Die Talentförderung bei Sportlern mit Lernschwierigkeiten

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Lernschwierigkeiten treten nicht nur in der Schule auf. Auch viele talentierte junge Sportler sind davon betroffen. James Marshall erklärt, wie Trainer Lernprobleme erkennen und ihr Training entsprechend anpassen können, damit die betroffenen Sportler ihre Talente voll entfalten können.

Allein in Deutschland gibt es ca. 1,5 Millionen Menschen mit Lernstörungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie als Trainer mit Sportlern zu tun haben, die in irgendeiner Form Probleme beim Lernen haben, ist daher sehr groß. Solche Lernschwierigkeiten reichen von einer leichten Legasthenie (Dyslexie) bis zu schwerwiegenderen Erscheinungsformen wie Autismus.(1) Um Erfolge zu erzielen und die vorhandenen Talente bestmöglich zu fördern, müssen die Trainer wissen, wie sie mit den Betroffenen am besten kommunizieren und wie sie ihre Trainingseinheiten so strukturieren können, dass alle Beteiligten davon profitieren. In diesem Artikel geht es zunächst um häufig verwendete Trainingspraktiken und einzelne Aspekte im Zusammenhang mit Lernschwierigkeiten. Anschließend wird aufgeführt, wie das Training entsprechend geändert werden kann.
 

Häufige Lernschwierigkeiten

„Lernschwierigkeiten“ treten häufig als eine der folgenden 3 Formen auf (hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Lernbehinderung!):

1. Dyslexie – deutliche und anhaltende Schwierigkeiten beim Erlernen von Lesen, Schreiben und Buchstabieren

2. Dyskalkulie – Schwierigkeit beim Erlernen des Rechnens

3. Dyspraxie – eine Bewegungs- und Koordinationsstörung, die die Betroffenen oft ungeschickt erscheinen lässt

Diese 3 Erkrankungen sind zwar völlig unterschiedlich, doch sie zeigen zum Teil die gleichen körperlichen Symptome, wie z. B. Gleichgewichtsprobleme und Ungeschicklichkeit.

 

Der natürliche Lernprozess bei Sportlern

Jedes Kind folgt einem natürlichen Entwicklungsprozess. Manche entwickeln sich schneller, manche langsamer, und andere lassen bestimmte Dinge aus. So habe ich beispielsweise oft erlebt, dass Sportler, die etwa 17–19 Jahre alt waren, ihren Lauf nicht in einzelne Abschnitte einteilen konnten, so als ob sie bei der Entwicklung ihrer Bewegungsabläufe eine Phase ausgelassen hätten. Sie haben ihren Laufstil in gewisser Weise angepasst, aber richtig gut laufen können sie nicht.

Wenn Sportler sich sehr früh auf bestimmte Fähigkeiten spezialisieren, ist dies problematisch. Sie haben sich dann zwar auf die spezifischen Anforderungen in ihrer jeweiligen Sportart eingestellt, aber oftmals ist ihre Grobmotorik nicht angemessen entwickelt.(2) Im Juniorenbereich kommen sie damit dann noch weiter, aber wenn sie älter werden, scheitern sie an Gegnern, die auf einer breiteren Basis trainiert haben und sich leichter an unvorhersehbare oder wechselnde Spielsituationen anpassen können.

Im Fußball z. B. muss ein junger Spieler je nach den „Anforderungen“ des Teams (oder des Trainers) auf einer bestimmten Position spielen. Dadurch spezialisiert er sich sehr auf diese eine Position (z. B. als Linksaußen oder als Torwart). Wechselt der Spieler dann zu einem anderen Team und/oder muss auf einer anderen Position spielen, ist er oft weniger erfolgreich, weil er für diese Position nicht das erforderliche Fingerspitzengefühl oder die notwendigen Spielfertigkeiten besitzt.
 

Die motorische Entwicklung

Die motorischen Entwicklungsmuster sehen wie folgt aus:

– Unwillkürliche (reflektorische) Bewegungen führen zu willkürlichen Bewegungen.

– Kinder lernen zuerst, ihren Kopf zu kontrollieren, dann folgen Schultern, Arme und dann der gesamte Körper abwärts bis zu den Zehen.

– Die Muskelkontrolle beginnt in der Körpermitte und entwickelt sich dann nach außen.

– Die Entwicklung der grobmotorischen Bewegungsmuster wie Beugen, Stehen und Gehen erfolgt vor der Entwicklung der Sprache und der Hand-Augen-Koordination/Geschicklichkeit.

