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Chronische Rückenschmerzen: neue Studien zur Rehabilitation

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Chronische Rückenschmerzen: Etwa 85 Prozent der Weltbevölkerung leiden mindestens ein Mal im Leben an Rückenschmerzen. Im Rahmen der Therapie von chronischen Rückenschmerzen findet eine Reihe verschiedener Methoden Anwendung. Aus dem Fitnesssektor kommend, wurden in den vergangenen Jahren neben klassischem Ausdauer- und Krafttraining zusätzlich neue Ansätze wie hochintensives Training (HIT) oder Elektromyostimulation (EMS) in Therapien überführt. Aktuelle wissenschaftliche Studien geben nun Aufschluss darüber, welche Effektivität die einzelnen Ansätze aufweisen.

Chronische Rückenschmerzen: Moderat oder intensiv trainieren?

Hintergrund: Die große Effektivität von hochintensivem Training (HIT) ist aus Studien zur Therapie chronischer Erkrankungen bereits bekannt. Belgische Forscher untersuchten daher, ob ein hochintensives Training einem moderat-intensiven Training auch in Hinblick auf die Behandlung chronischer Rückenschmerzen überlegen ist.

Die Studie: Jeweils 19 Personen mit unspezifischen chronischen Rückenschmerzen wurden zufällig in eine Trainingsgruppe mit HIT oder moderater Trainingsintensität (MIT) eingeteilt. Das 90-minütige Trainingsprogramm wurde zweimal wöchentlich über insgesamt zwölf Wochen durchgeführt. Dabei unterschieden sich die Programme der beiden Gruppen nur in ihrem Anstrengungsgrad. Inhaltlich umfassten beide Programme Ausdauer-, Kraft- und Stabilisationsübungen. Vor und nach der Intervention wurden von allen Studienteilnehmern Einschränkungen der Lebensqualität, Schmerzempfinden, funktioneller Status sowie Ausdauer- und Kraftniveau ermittelt.

Die Erkenntnisse: Beide Gruppen reduzierten durch die Intervention die Einschränkungen in ihrer Lebensqualität (HIT: -64 Prozent vs. MIT: -33 Prozent) und ihr Schmerzempfinden (-56 Prozent vs. -39 Prozent), während sie ihren funktionellen Status (+37 Prozent vs. +39 Prozent), ihre Ausdauerleistung (+14 Prozent vs. +4 Prozent) und die Kraft der Rückenmuskulatur (+10 Prozent vs. +14 Prozent) verbessern konnten. Die positiven Effekte des HIT-Programms waren dabei denen des MIT-Programms überlegen, was sich am deutlichsten hinsichtlich der Lebensqualität und der Ausdauerleistung zeigte. Die Forschergruppe kam daher zum Schluss, dass HIT eine sichere und hocheffektive Methode in der Therapie von chronischen Rückenschmerzen darstellt.

Welcher Sport hilft gegen chronische Rückenschmerzen?

Hintergrund: Nachdem ein wissenschaftlicher Nachweis zur Effektivität von HIT im Rahmen der Therapie von chronischem Rückenschmerz erbracht war, widmete sich die schon genannte belgische Forschergruppe einer weiteren Fragestellung – der nach dem geeignetsten Trainingsmodus.

Die Studie: Hierfür teilten sie weitere 80 Teilnehmer der zuvor beschriebenen Studie auf insgesamt vier Gruppen auf. Allen Gruppen war ein ausdauerorientiertes HIT gemein, das je nach Gruppenzugehörigkeit um ein HIT ergänzt wurde. Das HIT stammte aus den Bereichen Kraft, Stabilisation, Kombination aus Kraft und Stabilisation oder Mobilität.

Die Erkenntnisse: Alle vier Gruppen verzeichneten Fortschritte hinsichtlich des Schmerzempfindens (-39 Prozent bis -57 Prozent), der Einschränkungen der Lebensqualität (-27 Prozent bis -64 Prozent), des funktionellen Status (+38 Prozent bis +89 Prozent) sowie der Ausdauerleistung (+7 Prozent bis +14 Prozent). Verbesserungen in der Kraftleistung konnte man nur vereinzelt feststellen. Insgesamt war keiner der verwendeten Modi einem anderen systematisch überlegen. Für die Therapie von chronischem Rückenschmerz können damit als Ergänzung zu einem Ausdauer-HIT verschiedene weitere Modi wie Kraft-, Stabilisations- oder Mobilitätstraining effektiv eingesetzt werden.

Was bringt EMS wirklich?

Hintergrund: Zwar stellen die bereits vorgestellten Trainingsvarianten effektive Wege in der Therapie von chronischem Rückenschmerz dar. Jedoch spielt Sport im Leben betroffener Patienten oft eine untergeordnete Rolle. Vor diesem Hintergrund hat sich im Fitnessbereich das Ganzkörper-EMS als Trainingsmethode etabliert, das auch von sonst schwer zu erreichenden Zielgruppen angenommen wird. Inwieweit EMS auch bei chronischem Rückenschmerz wirkt, wurde nun von einem deutsch-belgischen Forscherteam analysiert.

Die Studie: Die Wissenschaftler teilten 85 Patienten mit unspezifischem Rückenschmerz in zwei Gruppen ein. Die Versuchgruppe absolvierte über einen Zeitraum von sechs Monaten einmal pro Woche für je 20 Minuten ein Ganzkörper-EMS-Training. Des Weiteren bildete man eine Kontrollgruppe, die ein nach offiziellen Leitlinien gestaltetes multimodales Programm durchführte. Dieses bestand aus Kraft-, Ausdauer- und Stabilisationstraining, ergänzt durch weitere Maßnahmen wie Entspannungstechniken und Ergotherapie. Zu den Zielparametern der Studie zählten das Schmerzempfinden, die posturale Stabilität und verschiedene Kenngrößen der Kraft.

Die Erkenntnisse: Das Schmerzempfinden wurde nur in der EMS-Gruppe deutlich reduziert (-46 Prozent). Die untersuchten Kraftparameter konnten sowohl durch die EMS-Intervention als auch durch das multimodale Programm leicht gesteigert werden. Die Forscher schlussfolgerten, dass EMS eine mindestens ebenso wirksame Methode wie ein etabliertes multimodales Programm zur Behandlung von chronischem Rückenschmerz darstellt – mit dem großen Unterschied, dass zweiteres einen deutlich größeren Zeitaufwand mit sich bringt und damit in der Praxis verhältnismäßig schwer umzusetzen ist.

Zusammengefasst

  • Stärkere Therapieeffekte durch hochintensives Training verglichen mit moderat-intensivem Training
  • Vergleichbarer Nutzen von Kraft-, Stabilisations- und Mobilitätstraining in Ergänzung zu hochintensivem Ausdauertraining
  • Elektromyostimulation mindestens ebenso wirksam wie zeitaufwendigere multimodale Programme

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Autor: Dr. Stefan Altmann ist Leiter der Leistungsdiagnostik am Institut für Sport und Sportwissenschaft des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) sowie Koordinator Sportphysiologie & Wissenschaft der TSG ResearchLab gGmbH.

Kontakt: stefan.altmann@kit.edu

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Über den Autor

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