Krampfadern: Ursachen, Vorbeugung und Behandlungsmethoden

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„Krampf“ ist ja schon ein unschönes Wort. Aber wenn dann auch noch das Wort „Ader“ dazu kommt, wird es richtig unangenehm. Krampfadern lassen sich in Deutschland ohne Untertreibung als Volkskrankheit bezeichnen. Knapp ein Viertel aller Erwachsenen hat hierzulande unter Krampfadern zu leiden.

Aber was sind Krampfadern eigentlich genau? In der Medizin bezeichnet man Krampfadern auch als Varizen. Bei ihnen handelt es sich um geweitete Venen. Diese stechen mehr oder weniger sichtbar hervor und es zeichnen sich Verästelungen ab. Mediziner sprechen dann von einem Venenleiden oder, noch ein Fremdwort, einer sogenannten Varikose.

Primäre und sekundäre Krampfadern

Bei Varizen ist zwischen zwei unterschiedlichen Typen zu unterscheiden: Primäre und sekundäre Varizen. Bei primären Varizen sind die Varizen gleichzeitig die ursprüngliche Krankheit. Sekundäre Varizen sind dagegen die Folge einer anderen Krankheit.

In einem Großteil der Fälle handelt es sich um primäre Krampfadern. Das Interessante ist, dass meist nicht geklärt werden kann, welche Ursachen primäre Krampfadern genau haben. Üblicherweise ist der Grund ein schwaches Bindegewebe. Ein solches kann sich mit dem Alter entwickeln, kann aber auch angeboren sein. Aufgrund des schwachen Bindegewebes schließen die Klappen in den Venen nicht mehr ordnungsgemäß. Das Blut staut sich und die Venen dehnen sich aus. Dann sieht man sie, die Krampfadern.

Der Dominoeffekt: Mehr Druck, mehr Probleme

Dieses Problem führt häufig zu weiteren Problemen, sodass in gewisser Art ein Dominoeffekt einsetzt. Dieser führt dazu, dass…

  • …die gesteigerte Blutmenge in den ohnehin schon geweiteten Venen dafür sorgt, dass der Druck noch höher wird.
  • …weitere Venenklappen undicht werden und ihrer Funktion nicht mehr richtig nachkommen können.
  • …der gesteigerte Druck Flüssigkeit aus den Venen in das umliegende Gewebe presst. Das Resultat sind Ödeme, also Schwellungen.

Bei der anderen Art der Krampfadern, den sekundären Varizen, sieht es etwas anders aus. Sie hängen mit einer vorherigen Krankheit zusammen. Zum Beispiel mit einem Tumor oder einem Blutgerinnsel (auch bekannt als Thrombose). Durch eine Thrombose verschließt sich die Hauptvene am Bein, durch einen Tumor werden Venen im Bauchbereich zusammengedrückt. Der Körper versucht diese Umstände auszugleichen, indem er das Blut über andere Venen zum Herzen schickt. Ergo: Die Menge des durchfließenden Blutes in diesen Venen nimmt zu und sie weiten sich aus. Die Klappen können nicht mehr richtig schließen und – es kommt zu sekundären Varizen.

Mit Besenreisern fängt es an

Es gibt unterschiedliche Formen von Krampfadern. Einige sind mehr, andere weniger sichtbar. Zu den häufigsten Formen zählen die sogenannten Besenreiser und retikuläre Varizen. Diese bilden sich bei Betroffenen nicht selten schon im jungen Erwachsenenalter. Kleine Venen in der Haut, die nicht mehr als wenige Millimeter Durchmesser aufweisen, schimmern bläulich oder lilafarben durch die Haut. Besenreiser und retikuläre Varizen entstehen meist an den Knie-Innenseiten sowie an den Ober- und Unterschenkeln.

Solche vergleichsweise harmlosen Krampfadern haben keinen negativen Einfluss auf die Gesundheit. Sie stellen für die Betroffenen lediglich ein optisches Problem dar. Prekärer ist die Situation, wenn es zu einem ausgeprägten Krampfaderleiden kommt. Die Venen werden dann richtig knotig und dick. Schreitet dieses Leiden weiter voran, gesellen sich weitere Probleme hinzu:

  • Die Beine schwellen stark an, insbesondere im Bereich der Knöchel.
  • Die Betroffenen verspüren ein Druckgefühl und Juckreiz. Gelegentlich fühlt es sich auch an, als würde an den betroffenen Stellen eine enorme Hitze entstehen.
  • Nachts kommt es zu Wadenkrämpfen.
  • Die Beine fühlen sich generell schwer an, und zwar sowohl im Sitzen als auch im Stehen.
  • Es kommt zu entzündeten Venen oder Thrombosen.

Wer ist besonders gefährdet?

Es gibt bestimmte Personengruppen, bei denen das Krampfader-Risiko besonders hoch ist. Das gilt zum Beispiel für schwangere Frauen. Während der Schwangerschaft kann es zu hormonellen Umstellungen kommen, die die Bildung von Krampfadern (leider) begünstigen. Wer sich wenig bewegt und/oder übergewichtig ist, zählt ebenfalls zur Risikogruppe. Schließlich können auch einengende Kleidung und Berufe, bei denen man lange steht, dazu führen, dass sich Krampfadern bilden.

