Sportverletzung: Achillodynie – Wenn die Achillessehne schmerzt

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Viele Läufer, aber auch Basketballer, Handballer oder Fußballer kennen das Problem: Die Achillessehne ist entzündet und schmerzt. Wie die Achillodynie entsteht und wie sie behandelt wird erklärt Angi Peukert.

Anatomie und Funktion

Die Achillessehne ist die kräftigste Sehne im ganzen Körper. Sie muss beim normalen Gehen allerdings auch die große Belastung vom 3- bis 4-fachen des Körpergewichts aushalten. Beim Laufen in einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h kommt es sogar zu einer 12-fachen Belastung des eigenen Körpergewichts. Da wundert es nicht, dass die Sehne des M. triceps surea stabil aus drei Muskelköpfen zusammensetzt ist – dem medialen und lateralen Kopf des M. gastrocnemius und dem M. soleus.

Der M. gastrocnemius hat seinen Ursprung oberhalb der Kniekehle an den beiden Kondylen des Oberschenkelknochens und ist mit der Kniegelenkskapsel verwachsen. Zusammen mit dem M. soleus und dem M. plantaris vereinigt er sich auf Höhe der Mitte des Unterschenkels, Ansatz der Sehne bildet der Clacaneus (das Fersenbein).

Die Aufgaben des M.triceps surea sind das Verhindern des Vorkippens des Körpers über das obere Sprunggelenk (OSG) nach ventral, der Zehenspitzenstand (Plantarflexion im OSG), sowie die Inversion des Fußes, neben der Stabilisation des Knies und der Kniebeugung.

Die Verwringung der Fasern der einzelnen Muskeln erzeugen unterschiedliche Durchmesser der Sehne beziehungsweise unterschiedliche Anfälligkeitsgrade. 2-6 cm oberhalb des Ansatzes ist die mit 1-2 cm Durchmesser dünnste Stelle, nach unten hin wird die Sehne wieder kräftiger.

Die Sehne ist umgeben von Sehnengleitgewebe. Genau wie die Bursen (Schleimbeutel) dient dies zum Schutz der Sehne vor mechanischen Belastungen. Eine befindet sich zwischen Clacaneus und Sehne und eine zwischen Sehne und Haut.

 

Was ist die Achillodynie eigentlich?

Bei der Achillodynie handelt es sich um einen Entzündungsprozess innerhalb des Sehnengleitgewebes, der darunterliegenden Schleimbeutel oder des Sehnenansatzes am Fersenbein. Besonders beim Laufen, wobei die Sehne sehr stark belastet wird, und bei Sportarten wie Handball, Basketball und Fußball, mit Wechseln von immer wiederkehrenden Lauf- und Sprungbelastungen, kommt es häufig zur Achillodynie.

Erste Anzeichen sind ein fersennaher Schmerz bei Belastungen, meist wird zunächst ein Anlaufschmerz zu Beginn des Trainings wahrgenommen bis dahin, dass auch während der Belastung und später auch im Ruhezustand Schmerzen auftreten. Hinzu kommt eine Verdickung und Druckempfindlichkeit. Ausserdem kann es zu einem Dehnschmerz der Wadenmuskulatur kommen, der zu einem erhöhten Tonus (Hypertonus) dieser Muskulatur führt, wodurch der Druck auf die Sehne stetig ansteigt.

(Eine andere Erkrankung ist die Plantare Fasciitis (Fersenschmerz): Meine Füße lassen mich nicht mehr im Stich – Was hilft gegen Fersenschmerz)

  

Wie kommt es zu dieser Überlastungsproblematik?

Es gibt unterschiedliche Faktoren, die zu einer Überlastungsproblematik führen können. Man unterscheidet zwischen intrinsichen (von innen kommende) und extrinischen (von außen einwirkende) Faktoren.

Zu den intrinsischen Faktoren zählen:

1. anatomische Beschaffenheiten wie die Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks – zu viel oder zu wenig Pronation.

2. Fehlstellungen wie der Pes cavus (Hohlfuß) und Beinlängendifferenzen, verminderte Kraft der Plantarflexion.

3. Vorverletzungen im Fußbereich, wie Inversionstraumata, der Hallux rigidus (Arthrose des Großzehengrundgelenks) und Chondropathien (Knorpelveränderungen) im Bereich des oberen und unteren Sprunggelenks.

4. Die physiologische Sehnenalterung, Geschlecht, Alter und Körpergewicht spielen genauso eine Rolle wie Stoffelwechselstörungen, z. B. Diabetes mellitus.

