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Sportmedizin: Der Tennisarm oder Tennisellbogen

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Die häufigste Erkrankung am Ellbogen ist die Epicondylitis radialis humeri, umgangssprachlich bekannt als Tennisellbogen. Die Hälfte aller Tennisspieler leiden unter den charakteristischen Schmerzen an der Ellbogenaußenseite. Allerdings sind nur 5 % aller Erkrankten wirklich Tennisspieler.

Die Erkrankung entsteht bei gebeugtem Ellbogen und einer Hand, die beispielsweise etwas festhält oder nach oben Richtung Decke in die Plantarflexion bewegen soll. Es entsteht eine Überlastung, da die Muskulatur nicht die benötigte Kraft aufbringen kann.

 

Wie ist der Ellbogen aufgebaut?

Der Ellbogen ist ein zusammengesetztes Gelenk aus 3 Teilgelenken, die über eine gemeinsame Gelenkkapsel verfügen.

Diese Teilgelenke bestehen aus dem Oberarmknochen (Humerus) und den beiden Unterarmknochen (Radius und Ulna). Jeder Knochen bildet mit jedem untereinander ein Gelenk. Mögliche Bewegungen sind Beugung und Streckung sowie Pronation und Supination, das Umeinanderdrehen der Unterarmknochen.

Einige Muskeln entspringen oberhalb der Schulter und ziehen über den Ellbogen, andere entspringen oberhalb des Ellbogens und ziehen bis in die Finger. Die Muskulatur, die die Finger in Streckung bringt, entspringt an der Ellbogen-Außenseite, oberhalb des Epicondylus humeri laterale. Durch diesen Vorsprung kann es zu Reibungen und Reizungen kommen.

Weitere Strukturen des Ellbogens sind Bänder, die seitliche Stabilität gewährleisten, aber auch den Radiuskopf an der Ulna fixieren. Dieses Ringband bildet einen Teil der Gelenkkapsel. Die Bandstrukturen sind sehr kräftig und führen das gesamte Gelenk.

Eine weitere wichtige Struktur sind die individuell gestalteten Schleimbeutel, die an den Stellen der höchsten mechanischen Belastung ein Schutzpolster bilden.

 

Wie kommt es zur Erkrankung?

Die Ursache der Erkrankung ist eine Überlastung der Streckmuskulatur des Handgelenks und der Finger. Zur Überlastung kommt es durch:

– falsche Haltung am Arbeitsplatz

– einseitige Beanspruchung

– Seitlage im Schlaf

– falsche Technik bei Aufschlagsportarten. (Verletzung im Tennis – der Tennisellbogen

 

Allgemein gesagt kommt es zur Überlastung, wenn der Ellbogen in Beugestellung ist und die Hand aktiv beispielsweise einen Schläger hält (im Tennis), auf der Tastatur getippt oder vermehrt eine Drehbewegung ausgeführt wird. Dadurch kommt es zu Rissbildungen innerhalb der Sehne und des Muskelgewebes. An den Rissstellen kann es trotz Verheilung erneut zu Rissen kommen, beziehungsweise kann sich dort rauhes, granulatartiges Gewebe mit Kalziumablagerungen bilden. Außerdem wird an den verletzten Stellen Eiweißcollagen freigesetzt, was zur Entzündung führt. Der erhöhte Druck schneidet die Blutzufuhr ab und führt zur Einklemmung der Nerven. Der radiale Nerv ist der wichtigste Nerv für die Steuerung der Hand- und Armmuskulatur. Das Sehnengewebe heilt nur sehr langsam, da weniger Sauerstoff- und Blutzufuhr als bei der Muskulatur vorhanden ist.

 

Wie äußert sich der Tennisellbogen?

Es kommt zu Schmerzen an der Ellbogenaußenseite. Gewöhnlich entsteht ein Druckschmerz und es kommt zu Verspannungen der Sehnen der Fingerstreckmuskulatur. Die Schmerzen können manchmal bis in den Unterarm und die Hand ausstrahlen. Die Streckung kann nur unter Schmerzen ausgeführt werden. Der akute Schmerz umfasst meist 6 Wochen, allerdings kann sich die Erkrankung auch nach 3 Wochen beendet sein oder mehrere Jahre anhalten. Besondere Vorsicht gilt bei Schwellungen, da diese auf Arthritis, Gicht oder ähnliches hinweisen können.

 

Wie therapiert man einen Tennisellbogen?

Zunächst sollte der Ellbogen ruhiggestellt werden, was im Arbeitsalltag (beispielsweise bei einer Arbeit am Computer) oft schwierig ist. Bis der akute Schmerz weniger wird, ist jede Belastung verboten, die den Schmerz hervorruft.

Gängige Therapiemethoden sind die Massage (um die umgebende Muskulatur zu lockern), Querfriktionen (um die Selbstheilung der Sehne zu fördern) und Krankengymnastik (zum Erlernen von Übungen zur Kräftigung und Dehnung). Unterstützend zur Physiotherapie kann Eis verwendet werden sowie entzündungshemmende Medikation oder gar kortisonhaltige Injektionen verabreicht werden.

Eine letzte Möglichkeit, die weniger als 3 % ausmacht, ist die Operation, wobei die verletzten Sehenfasern abgetrennt werden, um die Spannung aus dem Sehnenapparat zu nehmen.

 

Ist die lokale Behandlung die einzige Option?

Wie einige Studien zeigten, ist nicht nur die Behandlung des Ellbogens selber wichtig. Vielmehr sollten ebenfalls Dysfunktionen und Beschwerden der Halswirbelsäule mitberücksichtigt werden. Durch die nervale Versorgung des Armes, welche aus dem Halswirbelbereich austritt, besteht ein gewisser Zusammenhang. Besonders der Bereich der Halswirbel 5 und 6 sollte untersucht werden, da in diesem Bereich die armversorgenden Nerven der Ellbogenaußenseite den Wirbelkanal verlassen.

Neben der Bewegungsüberprüfung der Segmente in alle möglichen Richtungen sollte auch die Separation sowie die Traktion untersucht und befördert werden. Weichteilbehandlung, also die Lockerung der umliegenden Muskulatur, ist hierbei genauso wichtig, um den Bewegungsspielraum auch wirklich verbessern zu können.

Die Erkrankung kann wie oben erwähnt auf Haltungsprobleme zurückzuführen sein, die besonders durch einseitige Belastungen, wie etwa dem Arbeiten am Schreibtisch/PC, entstehen können. Dadurch entstehen Haltungsproblematiken, die sich bis in die Brustwirbelsäule, Rippen und alle Teilgelenke der Schulter ziehen. Diese sollten berücksichtigt und behoben werden.

 

Angi Peukert

 

Quellen:

1. http://www.farb.net/behandlung.htm

2. Schomacher, Jochen.Manuelle Therapie. Bewegen und spüren lernen. 5. Auflage, Stuttgart: Thieme

3. Zalpour, Christoff: Anatomie Physiologie. 2. Auflage, München/Jena: Urban & Fischer

4. http://www.sportgesundheit.eu/tennisellbogen.htm

5. http://www.wissenschaft-australien.de/australien000194.html

6. http://www.sportordination.at/ellbogen.htm

7. http://de.wikipedia.org/wiki/Ellbogen

8. http://de.wikipedia.org/wiki/Epicondylitis

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Über den Autor

Angi Peukert

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