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Der Fersensporn – was ist das? Von Dr. Thomas Schneider

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Der Fersensporn ist, wie der Name aussagt, eine knöcherne, spornartige Ausziehung am Fersenbein, die beim jungen Erwachsenen noch nicht vorhanden ist, also immer erst nach Abschluss des Wachstums entsteht. Der Fersensporn findet sich bei etwa 10 Prozent der Bevölkerung; am häufigsten tritt er zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf.

Der Unterschied zwischen oberem und unterem Fersensporn

Man unterscheidet zwischen oberem und unterem Fersensporn. Der obere Fersensporn befindet sich im Ansatzbereich der Achillessehne, der untere Fersensporn tritt oberhalb des Ansatzes der sogenannten Plantarfaszie auf.

Doch gleich vorab sei gesagt: Der Fersensporn als Verkalkung des Sehnenansatzes ist meist nicht die Krankheitsursache.

Gängige »Mythen« zum Thema Fersensporn

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass ein Fersenschmerz durch den in das Gewebe stechenden, im Röntgen sichtbaren Fersensporn entsteht. Dies ist jedoch ein Mythos. Wir wissen schon seit vielen Jahren, dass viele Menschen einen Fersensporn entwickelt haben, aber nie Schmerzen verspüren. Trotzdem wird immer vom »(unteren) Fersensporn« gesprochen, und die Begriffe wie Fasciitis plantaris oder plantares Fersenschmerzsyndrom setzen sich nicht durch.

Ähnlich sieht es bei der oberen Fersenproblematik aus. Hier sieht man ebenfalls oft die Beschwerden im oberen Fersensporn, obwohl die Ansatzreizung und die Bursitis, also die Schleimbeutelentzündung, weit häufiger die Ursachen für Schmerzen und die Schwellung sind.

Fersensporn und Haglundferse

Nicht verwechselt werden sollte der obere Fersensporn außerdem mit Haglundferse: Bei der Haglundferse besteht nicht nur eine Entzündung des Achillessehnenansatzes am oberen Fersenbein, sondern zusätzlich eine knöcherne Vorwölbung des Fersenbeins an der Ansatzstelle der Sehne. Diese Vorwölbung verändert die Zugverhältnisse der Achillessehne am Fersenbein. Durch diesen veränderten Zug sowie durch den erhöhten Schuhdruck entsteht dann das schmerzhafte Haglund-Syndrom.

Trotz dieser Erkenntnisse sprechen viele Patienten und auch Ärzte nach wie vor vom Fersensporn und geben diesen Begriff auch als Suchbegriff bei Recherchen ein.

Die psychische Bedeutung des »Sporns«

Fersenerkrankungen gehen oft mit einer starken Einschränkung in allen Lebensbereichen einher. Gerade bei übergewichtigen Menschen ist der teilweise übersteigerte Aktivitätswunsch oft der Anfangspunkt ihrer Beschwerden. So erlebe ich in der Sprechstunde seit vielen Jahren immer wieder Patientinnen und Patienten, die sich zu einer konsequenten Gewichtsreduktion entschieden haben, diese aber ohne erhöhte Kalorienverbrennung nicht schaffen können.

Daher beginnen sie mit ungewohnten Aktivitäten. Oft geht das eine ganze Zeit lang gut, doch plötzlich verwehren die Fersenbeschwerden diesen sowieso schon schwierigen Weg zur Gewichtsreduktion. Die Schmerzen werden anfänglich ignoriert, und die frühen Warnsignale der Überlastung werden nicht respektiert – der Beginn einer Abwärtsspirale. Denn mit zunehmender Belastung nehmen auch die Beschwerden weiter zu. Oft werden die Leiden nicht in Zusammenhang mit der veränderten Lebensweise gebracht und daher ignoriert.

Erst bei chronischen Beschwerden – die oft schon länger als drei Monate anhalten – reagieren die Betroffenen auf die Symptome; zu diesem Zeitpunkt jedoch kann nur der Stopp der Belastung die Situation verbessern. Allerdings ist es genau das, was die Patienten nicht möchten und oft auch nicht verstehen können. Denn der Wunsch nach Bewegung zur Gewichtsreduktion ist groß. Der Hinweis auf eine Weichteilentzündung hinterlässt dann wenig Eindruck. Der Satz »Sie haben einen Fersensporn« kann da schon deutlich hilfreicher sein. Man kann sogar sagen: Er beeindruckt den wenig Einsichtigen deutlich stärker.

Was tun bei chronischen Fersenschmerzen?

Ähnlich ist die Situation bei Patienten mit chronischen Fersenschmerzen, die bereits zu massiven Einschränkungen im Alltagsleben und teilweise sogar zu längerer Arbeitsunfähigkeit geführt haben. Dass man von der Erkrankung beim unteren Fersenschmerz von außen nichts erkennen kann und beim oberen Fersenschmerz teilweise nur die Schwellung zu sehen ist, erschwert die Situation.

Die soziale Akzeptanz bei einem Knochenbruch oder bei einem Bänderriss ist häufig groß, denn sie sind durch Orthesen oder einen Gips klar sichtbar. Bei einem Fersenschmerz, der den Patienten immobil und bewegungseingeschränkt macht, ist dies jedoch nicht so, denn er ist nicht von außen sichtbar. Daher nutzt man auch hier veinfacht die Aussage »Ich habe einen Fersensporn«, um den Mitmenschen zu verstehen zu geben, dass etwas schmerzt und weg muss. Andere Erklärungen ermöglichen solch einfache Sinnzusammenhänge nicht.

Die langfristige Immobilität und Einschränkungen ohne wirklich äußerlich sichtbare Veränderungen lassen gerade Übergewichtige faul erscheinen und machen die gesamte Lebenssituation extrem schwierig. Teilweise führt eine folgende Arbeitslosigkeit zu psychisch reaktiven Veränderungen wie Depressionen.

