Magersucht und Bulimie: Essstörungen bei Sportlerinnen und Sportlern

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Wenn Sie als Sportler Ihre Leistung optimieren möchten, können Sie Ihre Leistung durch ernährungsbewusstes Verhalten natürlich steigern. Bei einigen Sportlern führt dieses Bewusstsein jedoch zu einem ungesunden und zwanghaften Verhalten in Bezug auf Essen, Kalorien und Körpergewicht.

Magersucht bei Sport und Training: Symptome und Anzeichen

Sie machen sich ständig Sorgen darüber, was sie essen, wann und wo sie essen, wie viel sie wohl zunehmen, wenn sie mit Freunden zum Essen ausgehen, wie lange sie trainieren müssen, um diese Kalorien wieder zu verbrennen, wie sie die Aufnahme ’verbotener’ Nahrungsmittel am besten vermeiden usw. Diese zwanghafte Beschäftigung mit Essen und dem eigenen Körpergewicht nennt man Essstörung. Essstörungen scheinen zu einem zunehmenden Problem der Gesamtbevölkerung zu werden.

So ist z. B. in einem Zeitraum von 9 Jahren die Behandlungsrate bei Anorexie (Magersucht) und Bulimie in einem Londoner Krankenhaus um über 360 % gestiegen. Experten behaupten, dass die in der Modewelt verkörperte und über die über letzten vierzig Jahre immer dünner werdende Idealfigur ein Faktor für diese Entwicklung ist. Der durch die Medien kreierte Druck wurde lange Zeit hauptsächlich auf Frauen ausgeübt. In den letzten Jahren wird jedoch auch der männliche “body beautiful“, der Idealkörper, zunehmend in der Werbung propagiert und führt auch unter den Männern zu der zunehmenden Sorge, ob ihr Körper diesem Ideal auch entspricht. Unter Umständen nehmen auch ein höheres Problembewusstsein sowie höhere Diagnoseraten Einfluss auf die Statistiken.

Untersuchungen haben eine Reihe anderer Faktoren ermittelt, die zur Entstehung von Essstörungen beitragen könnten. Studien mit Zwillingen zeigen eine Einflussnahme genetischer Faktoren an. Auch können biologische Faktoren, wie die Störung von Neurotransmittern im Gehirn an der Entstehung mitwirken. Ebenfalls werden in diesem Zusammenhang verschiedene psychologische Faktoren genannt. Essstörungen werden als Reaktion auf einen oder mehrere der folgenden Faktoren gesehen: Aufwachsen in einer Familie mit mangelhaften Konfliktlösungsstrategien bzw. Schwierigkeiten, Gefühlen Ausdruck zu verleihen; tatsächlicher oder befürchteter sexueller Missbrauch, Probleme bei der Stressbewältigung, niedriges Selbstwertgefühl (ruft das Bedürfnis nach verstärkter externer Bestätigung hervor). Eine zu simple Ursachenfestlegung gilt es auf jeden Fall zu vermeiden, denn jeder Einzelfall variiert im Hinblick auf die primären Gründe für die Erkrankung.

 

Erhöhtes Risiko für Essstörungen bei Sportlern

Studien zeigen, dass Sportler weit anfälliger für die Entwicklung von Essstörungen sind als Nicht-Sportler. Neben den oben genannten Faktoren sehen sich Sportler zusätzlichem Leistungsdruck und – einige Sportler – ästhetischen Ansprüchen ausgesetzt. Bei einigen Sportlern, wie z. B. Langstreckenläufer, Sprintern und Schwimmern, hält man ein geringes Körpergewicht für einen Wettbewerbsvorteil. Dahingegen mögen Sportler, deren Sportarten subjektiven Bewertungen unterliegen, so z. B. Turner, Turmspringer, Eiskunstläufer und Tänzer, davon ausgehen, dass ihr Körpergewicht Einfluss auf die Bewertung ihrer Leistung nimmt. In anderen Sportarten wie Ringen und Rudern wiederum, die in Gewichtsklassen eingeteilt sind, kann es zu einer zyklischen Gewichtszunahme gefolgt von plötzlichem Gewichtsverlust kommen.

