Das vordere Kreuzband und die Stabilität der Beinachsen

0

80.000 Personen erleiden jährlich eine Verletzung am Kreuzband, um genauer zu sein, eine Ruptur des Kreuzbandes. Dies sind die klaren Fakten vieler Veröffentlichungen. Werden diese mal in ein Verhältnis gesetzt, so sind das knapp ein Prozent der deutschen Bevölkerung (Wallner, 2015, S. 16).

Warum unser Training von der Stabilität der Beinachsen profitiert

Diese Übungen helfen bei Knieschmerzen bzw. Beschwerden an der AußenseiteLeider ist die Verletzung an sich noch nicht schlimm genug. Bei 3.000 bis 10.000 Patienten kommt es aufgrund eines postoperativen Beweglichkeitsdefizites oder einer Misserfolgsrate von 3 bis 10 Prozent zu einem unbefriedigenden Ergebnis (Renström & Kelm, 2007, S. 1). Die Zahlen sind hart, einschüchternd und auch motivierend zugleich. Denn wir, als Trainer und Physiotherapeut, können aus diesen Zahlen die Motivation schöpfen, es besser zu machen!

Dieser Artikel soll sich der Stabilität der Beinachsen widmen und die vielen kleinen Prozesse im Körper näher belichten, wodurch unser rehabilitatives und präventives Training profitieren kann. Es wurde bewusst die „lateinische Fachsprache“ verwendet, um Ungenauigkeiten zu vermeiden. Der Artikel ist auf den ersten Blick nicht die längste Ausarbeitung, fordert aber dennoch ausreichend Zeit ein, denn er soll dazu anregen, bestimmte angesprochene Themen im Nachgang eigenständig nachzuarbeiten.

Die Stabilität der Beinachsen

Fehlstellungen in der Beinachse sind durch unseren modernen Lebensstil und die vielen Fehlbelastungen beim Sport keine Seltenheit mehr. Doch gerade nach einer Operation aufgrund eines vorderen Kreuzbandrisses, zeigen sich noch häufiger Fehlstellungen der Beinachse. Diese können sowohl in der Statik und/oder in der Dynamik auftreten. Nachfolgend werden Defizite, Fehlstellungsursachen und entstehende Folgen näher aufgezeigt.

Eine Rotation des Femurs um dessen Längsachse beschreibt die Ventralverschiebung des Collums. Dieses Phänomen wirkt sich bei einem überschrittenen oder unterschrittenen Winkelwert von 13° differierend auf das Sprunggelenk aus. Es ist dabei eine Anhebung oder Absenkung des medialen Fußrandes oder eine Rotation des Sprunggelenks zu erkennen. Eine von unten gerichtete Fehlstellung des Fußes konnte bisher keine zwangsläufige Beziehung einer Rotation der Tibia und des Femurs zeigen. Die Rotation des Unterschenkels kann in Bauchlage bei angewinkeltem Kniegelenk gezeigt werden.

Die Hyperextension: Eine typische Achsendeformität

Durch axiale Veränderungen der unteren Extremitäten kann es zu muskulären Dysbalancen und einer Rotation der Kniescheibe kommen. Zusammenfassend kann davon gesprochen werden, dass in jedem knöchernen Anteil der unteren Extremität Rotationen auftreten können. Achsenfehlstellungen sind nur schwer von Rotationsproblematiken zu trennen. Eine typische Achsendeformität ist die Hyperextension. Dabei steht die Gelenkfläche der Tibia ventral oder dorsal zu den Femurcondylen. Meist wird eine solche Normalstellungsabweichung durch Schwächen der Oberschenkelmuskulatur begünstigt (Lombardini, 2008, zitiert nach Götz-Neumann, 2006, S. 25). In optimaler Stellung liegen in der Frontalebene die Mitte des Schienbeins, der Patella und des Femurkopfes auf einer senkrechten Achse. Wird diese Traglinie nach lateral verschoben, so ist die Sprache von einer Valgusstellung und nach medial von einer Varusstellung.

Was ist der mediale Kollaps?

Auch im Sprunggelenk und dem Fuß kommt es zu korrekturwürdigen Dispositionen. Am häufigsten treten Pronations- oder Supinationsformen auf, welche denaturierend auf die oberhalb gelegenen Gelenke wirken. Werden dynamische Bewegungen betrachtet, gilt es den medialen Kollaps zu erkennen und ihm entgegenzuwirken. Der mediale Kollaps führt zum einen zu erheblichen Belastungen im Kniegelenk, er beschreibt außerdem einen typischen Verletzungsmechanismus für Kreuzbandverletzungen. Beschrieben wird durch den Begriff ein Symptomkomplex im Einbeinstand bzw. in der einbeinigen Standphase, bei welchem es zur Aufgabe des Längsgewölbes im Fuß und folgend zur medialen Rotation und Abkippung der Tibia kommt (vgl. Berger 2016).