 

Aus diesen Entwicklungsphasen können Sie als Trainer ableiten, wie Sie die Trainingseinheiten oder zumindest das Aufwärmtraining am besten strukturieren oder neue Fertigkeiten einführen sollten. Bei einer Mannschaftssportart wie Fußball könnte die Aufwärmphase vor dem technischen Training zum Beispiel aus den nachfolgenden Übungen bestehen, die jeweils über eine Distanz von 10 m auszuführen sind:

Rollen: seitwärts, vorwärts und rückwärts

Kriechübung: Leopard (auf dem Bauch), Baby (auf Händen und Füßen krabbeln), Bär (auf Händen und Füßen laufen)

Koordination: Betonung der linken und rechten Körperhälfte – Hopserlauf, Sprünge machen, gehen und das Knie zum gegenüberliegenden Ellbogen führen, gehen und den Fuß mit der gegenüberliegenden Hand berühren

Im Anschluss daran können spielspezifische Ballübungen, Kontakt- oder Ausweichübungen folgen.
 

    Darauf sollten Sie achten

    Dieses Aufwärmtraining entspricht der normalen Bewegungsfolge von Kindern und verstärkt diese Bewegungen. Ein solches Training sorgt für ein angemessenes Aufwärmen und trainiert die Grobmotorik so, dass die Koordination vor den feinmotorischen Bewegungen kommt. Ein weiterer Vorteil ist der, dass alle Sportler hiervon profitieren und nicht nur solche mit Lernschwierigkeiten. Noch ein positiver Aspekt ist der, dass keine 2 separaten Warm-ups gemacht werden müssen und nicht ein Teil der Gruppe stigmatisiert würde.

    Bei der Motorik gibt es keine lineare Progression. Bei Wachstumsschüben kann es leicht passieren, dass Kinder einen Verlust an motorischer Kontrolle erleiden, z. B. beim Gleichgewicht und der Hand- Augen-Koordination. Was vorher mühelos bewältigt wurde, z. B. das Springen, der Hopserlauf oder das Dribbeln mit dem Fußball, kann dann vorübergehend Schwierigkeiten bereiten. Dies kann sich zwar negativ auf das Selbstvertrauen des Kindes auswirken, hat aber absolut nichts mit Lernschwierigkeiten zu tun.

    Der größte Fehler, den ein Trainer machen kann, ist der, mit Kindern das gleiche Aufwärmtraining wie mit Erwachsenen zu machen. Das ließe nicht nur die körperliche Entwicklung von Kindern unberücksichtigt, sondern ignorierte auch, dass junge und erwachsene Sportler sich in einer je unterschiedlichen emotionalen und psychischen Situation befinden und unterschiedliche Fähigkeiten haben. Wenn nur eine Trainingsmethode angewandt wird, werden zudem nicht alle Kinder angesprochen. Das bedeutet, dass sie entweder nicht verstehen, worum es geht und demotiviert werden, oder es zwar verstehen, sich aber abrackern müssen, um mithalten zu können, und dann ebenfalls demotiviert werden. Die Trainer müssen erkennen können, wenn ein Sportler Lernschwierigkeiten hat und ihre Trainingsmethode entsprechend anpassen.
     

    Indikatoren für mögliche Lernschwierigkeiten

    Kennzeichnend für Lernschwierigkeiten können folgende Faktoren sein:

    Hyperaktivität – ziellose, ständige Bewegung im Raum oder Vor- und Zurückschaukeln

    gestörte Wahrnehmung sensorischer Reize – motorische Beeinträchtigungen

    emotionale Aktivität – niedrige Frustrationstoleranz und/oder geringes Selbstkonzept

    generelle grobmotorische Defizite – eine generell unkoordinierte Grobmotorik

    Aufmerksamkeitsstörungen – Unfähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren

    Impulsivität – unangemessene plötzliche Reaktion bei einer Vielzahl von Reizen

    Gedächtnisstörungen – Probleme mit dem Kurz- oder Langzeitgedächtnis

    Sprachstörungen – sowohl was die Aussprache angeht, als auch die Ausdrucks- und Aufnahmefähigkeit

     

    Die Schematheorie von Schmidt

    Nach der von Richard Schmidt 1975 aufgestellten Schematheorie setzt das erfolgreiche Erlernen einer motorischen Fähigkeit die Erfüllung der folgenden 4 Bedingungen voraus:(3)