Auch die Sportler selbst haben zu einem gestiegenen Körperbewusstsein beigetragen und werden dadurch immer anfälliger für die Belange rund um ihr “body image“. Zu guter letzt werden Persönlichkeitsmerkmale wie Perfektionismus, Zwanghaftigkeit und hohe Erwartungshaltungen bei Wettkampfsportlern für durchaus vorteilhaft gehalten. Jedoch werden genau diese Merkmale im Allgemeinen auch mit der Entwicklung von Essstörungen in Verbindung gebracht.

Erwartungsgemäß sind Essstörungen daher in den weiblichen Wettbewerbssportarten am weitesten verbreitet, in denen Magerkeit bzw. ein bestimmtes Körpergewicht für die Leistung oder das Erscheinungsbild als wichtig angesehen werden. Männer leiden ebenfalls unter Essstörungen, jedoch in geringerem Ausmaß – die Krankheitsrate betroffener Männer im Verhältnis zu Frauen beträgt geschätzte 1:10.

 

Anorexia nervosa, Bulimie und subklinische Störungen

Die Essstörungen Anorexia nervosa (Magersucht) und Bulimia nervosa (Bulimie oder Ess-Brechsucht) sind als psychiatrische Erkrankungen anerkannt und werden klinisch definiert durch eine Reihe von Diagnosekriterien (siehe Kästen). Diese Kriterien gehen über eine bloße Besorgnis um Gewicht und Körperimage hinaus und umfassen ebenfalls ernsthafte psychologische Probleme. Mehrere Studien haben eine große Anzahl an Sportlern ermittelt, die an einer dieser Störungen leiden. Andere Sportler hingegen zeigen weniger schwerwiegende, also ’subklinische’, Formen von Essstörungen. Diese erfüllen zwar einige, aber nicht alle Diagnosekriterien. Einige Experten schlagen vor, Essstörungen in ein Spektrum zu fassen – so stellt Fries z.B. eine Hypothese für die Existenz eines direkten Zusammenhangs zwischen Ess- und Abnehmverhalten auf.(1) Diese lässt darauf schließen, dass Abmagerungskuren zu einem gestörten Essverhalten führen können; dieses kann u. U. wiederum in Magersucht oder Bulimie münden.

Der Begriff der subklinischen Magersucht wurde erstmals in den 70-er Jahren von Forschern untersucht. Später wurde sie als eine Art Wachstumsstörung bei Heranwachsenden bzw. als verzögerter Pubertät bestimmt. Man hielt die selbst auferlegte Kalorienbegrenzung für eine Angstreaktion auf Fettleibigkeit.

Gewichtsabnahme zur Erfolgssteigerung

Junge männliche Sportler unterziehen sich immer häufiger einer starken Gewichtsabnahme zur Leistungssteigerung.

Junge männliche Sportler unterziehen sich immer häufiger einer starken Gewichtsabnahme zur Leistungssteigerung.   © Lolostock | shutterstock.com

Mit Hilfe von Informationen aus Fallstudien übertrug ein anderer Wissenschaftler den Begriff der subklinischen Magersucht auf Sportler. Der ’subklinisch Magersüchtige’ wurde beschrieben als ein junger männlicher Sportler, der sich sehr für seinen Sport einsetzt und der sich einer starken Gewichtsabnahme zur Erfolgssteigerung unterzogen hat. Schlussendlich dienten Abmagerungskuren und die Aufrechterhaltung eines zu niedrigen Körperfettwertes jedoch nicht länger als Mittel zum Zweck (der da lautete “sportlicher Erfolg“), sondern sie wurden zum Selbstzweck.(2) Vor kurzem brachte eine norwegische Ernährungswissenschaftlerin eine Reihe von Unterscheidungsmerkmalen für eine Form der subklinischen Magersucht ein, die sie als “Anorexia athletica“ bezeichnet.(3)

 

Definitionsversuche zu Anorexia athletica

Sundgot-Borgen definiert Anorexia athletica mit Hilfe von absoluten (müssen zutreffen) und relativen (können zutreffen) Merkmalen.

