Freie Radikale im Organismus – benötigen Sportler AOV-Supplemente?

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Sie sind fast jedem bekannt – die Begriffe „freie Radikale“ und „Antioxidantien“. Doch was verbirgt sich genau hinter den zwei Fachausdrücken? Sind freie Radikale für Ihren Organismus wirklich so schädlich wie allgemein hin behauptet oder haben sie auch einen Nutzen?

Als exogene Quelle für freie Radikale und als Mitverursacher von oxidativem Stress gelten unter anderem extreme körperliche Belastungen wie sie im Leistungssport auftreten. Während dagegen moderates Sporttreiben von bis zu 5 Trainingseinheiten à 2 Stunden pro Woche als protektiv gegenüber freien Radikalen eingeschätzt wird. Benötigen ambitionierte Hobbysportler und Leistungssportler deshalb antioxidative Vitamine (AOV) in Form einer Nahrungsergänzung goder ist es ausreichend, auf eine abwechslungsreiche und ausgewogene Kost zu achten?

Unter freien Radikalen versteht man Abkömmlinge des Sauerstoffs, welche sich kaskadenartig im menschlichen Körper verbreiten. Sie sind hochreaktiv. Freie Radikale und reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies können dem Organismus von innen heraus Schaden zufügen, indem sie unter anderem auf zellulärer Ebene Mitochondrienmembranen und DNS zerstören. Außerdem entstehen sie als Abfallprodukt in der Atmungskette des Sauerstoffumsatzes.(1)

 

Quellen freier Radikale

Radikale entstehen entweder endogen, sprich in unserem Organismus, oder sie erreichen uns aus exogenen Quellen. Endogen entstehen freie Radikale beispielsweise wie bereits erwähnt bei der Reduktion des Sauerstoffs in den Mitochondrien. Dies gelingt nämlich nur zu etwa 98 %. Die unvollständig übertragenen Elektronen führen zur Bildung von reaktiven Sauerstoffverbindungen. Wasserstoffperoxid entsteht ebenfalls bei mehreren metabolischen Prozessen. Zu einem Anstieg von Sauerstoffradikalen kommt es auch bei verminderter Durchblutung eines Organs (z. B. während einer Operation oder eines Herzinfarkts). Exogene Quellen stellen Fehlernährung, Entzündungen, Traumen, Operationen, starke Stressbelastungen, Ozon, UV-Strahlung, Nikotin- und Alkoholabusus, Pestizid-, Blei- und Quecksilberbelastung dar.(2) Der Grund, warum auch Sportler zur Risikogruppe für oxidativen Stress zählen könnten erklärt sich folgendermaßen: Freie Radikale entstehen zum einen durch den erhöhten Sauerstoffumsatz in der Atmungskette, zum anderen durch sportbedingte Entzündungsreaktionen im Körper. Außerdem enthält die Atemluft aufgrund verschiedener Umwelteinflüsse (UV-Strahlung, Ozon, Umwelttoxine) Radikale, welche durch eine verstärkte Atemtätigkeit in Ihren Organismus gelangen.

 

Was sind Antioxidantien?

Es ist erwiesen, dass Antioxidantien dem oxidativen Schaden entgegenwirken und ihn verringern können, indem sie freie Radikale und reaktive Sauerstoffverbindungen neutralisieren und somit unschädlich machen. So gibt es auch hier körpereigene, endogene und exogene Antioxidantien. Sie stellen effiziente Instrumente dar, die schnell und gezielt überall da eingesetzt werden können, wo Reaktionen zu entgleisen drohen. Endogen verfügt Ihr Körper über hochpotente Enzyme, die die aggressiven Moleküle abfangen und neutralisieren. Außerdem ist er in der Lage Coenzym 10 zu synthetisieren. Es wirkt in den Zellen als potentielles Antioxidans. Exogene Antioxidantien sind Vitamin C, E und A, sowie beta-Carotin als Vorstufe von Vitamin A. Außerdem zählen sekundäre Pflanzenstoffe (z. B. Polyphenole) wie Flavonoide dazu. Durch die Kombination von endogenen und exogenen Antioxidantien ist der Organismus in der Regel gut gewappnet um freie Radikale in Schach zu halten und sich vor deren zelltoxischer Wirkung zu schützen.(2)

 

