Der Cooper-Test kritisch betrachtet

0

Der Cooper-Test ist ein sehr beliebter Test, wenn es darum geht, die Ausdauerleistungsfähigkeit abzuschätzen. Beliebt ist er, weil keinerlei physiologische Parameter erfasst werden müssen, sondern allein die Laufleistung in einer festgelegten Zeit erfasst wird.

Bei anderen Verfahren mit dem Ziel die Ausdauerleistungsfähigkeit abschätzen zu können, wird entweder über das Blut die Laktatkonzentration oder sogar mit Hilfe komplexer Messtechnik die Sauerstoffaufnahme gemessen. Beim Cooper-Test hingegen muss nicht einmal Ihre Herzfrequenz im Ausdauertraining gemessen werden.

Von der Schule bis zur Bundeswehr: Ein fraglicher doch weit verbreiteter Test

Die aktuellen Laufschuh Trends: Energy Boost, E-Motion & On lassen Euch wie auf Wolken laufen!Die aktuellen Laufschuh Trends: Energy Boost, E-Motion & On lassen Euch wie auf Wolken laufen!

Der Cooper-Test wird oftmals eingesetzt, um eine grobe Abschätzung der Ausdauer darstellen zu können. Beispielsweise geht man davon aus, dass Bewerber bei der Bundeswehr oder der Polizei ein Mindestmaß an körperlicher Leistungsfähigkeit mitbringen müssen. Neben diversen Tests, bei denen Kraft und Koordination dargestellt werden, kommt hier auch der Cooper-Test zur Anwendung. Auch angehende Sportstudierende müssen je nach Aufnahmebedingungen der Universität einen Cooper-Test absolvieren. In der Schule ist der Cooper-Test ein beliebter Test, der nicht nur die Ausdauer der Schüler und Schülerinnen abbilden soll, sondern sogar teilweise nach wie vor zur Notenbildung herangezogen wird.

 

Männlich 11 J. 12 J. 13 J. 14 J. 15 J. 16 J. 17 J. 18 J.
ausgezeichnet 2800 2850 2900 2950 3000 3050 3100 3150
sehr gut 2600 2650 2700 2750 2800 2850 2900 2950
gut 2200 2250 2300 2350 2400 2450 2500 2550
befriedigend 1800 1850 1900 1950 2000 2050 2100 2150
ausreichend 1500 1550 1600 1650 1700 1750 1800 1850
mangelhaft 1200 1250 1300 1350 1400 1450 1500 1550

Tab.1: Zurückzulegende Distanz in 12 Minuten für Jungen

 

Weiblich 11 J. 12 J. 13 J. 14 J. 15 J. 16 J. 17 J. 18 J.
ausgezeichnet 2500 2550 2600 2650 2700 2750 2800 2850
sehr gut 2300 2350 2400 2450 2500 2550 2600 2650
gut 1900 1950 2000 2050 2100 2150 2200 2250
befriedigend 1500 1550 1600 1650 1700 1750 1800 1850
ausreichend 1200 1250 1300 1350 1400 1450 1500 1550
mangelhaft 900 950 1000 1050 1100 1150 1200 1250

Tab.2: Zurückzulegende Distanz in 12 Minuten für Mädchen

 

Aussage zur Ausdauer: magelhaft!

Leider wird nach wie vor angegeben, dass der Cooper-Test Aussagen zur Ausdauerleistungsfähigkeit zulasse. Eingangs dieses Artikels wurde diese Formulierung aufgegriffen, um Ihnen als Leser einen ersten Einstieg in das Thema zu ermöglichen. Wenn Sie über Grundkenntnisse in Physiologie verfügen, werden Sie sicher schon dem Grundproblem des Cooper-Tests auf die Schliche gekommen sein: Menschliches Leisten ist sehr komplex! Gerade im Kindes- und Jugendalter, aber auch bei Erwachsenen, gibt es viele verschiedenen Formen der „Leistungsfähigkeit“, bei denen jeweils aufgabenspezifische Muster erkennbar sind. Dieser Argumentation folgend wird klar, dass es eine testbare Ausdauerleistungsfähigkeit gar nicht geben kann!

So fasst der Cooper-Tests einfach verschiedene Einflussgrößen zusammen, ohne diese differenziert betrachten zu können. Aus leistungsphysiologischer Sicht muss festgehalten werden, dass der Cooper keineswegs die „allgemeine Ausdauer“ einzuschätzen hilft. Leider ist diese Annahme gerade unter Lehrern noch weit verbreitet und wird sogar in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia fälschlicherweise so beschrieben (Stand 19.10.2012).

