Was verbindet das „sportliche Training“ und die „moderne Sportpsychologie“?

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Bekanntheit und Bedeutung der Sportpsychologie sind in der öffentlichen Wahrnehmung in den letzten Jahren stetig gewachsen. Trotzdem driften die Ansichten zur Bedeutung psychischer und mentaler Prozesse im Sport bei den Sport treibenden und Sport begeisterten Menschen von „Unsinn“ bis „Spiel entscheidend“ zum Teil immer noch weit auseinander? Was ist denn nun „richtig“?

Sport und Bewegung sind natürlich viel zu komplexe Phänomene, als dass eine solche Frage so einfach zu beantworten wäre. Eine Bezugnahme auf den Begriff „Sportliches Training“ stellt die Thematik jedoch in einem interessanten, nicht immer beachteten Zusammenhang dar.

Die moderne Sportpsychologie ist eine facettenreiche Wissenschaft, die in enger Beziehung und Wechselwirkung mit der Psychologie, Medizin und Sportwissenschaft/Sportpraxis steht. Ihr Gegenstand ist vereinfacht gesprochen die wissenschaftliche Untersuchung des Erlebens und Verhaltens des Menschen bei Sport und Bewegung. Die Hauptsäulen der Sportpsychologie als wissenschaftliche Disziplin beziehungsweise der Sportpsychologen sind dabei: Forschung und Lehre sowie die praktische Anwendung der wissenschaftlichen Erkenntnisse. Da für die Sportpraxis verständlicherweise besonders wichtig ist, inwiefern die sportpsychologische Perspektive konkret zur Unterstützung des Sporttreibens beitragen kann, bezieht sich dieser Artikel primär auf den Bereich der „angewandten“ Sportpsychologie. Ein Kernelement angewandter Sportpsychologie ist die Entwicklung und Anwendung psychologischer und mentaler Interventionen, die Sportler bei der Ausübung ihres Sports und/oder in Problemsituationen im Kontext Sport und Bewegung konstruktiv unterstützen. Zum Beispiel profitiert ein Leistungssportler oder/und Wettkampfsportler möglicherweise von der Sportpsychologie, da sie Maßnahmen zur Verfügung stellt, die beispielsweise dazu beitragen, auch in Wettkampfsituationen sein vorhandenes Leistungspotenzial voll abrufen zu können. Ihrem Selbstverständnis nach leitet die Sportpsychologie derartige „Trainingsmaßnahmen“ dabei systematisch aus ihren wissenschaftlich belegbaren Erkenntnissen ab. Dass dies für eine angemessene Beurteilung und Anwendung der sportpsychologischen Perspektive wesentlich ist, soll anhand der Parallele zum „sportlichen Trainingsprozess“ verdeutlicht werden.

Jeder Sportler weiß, dass das Erzielen wirklich großartiger Leistungen auf einem langfristigen, dauerhaften und zielorientierten Trainingsprozess beruht, der individuell zugeschnitten, systematisch geplant, gesteuert und durchgeführt wurde. Seriöses sportpsychologisches Training unterscheidet sich hiervon im Grunde kaum. Angewandte Sportpsychologie beruht ihrem Grundverständnis nach also ebenso wie das sportliche Training auf der systematischen, kontinuierlichen, längerfristigen Aneignung spezifischer psychologischer/mentaler/emotionaler Fertigkeiten. Im Idealfall basiert die sportpsychologische Praxis dabei zuerst auf der Abklärung („Diagnose!“), worum es im individuellen Fall konkret geht. Darauf bezogen werden zielorientiert und systematisch sportpsychologische Interventionen geplant und durchgeführt/trainiert („Trainingsplan!“) und zu gegebener Zeit überprüft („Evaluation!“). In einen solchen professionellen Trainingsprozess mit einer sinnvollen zeitlichen Struktur („Periodisierung!“) ist üblicherweise ein fundiert ausgebildeter Sportpsychologe eingebunden. (Von Möglichkeiten und Grenzen der Sportpsychologie) Er vermittelt dabei im Wesentlichen wissenschaftlich fundierte und im jeweiligen Fall sinnvolle psychologische Fertigkeiten, und leitet an, wie diese selbständig trainiert werden können.

 

Jörg Schönenberg

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