Das Impingement-Syndrom: Schulterschmerzen, Behandlung und Therapie

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Im Laufe eines Menschenlebens haben Gelenke Höchstarbeit zu verrichten. Sie werden gedreht, gestreckt und müssen mitunter schwere Lasten tragen. Kein Wunder, dass sie zu den Teilen des menschlichen Körpers zählen, die uns häufig mit Schmerzen quälen. Eine der unangenehmsten Gelenkerkrankungen ist das sogenannte Impingement-Syndrom. Was steckt hinter dieser Krankheit? Welche Gelenke können davon betroffen sein? Wie lässt es sich am besten behandeln?

Das Impingement-Syndrom: Vor allem die Schulter ist betroffen

Impingement ist ein englisches Wort und bedeutet auf Deutsch „Zusammenstoß“. Es wird hierzulande auch als Engpass-Syndrom bezeichnet. Das beschreibt das Krankheitsbild auch schon sehr genau. Der Raum im betreffenden Gelenk wird so klein, dass Sehnen eingeengt werden. Die Bewegung eines Gelenkes funktioniert also, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht mehr reibungslos, sondern ist von Schmerzen durch ein Aufeinanderstoßen der innen liegenden Gelenkteile gekennzeichnet.

Das Impingement-Syndrom kann theoretisch an jedem Gelenk auftreten. Tatsächlich sind aber meist entweder das Hüft- oder das Schultergelenk betroffen. Da ein Großteil der Impingement-Syndrom-Erkrankungen am Schultergelenk auftritt, soll hier nur kurz auf das Hüftgelenk eingegangen werden. Im Anfangsstadium treten die Schmerzen bloß gelegentlich auf und der Patient nimmt sie vielmehr als Leistenschmerzen wahr. Bei Bewegung werden die Schmerzen jedoch stärker und strahlen in den Oberschenkel aus. Wenn der Betroffene das angewinkelte Bein nach innen dreht, werden die Schmerzen meist noch größer.

Der wunde Punkt der Schulter: Die Supraspinatussehne

Im menschlichen Schulterbereich trifft, salopp gesagt, viel zusammen. Zum einen sind dies diverse Knochen wie das Schlüsselbein und der Oberarmknochen. Zum anderen sind es sogenannte Weichteile, also Muskeln, Sehnen, Bänder, die Gelenkkapsel und der Schleimbeutel. An der hinteren Seite deckt die sogenannte Rotatorenmanschette das Schultergelenk wie ein Dach ab. Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln. Diese vier Muskeln erstrecken sich vom Schulterblatt bis zum Oberarmknochen, wo sie mit ihren Sehnen „andocken“.

Und genau hier liegt einer der Punkte, der für das Impingement-Syndrom am anfälligsten ist. Eine der Sehnen, die Supraspinatussehne, verläuft nah unterhalb des Schulterdachs. Wenn sie eingeengt wird, entwickelt sich langsam das schmerzhafte Syndrom. Häufig kommt bei Betroffenen noch dazu, dass ein Knochen im Schulterbereich unvorteilhaft geformt ist oder ein Knochensporn vorliegt. Dies ist umso prekärer, da die Weichteile des Schultergelenks nur sehr sparsam geschützt sind. Im Bereich des Hüftgelenks befindet sich zum Beispiel viel mehr knöchernes Gewebe, das die dort liegenden Sehnen und Muskeln schützt.

Das Schultergelenk ist kaum durch Knochen geschützt © Anatomy Insider | shutterstock.com

Das Schultergelenk ist eines der beweglichsten unseres Körpers. Glücklicherweise, denn ohne es würden uns viele Aktivitäten verwehrt bleiben. Schon mal darüber nachgedacht, ohne das Schultergelenk den Hausputz zu erledigen, Gewichte zu stemmen oder sich nach dem Sport umzuziehen? Weil das Schultergelenk so beweglich und vergleichsweise wenig Schutz genießt, ist es aber auch recht verletzungsanfällig. Dies reicht vom einfachen „Ups, falsch bewegt“ bis hin zum Auskugeln der Schulter.

Wie entsteht das Impingement-Syndrom der Schulter?

Entstehen kann das Impingement-Syndrom auf unterschiedliche Art und Weise. In seltenen Fällen liegt beim Betroffenen von Natur aus ein so schmaler Gelenkspalt vor, dass die Teile im Innern aneinander reiben. Ein weiterer Auslöser besteht darin, dass sich Kalkfragmente in einer Sehne ablagern und langfristig ansammeln. Die häufigste Ursache ist leider auch die heimtückischste. Der Schmerz tritt hierbei nicht etwa plötzlich auf, sondern ist das Ergebnis einer jahrelangen Überbelastung. An einem Impingement-Syndrom erkranken zum Beispiel Tennisspieler, Handballer und Schwimmer. Es sind speziell Überkopfbewegungen, die dazu beitragen, dass sich ein Impingement-Syndrom entwickelt. Betroffen sind also zum Beispiel auch Maler oder Mechaniker, die ihre Arbeitsgeräte mit nach oben gestreckten Händen benutzen.

