Themengebiete, Anlässe und Inhalte angewandter Sportpsychologie

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Unser Sportexperte Jörg Schönenberg gibt einen exemplarischen Überblick über mögliche Themengebiete, Anlässe und Inhalte, die im Rahmen der sportpsychologischen Praxis erfahrungsgemäß immer wieder eine Rolle spielen.

Es soll hier aber noch einmal die Bedeutung der komplexen Sportlerpersönlichkeit hervorgehoben werden, die einen vollständigen Überblick unmöglich macht. Denn wie gesagt erfordert die Individualität des Sportlers die grundlegende Klärung der Frage, worum genau es im Einzelfall im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen Sportler und Sportpsychologen gehen soll, und welche Inhalte und Trainingsmaßnahmen dementsprechend zum Einsatz kommen sollen.

 

Beispielhafte Themengebiete, Anlässe und Inhalte angewandter Sportpsychologie

Im Mittelpunkt der sportpsychologischen Arbeit steht in der Regel der einzelne Sportler oder aber auch ein Sport-Team. Je nach Situation ist (darüber hinaus) aber auch die Zusammenarbeit zwischen Sportpsychologe und dem sportlichen Trainer des/der Athleten sinnvoll. Auch die Zusammenarbeit mit dem Management sowie relevanten Personen des familiären Umfelds von Sportlern kann von Nutzen sein.

 

Leistungsmotivation durch Management von Zielen, Stärken und Werten

Langfristiger Erfolg erfordert das richtige Maß an intrinsischer Motivation. Diese ist unter anderem stark davon abhängig, wie bewusst dem Sportler seine inneren Werte sind. Die Werte sind der (oft unbewusste!) innere Motor und Beweggrund, der den Sportler zum Handeln antreibt. Ebenso dient es der Motivation, wenn der Sportler seine Stärken kennt und konsequent einsetzt. Schließlich ist für eine gute Motivation entscheidend, wie gut die Zielsetzung und Zielplanung des Sportlers ist.

 

Spannungsregulation

Ein Ziel des Sportlers ist es, seine Leistungsfähigkeit abrufen zu können. Besonders dann, „wenn es drauf ankommt“! Ob das gelingt, hängt sehr davon ab, ob der Sportler das richtige Maß an An- bzw. Entspannung hat. Dieses Maß kann je nach Persönlichkeit, Situation und Sportart variieren. Auf jeden Fall muss ein Sportler Techniken für Entspannung und Aktivierung beherrschen, um sich in den richtigen Leistungszustand versetzen zu können.

 

Vorstellungstraining/Mentales Training

Ein „Muss“ für jeden Sportler ist die Fähigkeit, sich imaginär, mental mit allen Sinnen in eine bestimmte Handlung oder Situation oder auch einen Bewegungsablauf hineinversetzen zu können.

 

Konzentrationsfähigkeit, „Flow“ und mentale Stärke

Die Fähigkeit des Sportlers sich nur auf das konzentrieren zu können, was gerade wichtig ist, und alles andere ausblenden zu können, entscheidet nicht selten über Sieg und Niederlage.

 

Aufbau von Selbstbewusstsein/Umgang mit Blockaden, Krisen etc.

Ein großes und sehr wichtiges (sport-)psychologisches Themenfeld. Grundlage des Erfolgs ist besonders die Fähigkeit eines Sportlers, an sich selbst und seine Stärken zu glauben, und positiv und konstruktiv mit sich selbst und herausfordernden Situationen umzugehen.

 

Stressmanagement und Work-Life-Balance

Ein wachsendes gesellschaftliches Problem, gerade auch im Leistungssport, ist die Frage, wie man mit den gestellten Anforderungen umgeht, und wie man im Alltag alles „unter einen Hut“ bekommt

 

Sportpsychologisches Aufbautraining nach Verletzungen, Krisen etc.

Verletzungen und andere Krisen bedeuten meistens auch große psychologische Belastungen für den Sportler. Neben dem Wiederaufbau körperlicher Leistungsfaktoren sollte er sich deshalb genauso um seine mentale und emotionale Gesundheit kümmern, die ja ihrerseits wiederum den Heilungsprozess insgesamt unterstützt.

 

Kommunikationstraining, Gesprächsführung

Ein großes, aber im Sport auch sehr oft stiefmütterlich behandeltes Themenfeld! Hier stellen sich zum Beispiel die Fragen: Wie gehen Sportler, Trainer, Management mit Medien um („Präsentation/Rhetorik“)? Wiegehen Teamspieler miteinander um? Wie ist die Kommunikation zwischen Trainer und Sportler, Management und Sportler, Management und Trainer? Welche Auswirkungen hat die Körpersprache von Sportler und Trainer? etc.

 

Karriere-/Laufbahnberatung

Je nach Talent, Leistungsniveau sowie individueller Vision und Situation macht es Sinn, den eigenen Werdegang professionell zu planen und umzusetzen.

 

Teamentwicklung, teambildende Maßnahmen

Nicht nur für Einzelsportler sondern natürlich auch für den Mannschaftsbereich ist die Durchführung sportpsychologischer Maßnahmen in vielfältiger Weise möglich und sinnvoll.

 

Im Hinblick auf den Begriff „Team“ sei hier abschließend noch einmal erwähnt, dass die in diesem Artikel vorgestellten Beispiele für sportpsychologische Themenfelder eben nicht nur Gültigkeit für den/die Sportler haben. Je nach Situation können ebenso Trainer/Betreuerteam, Management und relevante Personen des familiären Umfelds von Sportlern konstruktiv mit einem Sportpsychologen zusammenarbeiten.

 

Jörg Schönenberg

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