.

Was versteht man unter Athletiktraining und welche Inhalte umfasst es?

Die wichtigsten Bestandteile in einem ganzheitlich geplanten Athletiktraining sind Krafttraining, Sprinten, Sprünge, Würfe, Mobilitätstraining und Ausdauertraining. Ich favorisiere die folgende Strukturierung der Inhalte zum Thema „Athletiktraining“:

  • etwas Schweres mit maximaler Intention heben (bspw. Kreuzheben)
  • etwas Leichtes so schnell wie möglich bewegen (bspw. Medizinbälle)
  • den eigenen Körper so schnell wie möglich bewegen (Sprinten)
  • man sollte Sprünge in seinem Training integrieren (Jumps, Hops, Bounds)
  • Gelenke aktiv in Extrempositionen bringen und die neuromuskuläre Kontrolle und Kraft in diesen Positionen verbessern
  • man sollte ein Ausdauertraining so gestalten, dass es den Anforderungen der jeweiligen Sportart oder Disziplin sehr nahe kommt.

Wer braucht ein Athletiktraining und welchen Nutzen hat es?

Jeder Mannschafts- oder Individualsportler sollte neben seiner Sportart oder neben seiner Disziplin ein begleitendes Athletiktraining absolvieren. Athletiktraining hat in erster Linie die Aufgabe, die sportartspezifische Leistungsfähigkeit zu maximieren – höher, schneller, weiter – und gleichzeitig die Auftretenswahrscheinlichkeit von Verletzungen zu reduzieren.

Dabei geht es aber nicht darum, sportartspezifische Bewegungen mit zusätzlichen Widerständen zu imitieren: Wer beim Basketball seine spezifischen technischen und taktischen Fähigkeiten verbessern möchte, der muss schon auf dem Basketballcourt mit dem Ball trainieren. In meinem Kontext arbeite ich überwiegend während der Saison mit dem Großteil der Spieler – in der Off-Season dagegen vielleicht mit maximal fünf Spielern.

Warum Athletiktraining?

Das Training während der Saison soll den Spielern dabei helfen, die Spielzeit möglichst verletzungsfrei zu überstehen. Wenn unser Headcoach am Spieltag alle Spieler zur Verfügung hat, haben wir eine dementsprechend höhere Siegeschance. Die Verfügbarkeit von Spielern steht im Profisport über allem. Ich kann natürlich nicht alle Verletzungen verhindern – Unfälle gehören leider auch zum Sport, ich muss und kann jedoch einen entscheidenden Beitrag zur Reduzierung von muskulären Verletzungen leisten.

Wie gestaltet man ein  Athletiktraining?

Ich versuche, das Athletiktraining so einfach wie möglich zu gestalten und mit den Spielern regelmäßig an den Grundlagen im Kraftraum zu arbeiten. Dabei ist es mir wichtig, ein globales Verständnis von jedem einzelnen Athleten zu haben und ihm dementsprechend individuelle Lösungen anzubieten.

Was ist die beste Lösung für den einzelnen Spieler im jeweiligen Moment?

Diese Frage stelle ich mir täglich. Bei der Auswahl der Übungen versuche ich, das Verhältnis von Risiko und Nutzen zu berücksichtigen. Am liebsten wähle ich einfache Übungen mit geringem Risiko und hohem Nutzen für den Athleten. Ich finde es wichtig, dass Spieler in der Lage sind, die Übungen auch ohne meine Anwesenheit durchzuführen.

In einem Podcast äußerte sich Simon Gavanda in Bezug auf Training einmal mit dem Spruch: „Stumpf ist Trumpf.“ Damit kann ich mich sehr gut anfreunden. Manchmal finde ich es schon fast peinlich, wie einfach mein Training konzipiert ist. (lacht) In der ohnehin begrenzten Zeit soll das Training nicht nur effektiv, sondern vor allem effizient sein und den Spieler befähigen, am Spieltag oder im nächsten Mannschaftstraining die bestmögliche Leistung abzurufen. Krafttraining darf dem Spieler keine Ressourcen rauben. Um hier die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen, geht es ganz viel um „Trial and Error“: die Dinge mit den Spielern ausprobieren und herausfinden, ob sie funktionieren oder nicht.