    1. Die Ausgangsforderung hinsichtlich der Bewegungen muss eindeutig sein: Was wird von mir verlangt?

    2. Die Merkmale des generalisierten motorischen Programms müssen bekannt sein: Welche Fertigkeiten muss ich zeigen?

    3. Eine Ergebnisrückmeldung ist zwingend notwendig: Habe ich die Bewegung richtig ausgeführt?

    4. Aus der Bewegung müssen die sensorischen Konsequenzen gezogen werden: Wie fühlte sich die Bewegung an?

     
    Nehmen wir einmal an, Sie seien Mittelfeldspieler einer Hockeymannschaft. Wenn Sie einen Pass bekommen, müssen Sie entscheiden, was zu tun ist (passen, dribbeln, ausweichen, schlagen etc.). Wollen Sie den Ball zu einem Mitspieler schlagen, dann müssen Sie entscheiden, wie Sie den Schlag ausführen wollen (Rückhandkante, normaler Schlag, hart, fest etc.). Wenn Sie den Pass ausgeführt haben, sehen Sie, ob der Ball sein Ziel erreicht hat oder nicht und wie sich der Ballkontakt anfühlte (falls Sie getroffen haben).

    Nach der Theorie von Schmidt verarbeiten Sie diese Informationen und nutzen sie erneut, wenn Sie in einer ähnlichen Spielsituation sind. Daraus lassen sich folgende wichtige Trainingsaspekte ableiten:

    • – Bevor ein Sportler eine Aufgabe angeht, sollte er wissen, was von ihm erwartet wird, damit er nachher sehen oder spüren kann, ob er sie erfolgreich bewältigt hat.

    – Damit Fertigkeiten gespeichert werden können, muss ein Sportler eine entsprechende Übung ausführen und gleichzeitig Entscheidungen treffen.

    • – Damit der Lernprozess erfolgreich ist, müssen sowohl Trainer als auch Sportler intensiv am Lernprozess beteiligt sein. Die Kommunikation spielt hierbei eine entscheidende Rolle.
       

    Achten Sie auf Ihre Kommunikation

    Mencap (eine führende britische Wohltätigkeitsorganisation für Menschen mit Lernschwierigkeiten) hat Regeln für die schriftliche Kommunikation aufgestellt, die sehr hilfreich sind. Beim Training sollte dementsprechend auch auf die physische und verbale Kommunikation geachtet werden.(4)

    Sportliche Fertigkeiten mit den Sinnen wahrzunehmen und in die Bewegung einzubinden, gelingt oft nur eingeschränkt und bereitet Sportlern mit Lernschwierigkeiten Probleme. Die Sinneswahrnehmung erfolgt über mehrere verschiedene Systeme: das vestibuläre System (oder Gleichgewichtsorgan, das für das Gleichgewicht und die räumliche Orientierung zuständig ist), die auditive Differenzierung, die visuelle Differenzierung und den Tastsinn.(5)

    Bei Störungen des vestibulären Systems ist der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt, und es können die gleichen Symptome wie bei der Reisekrankheit auftreten. Dies führt zu einer Desorientiertheit des Sportlers und beeinträchtigt dessen Fähigkeit, sich bestimmte Fertigkeiten anzueignen. Das vestibuläre System steht ebenfalls in Verbindung mit dem Orientierungssinn und dem Organisationsvermögen. Auch in diesen Bereichen benötigen die Sportler daher Unterstützung.

     
    Die auditive Differenzierung ist nicht nur für das Zuhören und Verstehen wichtig, sondern auch dazu, das Lesen und Buchstabieren zu lernen. Ein Sportler mit schlechter auditiver Differenzierung hat möglicherweise Schwierigkeiten, Anweisungen mitzubekommen, wenn er sich in einer großen Gruppe oder einer lauten Sporthalle befindet oder anderweitig abgelenkt ist. Dies zeigt sich dann in Form von nervöser Unruhe oder anderen Verhaltensweisen, die auf eine mangelnde Aufmerksamkeit hinweisen.

    Die visuelle Differenzierung ist die Fähigkeit der Augen, sich auf ein fokussiertes Objekt auszurichten. Das ist wichtig beim Lesen, wenn das Objekt unbeweglich ist. Aber die Augen bewegen sich auch, wenn sie ein bewegliches Objekt verfolgen. Eine Beeinträchtigung der visuellen Differenzierung ist daran zu erkennen, dass Wörter undeutlich gelesen werden oder dass dem Betreffenden der Ball während des Flugs „verloren“ geht. Schlimmer ist es, dass beim Überqueren der Straße der Verkehrsfluss nicht richtig eingeschätzt wird. Und da die Augen für das Gleichgewicht eine große Rolle spielen, kann es auch zu ineffizienten Bewegungsabläufen kommen.

