Training und Immunität

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Die überzeugende Theorie, dass hartes Training die Immunität gegen Krankheiten verringert und folglich einen negativen Einfluss auf die Leistung hat, wurde bei einer australischen Studie an männlichen und weiblichen Profischwimmern in Frage gestellt. Es wurde deutlich, dass eine Trainingssaison die Konzentration des Immunglobulin im Speichel nicht erhöhte und darüber hinaus die Infektion der Atemwege keine erwähnenswerte Auswirkungen auf die Wettkampfleistung hatte.

Es hat sich in früheren Studien erwiesen, dass das Training von hochtrainierten Athleten Veränderungen an der Immunität der Schleimhäute hervorruft. Insbesondere durch die Senkung des sekretischen Immunglobulin IgA und IgM. Die an dieser Studie beteiligten Forscher waren daran interessiert, diese früheren Ergebnisse zu untermauern. Es ging ihnen nicht darum, herauszufinden ob diese Veränderungen zu parallelen Veränderungen von Krankheitsvorfällen führten, oder ob diese Krankheiten wiederum irgendeinen Einfluss auf die Wettkampfleistungen haben. Eine Vermutung, die noch nicht experimentell nachgeprüft wurde.

 

Die Studie

Die Studie beschäftigte sich mit Mitgliedern des Australischen Schwimm-Nationalteams von 1998 während der viermonatigen Vorbereitung auf die Commonwealth Games (CG), die im selben Jahr in Kuala Lumpur, Malaisen stattfanden. Die Mannschaft bestand aus 41 Schwimmern im Alter von 15–27 Jahren; sie wurden zwischen Mai und August beobachtet, während eine Kontrollgruppe von 25 Trainern und weiteren Mitarbeitern den gleichen Bedingungen ausgesetzt wurde, natürlich ohne Training.

Zu Beginn der Studie, eine Woche nach der nationalen Schwimmmeisterschaft in Melbourne, lieferten alle Teammitglieder Speichelproben zur Immunglobenbestimmung ab. Nach 15 Wochen Training wurden sie erneut getestet, 17 Tage vor dem Start der Spiele. Es wurden Episoden von Atmungskrankheiten und Infektionen festgestellt und von den Teamphysikern, während der 6-wöchigen Erholungsphase vor und während der CG Schwimmwettkämpfe, erfasst. Die Wettkampfleistung der Schwimmer bei den nationalen Titelkämpfen (Mai) und den CG (September) wurde gemessen und im Hinblick auf die Krankheitsgeschichte und den Immunstatus, der durch die Immunglobenkonzentration ersichtlich wurde, miteinander verglichen.

Bei den CG hat das australische Team insgesamt 48 Medaillen (24xGold) gewonnen und war somit die führende Nation der Schwimmwettkämpfe bei den CG. Im Vergleich zu den nationalen Meisterschaften, bei denen sie 945 Punkte erreichten, erzielten sie bei den CG 947 internationale Punkte.

Das Aufkommen von einzelnen Krankheitsepisoden während der Erholungs- und Wettkampfperiode der CG war beachtlich. Insgesamt waren 42 % der Versuchsteilnehmer davon betroffen, aber die Symptome fielen meistens milde aus. Nur drei Schwimmer waren letztlich während der Wettkampfwoche krank und alle waren ausreichend gesund um bei ihrem entsprechenden Wettkampf anzutreten.

Trotz des intensiven Trainings, das von den Schwimmern zwischen Mai und August absolviert wurde, traten keine deutlichen Veränderungen der IgA und IgG Konzentration im Speichel auf. Nur kleine Unterschiede der IgM im Speichel waren festzustellen, was aber mit früheren Untersuchungen nicht im Einklang stand. Außerdem gab es keine eindeutigen Unterschiede bei den Immunmarkern zwischen gesunden und kranken Schwimmern. Jedoch wurde durch denselben Vergleich der kranken und gesunden Trainer und Mitarbeitern ersichtlich, dass die kranken Kontrollgruppenmitglieder deutlich niedrigere IgG im Mai aufzuweisen hatten als die Gesunden. Im August hatten die kranken Kontrollgruppenmitglieder eine deutlich niedrigere mittlere IgA Speichelkonzentration; ungefähr ein Drittel weniger im Vergleich zum Niveau der gesunden Kontrollgruppenmitglieder.

 

Die Ergebnisse

Dies war ein unerwartetes Ergebnis, da die Forscher angenommen hatten, dass die hochtrainierten Sportler eher zu einer niedrigeren Immunität und Krankheit neigen würden als die relativ eher sitzende Kontrollgruppe. „Das Eintreten von RTI und die niedrigere Schleimhautimmunität deuten darauf hin, dass die Regulation der effektiven Immunität von psychologischen Faktoren und der Lebensweise abhängt, anstatt von physiologischen Faktoren. Das höhere Alter der Kontrollgruppe mag ebenso ein ausschlaggebender Faktor sein“ Eine Vielzahl von Studien hat auf einen Zusammenhang zwischen psychologischem Stress und dem Eintreten von Krankheiten hingewiesen – schließlich kann das Training auf hohem Niveau sehr stressig sein. Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass Lebensweise und Selbstmanagementprogramme nicht nur auf Trainer und Funktionäre ausgerichtet sein sollten, sondern auch auf die Athleten selbst.