Was macht ein Athletiktrainer?

Als moderner Athletiktrainer im Profisport sollte man sehr viel Flexibilität mitbringen und sich über die Komplexität des Themas „Training“ bewusst sein. Wir bewegen uns auf einem Kontinuum und es gibt viele Methoden und Wege, die in der Zusammenarbeit mit Athleten funktionieren können. Jeder Athlet reagiert allerdings anders auf Training und ist daher individuell als Einzelfall zu betrachten.

Dabei geht es darum, mit dem jeweiligen Spieler Lösungen zu suchen, die für den einzelnen Athleten funktionieren, sich gut anfühlen und dazu führen, dass er sich auf dem Spielfeld oder im Mannschaftstraining besser fühlt. Zahlen im Kraftraum haben für mich nichts mit der Leistung eines Spielers auf dem Basketballfeld zu tun. Die Arbeit im Kraftraum soll den Spieler unterstützen und ihn nicht ermüden. Als guter Coach kenne ich meine Athleten und deren „Workload“, sodass ich die individuelle Belastbarkeit besser einschätzen kann.

Als Coach ist man außerdem immer größter Fan und Unterstützer seiner Mannschaft. Ich möchte bei jedem Spiel auf der Bank der lauteste Cheerleader in der Halle sein, da ich das Spiel ansonsten nur sehr wenig beeinflussen kann.

Warum ist Krafttraining so wichtig?

Mit regelmäßigem und progressivem Krafttraining können wir die physische Kapazität von Athleten so erhöhen, dass sie robuster werden und den Stress ihrer jeweiligen Sportart besser tolerieren können. Ich erzähle unseren Spielern sehr gerne von dem inversen Zusammenhang zwischen der Kraft und der Verletzungsrate. Je höher die Kraft, desto geringer die Verletzungswahrscheinlichkeit.

Stärkere Athleten können nicht nur große Sprünge in Trainingsvolumen besser tolerieren, sondern regenerieren zwischen den Trainingseinheiten oder Spielen auch schneller. Demnach können stärkere Athleten mehr sportartspezifisches Training mit höherer Qualität und Quantität durchführen und sind dadurch in einer vorteilhafteren Position, ihre technischen und taktischen Fähigkeiten zu verbessern. Stark sein macht dich also verletzungsresistenter und unterstützt die sportartspezifische Leistungsfähigkeit.

Wie sieht individualisiertes Krafttraining aus?

Zu Beginn meiner Zeit als Athletiktrainer habe ich das Krafttraining relativ strikt vorgegeben und dabei meine Übungsauswahl sicherlich auch an meinen Vorlieben orientiert. Davon ausgehend habe ich mich in den letzten drei Jahren weiterentwickelt. Ich gebe den Spielern Optionen bei der Auswahl ihrer Übungen. Mir ist es letztendlich egal, welche Variation des Kreuzhebens sie durchführen. Sie sollen sich für eine oder zwei Optionen entscheiden und im Verlauf der Saison in diesen Varianten besser werden. Das hört sich vielleicht ein bisschen danach an, als würde jeder Spieler bei uns im Kraftraum „sein eigenes Ding“ machen. So ist es natürlich nicht! Ich spreche immer von „Autonomie innerhalb einer Struktur“.

Die Struktur des Krafttrainings gebe ich vor, die Spieler dürfen ihre Vorlieben dabei aber gerne zum Ausdruck bringen. So haben sie ein gewisses Maß an Kontrolle, aber auch Eigenverantwortung. Es liegt in unserer Natur, dass wir lieber zwischen etwas auswählen, als etwas vorgeschrieben zu bekommen.

Die intrinsische Motivation

Auswahlmöglichkeiten können außerdem positive Erwartungen verstärken sowie die Selbstwirksamkeit und die intrinsische Motivation erhöhen: Die subjektive Erwartungshaltung eines Athleten ist maßgeblich an der Wirksamkeit verschiedener Interventionen beteiligt. Athleten, die davon überzeugt sind, dass eine bestimmte Methode oder Übung funktioniert, zeigen zudem eine höhere Compliance. Außerdem möchte ich eine Umgebung schaffen, in der Spieler sich wohlfühlen und in die sie gerne zurückkommen möchten.