    Der Tastsinn ist für den Orientierungssinn wichtig, weil die Berührungsrezeptoren des Körpers dem Menschen ein Feedback zu Objekten geben, um die er herumgehen oder die er bewegen will. Sind die Rezeptoren überempfindlich, kann das Feedback zu stark sein, so dass der Sportler zurückweicht. Bei mangelnder Empfindlichkeit der Berührungsrezeptoren hingegen hat er keine Kontrolle über seine Orientierung. Einfache Dinge wie das An- und Ausziehen der Sportkleidung können dann schon schwierig sein. Dies erklärt auch, warum manches Kind immer als Letztes aus der Umkleide kommt.
     

    Wichtig zu wissen ist schließlich auch, dass die propriozeptive Wahrnehmung Informationen über die Position des Körpers im Raum sowie über den Anspannungszustand der Muskeln liefert. Die Informationen werden über die Nervenenden in Gelenken, Muskeln und Sehnen sowie über die sensorischen Haarzellen im Innenohr verarbeitet und dienen ebenfalls der Gleichgewichtsregulierung. Wenn die propriozeptive Wahrnehmung eines Sportlers beeinträchtigt ist, erscheint er als ungeschickt, stößt an Gegenstände oder bewegt sich mehr, um mehr Informationen zu erhalten. Einen Gegenstand mit einem anderen Gegenstand zu treffen, wie bei Schläger und Ball, kann dann ebenfalls zum Problem werden.

     

    Die Mencap-Regeln für die schriftliche Kommunikation mit Menschen mit Lernschwierigkeiten(4)

    – Schreiben Sie klar und deutlich. Verwenden Sie einfache Worte, kurze Sätze, eine einfache Zeichensetzung und keine fachsprachlichen Begriffe.

    – Entscheiden Sie sich für eine größere Schrift (mindestens 12 Punkte), ein übersichtliches Schriftbild, und große Abstände.

    – Arbeiten Sie mit Aufzählungszeichen, oder nennen Sie die wichtigsten Punkte in Form von Stichwörtern und Fakten.

    – Unterstützen Sie den Inhalt durch Bilder, wie z. B. Fotos, Zeichnungen oder Symbole.

    – Versuchen Sie, Ihr Thema so darzustellen, dass es auch für leseschwache Menschen auf einen Blick verständlich ist.

    – Verwenden Sie nicht zu viele abstrakte Symbole, es sei denn, Sie wissen, dass Ihre Leser sich damit auskennen.

    – Wählen Sie 1 oder 2 einfache Piktogramme, die Sie neben den Text setzen.

     

    Schulen Sie die sensorische Wahrnehmung

    Wenn ein Trainer die Bedürfnisse seiner Spieler besser versteht, kommt er möglicherweise zu der Erkenntnis, dass solche Spieler, die er früher als unruhig, ungeschickt oder wenig konzentriert eingestuft hatte, sich in Wirklichkeit die größte Mühe geben. Hier sind einige Vorschläge für Spiele, mit denen die sensorische Wahrnehmung verbessert werden kann. Sie können im Rahmen des Aufwärmtrainings oder am Ende einer Übungsreihe eingesetzt werden, denn sie machen allen ganz einfach Spaß und helfen Spielern mit Lernschwierigkeiten bei ihrer Entwicklung.

    Die Spiele können auch für individuelle Aufwärmübungen genutzt werden. Aber wenn das gesamte Team diese Übungen macht, sollten Sie darauf achten, dass sie anfangs nur langsam ausgeführt werden.

    – Spielen Sie mit unterschiedlichen Bällen. Nehmen Sie statt eines Volleyballs einen Schaumstoffball oder einen Luftballon. Die bleiben länger in der Luft, und den Spielern bleibt mehr Zeit, sie zu fangen. Nehmen Sie statt eines Rugbyballs einen Fußball, Tennis- oder Basketball. Die kann der Sportler besser im Auge behalten.

    – Markieren Sie auf dem Feld, in der Halle oder auf dem Platz bestimmte Start- oder Zielpunkte. Für Menschen, die Probleme haben, sich auf ein fremdes Umfeld einzustellen, wirkt es beruhigend, wenn sie eine bestimmte Routine bzw. einen Fixpunkt haben. Dies kann auch in Form eines Spiels ablaufen, z. B. bei der „Reise nach Jerusalem“, bei der jeder wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehren muss. Bei diesem Spiel schummele ich jedes Mal und mache die Musik erst aus, wenn die betreffenden Kinder fast an ihrem Platz angekommen sind. Hierbei zu verlieren, wäre wirklich das Schlimmste, was ihnen passieren kann!