Oxidativer Stress

Von oxidativem Stress spricht man, wenn oxidative Prozesse überwiegen und mehr freie Radikale und reaktive Sauerstoff- und Stickstoffspezies anfallen als adäquat durch Antioxidantien neutralisiert werden können. Eine wachsende Zahl von Krankheiten (z. B. Krebs) wird heute mit oxidativem Stress in Zusammenhang gebracht, wobei die herausragende Bedeutung der Radikale für den Krankheitsprozess als gesichert gilt. Ihre ursächliche Rolle in der Entstehung einzelner Krankheiten ist allerdings noch in der Diskussion. Dem Gegenüber ist festzuhalten, dass freie Radikale jedoch auch einen Nutzen für Ihren Organismus haben können. Innerhalb der Immunabwehr des Körpers bilden Makrophagen und Phagozyten verschiedene Sauerstoffradikale als Abwehrreaktion gegen pathogene Mikroorganismen. Ein weiteres Beispiel stellt die unterchlorige Säure dar, die als ein starkes Oxidationsmittel eine Reihe von biologischen Molekülen wie Bakterienmembranen zerstören kann. Eine Störung dieser Reaktionen führt zu erhöhter, lebensbedrohlicher Infektionsanfälligkeit. Aus diesem Grund gilt es zu bedenken, das es nicht das Ziel sein kann, mit einer Supplementation durch Gabe hochdosierter Antioxidantien den freien Radikalen entgegenzuwirken. Dafür sind die genauen Wirkmechanismen und der Nutzen-Schädigungsgrad noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht.(1)

 

Fazit

Zur Prävention durch Antioxidantien lässt sich festhalten, dass eine ausgewogene Ernährung, die reich an Obst und Gemüse ist aber auch tierische Lebensmittel in ausreichender Menge enthält, im Kontext mit einem gesunden Lebensstil (nicht rauchen, wenig Alkohol) einen guten Schutz vor durch oxidativen Stress ausgelösten Erkrankungen darstellt. Supplemente mit Low-Level-AOV-Dosierungen im RDA-Bereich können die Basisernährung von Sportlern ergänzen, wenn schlechte oder unterkalorische Verpflegungsbedingungen vorliegen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird die schädigende Wirkung der freien Radikale beim Sport überschätzt. Es ist davon auszugehen, dass Sportler durch ihre zelluläre Anpassung an regelmäßig moderat erhöhte Konzentrationen von freien Radikalen in ihrem Stoffwechsel profitieren und so gegen oxidativen Stress weitestgehend geschützt sind.(3)

 

Gruppeantioxidantienreiche Lebensmittel
ObstKirschen, Pflaumen, Beeren (Heidelbeeren, Moosbeeren), Äpfel, Rotkohl, roter Rettich (Quelle für Flavonoide), Aprikosen und Pfirsiche (Quelle für Carotinoide), Zitronen, Orangen, andere Zitrusfrüchte, Johannisbeeren, Kiwis, Sanddorn (Quelle für Vitamin C)
Gemüseroter Rettich, Zwiebeln, Radieschen, Radicchio und Auberginen (Quelle für Flavonoide), Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen, Spinat (Quelle für Saponine), Knoblauch, Schalotten, Schnittlauch, Porree und Lauchzwiebeln, Tomaten (Quelle für Lykopin), Paprikaschoten, Brokkoli, Rosenkohl, Grünkohl, Karotten (Quelle für Carotinoide), Kartoffeln (Quelle für Vitamn C), Soja
Öle, Samen und NüsseÖlfrüchte, Nüsse, Mandeln, Weizenkeim-, Mais-, Sonnblumenkern-, Sojaöl, Kakaobohnen und Sonnenblumenkerne (Quelle für Vitamin E)
Getränkegrüner Tee, Traubensaft, Rotwein
SonstigesSenf

Tab. 1: Hitliste der antioxidantienreichen Lebensmittel(4)

 

Hanna Sandig

 

Weiterführende Artikel:

MCT-Fette und ihre Wirkung

Mineralreiche Ernährung im Laufsport

 

Quellenangaben: 

1. OM Zeitschrift für orthomolekulare Medizin (2006), Bd. 4 (3), S. 6–12

2. Schweizer Zeitschrift für Ernährungsmedizin (2010), Bd. 8 (5), S. 8–11

3. Schweizer Zeitschrift für Ernähungsmedizin (2010), Bd. 8 (4), S. 26–31

4. http://www.krebsgesellschaft.de/ernaehrung_antioxidantien,123917.html, Zugriff am 02.06.2011

 

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