Verletzungen im Fechtsport

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Fechten ist eine hochintensive Einzelsportart, bei der es durch die Waffe bzw. die Klinge in vielen Gefechtssituationen zu direktem Körperkontakt zwischen den Fechtern kommt. Dabei können auch Sportverletzungen entstehen.

Regelmäßig entstehen durch die Stoß- und Hiebwaffen im Fechten kleinere Verletzungen, unter anderem Hämatome. Allerdings sind Hämatome das kleinste Übel an fechtspezifischen Verletzungen. Zur objektiven Beurteilung des Verletzungsausmaßes sowie zur Einführung adäquater präventiver Maßnahmen sind epidemiologische Studien zu Art und Häufigkeiten von Verletzungen notwendig.(8) Trotz wachsendem Interesse an der olympischen Sportart Fechten sowohl im Kinder- und Jugendbereich als auch im Erwachsenenbereich, liegen bislang kaum wissenschaftliche Abhandlungen über die Thematik sportartspezifischer Schäden im Fechtsport vor. Dabei ist es für Trainer und Athleten von besonderer Relevanz, die Ursachen und die Zeitpunkte des Auftretens der Sportschäden zu lokalisieren, um trainingsmethodische Empfehlungen zur Verletzungsprophylaxen zu erarbeiten, und um unter anderem die Trainingsplanung/Trainingsintensität positiv zu verändern.

Sporttraumatologische/-orthopädische Fragestellungen hinsichtlich der Lokalisation von Verletzungen, Trainings- und Wettkampfgestaltung, Ursache und Zeitpunkt des Auftretens der Verletzungen sowie der Therapie werden in den Arbeiten von Wild, Jäger(1), Trautmann, Rosenbaum(2), Roi, Bianchedi(5), Hauter(6), Seuser(7) Harmer behandelt, und geben einen guten Überblick über Sportverletzungen und –schäden.

 

Sportverletzungen

Bei einer Sportverletzung handelt sich um eine einmalige, plötzliche und unerwartete äußere Gewalteinwirkung, die unmittelbar mit der sportlichen Tätigkeit im Zusammenhang steht und zur abrupten Unterbrechung eines dynamischen Bewegungsablaufes führt.(9) Es wird dabei zwischen endogenen und exogenen Verletzungen unterschieden.

Sportartspezifische Verletzungen wiederholen sich mittelfristig bei Ausübung gewisser Sportarten und bedingen häufig ein charakteristisches Verletzungsmuster.(6) Diese Verletzungen sind an Eigenarten der Technik und der Sportgeräte gebunden und treten als plötzliche Fehlfunktion des Muskelspiels oder des Gelenkmechanismus auf. In Bezug auf Fechtsportverletzungen stellen Ellenbogen, Knie, Ober- und Unterschenkel, Sprunggelenk und Wirbelsäule die häufigsten Lokalisationen dar. Harmer und Jäger konnten in ihren Studien nachweisen, dass die häufigsten Verletzungen die unteren Extremitäten betrafen.(10,11,12) Insbesondere das Kniegelenk, der Oberschenkel, die Hüfte und das Sprunggelenk waren von Verletzungen betroffen. Laut Hauter manifestieren sich die Ereignisse vorwiegend am Kapsel-/Bandapparat sowie an Muskeln und Sehnen. Die häufigsten Diagnosen umfassen Gelenksdistorsionen, Muskelfaserrisse und Tendinitide.(6)

Harmer konnte bei 184 von 610 befragten Athleten in einem Zeitraum von 5 Jahren feststellen, dass die häufigsten Verletzungen mit Zerrungen (26,1 %), Verstauchungen (25,5 %), Prellungen und Quetschungen einhergehen.(11) Jäger kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Er untersuchte in einem Zeitraum von ebenfalls 5 Jahren über 293 Fechter und unterschied zwischen Verletzungen und Überlastungsschäden. Überlastungsbedingte Sportschäden fanden sich gehäuft im Kniegelenk wieder.(10) Darunter wurde das Patellaspitzensyndrom, Ansatztendinitis des Ligamentum patellae und Bursitis infrapatellaris aufgelistet. An zweiter Stelle wurden mit 25 % Überlastungsschäden im Fuß/Sprunggelenk wie Achillodynie, das mediale Schienbeinkantensyndrom, Tibialis-anterior-Syndrom und Peroneus-brevis-Syndrom dokumentiert. Es folgten Beschwerden an der Wirbelsäule und am Unterschenkel (9 %) sowie Beschwerden an Oberschenkel und der Hüftregion (8 %). Auch Wild et al. konnte nachweisen, dass die untere Extremität – insbesondere das Knie (parapatellares Schmerzsyndrom) – von Schmerzen betroffen war.

Schwerwiegende und tödliche Verletzungen ereigneten sich in dem Zeitraum von 1930 bis 2008 bei 8 Athleten (Kaderfechter).