Diagnostik – die Ursache für die Fersenschmerzen finden

Durch den komplizierten Aufbau des Fußes gibt es, wie bereits erläutert, eine Vielzahl möglicher Ursachen für den Fersenschmerz. Diese gilt es zu prüfen und auszuschließen oder zu bestätigen, denn die korrekte Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung.

Selbstuntersuchung oder Arztbesuch?

Als Experte kann ich jedem Betroffenen nur dringend raten, bei Fersenschmerzen frühzeitig zu reagieren. Das Ignorieren des Schmerzes ist nicht geeignet, das Problem zu lösen. Dies ist meine langjährige Erfahrung im Team der MVZ Gelenk-Klinik Freiburg. Denn gerade chronisch gewordene Beschwerden beschäftigen uns häufig sehr langfristig und stellen Patienten und ihre Angehörigen auf eine Geduldsprobe, die eigentlich durch frühzeitiges, konsequentes Handeln zu verhindern gewesen wäre.

Die Unterscheidung verschiedener Ursachen und das Verständnis der unterschiedlichen Strukturen und deren Aufgabe beim Gehen und Stehen führen zu einer wichtigen Wahrnehmung der Problematik. Mit unserem Buchtipp möchten wir Ihnen Grundlagenwissen vermitteln und Ihnen ermöglichen, gängige Fersenschmerzen selbst zu erkennen und zu benennen.

Ursachen für Fersenschmerzen

Manchmal sind die Ursachen für Fersenschmerzen jedoch nicht eindeutig und können erst durch eine Vorstellung bei einem Arzt geklärt werden, der in einem kooperativen Netz verschiedene Möglichkeiten abklärt und eine entsprechende Therapieempfehlung gibt.

Denn ohne die richtige Diagnose kann man gerade bei länger anhaltenden Beschwerden kaum erfolgreich therapieren.

Welcher Arzt bei Fersensporn?

Patientinnen/Patienten sollten sich bei Fersenschmerzen erst einmal an ihre Hausärztin/ihren Hausarzt wenden. Weitere Untersuchungen erfolgen dann ggf. bei einer Fachärztin/einem Facharzt für Orthopädie oder einer Fachärztin/einem Facharzt für physikalische Medizin und allgemeine Rehabilitation. Aber auch Fuß- und Sprunggelenkschirurgen sind Spezialisten für Fersensporn.

Der Facharzt führt eine umfangreiche Anamnese durch, um die richtige Diagnose zu finden. Im Gespräch versucht der Arzt durch Fragen gezielt zu verstehen, wofür die Schmerzen, die Einschränkungen, die bisherigen Therapieversuche und entsprechende Erfolge und Misserfolge sprechen könnten. Denn jede Erkrankung hat eine etwas unterschiedliche Entstehung und äußert sich durch verschiedene Symptomatiken.

Mit diesen Fragen möchte der Arzt Informationen über Dauer und zeitliche Zusammenhänge, den Schmerzcharakter, eventuelle Veränderungen des Schmerzbildes oder auch bereits vorgenommene Therapiemaßnahmen erfahren. Zusätzlich wird eine klinische Untersuchung vorgenommen, bei der unter anderem die Haut des Fußes, die Stellung der Zehen sowie die Muskelausprägung und die Symmetrie genauer betrachtet werden.

MRT, Ultraschall und Röntgen bei Fersensporn

Die klinische Untersuchung ermöglicht die richtige Interpretation der Symptome. Sie gibt eine Empfehlung zum Einsatz bildgebender Verfahren, zu denen die Ultraschall- und die Röntgenuntersuchung oder auch die Magnetresonanztomografie (MRT, kurz auch MR) gehören. Erweitert werden kann die bildgebende Diagnostik durch eine orthopädische Bewegungs- und Ganganalyse.

Hierbei zeichnet man den Gang (auf dem Laufband) aufgezeichnet, was Fehlstellungen der Beinachse, Fußfehlstellungen, Beinlängenunterschiede oder Haltungsfehler aufdecken kann. Die Analyse des Gangbilds beziehungsweise des Bewegungsablaufs erlaubt eine ganzheitliche Abschätzung aller Aspekte, die die Bewegung beeinflussen: Knochen, Gelenke, Bänder, Muskeln und neurologische Koordination.

Welche Übungen bei Fersenschmerzen?

Effektive Dehnübungen bei Fersensporn und Achillessehnenentzündung finden Sie hier!

Haben Sie die Ursache für Ihre Fersenschmerzen herausgefunden oder vom Experten diagnostizieren lassen, können Sie mithilfe der Übungen in diesem Buch Abhilfe schaffen.

Autor: Dr. Thomas Schneider

Wenn die Ferse schmerzt

Einfache und effektive Übungen, um den Fersensporn selbst zu behandeln

diese übungen helfen gegen fersenschmerzJeder fünfte Deutsche hat im Lauf seines Lebens mit einem Fersensporn zu kämpfen. Die dornförmige Wucherung in der Ferse wird durch entzündete Sehnen im Fuß verursacht. Dies führt zu starken Schmerzen sowie Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats.

Damit nicht jeder Schritt zur Qual wird, stellt Dr. Thomas Schneider, Fußspezialist und leitender Chefarzt der Gelenk-Klinik Gundelfingen, Möglichkeiten zur Selbstbehandlung des Fersensporns vor. Zahlreiche Schritt-für-Schritt-Anleitungen zeigen, wie Betroffene mit Massagen, Dehn- und Kräftigungsübungen sowie Fußbädern die Beschwerden lindern und wieder schmerzfrei laufen können.

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Über den Autor

Trainingsworld

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