Screenings und Diagnostik – Welchen Nutzen hat ein Testing?

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Screenings und Diagnostik sind für Trainer essenzielle Mittel, um ihre Trainingsplanung auf die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden abstimmen zu können und Erfolge messbar zu machen. Thomas Korompai erläutert die Must-haves, zeigt optionale Ergänzungen auf und gibt Tipps, worauf ihr verzichten könnt.

Die Vorteile eines Screenings

Es vergeht gefühlt keine Woche, ohne dass ein neuer Trend in die Welt des Personal- und Functional Trainings einzieht. In diesem Gewirr aus Möglichkeiten ist es die Aufgabe des Personal Trainers, den Fokus zu bewahren. Zunächst muss die Frage geklärt werden, warum eigentlich getestet wird. Werden Diagnostik und Screening gezielt dazu verwendet, die Potenziale des Klienten zu entdecken und zu fördern?

Oder ist ein Testing reiner Selbstzweck, um unsere Kompetenz unter Beweis zu stellen? Viele werden hier wohl sofort vehement den Kopf schütteln und verneinen. Meiner Erfahrung nach ist ein gutes Screening zu Beginn einer persönlichen Betreuung der wichtigste Termin von allen, denn dieser entfaltet auf vier Ebenen seine Kraft:

1. Fähigkeiten unter Beweis stellen

Der Coach gewinnt an Expertenstatus. Kommen alte Verletzungen oder andere Themen durch das geschulte Auge des Coaches zum Vorschein, die vielleicht in der vorangegangenen Anamnese verschwiegen wurden, ist das meist ein absolutes Aha-Erlebnis für den Kunden.

2. Das Verhältnis von Coach und Kunde stärken

Der Termin bietet Zeit, den Klienten wirklich kennenzulernen und ein tieferes Coach-Coachee-Verhältnis aufzubauen. Meiner Meinung nach dauert es ca. 120 Minuten, um ein effektives Screening durchzuführen. Davon nimmt sich der Coach ca. 20 Minuten Zeit, die bereits ausgefüllte Anamnese auf eine empathische und menschliche Art zu besprechen. Ziel ist, hier die ersten „Red Flags“ aufzuspüren. Im Anschluss hat der Coach ca. 70 Minuten für das gesamte Screening. Die letzten 30 Minuten dienen der Erläuterung der Ergebnisse und der Zusammenstellung einer auf diesen Informationen basierenden individuellen Coachingstrategie. Man erfährt dabei unglaublich viel über diesen Menschen und kreiert eine enge Bindung.

3. Screenings machen den Trainingserfolg messbar

Der Klient spürt, dass aus diesen Ergebnissen eine direkte Konsequenz im Sinne einer konkreten Maßnahme resultiert. Somit ist ein elementarer Tipp, wirklich nur das zu testen, was ich auch als Personal Coach in meinem Dienstleistungsportfolio habe. Es bringt beispielsweise nichts, Blutparameter anzufordern, wenn dies keine unmittelbare Konsequenz auf die Betreuung hat. Grundsätzlich sollte eine Diagnostik bzw. ein Screening in verschiedene Bereiche unterteilt werden. Dabei macht es aus meiner Sicht Sinn, zwischen dem biomechanischen Part und dem internistischen Part zu unterscheiden.

Weitere Möglichkeiten sind: Leistungstests oder auch Neurotests. Der biomechanische Part wiederum kann sich in den Functional Movement Screen, einen speziellen Range-of-Motion-Test sowie einen Palpationstest unterteilen. Der internistische Part ist aus meiner Sicht von zentraler Bedeutung, wird jedoch von vielen Personal Trainern außer Acht gelassen. Man muss bedenken, dass diese Tests von der Durchführung her kostenintensiv sein können. Es ist sehr wichtig, wirklich nur das zu testen, was auch im Betreuungskonzept darstellbar ist. Gerade den Cardioscan Checkpoint sehe ich in einigen Studios sehr kritisch, weil die dortigen Trainer keinerlei Expertise haben, um aus den umfangreichen Ergebnissen eine Konsequenz zu ziehen. Somit dient dieses Gerät dort meist nur als „Marketing-Tool“.

Zum Functional Movement Screen

4. Individuell angepasstes Coaching

Definition der weiteren Coachingmaßnahmen – sprich der individuelle Erfolgsweg des Kunden. Wenn ich all diese Daten gesammelt habe und weiß, wie hoch sowohl das zeitliche als auch das finanzielle Budget des Klienten ist, kann ich gezielt auf ihn eingehen. Ein wichtiges Credo dabei ist, so gut wie nie einen Klienten „nur“ mit Trainingsmaßnahmen aus diesem Screening-Termin zu entlassen. Es geht immer um holistische Maßnahmen.

In 9 von 10 Screenings sollte der Klient im Anschluss z.B. ein Ernährungscoaching und in einigen Fällen gleich dazu ein Coaching im mentalen Bereich erhalten. 8 von 10 Klienten wiederum sollten Nahrungsergänzungen bekommen, die auf sie zugeschnitten sind. Eben das individuelle Erfolgspaket. Das ist ungemein effektiv und effizient, da ich vom ersten Betreuungstag an den Klienten optimal versorgen kann. Es hilft natürlich auch meinem Business, da ich neben dem reinen Personal Training auch noch weitere Einkommensstränge generiere. Wir nennen das nicht Cross-Selling, sondern Cross-Coaching.

Welche Methoden der Screenings wann einsetzen?

Aus meiner Sicht macht es Sinn, den Bewegungs-Part mit FMS und ROM relativ schlank zu halten. Ich habe mich viel mit weiteren Tests wie dem SFMA und anderen beschäftigt. Dabei habe ich Folgendes bemerkt: Erstens, es bringt mir gefühlt nicht so viel mehr Nutzen an Erkenntnis – gemessen an der Zeit, die investiert werden muss. Und zweitens, der SFMA und andere weitere Tests sind derart komplex, dass ein Skalierungseffekt über 30 Personal Trainer für mich eine hohe Hürde darstellt.

Im internistischen Bereich ist meiner Meinung nach ein Ruhe-EKG ein absolutes Muss. Gerade in Zeiten von HIIT und anderen intensiven Methoden muss ich vorher abklären, ob der Klient belastbar ist oder nicht. Außerdem bieten die unterschiedlichen Systeme die Möglichkeit, näherungsweise die jeweiligen Herzfrequenzzonen zu ermitteln. Systeme wie z.B. OmegaWave oder Vitalmonitor gibt es schon sehr kostengünstig. Aus meiner Sicht macht ein Leistungstest zu Beginn wenig Sinn. Auch den Einsatz von Neuro-Tests sehe ich kritisch. Bei diesem Thema bin ich persönlich sehr konservativ und warte erst einmal ein paar weitere Studien ab, wie valide diese Tests wirklich sind.

Autor und Sportexperte: Thomas Korompai

Thomas Korompai ist studierter Sportwissenschaftler, „Myofascial Release Practitioner“, staatliche geprüfter Mental- und Resilienz-Coach sowie Ernährungsberater und Speaker. Er hat Erfahrung im Profisport und ist seit 2008 als Personal Trainer aktiv. 2010 eröffnete er in München den R1 Sportsclub, der über eine eigene Ausbildungsakademie verfügt.

www.r1-sportsclub.de

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