Der Cooper-Test: Sinnvoll oder nicht?

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Cooper-Test: Dieser Test ist immer noch sehr beliebt, wenn es darum geht, die Ausdauerleistungsfähigkeit abzuschätzen. Beliebt ist er deshalb, weil keinerlei physiologische Parameter erfasst werden müssen, sondern allein die Laufleistung in einer festgelegten Zeit erfasst wird. Aber ist das auch sinnvoll?

Der Cooper-Test im Ausdauertraining

Bei anderen Verfahren mit dem Ziel die Ausdauerleistungsfähigkeit abschätzen zu können, wird entweder über das Blut die Laktatkonzentration oder sogar mit Hilfe komplexer Messtechnik die Sauerstoffaufnahme gemessen. Beim Cooper-Test hingegen muss nicht einmal Ihre Herzfrequenz im Ausdauertraining gemessen werden.

Was ist der Cooper-Test?

Der Cooper-Test wird oftmals eingesetzt, um eine grobe Abschätzung der Ausdauer darstellen zu können. Beispielsweise geht man davon aus, dass Bewerber bei der Bundeswehr oder der Polizei ein Mindestmaß an körperlicher Leistungsfähigkeit mitbringen müssen. Neben diversen Tests, bei denen Kraft und Koordination dargestellt werden, kommt hier auch der Cooper-Test zur Anwendung.

Auch angehende Sportstudierende müssen je nach Aufnahmebedingungen der Universität einen Cooper-Test absolvieren. In der Schule ist der Cooper-Test ein beliebter Test, der nicht nur die Ausdauer der Schüler und Schülerinnen abbilden soll, sondern sogar teilweise nach wie vor zur Notenbildung herangezogen wird.

Noten, Zeiten und Distanz beim Cooper-Test

Zeiten, Distanz und Noten beim Cooper-Test männlich

Männlich11 J.12 J.13 J.14 J.15 J.16 J.17 J.18 J.
ausgezeichnet28002850290029503000305031003150
sehr gut26002650270027502800285029002950
gut22002250230023502400245025002550
befriedigend18001850190019502000205021002150
ausreichend15001550160016501700175018001850
mangelhaft12001250130013501400145015001550

Tab.1: Zurückzulegende Distanz in 12 Minuten für Jungen

Noten, Zeiten und Distanz beim Cooper-Test weiblich

Weiblich11 J.12 J.13 J.14 J.15 J.16 J.17 J.18 J.
ausgezeichnet25002550260026502700275028002850
sehr gut23002350240024502500255026002650
gut19001950200020502100215022002250
befriedigend15001550160016501700175018001850
ausreichend12001250130013501400145015001550
mangelhaft900950100010501100115012001250

Tab.2: Zurückzulegende Distanz in 12 Minuten für Mädchen

Aussage zur Ausdauer beim Cooper-Test: magelhaft!

Leider wird nach wie vor angegeben, dass der Cooper-Test Aussagen zur Ausdauerleistungsfähigkeit zulasse. Eingangs dieses Artikels wurde diese Formulierung aufgegriffen, um Ihnen als Leser einen ersten Einstieg in das Thema zu ermöglichen.

Wenn Sie über Grundkenntnisse in Physiologie verfügen, werden Sie sicher schon dem Grundproblem des Cooper-Tests auf die Schliche gekommen sein: Menschliches Leisten ist sehr komplex! Gerade im Kindes- und Jugendalter, aber auch bei Erwachsenen, gibt es viele verschiedenen Formen der „Leistungsfähigkeit“, bei denen jeweils aufgabenspezifische Muster erkennbar sind. Dieser Argumentation folgend wird klar, dass es eine testbare Ausdauerleistungsfähigkeit gar nicht geben kann!