    – Machen Sie Laufübungen auf unterschiedlichem Untergrund. Wenn es Lauf-, Spring- oder Hüpfübungen sind, sollten Sie verschiedene Untergründe wählen, um das Gleichgewicht und die Kontrolle zu verbessern, z. B. Hallenboden mit Matten im Abstand von 1 m. Der Sportler läuft dann bei jedem bzw. jedem 2. Schritt auf einem anderen Untergrund.

    – Lassen Sie Staffelläufe machen, bei denen der Ball immer an den Nächsten weitergegeben wird – über Kopf, seitlich, durch die Beine – und der Spieler nach der Abgabe des Balls an den Hintermann zurücklaufen und sich wieder hinten anstellen muss. Solche Übungen sind gut für die taktile und räumliche Wahrnehmung. Etwas schwieriger wird es, wenn die Spieler auf einem Bein stehen müssen.

    – Lassen Sie Aufwärmübungen machen, bei denen beide Körperseiten zusammenarbeiten müssen, z. B. mit den rechten Fingern Hüfte, Knie und Zehen der linken Seite berühren.

    – Spieler mit unterschiedlichen Fähigkeiten stellen sich mit dem Rücken zueinander hin und haken sich mit den Armen ein. Dann versuchen sie, ein anderes Paar zu berühren, das dann ebenfalls versuchen muss, ein Paar zu berühren – und so weiter, bis alle an der Reihe waren. Beginnen Sie im Schritttempo.

    – Lassen Sie einfach einen Ball weitergeben. Die Spieler stellen sich in einem Kreis auf und geben den Ball im Uhrzeigersinn herum. Der Trainer gibt immer mehr Bälle in den Kreis, und die Spieler müssen die Bälle immer schneller weitergeben. Das Spiel endet, wenn ein Spieler 2 Bälle hat.

     

    Praktische Tipps

    – Trainer müssen wissen, dass Sportler mit Lernschwierigkeiten bestimmte Bedürfnisse haben, die individuell zu beachten sind.

    – Es muss eine Trainingsumgebung vorhanden sein, in der Spieler mit Lernschwierigkeiten die Möglichkeit haben, Anweisungen erst einmal zu verarbeiten, bevor sie versuchen, sie auszuführen. Dazu werden Einzelgespräche geführt, schriftliche Unterlagen verteilt, in denen die Übungen erklärt werden, und einfache Fertigkeiten und Übungen ins Aufwärmtraining eingebaut.

    – Für Sportler mit Lernschwierigkeiten ist es einfacher, motorische Fertigkeiten dauerhaft beizubehalten, wenn ihr Training Fertigkeitsübungen beinhaltet, bei denen sie Entscheidungen treffen und gleichzeitig die Übung ausführen müssen. Dies ist vor allem dann wichtig, wenn die Sportler bei einem anstrengenden Wettbewerb unter Druck geraten.

       

      James Marshall leitet Excelsior, ein Unternehmen für Sport, Training und Beratung.
       

      Fachsprache

      Vestibuläres System – liegt im Innenohr und ist für Gleichgewicht und räumliche Orientierung zuständig

      Visuelle Differenzierung – die Fähigkeit, bewegliche Objekte zu verfolgen, und die Fähigkeit der Augen, etwas zu fokussieren und Unterschiede zwischen Objekten festzustellen

      Auditive Differenzierung – die Fähigkeit, zwischen ähnlichen Lauten (z. B. „ch“ und „sch“) zu unterscheiden. Eine entsprechende Störung beeinträchtigt den Lernfortschritt beim Lesen und Buchstabieren

       
      Quellenangaben:

      1. Horvat, M.: Physical Education and Sport for Exceptional Students. Dubuque, Iowa: William C. Brown Publishers. (1990)

      2. Gervis, M. and Brierley, J.: Effective Coaching for Children. Crowood Press, Marlborough, Wiltshire. (1999)

      3. Psychological Review (1975), Bd. 82, S. 225–260

      4. Making myself clear – Mencap’s guidelines for accessible writing. (2002) retrieved from: http://november5th.net/resources/Mencap/Making-Myself-Clear.pdf

      5. Farrell, M.: The effective teacher’s guide to dyslexia and other specific learning difficulties. Routledge: Abingdon. (2006)

      6. Poinet, B.: Movement activities for children with learning difficulties. Jessica Kingsley Publishers: London and Philadelphia. (1993)

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