Eine schlechte Dorsalextension erzeugt im OSG eine Zwangsrotation des Unterschenkels, was sich kompensatorisch in einer muskulären Fehlfunktion auswirkt und sich durch die gesamte dorsale Muskelkette zieht. Zum anderen treten Störungen der ventralen Kette auf. Eine schlechte Dorsalextension führt zu einem Abduktions-Eversion-Mechanismus im Vorfuß. Es kommt zur Zwangsrotation des Unterschenkels nach innen im geschlossenen System. Weiter resultiert die Valgusstellung im Kniegelenk mit Außenrotation der Tibia. Durch diesen Mechanismus entsteht eine Stresssituation auf den Pes anserinus, die Patellasehne, den lateralen Meniskus und den Tractus iliotibialis. Die erzeugte Innenrotation des Oberschenkels zeigt sich weiterlaufend bis zur Lendenwirbelsäule, Becken- und Hüftgelenksregion, teilweise sogar entlang der gesamten Wirbelsäule. Bedingt wird die Destabilisierung des Standbeins durch eine fehlkoordinierte synergetische Arbeit der Muskulatur.

Die vier Dominanzen bei Bewegungen

Wallner (2015, S. 16f.) spricht von vier Dominanzen bei Bewegungen:

  • Die Beindominanz beschreibt dabei die einbeinige Leistungsfähigkeit in Bezug auf Kraft, Schnellkraft und neuromuskuläre Koordination im Seitenvergleich. Dies soll der Vermeidung von einseitigen Belastungen, beispielsweise bei der Landung, dienen.
  • Unter Banddominanz versteht er eine fehlende dynamische Kontrolle der Becken-Bein-Achse, was sich in einer erhöhten Abnutzungs- und Verletzungswahrscheinlichkeit zeigt. Das Defizit wird meist durch eine zu geringe oder zu späte Aktivierung der Glutäen und/oder eine limitierende Sprunggelenksbeweglichkeit generiert.
  • Im Idealfall erlangt der Athlet ein adäquates Gefühl für seine Körperposition durch eine ausreichend ausgeprägte Rumpfmuskulatur mit koordiniertem Zusammenspiel zur Beinachse. Dadurch ist er befähigt, bei Ablenkungen, beispielsweise durch einen leichten Kontakt, sein Gleichgewicht mit nur geringen Korrekturauslenkungen im Oberkörper zu halten. Durch diese Minimierung der Rumpfdomiannz kann er das Verletzungsrisiko senken.
  • Existiert ein Verhältnis zu Gunsten der vorderen Oberschenkelmuskulatur im Verhältnis der hinteren, wird von Quadrizepsdominanz gesprochen. Diese erzeugt ein Nachvornegleiten des Unterschenkels bei der exzentrischen Kontrolle (Die Beugestellung bei der Landung). An dieser Stelle entsteht eine erhöhte Zugkraft auf das vordere Kreuzband, die es durch Training auszugleichen gilt.

Die Ausnutzung des gesamten Bewegungsradius erfordert einen hohen Aufwand

Gokeler (vgl. 2015, S. 14ff.) zeigt anhand seiner Untersuchung, dass die Möglichkeit besteht, durch eine Modifikation des Schrittmusters eine exzessive anteriore tibial Translatation zu vermeiden, indem man den Umfang der Streckung während des Standes reduziert. Anderseits kann der Patient durch die Reduzierung die bestehende Quadrizepsschwäche ausgleichen, da der Muskel als wichtiger Stabilisator während der Standphase arbeitet. Die Beziehung zwischen isokinetischer Quadrizepskraft und Instabilitätsparameter bei VKB-rekonstruierten Knien während des Gehens wurden durch die Ergebnisse vor allem in der Mitte der Standphase verdeutlicht.

Praxiserfahrungen zeigen einen hohen Aufwand für den Patienten, um den gesamten Bewegungsradius während der Bewegung zur Ausnutzung zu bringen. In einer weiteren Untersuchung wurde analysiert, wie sich Bewegungsmerkmale und Muskelaktivität bei Patienten mit einer vorderen Kreuzbandrekonstruktion während der Landung verhalten. Erkennbar sind dabei schnellere Ansteuerungszeiten an allen Muskeln. Die Reaktionszeiten verkürzten sich innerhalb von sechs Monaten postoperativ. Auf der verletzten Seite zeigt sich dazu ein geringeres Streckungsmoment. Bewegungsanalytisch war eine reduzierte Kniegelenksflexion während des Absprungs und eine erhöhte Plantarflexion zum Landungskontaktmoment erkennbar (vgl. Gokeler, 2015, S.).

Autor: Janek Klingmann

Die schlüssige und allumfassende Onlinetherapie gegen Knieschmerzen, von und mit Janek Klingmann

diese uebungen helfen gegen kniebeschwerdenDas Konzept des Online-Training-Systems für die optimale Kniegesundheit beinhaltet ein innovatives Trainingssystem. Es basiert auf den drei Säulen Beweglichkeit, Stabilität und Kraft.

Dabei richtet sich das Training an alle Menschen mit überhöhten muskulär-faszialen Spannungen, mit einer Entzündung im Knie, postoperativ nach abgeschlossener Rehabilitation beim Physiotherapeuten und allgemeinen Schmerzen im Kniegelenk durch Asymmetrien und Dysbalancen, sowie an gesunde und schmerzfreie Sportler, die präventiv ihre Kniegesundheit sichern möchten.

Durch die verschiedenen Steigerungsmöglichkeiten wird jeder Patient/ Sportler an seinem aktuellen Stand abgeholt und verzeichnet anschließend regelmäßige Fortschritte!

Die Übungen sind so konzipiert, dass diese ganz bequem von zuhause aus durchzuführen sind: einfach aber effektiv!

Übungen gegen Knieschmerzen

 

Über den Autor

Niklas Nowak

Leave A Reply