  

Ursachen der Verletzungen – intrinsische und extrinsische Faktoren

Die oben genannten Studien bestätigen ein Verletzungsrisiko im Fechtsport, sowohl in der Trainingsphase als auch im Turniersport.(1,2,6) Als von den Athleten genannte Ereignisursachen für Verletzungen sowohl im Wettkampf als auch in der Vorbereitungsphase finden sich falsche Technik, mangelndes Aufwärmen, Müdigkeit, Unkonzentriertheit und Überlastung. Ein Vergleich zwischen aktiven Fechtern und Senioren-Fechtern hinsichtlich der Sportverletzungen zeigt, dass sich die Ursachen gleichmäßig auf Wettkampf und Training verteilen. In der Gruppe der Aktiven treten allerdings Sportverletzungen etwas häufiger in der eigentlichen Wettkampfphase als in der Vorbereitung auf (54,4 % gegenüber 45,6 %). Sportschäden hingegen fallen überwiegend in die Vorbereitungsphase (84,7 %).(6)

 

Intrinsische Faktoren

Vor allem eine falsche Technik ist für Sportschäden bei Fechtern in allen Altersklassen verantwortlich. Jäger(10) sieht eine unzureichende Technik – zusammen mit muskulären Dysbalancen und Insuffizienzen – als eine der hauptsächlichen Ursachen akuter Verletzungen an. Muskuläre Dysbalance können mit Hilfe von Stabilisationstraining (Core Training, Sling-Training (TRX)) und Krafttraining minimiert und dadurch dem Auftreten chronischer Leiden vorgebeugt werden. Bei Seniorenfechtern wird ungenügendes Training sowie mangelndes Aufwärmen als Ursache ihrer Sportschäden und Sportverletzungen genannt. Eine geeignete Maßnahme zur Prophylaxe ist in diesem Fall die Optimierung der Aufwärmphase.

 

Extrinsische Faktoren

Mangelhafte sportmedizinische Betreuung sowie ineffizientes Training wird bei Breitensportlern und Senioren festgestellt. Diese Fechter haben nicht die Möglichkeit, die gute sportmedizinische (orthopädisch, internistisch, allgemeinmedizinische) sowie physiotherapeutische Betreuung der Kaderathleten zu nutzen. Eine verbesserte sportmedizinische Betreuung sowie eine Verbesserung des Trainings der Breitensportler ist anzustreben.

 

Caroline Trautmann

 

Literaturangaben

1. A. Wild, M. Jaeger, C. Poehl, A. Werner, P. Raab, R. Krauspe (2001) Morbidity Profile of High-Performance Fencers, Sportverletzung Sportschaden; 15(3): 59-61.

2. C. Trautmann, R. Rosenbaum (2008), Verletzungen und Überlastungsschäden im modernen Fechtsport – eine Fragebogenerhebung Sportverletzung Sportschaden; 22(4): 225-230.

3. J. Kelm, F. Ahlhelm, W. Pitsch, U. Kirn-Jünemann, C. Engel, D. Kohn, T. Regitz (2003), Verletzungen, Schäden und Erkrankungsmuster bei Modernen Fünfkämpfer(inne)n der Weltklasse, Sportverletzung Sportschaden; 17(1): 32-38.

4. C. Lang, H. Stefan ( 1999), Sportverletzungen des Nervensystems, Fortschr Neurol Psychiatr; 67(8): 373-384.

5. G. S. Roi, D. Bianchedi (2008), The Science of Fencing, Sports Medicine, Volume 38, Issue 6, pp 465-481.

6. C. Hauter. D. Kohn (2010), Sportverletzungen und Sportschäden bei Fechtern der Weltklasse. Ein Vergleich zwischen Aktiven und Senioren.- Dissertation.

7. A. Seuser (1999), Grundlagen der Biomechanik und Bewegungsanalyse; Biomechanik der Wirbelsäule beim Fechter. 2. Fechtspezifisches sportmedizinisches-sportwissenschaftliches Symposium Dillingen/Saar:17-38.

8. R. Bahr, T. Krosshaug (2005), Understanding injury mechanisms: a key component of preventing injuries in sport. Br J Sports Med 39; 324-329.

9. O. Gorschewsky (1996), Sportmedizinischer Ratgeber. Prävention und Training. Therapie und Rehabilitation. Fachverlag AG, Zürich.

10. A. Jäger (2003), Sportverletzungen und Schäden beim Fechten unter besonderer Berücksichtigung des Kindes- und Jugendalters. Sport Orthop Traumatol 19:253–61.

11. PA. Harmer (2003) Injuries in USA national fencing competitions 2001-2002. Med Sci Sports Exerc 35:289.

12. PA. Harmer, J. Moriarity , M. Walsh, M. Bean, J. Cramer (1996), Distant entry pneumothorax in a competitive fencer. Br J Sports Med 30:265-6.

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Über den Autor

Caroline Trautmann

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