Am Ende des Tages geht es nie um mich und meine Vorlieben, sondern immer nur um den Spieler und womit er sich am besten fühlt. Ich sehe mich daher eher als eine Art Guide und nicht als Coach, der sich durch sein Training profilieren möchte.

Was ist die größte Herausforderung in der Arbeit mit Profisportlern?

Eine meiner größten Herausforderungen in der Arbeit mit Profisportlern liegt darin, sie davon zu überzeugen, dass sie an ihrem Körper nur etwas ändern können, wenn sie regelmäßig trainieren. Man kann nur dann von seinem Körper eine Antwort in Form einer Anpassung erwarten, wenn das Signal regelmäßig, immer und immer wieder gesetzt wird. Eine Trainingsintervention lässt sich nur beurteilen, wenn man sie für eine bestimmte Zeit regelmäßig angewendet hat.

Hierzu passt mein absolutes Lieblingszitat: „If you aren’t consistent you can’t say it didn’t work.“ Leider wird immer noch angenommen, dass wir mit irgendwelchen Tricks oder sogar magischen Behandlungen belastungsresistenter werden. Wenn kein aktives Signal in Form von Training gesetzt wird, können wir auch keine Anpassung erwarten. Gerade nach muskulären Verletzungen darf man nach dem Wiedereinstieg in das Mannschaftstraining nicht mit dem Training der verletzten Struktur aufhören. Ganz im Gegenteil: Von jetzt an sollte man dieser Struktur fast täglich seine Aufmerksamkeit widmen.

Hier verstehe ich mich den Spielern gegenüber als „kleine Nervensäge“, weil ich sie täglich an genau diese Sachen erinnern muss. Eine vorherige Verletzung ist der größte Indikator für eine zukünftige Verletzung. Wie oben bereits erwähnt, geht es im Profisport in erster Linie immer um Verfügbarkeit. Daher ist es für mich sehr wichtig, Spielern dieses Bewusstsein zu vermitteln.

Welche Übungen sollte jeder Sportler machen, um seine Athletik zu verbessern?

Sprinten! Schnelle Athleten haben in Sportspielen immer einen Vorteil. Wenn wir nicht sprinten, werden wir auch nicht schneller. Sprinten ist die Aktivität mit den niedrigsten Bodenkontaktzeiten und den höchsten Bodenreaktionskräften. Oft wird angenommen, dass Athleten in ihrer jeweiligen Zielsportart bereits genug Sprinttraining durchführen. Dies ist aber ein Irrglaube.

Wenn wir schneller werden wollen, müssen wir mit maximaler Intention sprinten. Dies erreichen wir am besten, indem wir die Zeiten der Athleten mit einem Lichtschrankensystem messen. Meine Erfahrungen zeigen, dass Athleten dann besonders motiviert sind, weil sie sich mit ihren Mitspielern messen können. Mir als Coach geht es jedoch vielmehr darum, dass jeder einzelne Athlet seine eigenen Zeiten im Verlauf des Trainings verbessert. Ich lege sehr viel Wert darauf, das Sprinttraining progressiv aufzubauen und dem Athleten genug Zeit zwischen den Sätzen zu geben.

Eine gute Daumenregel ist: eine Minute Pause pro zehn Meter Sprint. Ich beginne mit einer Distanz von zehn Metern und baue diese im weiteren Verlauf bis 40 Meter aus. Ein weiterer Vorteil von regelmäßigem Sprinttraining liegt darin, dass Sprinten einen nicht nur schneller macht, sondern auch stärker.

Auch interessant: Bergsprints sorgen für mehr Kraft beim Laufen

Wie sieht effektives Athletiktraining aus?