So fasst der Cooper-Tests einfach verschiedene Einflussgrößen zusammen, ohne diese differenziert betrachten zu können. Aus leistungsphysiologischer Sicht muss festgehalten werden, dass der Cooper keineswegs die „allgemeine Ausdauer“ einzuschätzen hilft. Leider ist diese Annahme gerade unter Lehrern noch weit verbreitet und wird sogar in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia fälschlicherweise so beschrieben (Stand 19.10.2012).

Was sagt der Cooper-Test wirklich aus?

Die Leistung beim Cooper-Test beruht letztendlich auf 4 verschiedenen Kategorien:

  1. Metabolismus
  2. Lauftechnik
  3. Motivation
  4. Taktik/Einteilen der Strecke

Wird das Testergebnis nun allein auf den Metabolismus übertragen, fallen weitere Subkategorien an. Einflussgrößen auf das Testergebnis sind hier der Muskelstoffwechsel, die Sauerstoffaufnahme und die damit verbundenen Kenngrößen rund um die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit.

Die Ausdauer ist komplexer!

Für das Ergebnis bei einem derart einfachen Test wie dem Cooper-Test ist schon allein die Frage, ob mit oder ohne Ansage der Zwischenzeiten gelaufen wird, von großer Bedeutung. Diese Information ermöglicht das Einteilen beim Laufen und bietet verschiedene taktische Möglichkeiten.

Auch wenn Autoren mitunter breite Literaturangaben zur Validität des Testes anführen, sind diese keineswegs als „objektive“ Grundlage für den Cooper-Test zu verstehen. „Ausdauer“ ist allein eine recht abstrakte Größe für das Einteilen motorischer Eigenschaften, wie es auch die Begriffe „Kraft“ oder „Koordination“ sind. Sie beschreiben so Grundeigenschaften. Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist jedoch keine konkrete Größe, die unabhängig von ihrer testspezifischen Ausprägung messbar wäre.

Physiologisch gesehen sind für das Beurteilen der Ausdauer Messungen hinsichtlich der Sauerstoffaufnahme oder der Laktatkinetik möglich – aber selbst diese sportwissenschaftlichen Testverfahren liefern allein testspezifische Hinweise. Ein Schwimmer wird beim Laktattest im Laufen wahrscheinlich schlechter abschneiden als ein Fußballer.(Vorsicht bei der Leistungsdiagnostik: Über Spiroergometrie und den Respiratorischen Quotienten)

Der Cooper-Test: Wenig aussagekräftig über die Ausdauerleistung

Bezogen auf die Schule geht es also keineswegs darum, die Ausdauer zu messen. Lehrer, die dies vorgeben, sitzen einem großen Irrtum auf. Beispielsweise könnte der Cooper-Test so auch als Test für die Intelligenz eines Schülers gelten. Steht er ohnehin auf einer guten Note im Sportunterricht, müsste er sich die Strecke einfach so einteilen, dass er nicht von dieser Note abrutscht.

Andererseits könnte auch einfach die Fähigkeit gemessen werden, sich die 12 Minuten gut einzuteilen. Wer beim Cooper-Test am Anfang überzieht, wird am Ende nur noch gehen können und ein schlechtes Testergebnis erzielen.

Letztendlich muss festgehalten werden, dass das Abschneiden bei einem Cooper-Test keineswegs Aussagen über die Ausdauerleistungsfähigkeit zulässt. Dieser Test misst allein die Fähigkeit, innnerhalb von 12 Minuten eine möglichst große Strecke zurückzulegen. Dies mit Ausdauerleistungsfähigkeit gleichzusetzen, zeugt von einer geringen Auffassung der Komplexität menschlichen Leistens!

Dennis Sandig

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Über den Autor

Dennis Sandig

Dennis Sandig arbeitete als Sportwissenschaftler am Institut für Sportwissenschaften der Julius-Maximilians Universität in Würzburg. Aktuell ist er bei der Deutschen Triathlon Union als Wissenschaftskoordinator und Referent für Bildung zuständig, sowie für das umfassende Aus- und Fortbildungsprogramm für Coaches im Triathlon.

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