 

Was sagt der Cooper-Test wirklich aus?

Die Leistung beim Cooper-Test beruht letztendlich auf 4 verschiedenen Kategorien:

1. Metabolismus

2. Lauftechnik

3. Motivation

4. Taktik/Einteilen der Strecke

Wird das Testergebnis nun allein auf den Metabolismus übertragen, fallen weitere Subkategorien an. Einflussgrößen auf das Testergebnis sind hier der Muskelstoffwechsel, die Sauerstoffaufnahme und die damit verbundenen Kenngrößen rund um die kardiopulmonale Leistungsfähigkeit.

 

Die Ausdauer ist komplexer!

Kraft, Schnelligkeit, AusdauerBuchtipp: Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer ist ein hocheffizientes Trainingssystem, das Tausende von Ausdauerathleten entscheidend vorangebracht hat. Der weltbekannte Trainer und Ausdauerexperte Brian MacKenzie stellt Techniken, Übungen und Trainingsmethoden vor, die die Leistungsfähigkeit und die Belastungsgrenze von Ausdauersportlern erhöhen und gleichzeitig ihr Verletzungsrisiko senken. Athleten und Trainer erfahren, wie typische Verletzungen, die durch fehlerhafte Bewegungsabläufe und verhärtete, überbeanspruchte Muskeln verursacht werden, vermieden, behandelt und geheilt werden können. Hier können Sie das Buch direkt im Shop oder über Amazon bestellen.

 

Für das Ergebnis bei einem derart einfachen Test wie dem Cooper-Test ist schon allein die Frage, ob mit oder ohne Ansage der Zwischenzeiten gelaufen wird, von großer Bedeutung. Diese Information ermöglicht das Einteilen beim Laufen und bietet verschiedene taktische Möglichkeiten. Auch wenn Autoren mitunter breite Literaturangaben zur Validität des Testes anführen, sind diese keineswegs als „objektive“ Grundlage für den Cooper-Test zu verstehen. „Ausdauer“ ist allein eine recht abstrakte Größe für das Einteilen motorischer Eigenschaften, wie es auch die Begriffe „Kraft“ oder „Koordination“ sind. Sie beschreiben so Grundeigenschaften. Die Ausdauerleistungsfähigkeit ist jedoch keine konkrete Größe, die unabhängig von ihrer testspezifischen Ausprägung messbar wäre. Physiologisch gesehen sind für das Beurteilen der Ausdauer Messungen hinsichtlich der Sauerstoffaufnahme oder der Laktatkinetik möglich – aber selbst diese sportwissenschaftlichen Testverfahren liefern allein testspezifische Hinweise. Ein Schwimmer wird beim Laktattest im Laufen wahrscheinlich schlechter abschneiden als ein Fußballer.(Vorsicht bei der Leistungsdiagnostik: Über Spiroergometrie und den Respiratorischen Quotienten)

Ausdauer oder Taktik

Bezogen auf die Schule geht es also keineswegs darum, die Ausdauer zu messen. Lehrer, die dies vorgeben, sitzen einem großen Irrtum auf. Beispielsweise könnte der Cooper-Test so auch als Test für die Intelligenz eines Schülers gelten. Steht er ohnehin auf einer guten Note im Sportunterricht, müsste er sich die Strecke einfach so einteilen, dass er nicht von dieser Note abrutscht.

Andererseits könnte auch einfach die Fähigkeit gemessen werden, sich die 12 Minuten gut einzuteilen. Wer beim Cooper-Test am Anfang überzieht, wird am Ende nur noch gehen können und ein schlechtes Testergebnis erzielen.

Letztendlich muss festgehalten werden, dass das Abschneiden bei einem Cooper-Test keineswegs Aussagen über die Ausdauerleistungsfähigkeit zulässt. Dieser Test misst allein die Fähigkeit, innnerhalb von 12 Minuten eine möglichst große Strecke zurückzulegen. Dies mit Ausdauerleistungsfähigkeit gleichzusetzen, zeugt von einer geringen Auffassung der Komplexität menschlichen Leistens!

 

Dennis Sandig

Teilen

Über den Autor

Dennis Sandig

Dennis Sandig arbeitet als Sportwissenschaftler am Institut für Sportwissenschaften der Julius-Maximilians Universität in Würzburg.

Leave A Reply