Anzeige

Frühkindliche Reflexe als Grundlagen des Neurotrainings

0

Frühkindliche Reflexe: Der Grundstein für optimale Bewegungen und Bewegungsabläufe wird in unserer frühkindlichen Entwicklung gelegt. Markus Friedrich und Dr. Matthias Welker stellen die neuesten Erkenntnisse aus der Sportwissenschaft und der Medizin in Bezug auf frühkindliche Reflexmuster und deren Einfluss auf unsere Haltung, unsere Bewegungen und unsere Gangart und somit auf unsere Fitness und Athletik vor.

Warum verschwinden frühkindliche Reflexe?

Die frühkindliche Entwicklung ist maßgeblich für die motorische, neuronale, sensorische und sozioemotionale Reifung des menschlichen Gehirns verantwortlich. Durch sogenannte frühkindliche Reflexbewegungen, z.B. den Greif- oder den Landau-Reflex, die zum Teil bereits im Mutterleib beobachtet werden und spätestens mit dem dritten Lebensjahr integriert sein sollten – die Bewegungssteuerung ab diesem Zeitpunkt ist also komplett selbstständig regelbar und wird nicht mehr von noch hyperaktiven Reflexbewegungen dominiert –, entwickelt sich unser neuronales Netzwerk und bildet somit die Grundlage für unsere Haltung, Bewegung und Gangart.

Unsere frühkindliche motorische Entwicklung wird auch als genetischer Bewegungscode bezeichnet. Das bedeutet, dass die jeweiligen Schritte, die wir vom Fötus bis zum aufrechten Menschen durchlaufen, von Natur aus fest vorgegeben sind. Einfach ausgedrückt handelt es sich bei den frühkindlichen Reflexen also um unseren ersten „Fitnesstrainer“. Lange Zeit herrschte die Meinung vor, dass die frühkindlichen Reflexmuster nur in der frühkindlichen Phase aktiv sind und ab dem Zeitpunkt, wo wir laufen können, spätestens aber mit dem dritten Lebensjahr „verschwunden“ sind. Dies ist leider nicht der Fall.

Welche verschiedenen Reflexarten gibt es?

Zum besseren Verständnis gehen wir hier kurz auf die verschiedenen Reflexarten ein.

  • Zum einen gibt es überlebensnotwendige vegetative Reflexe (Saugreflex) und Reflexe, die ein Leben lang erhalten bleiben (Atemschutzreflex, Schluckreflex).
  • Dann gibt es unsere posturalen Haltungs- und Stellreflexe, die unsere aufrechte Haltung und unsere automatisierten Bewegungsabläufe (z. B. das Gehen und das Autofahren) ermöglichen.
  • Und zu guter Letzt gibt es noch unsere temporären frühkindlichen Reflexe, die biologisch vorgesehen sind, jeweils eine oder mehrere bestimmte Aufgaben übernehmen und somit die Grundlage für unsere späteren, bewusst gesteuerten Fähigkeiten und Fertigkeiten bilden. Die Besonderheit dieser Reflexe ist, dass diese nur in unserer frühkindlichen Entwicklung aktiv und spätestens mit dem dritten Lebensjahr gehemmt sein sollten, damit sie später unsere körperlichen Bewegungen und kognitiven Fähigkeiten nicht mehr beeinflussen.

Was sind persistierende Reflexe?

In unserer frühkindlichen Entwicklung gibt es drei sensible Phasen: die Schwangerschaft, den Geburtsvorgang und das erste Lebensjahr des Neugeborenen. Gibt es Probleme in der Schwangerschaft – der Fötus wird nicht ausreichend über die Bewegungen der Mutter stimuliert, da diese während der Schwangerschaft viel liegen muss – oder Komplikationen bei der Geburt, bspw. Kaiserschnittgeburt oder Saugglocke, und greifen wir zu viel in die ersten Entwicklungsschritte unseres Babys ein, weil wir es „unterstützen“ wollen, greifen wir unweigerlich in den natürlichen Entwicklungsprozess des Fötus bzw. Neugeborenen ein. Dadurch können wichtige Schritte in unserem Entwicklungsprozess übersprungen, ausgelassen oder verzögert werden. Das führt dazu, dass unsere frühkindlichen Reflexe selbst nach dem dritten Lebensjahr hinaus noch aktiv bleiben.