Merkmale, die zutreffen müssen:

– Gewichtsverlust,

– Magen-Darm-Beschwerden,

– Fehlen einer medizinisch indizierten Krankheit oder aber einer emotionalen Störung, die den Gewichtsverlust erklären würde,

– übermäßige Angst vor Fettleibigkeit,

– eingeschränkte Kalorienaufnahme.

 
Einer oder mehrerer der folgenden Merkmale können zutreffen:

– Verspätetes Eintreten der Pubertät

– Menstruationsstörungen

– Störungen der Körperwahrnehmung

Einnahme von Abführmitteln

– Fressattacken

– zwanghaftes Trainieren

 
Wissenschaftler der Arizona State University behaupten, dass diese Kriterien unklar und beliebig definiert seien.(4) Ihren Aussagen zufolge würden weitere Studien zur Abgrenzung und Definition der Alleinstellungsmerkmale der subklinischen Essstörungen wie der Anorexia athletica benötigt. Sie erstellen ihre eigene Liste mit empfohlenen relativen und absoluten Diagnosekriterien, allerdings unter dem Vorbehalt, dass die Anzahl der zutreffenden Kriterien noch festgelegt werden muss. Die Liste lässt sich wie folgt zusammenfassen:

 

Absolute Merkmale:

– Zwanghafte Beschäftigung mit Essen, Kalorien und der Figur

– Gestörte Körperwahrnehmung

– Starke Angst vor Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, trotz leichtem oder starkem Untergewicht

– Der Sportler behält über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr ein für sein Alter und seine Größe zu niedriges Körpergewicht bei (5–15 %). Dabei bedient er sich eines oder mehrerer der folgenden Mittel:

a) beschränkte Energiezufuhr

b) stark eingeschränktes Nahrungsmittelspektrum

c) übermäßiges Training (d.h. mehr als notwendig für den sportlichen Erfolg oder mehr als andere Sportler mit vergleichbarem Fitnesslevel).

– Fehlen einer medizinisch indizierten Krankheit oder emotionalen Störung, die den Gewichtsverlust oder die Aufrechterhaltung des geringen Körpergewichts erklären würden.

 

Relative Merkmale:

Magen-Darm-Beschwerden

– Menstruationsstörungen

– Häufige Durchführung abführender Maßnahmen (selbst induziertes Erbrechen, Einnahme von abführenden oder Harn fördernden Mitteln über einen Zeitraum von mind. einem Monat).

– Fressattacken (mind. 8 Attacken pro Monat über einen Zeitraum von 3 Monaten).

 

Ursachen

Es gibt zahlreiche Mutmaßungen, warum insbesondere Sportler einem erhöhten Risiko für die Entwicklung von Essstörungen (sowohl klinisch als auch subklinisch) ausgesetzt sind. Da fällt es schwer, sich auf eine Hauptursache festzulegen: Ist es Veranlagungssache bzw. sind es die jeweiligen Lebensumstände, die in beides, sportliche Aktivität und Essstörungen, münden? Oder führt eher die Ausübung bestimmter Sportarten zu Essstörungen? Eine Interaktion beider Faktoren scheint sehr wahrscheinlich.

Führt das Ausüben einer bestimmten Sportart zu Essstörungen?

Führt das Ausüben einer bestimmten Sportart zu Essstörungen?   © Jacob Lund | shutterstock.com

Eine umfangreiche norwegische Studie unter Sportlerinnen sollte die Risikofaktoren für Essstörungen untersuchen, wie auch die Auslöser, die zu einem vorzeitigen Ausbruch bzw. einer Verschlimmerung der Krankheit führen.(5) Ein erster Screening-Fragebogen wurde an alle norwegischen Elite-Sportlerinnen gesendet. (Als Elite-Sportlerinnen galten alle Sportlerinnen, die sich für ein Nationalteam – auf Jugend- oder Seniorebene – qualifiziert hatten oder zum weiteren Mannschaftskader gehörten und deren Alter zwischen 12 und 35 Jahren lag.) Die 522 Rückläufe kamen aus 6 unterschiedlichen Sportbereichen: Technik, Ausdauer, Ästhetik, Gewichtsklassen, Ballspiele und Kraftsportarten. Ein standardisiertes Verfahren, das Eating Disorder Inventory, diente dazu, Teilnehmer als “gefährdet“ zu klassifizieren.(6) Anhand dieses Verfahrens wurden 117 Testpersonen (22,4 %) als “gefährdet“ eingestuft. 103 dieser Personen willigten in ein klinisches Interview zur Diagnose von Essstörungen ein. Parallel wurde die aus 30 Sportlerinnen bestehende Vergleichsgruppe interviewt. Diese wurde willkürlich aus dem als “nicht gefährdet“ eingestuften Testpool ausgewählt (d. h., dass diese Gruppe bei dem ersten Screening-Fragebogen zu Essstörungen niedrige Ergebnisse erzielten). Die Kontrollpersonen wurden mit den gefährdeten Personen bezüglich Alter, Wohnort und Sportart abgeglichen.