Für mich geht es als Athletiktrainer nicht darum, das perfekte Programm im Kraftraum zu konzipieren. Vielmehr sollte man seinen Athleten ein Bewusstsein für die Themen „Training“ und „Lifestyle“ – Schlaf, Ernährung, Regeneration – vermitteln und ihnen dabei helfen, diese Dinge so zu verbessern, dass es sich positiv auf ihre Leistung in der jeweiligen Sportart auswirkt. Und das geht nur über die Kommunikation! Man muss Gespräche suchen, Fragen stellen, gut zuhören und dabei vor allem authentisch sein.

Ein Athlet wird seine Verhaltensweisen nicht verändern, wenn man ihm erzählt, dass mehr Schlaf wichtig für ihn ist. Man sollte es vielmehr über die emotionale Seite versuchen und dem Spieler Informationen im jeweiligen Kontext zur Verfügung stellen. Ich könnte beispielsweise über Studie XY berichten, die gezeigt hat, dass College-Basketballer mit mehr Schlaf ihre Trefferquoten bei Freiwürfen und Dreipunktewürfen verbessern konnten.

Diese Infos hätten für meine Umgebung Relevanz und machen den Spieler vielleicht neugierig, hier mehr Einzelheiten zu erfahren. Wenn man das geschafft hat und mit dem Spieler ein Gespräch begonnen hat, kann man mit Fakten kommen und das Thema rational vertiefen. Dabei kann ich natürlich auch über eigene Erfahrungen sprechen und dem Spieler signalisieren, dass ich mich damit bereits auseinandergesetzt habe.

Athletiktraining ist so viel mehr als nur Training

Das Thema „Athletiktraining“ ist so viel mehr als nur Training. Unsere Jungs sind an einem langen Tag vier bis fünf Stunden in der Halle. Die Zeit, die sie nicht in der Halle verbringen, und die Entscheidungen, die dort getroffen werden, sind meiner Ansicht nach fast schon wichtiger als die Trainingseinheiten in der Halle. Daher reicht der deutsche Begriff „Athletiktrainer“ auch einfach nicht aus, da er die Faktoren neben dem Training nicht inkludiert. Ich präferiere den Begriff „Performance Coach“. Training ist bei Weitem nicht das Einzige, wo wir einen Beitrag leisten können.

VIELEN DANK FÜR DAS INTERVIEW! Das Interview wurde geführt von Martina Zollner

Unser Tipp aus der Redaktion: An diesem Buch führt kein Weg vorbei!

Königin Kniebeuge – Krafttraining mit der Mutter aller Übungen

buchtipp hackenschmidt-kniebeuge richtig ausführenDie Kniebeuge ist die „Mutter aller Übungen“ und aus keinem Krafttraining wegzudenken. Dieses Buch hilft dabei, die Kniebeuge strukturiert und beschwerdefrei aufzubauen und die eigene Leistung oder die Leistung der Klienten zu verbessern. Die Inhalte beschäftigen sich nicht nur mit der Ausführung der Kniebeuge, sondern auch mit biomechanischen Aspekten und der langfristigen Programmplanung im Kontext von zusätzlichen Assistenzübungen.

So lernt man den Zugang zur Kniebeuge auch dann, wenn Einschränkungen in der Beweglichkeit und technische Defizite im Weg stehen. Patrick Meinart, Sportwissenschaftler und Trainingsexperte, erklärt detailliert mit einer Vielzahl von Beispielen die Welt der Squats. Er beschreibt, wie das Zusammenspiel von Biomechanik und individueller Anatomie die Kniebeuge in ihren vielfältigen Variationen beeinflussen kann.

Dabei legt er nicht nur Wert auf die technischen Komponenten, sondern räumt auch mit Mythen auf, wonach tiefe Kniebeugen schlecht für die Knie wären und zu Rückenschmerzen führen können.

Das Buch können Sie z.B. hier bei Amazon bestellen

Teilen

Über den Autor

Trainingsworld

Leave A Reply

Datenschutz
, Inhaber: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.
Datenschutz
, Inhaber: (Firmensitz: Deutschland), verarbeitet zum Betrieb dieser Website personenbezogene Daten nur im technisch unbedingt notwendigen Umfang. Alle Details dazu in der Datenschutzerklärung.