Der Landau-Reflex

Am Beispiel des Landau-Reflexes werden die Bedeutung und die Aufgaben von frühkindlichen Reflexen und typische, mögliche Symptome bei persistierenden (noch aktiven) Reflexen erklärt. Der Landau-Reflex ist wichtig für die Aufrichtung des Körpers, die Streckung der Wirbelsäule und die damit einhergehende Entwicklung von Gleichgewicht, Tiefensensibilität und Raumorientierung. Die Atemexkursion und der Entdeckerdrang heben den Oberkörper. Die Nacken- und die Beckenmuskeln arbeiten anfänglich synchron, sollten im Erwachsenenalter aber entkoppelt funktionieren können. Ziel ist die getrennte Anspannung von Rumpf- und Atemmuskulatur, sodass Rumpf- und Zwerchfellmuskulatur unabhängig agieren.

Mögliche Symptome eines persistierenden Landau-Reflexes:

  • Zehengänger
  • Schlechte Körper-/Sitzhaltung: Kopf und Blick eher nach unten gerichtet, dadurch Behinderung der Atmung
  • Probleme mit der Aufmerksamkeit und Konzentration
  • Knieschmerzen
  • Schlechte Körperkoordination
  • Schlechte Ausdauer
  • Magen-/Darmprobleme
  • Beine sehr angespannt und nach hinten gestreckt, hoher Muskeltonus in den Extensoren

Fazit: Frühkindliche Reflexe zur Bewegungsoptimierung nutzen

Um die motorische, neuronale, sensorische und sozioemotionale Reifung des menschlichen Gehirns zu verstehen, ist es unabdingbar, dass wir zukünftig den Blick auf unsere frühkindliche Entwicklung richten. Frühkindliche Reflexe bilden die Grundlage für die Entwicklung unserer Propriozeption und Tiefenwahrnehmung und somit für unsere Sinne und Sinneswahrnehmungen. Durch diesen ersten „Fitnesstrainer“ trainieren wir in unserem Entwicklungsprozess unsere visuellen, auditiven und alle weiteren sensorischen Fähigkeiten und Fertigkeiten.

Um Einschränkungen in diesen Bereichen dauerhaft zu beseitigen, müssen wir zurückschauen zu den Wurzeln. Das Ziel muss sein, körperliche Blockaden und Beschwerden mit den tatsächlichen Ursachen zu beseitigen. Durch die Integration frühkindlicher Reflexe gehen auch Sie zukünftig an den Kern von motorischen Problemen. Somit schaffen Sie ein neues Fundament lebenslang gesunder Bewegung und Bewegungsabläufe.

Unser Tipp aus der Redaktion

Die Fachzeitschrift body LIFE ist das führende Fachmagazin für Inhaber und Manager großer, mittlerer und kleiner Fitness-Anlagen jeglicher Art. Es enthält eine professionell abgestimmte Vielfalt an Artikeln versierter Fachautoren zu verschiedenen Themen:

  • Business & Best Practice
  • aktuelle und hilfreiche Informationen aus der Branche,
  • Infos über den Markt, über Produkte und Konzepte,
  • Medical Fitness
  • Training.

 

Die body LIFE gibt es seit über 30 Jahren. Seit jeher erfährt die body LIFE von ihrer treuen Leserschaft größte Aufmerksamkeit und höchsten Zuspruch.

JETZT MEHR ERFAHREN

Über die Autoren:

Markus Friedrich ist Diplom-Sportwissenschaftler, Deutschlands erster Sportomneologe und Trainer und Ausbilder der F&W Reflexintegration. Sein Bestreben ist es, Störungen im Bewegungsapparat und die damit verbundenen Syndrome mit der tatsächlichen Ursache zu beseitigen.

Dr. Matthias Welker ist Allgemein- und Orthomolekularmediziner; er ist Gründer und Entwickler der Medizinischen Omneologie sowie Ausbilder der F&W Reflexintegration. Mit seiner Erfahrung und seinen ganzheitlichen Methoden verhilft er Menschen zu mehr Gesundheit, Kraft und Freiheit.

www.fundw-reflexintegration.de

Teilen

Über den Autor

Trainingsworld

Leave A Reply