Bei den Betroffenen sind die Schmerzen besonders stark, wenn die Arme seitlich gehoben werden. Bei dieser Haltung ist der Raum unterhalb der Schulterdecke nämlich am kleinsten. Ergo müssen Sehnen, Bänder, Knochen & Co. in diesem Moment sehr wenig Platz untereinander aufteilen und „quetschen“ sich zusammen wie Japaner nach Feierabend im Zug.

Ein Impingement-Syndrom kann auch Folge einer Schleimbeutelentzündung sein. Der Schleimbeutel schwellt an und der Raum im Gelenk ist zusätzlich verengt. Wird das Impingement-Syndrom nicht erkannt, wird die Sehne fortwährend in Mitleidenschaft gezogen. Sie reibt immer weiter gegen das Schulterdach. Im schlimmsten Falle ereignet sich dies so lange, bis der Betroffene auch dann über Schmerzen klagt, wenn er sich nicht bewegt. Die Schulterschmerzen treten dann zum Beispiel nachts auf. Wird keine Behandlung eingeleitet, ist es eine fast schon automatische Reaktion, dass der Betroffene die Schulter immer weniger bewegt. Dies kann so weit gehen, dass eine sogenannte Frozen Shoulder entsteht.

Zu welchem Arzt bei Verdacht auf das Impingement-Syndrom?

Sofern Sie den Verdacht hegen, dass sich bei Ihnen ein Impingement-Syndrom entwickelt, sollten Sie einen Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie aufsuchen. Viele Menschen schwören darauf, zuerst zum eigenen Hausarzt zu gehen. Allerdings verfügt dieser nicht unbedingt über die Geräte, die im Rahmen einer eingehenden Schulteruntersuchung nötig sind.

Zunächst wird der Arzt versuchen, mittels eines Gesprächs mehr über Ihre Krankengeschichte und die Art des Schmerzes zu erfahren. Typische Fragen sind dann:

  • Inwiefern fühlen Sie sich am Schultergelenk eingeschränkt?
  • Werden die Schmerzen nachts stärker?
  • Verstärken sich die Schmerzen, wenn Sie sich auf eine Körperseite legen?
  • Handelt es sich um einen stumpfen Schmerz?
  • Gab es eine starke körperliche Belastung oder eine Verletzung, als die Schmerzen anfingen?
  • Welchen Beruf üben Sie aus?
  • Treiben Sie regelmäßig Sport und wenn ja, welchen?

Nach der Befragung wird der Arzt damit beginnen, Ihre Beweglichkeit zu prüfen. Unter anderem wird er Sie dabei bitten, Arme und Beine in bestimmte Positionen zu bringen (Anheben der Arme, Anwinkeln und seitliches Neigen der Beine etc.). Auch das Bewegen von Armen und Beinen gegen Widerstände, um deren Kraft zu messen, steht auf dem Untersuchungsprogramm.

Bildgebende Verfahren zur Untersuchung der Schulter

Grundsätzlich gibt es drei Verfahren, um das Schultergelenk mit elektronischen bzw. bildgebenden Verfahren genauer zu untersuchen.

Ultraschalluntersuchung (Sonografie)

Die Sonografie ist eine vergleichsweise unkomplizierte und kostengünstige Untersuchungsmethode und wird daher von Medizinern gern angewandt. Bei einer Sonografie können muskuläre Ausdünnungen erkannt und Flüssigkeitsansammlungen im Schleimbeutel nachgewiesen werden. Der Nachteil ist hierbei allerdings, dass das Knochengewebe nur unzureichend dargestellt wird. Eine Sonografie allein reicht also nicht aus, um ein eventuelles Impingement-Syndrom vollständig zu überprüfen.

Röntgenuntersuchung

Das Röntgen ist kostengünstig und meist die erste Wahl, die Mediziner bei einer eingehenden Überprüfung der Schulter anwenden. Der Vorteil des Röntgens ist, dass sich Veränderungen an der Knochenstruktur ganz genau erkennen und nachweisen lassen.

Kernspintomografie

Die Kernspintomografie ist die aufwendigste, aber vermutlich auch detaillierteste Untersuchungsmethode. Sie stellt nicht bloß die Weichteile dar, sondern auch Knorpel und Wulste an den Knochen. Gerade, wenn eine Operation nötig ist, ist eine Kernspintomografie geradezu ein Muss. Dank der übersichtlichen grafischen Darstellung kann der Arzt genau planen, wie er beim Eingriff vorgehen muss.