Sportlerinnen der ästhetischen- und Gewichtsklassen-Sportarten sind besonders gefährdet

92 der gefährdeten Sportlerinnen erfüllten die Kriterien für Anorexia nervosa, Bulimia nervosa oder Anorexia athletica. Die Sportlerinnen wurden um ihre Meinung hinsichtlich möglicher Ursachen für die Entwicklung einer Essstörung gebeten. 85 % machten hierzu Angaben. Die aus den Interviews gewonnenen Erkenntnisse wurden dann mit den spezifischen Begründungen der Sportlerinnen abgeglichen, um mögliche Auslöser für Essstörungen zu definieren.

Aus den Ergebnissen ging hervor, dass die Wettkämpferinnen aus den ästhetischen Sportarten sowie den Ausdauersportarten dünner waren und ein deutlich höheres Trainingspensum absolvierten als die Wettkämpferinnen anderer Sportarten. Essstörungen waren unter den Sportlerinnen der ästhetischen und Gewichtsklassen-Sportarten bedeutend höher als in anderen Bereichen.

 

Risikofaktoren für Essstörungen bei Sportlern

Ein offenes Geheimnis: Viele Sportler leiden an Essstörungen

Nicht nur Frauen, auch Männer sind immer häufiger von Essstörungen betroffen   © Dragon Images | shutterstock.com

Es wurden mehrere Risikofaktoren identifiziert. So schien es einen Zusammenhang zwischen den bereits in jungen Jahren begonnenen Abmagerungskuren und dem Auftreten einer Essstörung zu geben. Ein erheblicher Anteil der Sportlerinnen, die eine Gewichtsreduktion zur Leistungssteigerung vornahm, tat dies auf Anraten ihrer Trainer. Für junge und leicht zu beeindruckende Sportlerinnen mag diese Empfehlung als Voraussetzung zur Leistungssteigerung gelten. Auch andere Wissenschaftler haben ähnliche Mechanismen beobachtet – so z. B., dass 75 % aller Turnerinnen, deren Trainer ihnen sagte, dass sie zu schwer seien, gesundheitsschädigende Maßnahmen zur Gewichtskontrolle durchführten.

Die Ergebnisse der norwegischen Studie weisen ebenfalls darauf hin, dass nicht überwachte Diäten ein erhöhtes Risiko für Essstörungen in sich bergen. Aus der Angst, dass die Essstörung entdeckt wird, mag es auch sein, dass viele Sportlerinnen keine Betreuung wünschen. Des Weiteren sind die meisten Sportlerinnen nicht ausreichend über angemessene Methoden zur Gewichtsreduktion informiert. Sie beziehen ihre Informationen aus wahllosen Quellen, von Freunden, aus Crash-Diäten in Zeitschriften etc. Diese Diäten werden weder dem hohen Energiebedarf aktiver Sportlerinnen noch dem besonderen Nährstoffbedarf junger heranwachsender Frauen gerecht. Diese ungeeigneten Crash-Diäten mögen bei Sportlerinnen Anklang finden, die schnell Gewicht verlieren möchten, um ins Team zu kommen oder um mit der Konkurrenz mithalten zu können. Letztendlich können die restriktiven Diäten und die damit verbundenen Gewichtsschwankungen jedoch das Risiko für Essstörungen erhöhen.