  

Der wohl schwerwiegendste extrinsische Faktor ist die zu hohe Belastung, welche entstehen kann, wenn die Trainingsintensität zu schnell gesteigert wird. Weitere Faktoren sind Technikfehler oder mangelnde Regeneration, schlechter Untergrund oder abgenutztes Schuhwerk, das nicht genügend Dämpfung und Unterstützung gewährleistet.

Degenerative Veränderungen können über längere Zeit ohne Symptome bestehen. Häufig handelt es sich um ein Mikrotrauma in nicht so stark durchbluteten Bereichen der Sehne, sodass eine verminderte Regenerationsfähigkeit hinzukommt.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

In der akuten Phase – in der die entzündlichen Faktoren wie beispielsweise Rötung, Schmerz und Schwellung dominieren – sollte die Belastungsreduktion im Vordergrund stehen. Eine sinnvolle Dehnung unterstützt die Reduktion. Zunächst sollte diese nicht so stark ausfallen, um die Symptomatik nicht zu verschlimmern.

Besonderer Fokus liegt dabei auf der Wadenmuskulatur. Sowohl die Dehnung des M. gastrocnemius (mit Kniestreckung), als auch des M. soleus (mit Kniebeugung) ist wichtig, aber auch die Hüftflexoren für eine volle Hüftstreckung dürfen nicht vernachlässigt werden. Wichtig sind auch die Zehenbeuger und die Plantaraponeurose, da einige ihrer Fasern mit der Achillessehne zusammenhängen. Circa 25 % der gewohnten Belastung sind freigegeben, besonders ein Ergometertraining sollte im Vordergrund stehen.

Ein wichtiger Teil der Behandlung dieser Sportverletzung ist die Versorgung mit Hilfsmitteln, wie beispielsweise Einlagen, um anatomische Fehlstellungen bzw. biomechanische Abweichungen wie Überbeweglichkeit in die Pronation zu limitieren. Manuelle Behandlung eingeschränkter Beweglichkeiten oder gar Immobilisationen gehören genauso zum Behandlungsbild, wie das Aufkräftigen der Muskulatur um den M. tibilais posterior, sowie der Glutealmuskulatur.

Zahlreiche Studien heben die Wirkung des exzentrischen Trainings des M. triceps surea hervor.

Ein zu früher Trainingsstart würde die Symptomatiken verstärken, daher ist es wichtig, dass erst nach Abklingen der akuten Phase mit dem Training begonnen wird. Mit einer Intensität von drei Serien á 15 Wiederholungen sollte auf einer Stufe geübt werden. Mit aufrechter Körperhaltung soll dort langsam die Ferse exzentrisch nach unten abgesenkt werden. Beim konzentrischen Rückweg darf abgestützt werden, beziehungsweise die komplette Beinmuskulatur genutzt werden. Anfangs darf die Übung 2-mal täglich ausgeführt werden, zum Ende hin wird sie auf 4 Mal gesteigert. Die Übung sollte sowohl mit gestrecktem als auch gebeugtem Knie durchgeführt werden.

Bei dieser Übung dürfen Schmerzen auftreten, allerdings sollte bei anderen Sportarten darauf geachtet werden, dass keine oder nur minimal Beschwerden auftreten. Um den Heilungsprozess auch in der therapiefreien Zeit zu unterstützen, wird die fächerförmige Kinesiotapeanlage genutzt. Haupteffekt davon ist die Schmerzlinderung, da durch die Anregung des Lymph- und Gefäßsystems eine verbesserte Zirkulation erreicht wird.

 

Angi Peukert

 

Quellenangabe

1. Hochschild, Jutta: Strukturen und Funktionen begreifen. Funktionelle Anatomie – Therapierelevante Details. Stuttgart: Thieme, 2002

2. Bant, Harald et al.: Sportphysiotherapie. Stuttgart: Thieme, 2011

3. Zalpour, Christoff: Anatomie Physiologie. 2. Auflage, München/Jena: Urban & Fischer

4. Diemer, Frank et al.: Praxis der medizinischen Trainingstherapie 1. Lendenwirbelsäule, Sakroiliakalgelenk und untere Extremität. 2. Auflage, Stuttgart: Thieme, 2011

5. Hüter-Becker, Antje et al.: Physiotherapie in der Orthopädie. 2. Auflage, Stuttgart: Thieme, 2009

6. Rothgangel, Andreas: „Die Achillesferse – Clinical Reasoning und evidenzbasierte Behandlung der Achilles-Tendopathie“. In: pt_Zeitschrift für Physiotherapeuten, 2008_60, S. 203- 208

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Über den Autor

Angi Peukert

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