Gelenkspiegelung (Arthroskopie)

Eine Hybridform aus Untersuchung und Operation stellt die Arthroskopie dar. Mittels minimaler Schnitte führt der Arzt ein Arthroskop in das Gelenk ein und kann über einen Monitor betrachten, wie dieses von innen aussieht. Der große Vorteil: Wenn der Arzt Schädigungen am Gelenk erkennt, kann er sie in der Regel sofort behandeln. Dazu führt er, je nach Art der Schädigung, Fräsen, Messer oder Scheren ein. Damit kann er dann entzündetes Gewebe abtragen oder gerissene Sehnen wieder zusammennähen.

Behandlung und Therapie

Generell gilt natürlich: Je früher mit einer Behandlung begonnen wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung. Die Art der Behandlung hängt natürlich davon ab, wie weit die Degeneration der Schulter bereits fortgeschritten ist. Es ist wichtig, eine gesunde Mischung aus Regenerations- und Kräftigungsphasen zu finden.

Wie schon gesagt gibt es keine „pauschale“ Behandlungsmethode für ein Impingement-Syndrom, da jede Erkrankung andere Voraussetzungen mit sich bringt. Ihr Arzt wird nach der Untersuchung am besten beurteilen können, wie zu verfahren ist, um Ihre Schulterprobleme in den Griff zu bekommen.

Als Grundlage dienen meist nicht steroidale Antirheumatika, also Wirkstoffe wie Ibuprofen und Diclofenac. Sie hemmen den Schmerz und die Entzündungsreaktionen. Sie sind deshalb empfehlenswert, weil sie ganz einfach oral eingenommen werden können und über nur geringe Nebenwirkungen verfügen. Auch Kortison-Spritzen können bei der Behandlung der Entzündungen helfen. Ihr Arzt kann mehrere Spritzen in Abständen von einigen Tagen/Wochen verordnen. Die Behandlung mit Kortison-Spritzen ist allerdings aufgrund von Nebenwirkungen keine Methode, die langfristig eingesetzt werden sollte.

Physiotherapie: Stärkt die Muskelgruppen, hemmt die Entzündung

Mittels physiotherapeutischer Übungen kann das Impingement-Syndrom sehr gut behandelt werden. Die Übungen kräftigen nämlich nicht nur die Muskulatur, sondern sorgen im Idealfall auch dafür, dass das Syndrom nicht fortschreitet. Mittels des Aktivierens bestimmter Muskelpartien verringern sich der Hochstand des Oberarmkopfes und die Enge unter dem Schulterdach. Mit anderen Worten: Der Druck, der ansonsten immer wieder auf dem Gewebe lastet, wird reduziert, sodass auch die Entzündung zurückgeht.

Eine Physiotherapie kann die Schulterschmerzen lindern © Africa Studio | shutterstock.com

Wenn Sie Muskeln an der Rotatorenmanschette (die von hinten „abdeckenden“ Muskeln am Schulterblatt) aufbauen, verbessern sich Stabilität und Lage des Schultergelenks im Allgemeinen. Wichtig ist bei allen physiotherapeutischen Übungen, dass sie gewissenhaft ausgeführt werden. Wer sie falsch ausführt, erreicht nämlich nur das Gegenteil des eigentlichen Zweckes – und zwar, dass der Raum am Schultergelenk noch kleiner wird. Daher sollten die Übungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten durchgeführt bzw. erlernt werden. Wer nach einer gewissen Lernphase die Übungen verinnerlicht hat, kann sie in der Regel auch allein daheim ausführen.

Zusätzliche Schmerzlinderung: Kyro- und Stoßwellentherapie

Zusätzlich können mit bestimmten Methoden zwar nicht die eigentlichen Fehlstellungen bzw. Verengungen behoben, wohl aber die Schmerzen gelindert werden. Im Rahmen einer Kyrotherapie werden Kompressen und Bäder eingesetzt. Bei akuten Schmerzen ist Kühlung angesagt, bei chronischen Beschwerden dagegen Wärme. Solche Maßnahmen (Moorpackungen, Eis, heiße Kompressen etc.) zielen darauf ab, Flüssigkeitseinlagerungen und somit auch dort entstehende Schmerzen zu stoppen.

Zuletzt ist auch noch die sogenannte Stoßwellentherapie eine Möglichkeit, um das Impingement-Syndrom zu behandeln. Diese wird eigentlich bei Nierenerkrankungen eingesetzt, um verkalkte Nierensteine zu zertrümmern, damit sie ohne Operation eliminiert werden können. Um die Schulter per Stoßwellentherapie zu behandeln, wird der Schulterbereich zunächst lokal betäubt. Die Stoßwellen werden dann auf den entzündeten Punkt fokussiert. Dadurch weicht das Kalkgewebe auf und zersetzt sich. Dafür ist es allerdings notwendig, die Stoßwellentherapie mehrmals und in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Im Idealfall werden die Schmerzen dadurch so weit verringert, dass der Körper dazu fähig ist, im Rahmen der Physiotherapie fortgeschrittene Übungen zu absolvieren.

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Über den Autor

Niklas Nowak

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