Es ist demnach ratsam, vorsorglich schon dann zum Arzt zu gehen, wenn man erste Anzeichen für Krampfadern erkennt. Bei der Diagnose der Varizen nimmt der Arzt zunächst üblicherweise eine physiologische Untersuchung vor. Dann befragt er den Patienten, ob es in der Familie weitere Menschen gibt, die unter Varizen leiden. Außerdem gibt es noch die Duplexuntersuchung und die Phlebographie, um Varizen zu diagnostizieren. Bei der Duplexuntersuchung bedient sich der Arzt eines Ultraschalls, sodass die erkrankten Venen farblich zu erkennen sind. Bei der Phlebographie werden die Venen geröntgt. Der Arzt verabreicht dabei ein jodhaltiges Kontrastmittel, damit die erkrankten Venen sichtbar werden.

Krampfadern können via kosmetischer Eingriffe entfernt werden. Besenreiser werden vergleichsweise unkompliziert verödet. Bei größeren Krampfadern kommt das sogenannte Stripping zum Einsatz. Beim Stripping werden die Krampfadern schlichtweg aus den Beinen herausgezogen. Immer häufiger wählen Betroffene jedoch eine Laserbehandlung. Hierbei werden die Venen mit elektromagnetischen Wellen von innen versiegelt.

Wer läuft, gewinnt: Ausdauersport als Vorbeugungsmaßnahme

Man kann selbst dazu beitragen, das Risiko eines Krampfaderleidens zu verringern. Die oberste Regel lautet: Körperliche Bewegung. Sehr empfehlenswert sind vor allen Dingen Ausdauersportarten. Also zum Beispiel Joggen, Schwimmen und Radfahren. Das ist darauf zurückzuführen, dass bei diesen Sportarten die sogenannte Muskelpumpe stark beansprucht wird. Bei Ausdauersport erfolgt ein steter Wechsel zwischen Ent- und Anspannung, insbesondere im Bereich der Wadenmuskeln. Das Blut wird immer wieder zwischen Herz und Venen hin- und hergepumpt.

Nicht minder empfehlenswert: Einfach mal die Füße hochlegen. Hochgelagerte Füße sorgen für ein Entstauen des Blutes in den Beinen. Ebenfalls sehr ratsam sind regelmäßige Wassergüsse. Das lässt sich relativ leicht in den Alltag integrieren: Beim Duschen für einen längeren Zeitraum kaltes Wasser über die Schenkel und Knie laufen lassen. Das regt Durchblutung und Kreislauf an. Man fühlt sich frisch und die Venen werden es einem danken.

Natürliche Helfer: Rosskastanien- und Traubenkernextrakt

Alternativ zu operativen Eingriffen existieren einige Mittel, die bei Varizen für Abhilfe sorgen können. Zum einen gibt es verschiedene Extrakte, die eingenommen werden können. Rosskastanienextrakt ist eines der besten natürlichen Mittel gegen Krampfadern. Rosskastanien enthalten einen sekundären Pflanzenstoff namens Aescin. Dieser hat gefäßschützende und entzündungshemmende Eigenschaften.

Auch in Traubenkernextrakt und Kiefernrindenextrakt sind sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die Besserung versprechen. Bei diesen sekundären Pflanzenstoffen handelt es sich um Proanthocyanidine, kurz OPC. Vereinfacht ausgedrückt: OPC hat just dort einen positiven Effekt, wo kollagenreiches Bindegewebe neu aufgebaut werden muss. Jenes Bindegewebe befindet sich insbesondere in den Gefäßwänden der Venen.

Besagte Substanzen werden auch zu Salben und Gels weiterverarbeitet, um sie äußerlich anzuwenden. Oft sind Rosskastanienextrakt & Co. mit anderen Wirkstoffen kombiniert, um eine noch bessere Wirkung zu erzielen. Zu den am häufigsten gewählten Wirkstoffen zählen Latschenkiefer, Rosmarin und Arnika. Netter Nebeneffekt: Die Salben riechen angenehm und haben eine erfrischende Wirkung.

Ausgeprägte Varizen können Salben jedoch nicht verschwinden lassen, sondern maximal die Beschwerden lindern. Um Krampfadern auf natürlichem Wege zu behandeln, muss der Blutfluss von den erweiterten Venen in die tiefen Gefäße umgeleitet werden. Das kann gelingen, indem man spezielle Kompressionsstrümpfe anlegt. Solche Kompressionsstrümpfe kann der Arzt verschreiben. In der Regel übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für zwei Paar Kompressionsstrümpfe pro Jahr. Wichtig ist, dass vorab eine Vermessung der Beine erfolgt, damit die Strümpfe exakt auf den jeweiligen Körper abgestimmt sind.

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Über den Autor

Niklas Nowak

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