Sportspezifischen Trainings in Zusammenhang mit Essstörungen

Ebenso wurde ein altersmäßig früher Start des sportspezifischen Trainings mit dem Auftreten von Essstörungen in Zusammenhang gebracht. Im Vergleich zu den essgestörten Sportlerinnen hatten in der Kontrollgruppe prozentual mehr Sportlerinnen andere Sportarten ausprobiert, bevor sie sich für ihre bevorzugte Sportart entschieden. Der individuelle Körperbau jedes Menschen lenkt den Sportler häufig zu einer bestimmten Sportart hin, und der Körperbau nimmt zumindest teilweise auch Einfluss auf den Erfolg des Sportlers. Wenn die Sportler nun mit ihrem sportspezifischen Training beginnen, bevor der Körper ausgereift ist, so hält ihn/sie das möglicherweise davon ab, eine für den ausgewachsenen Körper geeignete Sportart zu wählen. Dadurch wird ein Konflikt verursacht, in dessen Verlauf der Sportler versucht, die durch Wachstum und Reifung hervorgerufene Veränderungen seines Körpers zu unterdrücken oder ihr entgegenzuwirken.

Kann extremes Training als potenzielle Ursache für Anorexia nervosa angeführt werden?

Auch traumatische Ereignisse wie der Verlust eines Trainers können zu Auslösern von Essstörungen werden.

Auch traumatische Ereignisse wie der Verlust eines Trainers können zu Auslösern von Essstörungen werden.   © wavebreakmedia | shutterstock.com

Extremes Training wurde bisher ebenfalls als potenzielle Ursache für Anorexia nervosa angeführt. Jedoch gaben in der norwegischen Studie von den Sportlerinnen, die keine spezifischen Ursachen für das Auftreten der Essstörungen genannt hatten, viele an, dass ihr Trainingsumfang beträchtlich zugenommen und sie dadurch deutlich an Gewicht verloren haben. Der Kalorienbedarf von Sportlern, die ihre Trainingsaktivitäten erhöhen, wird u. U. nicht gedeckt, da sie möglicherweise nicht realisieren, dass sie durch den erhöhten Energiebedarf einfach mehr essen müssen. Eine Veränderung im Endorphinhaushalt und die damit einhergehende Appetitlosigkeit können ebenfalls zu einer Unterversorgung beitragen. Der Kalorienmangel kann ggf. ein biologisches oder psychologisches Klima schaffen, welches die Entwicklung einer Essstörung begünstigt. So wurden in der Vergangenheit bei verhungernden Menschen Symptome von Essstörungen beobachtet, wie z.B. Fixierung auf Essen und Hyperaktivität.(7) Letztlich führte bei einigen Sportlerinnen auch der Verlust des Trainers zu Essstörungen. Diese Sportlerinnen gaben an, dass ihre Trainer unerlässlich für ihre weitere Sportkarriere seien. Andere Sportlerinnen berichteten, dass sie während einer Verletzungs- oder Krankheitsunterbrechung, während derer sie nicht auf ihrem üblichen Niveau weiter trainieren konnten, Essstörungen entwickelten. Somit müssen der Verlust eines Trainers, Verletzungs- oder Krankheitspausen als traumatische Ereignisse bewertet werden, die zu Auslösern von Essstörungen werden.

 

Prävention von Essstörungen wie Bulimie und Anorexie

Der Schlüssel im Umgang mit Essstörungen liegt in der Prävention, und hier ist Aufklärung ein notwendiger erster Schritt. Sportler, Eltern, Trainer, Sportfunktionäre, sportliche Betreuer und Ärzte müssen über Risiken (wie oben aufgeführt) und Warnsignale von Essstörungen aufgeklärt werden. Mimi Johnson fügt in ihrem Beitrag “Disordered Eating in Active and Athletic Women“ die folgenden Warnsignale zu einer Checkliste zusammen:(8)

– Zwanghafte Beschäftigung mit Essen, Kalorien und Gewicht

– Wiederholt geäußerte Besorgnis darüber, zu dick zu sein oder sich dick zu fühlen, obwohl das Gewicht durchschnittlich ist oder sogar unter normal liegt