Hatten Krankheiten einen Einfluss auf die Leistungen der Schwimmer? Die gesunden Schwimmer haben mit einer durchschnittlichen Internationalen Punktezahl (IPS) von 955 und 937 besser abgeschnitten als die kranken Schwimmer. Wissenschaftlich betrachtet bedeutet dieser Unterschied keinen statistischen Unterschied. Aber in der Alltagswelt würde er ausreichen, um die Position eines Schwimmers vom ersten, zweiten oder dritten Platz auf einen niedrigeren oder gar keinen Medaillenrang (vierter bis achter) zu versetzen.

Die Forscher zogen daraus letztlich den Schluss, dass weitere Studien ausgeführt werden müssen, um den Zusammenhang zwischen Krankheit und Wettkampfleistung bei Profiathleten näher zu verdeutlichen.(1)

Vitamin C für Biathleten

Laut einer kleinen Studie an österreichischen Biathleten, gleicht die Einnahme von hohen Dosen an Vitamin C nach hartem Training die beeinträchtigte Immunfunktion nicht wieder aus. Die Studie wurde während der anstrengenden „Schockel Classic“ in Graz durchgeführt, die aus 16,5 km bergauf Radfahren und 2 km bergauf laufen, mit einem Gesamthöhenunterschied von 1100 m besteht. 6 männliche Athleten nahmen hohe Dosen an Vitamin C (2 g pro Tag) für 4 Wochen vor einem Rennen ein, während 4 weitere Wettkampfsportler keine Nahrungsergänzungsmittel zu sich nahmen und somit als Kontrollgruppe dienten. Blutproben wurden 15 Minuten vor und sofort nach dem Biathlonrennen genommen. Die Zeiten der Versuchsteilnehmer betrugen zwischen 1h 7min bis 2h 23min.

Die Forscher waren am meisten darauf aus, die Auswirkungen von Vitamin C auf die Funktion der Neutrophile zu untersuchen. Neutrophile sind die weißen Blutkörperchen, die am schnellsten auf das Eindringen von Fremdkörpern wie Viren oder Bakterien reagieren. Obwohl die Neutophilen im Blut eigentlich nach dem Training erhöht sind, wird die Hemmung der Neutrophilenfunktion als ein Faktor angesehen, der für eine erhöhte Anfälligkeit der Athleten gegenüber Infektionen der höheren Atemwege (URTI) verantwortlich ist.

Die Behandlung mit Vitamin C ist zur Verbesserung der neutrophilen Funktion bei Patienten, die wiederkehrende Furunkel aufweisen (Beulen, die durch Bakterien in der Haut entstehen) und zur Vermeidung von URTI bei Patienten nach hartem Training gedacht.

Die Analyse von Blutproben nach einem Rennen zeigte Spuren einer gehemmten neutrophilen Funktion bei allen Athleten. Es bestand kein Unterschied zwischen denen, die Vitamin C einnahmen und der Kontrollgruppe.
Erhöhte Blutwerte mit den Stresshormonen Noradrenalin und Adrenalin, die sich bei Labortests als Hemmer der neutrophilen Funktion erwiesen, wurden bei allen Athleten festgestellt. Sie wurden umgekehrt auf die neutrophile Funktion zurückgeführt – unabhängig davon, ob die Athleten Vitamin C zu sich nahmen, oder nicht.

“Unsere Ergebnisse unterstützen nicht die Idee, dass die Einnahme von Vitamin C neutrophile Dysbalancen nach einem harten Training ausgleicht.“ Der Beweis für dessen Wirksamkeit kommt von Studien an Menschen, die bereits eine gehemmte neutrophile Funktion mit sich bringen. “Da keiner der Athleten unserer Studie irgendwelche neutrophilen Hemmungen vor einem Biathlon zeigte, könnte dies erklären, warum eine Vitamin C-Behandlung keine Auswirkungen hat. Deswegen kann Athleten, ohne eine bestehende gehemmte Funktion der Neutrophilen, die Einnahme von Vitamin C nicht empfohlen werden, um die durch Training entstandene gehemmte neutrophile Funktion auszugleichen.“

Ein weiteres Argument gegen die Einnahmen von hohen Dosen an Vitamin C resultiert aus einer neuen US Studie, die in der Science veröffentlicht wurde. Sie ratifiziert frühere britische Ergebnisse, dass die Einnahme von hohen Dosen an Vitamin C (500 mg/Tag) zur Produktion von „Genotoxin“ führt, welches die DNS schädigen kann.

Isabel Walker

Quellenangaben:

  • Med Sci Sports Exerc 2001 Mar Bd. 33 (3) S. 9348-53
  • Eur J Clin Invest 2001 Mar Bd.31(3) S. 258-263
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