Sportverletzung: Die Schultereckgelenksprengung

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Erfahren Sie alles über die Schultereckgelenksprengung (Acromioclaviculargelenksprengung), eine Sportverletzung, die fast immer in Folge direkter Stürze auf die Schulter auftritt. Anatomie, Diagnostik, Symptome und Behandlungmöglichkeiten erläutert Björn Reindl.

Anatomie des Schultereckgelenk (Acromioclaviculargelenk)

Es verbindet das äußere Ende des Schlüsselbeins (Klavikula) mit dem Schulterdachfortsatz (Akromion) des Schulterblatts. Stabilisiert wird es hauptsächlich durch die Gelenkkapsel und die dazugehörigen Bänder (Ligamentum acromioclaviculare und coracoclaviculare), sowie die dazugehörige Fascie (Delto-Trapezoid-Fascie). Allerdings können auch die Körperhaltung (z. B. Rundrücken) und die Muskelspannung Einfluss auf Stellung und Stabilität des Gelenks haben.

 

Definition Schultereckgelenkssprengung

Ein unvollständiges oder vollständiges Zerreißen der Gelenkkapsel und der Bänder des Schultereckgelenks.

 

Synonyme

– ACG-Sprengung

– ACG-Luxation

– Schultereckgelenksverrenkung

– Tossy I-III

– Rockwood I-VI

 

Ursachen

Fast immer in Folge direkter Stürze auf die Schulter, beispielsweise bei einem Sturz vom Fahrrad, beim Skilaufen oder bei Kontaktsportarten.

 

Symptome

Direkt über dem Schultereckgelenk auftretende Schmerzen, die sich durch Druck und Armbewegungen verstärken und die häufig eine Schonhaltung mit sich ziehen. Des Weiteren kann es zu einem Hämatom (Bluterguss) und/oder zu einer Schwellung im Bereich der Verletzung kommen, welche unter Umständen einen Hochstand des Schlüsselbeins (Clavicula) verdecken kann.

 

Diagnostik

Bei einer kompletten Ruptur oder starken Teilrupturen der Bänder kann das nach oben abweichende äußere Ende des Schlüsselbeines vom Untersucher wie eine Klaviertaste nach unten gedrückt werden (Klaviertastenphänomen). (Sportverletzung: Das Klaviertastensyndrom/die Schultergelenksprengung)

Komplette Bandzerreißungen führen zu einem vollständigen Hochstand des Schlüsselbeines über eine Distanz bis zu 1,5 cm (Rockwood III Verletzung). In besonders schweren Fällen tritt zusätzlich ein Riss der das Gelenk überdeckenden Faszie auf. Dann können massive Verschiebungen des Schlüsselbeines sowohl in horizontaler aus auch vertikaler Ebene über mehrere Zentimeter auftreten. Das Schlüsselbeinende ist dann direkt unter der Hautoberfläche sicht- und tastbar.

Zusätzlich wird häufig eine Röntgen-Untersuchung vom Arzt zur Sicherung der Diagnose in Anspruch genommen, seltener eine Computertomografie (CT), eine Magnetresonanz-Tomografie (MRT) oder eine Ultraschall-Untersuchung. Die Röntgen-Untersuchung kann wichtig sein, da der Schweregrad der Schulter-Eckgelenksverletzung in mehrere Grade eingeteilt wird (nach Tossy oder Rockwood), nach denen sich die anschließende Therapie richtet.

 

Akuttherapie

Ruhigstellung des Schultereckgelenkes zur Schmerzlinderung in einem speziellen Verband. Durch regelmäßige Kühlung oder auch Quarkpackungen sowie antientzündliche Medikamenten (z. B. Diclofenac, Ibuprofen) kann eine übermäßige Schwellung/Entzündung des Gelenks vermieden werden.

Ob die Schultereckgelenkverletzung konservativ oder operativ behandelt wird, richtet sich vor allem nach dem Ausmaß der Bandzerreissung unddem Aktivitätslevel des Patienten.

 

Konservative Therapie

Bei einer leichten Schultereckgelenk-Verletzung (Bänderdehnung, Teilriss der Bänder) werden Physiotherpie in Form von Lymphdrainage, Elektrotherapie, manueller Therapie und/oder Krankengymnastik zur Unterstützung des Heilungsprozesses angewendet.

 

Operative Therapie

Je ausgeprägter die Schädigung ist, desto großzügiger sollte die Empfehlung zur Operation ausgesprochen werden. Als erstes wird das Gelenk wieder eingerichtet. Um das eingerenkte Gelenk an seiner Stelle zu halten, werden entweder Platten, Drähte oder resorbierbare Kordel eingebracht. Danach werden die zerrissenen Bänder bzw. die zerrissene Kapsel genäht und gerafft sowie, falls nötig, die gerissene Fascie rekonstruiert. Nach 6-10 Wochen kann das Implantat, das zur vorübergehenden Stabilisierung verwendet wurde, wieder entfernt werden. Im Anschluss erfolgt eine physiotherapeutische Nachbehandlung.

 

Björn Reindl

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Über den Autor

Björn Reindl

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