– Zunehmende Kritik am eigenen Körper

– Heimliches Essen oder Stehlen von Nahrung

– Große Mahlzeiten zu sich nehmen und daraufhin verschwinden bzw. die Toilette aufsuchen

– Verzehren großer Portionen, die nicht im Verhältnis zum Körpergewicht der Sportlerin stehen

– Blutunterlaufene Augen, besonders nach dem Besuch der Toilette

– Geschwollene Ohrspeicheldrüsen im Bereich des Kieferwinkels; diese verleihen die typischen “Hamsterbacken“

– Brechen oder Brechgeruch im Badezimmer

– Große Gewichtsschwankungen innerhalb kurzer Zeit

– Zeiträume mit strenger Kalorienrestriktion

– Übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln

– Zwanghaftes und übermäßiges Sporttreiben, welches nicht Teil des normalen Trainingsprogramms ist

– Hemmungen, vor anderen zu essen (z. B. vor Teamkameraden während Wettkampfreisen)

– Sich selbst herabwürdigende Äußerungen nach der Nahrungsaufnahme

– Sackähnliche Kleidung bzw. Kleidung im Lagenlook

– Stimmungsschwankungen

– Augenscheinliche Besorgnis über das Essverhalten anderer

Ständiges Trinken von Mineralwasser

Wie verhalte ich mich bei typischen Anzeichen und Symptomen?

Auch ständiges Trinken von Mineralwasser kann u.U. ein Warnsignal von Essstörungen sein

Auch ständiges Trinken von Mineralwasser kann u.U. ein Warnsignal von Essstörungen sein   © VP Photo Studio | shutterstock.com

Falls Sie Sorge haben, dass jemand, den Sie kennen, an Essstörungen leidet, so sollten Sie ihn oder sie sehr vorsichtig darauf ansprechen. Magersüchtige oder Bulimiker werden das Problem häufig abstreiten und darauf bestehen, dass alles in Ordnung ist. Teilen Sie mit ihm oder ihr Ihre Besorgnis über Symptome wie Benommenheit, chronische Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Mit der Erwähnung dieser Symptome wird es Ihnen eher gelingen, dass Ihre Hilfe akzeptiert wird. Sprechen Sie die Themen Gewicht oder Essgewohnheiten nicht direkt an. Vermeiden Sie dabei Begriffe wie Verhungern oder Fressattacken, sondern fokussieren Sie sich auf Lebensinhalte. Bieten Sie eine Reihe von Adressen für professionelle Hilfe an. Auch wenn der Sportler/die Sportlerin Ihnen gegenüber das Problem nicht zugeben will, so kann er/sie insgeheim doch verzweifelt nach Hilfe suchen.

Lesen Sie auch: Sporternährung für Frauen

  

Wo findet man Hilfe?

Fragen Sie Ihren Hausarzt nach Spezialkliniken für Essstörungen in Ihrer Nähe. Sowohl medizinische als auch psychologische Hilfe könnte erforderlich sein, und eine Therapie bezieht u. U. die gesamte Familie ein.

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Quellenangaben:

1. Monograph, Acta Psychiatr. Scan, Bd. 248 (Beilage)

2. Smith, ’Excessive weight loss and food aversion in athletes simulating anorexia nervosa’, Pediatrics, Bd. 66 (1), S. 139–142

3. Sundgot-Borgen, ’Prevalence of eating disorders in elite female athletes’, International Journal of Sport Nutrition & Exercise Metabolism, Bd. 3, S. 29–40

4. Beals and Manore, International Journal of Sport Nutrition & Exercise Metabolism, Bd. 4, S. 175–195

5. Sundgot-Borgen, ’Risk and trigger factors fort he development of eating disorders in female elite athletes’, Medicine and Science in Sport and Exercise, 1993, S. 414–419

6. Manual of Eating Disorder Inventory, Odessa, FL: Psychological Assessments Resources, Inc, 1984

7. “The psychology of eating and drinking”, AW Logue, pub Freeman, 1986, S. l56

8. Clinics in Sportsmedicine, 1994, Bd. 13 (2), S. 532–537

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Über den Autor

Nicolai Napolski

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