„Gewonnen wird im Kopf“

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Eine Einführung in verschiedene Aspekte der Sportpsychologie.

Manche Athleten und Trainer halten die Auseinandersetzung mit psychologischen Fragestellungen im Sport nach wie vor für überflüssig und/oder betrachten diese als Zeitverschwendung. Andere wiederum haben wiederholt erfahren und für sich erkannt, dass psychische und mentale Prozesse durchaus Einfluss auf den eigenen Zustand und die sportliche Leistungsfähigkeit haben, und im entscheidenden Moment möglicherweise sogar über Sieg und Niederlage entscheiden. Trotz der zum Teil immer noch auseinandergehenden Meinungen sportbegeisterter Menschen über die Bedeutung von Geist, Psyche und Psychologie im Bereich des Sports lässt sich auf jeden Fall seit mehreren Jahren die Tendenz feststellen, dass das Interesse an der Sportpsychologie spürbar zunimmt. Grund hierfür sind zum Beispiel die Leistungen und Erfolge der letzten Jahre sowohl von Sportteams als auch von Individualsportlern, die unter anderem auch durch die Zusammenarbeit mit Sportpsychologen erreicht wurden.

Ein weiterer Aspekt, durch den auch die Sportpsychologie zwangsläufig immer wieder in den Fokus der Öffentlichkeit rückt, sind beispielsweise die zunehmenden Berichte in den Medien über prominente Persönlichkeiten des Spitzensports, die nicht nur großen körperlichen Belastungen ausgesetzt sind, sondern auch einen unter Umständen so starken psychischen und sozialen Druck erfahren, dass er auf Dauer deren Karriere und Gesundheit gefährdet.

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Sportpsychologie und des wachsenden Interesses der Öffentlichkeit an sportpsychologischen Perspektiven veröffentlicht trainingsworld in regelmäßigen Abständen Artikel zu interessanten sportpsychologischen Themen und Sichtweisen. Der heutige Artikel ist eine kurze allgemeine Einführung in die Thematik der Sportpsychologie und soll helfen, zumindest ein grundsätzliches Verständnis und Gefühl für die sportpsychologische Perspektive zu entwickeln. Dazu wird global und beispielhaft beschrieben, was Sportpsychologie ist und womit sie sich befasst, ohne hierbei den Anspruch zu erheben, das komplexe und komplette Wirkungsfeld der Sportpsychologie umfassend darstellen zu können.

 

Was ist Sportpsychologie und womit befasst sie sich?

Welcher Sportler kennt nicht Situationen wie diese: Man hat eine lange Phase intensiven Trainings hinter sich, in der man sich professionell und gewissenhaft vorbereitet hat, man konnte sich verbessern und im Training immer wieder gute Leistungen bringen. Man geht also eigentlich topfit und optimal vorbereitet in den Wettkampf. Doch im Wettkampf selbst schafft man es dann einfach nicht, sein eigentlich vorhandenes Leistungspotenzial voll abzurufen. Man ist also leider nicht gut, eben nicht 100%ig leistungsfähig, wenn’s drauf ankommt!

Im Zusammenhang mit derartigen Erfahrungen im Leben eines Sportlers werden immer wieder Phänomene wie zum Beispiel das des so genannten „Trainingsweltmeisters“ oder das der „mentalen Stärke“ beschrieben. Solche Phänomene werfen natürlich die spannende Frage auf, welche psychischen und mentalen Prozesse den Leistungszustand des Sportlers beeinflussen können – und zwar in negativer wie in positiver Hinsicht.

Dies ist zwar schon ein recht markantes und wahrscheinlich einigermaßen offensichtliches Beispiel für Bedeutung und Nutzen einer sportpsychologischen Perspektive, beschreibt aber letztlich nur eine Facette des gesamten Spektrums an möglichen Anwendungsfeldern, Themen und Inhalten, mit denen sich die Sportpsychologie insgesamt befasst. Ihr Facettenreichtum und ihre Komplexität erschweren ihre exakte Definition, machen diese wissenschaftliche Disziplin hinsichtlich Forschung, Lehre und insbesondere praktischer Anwendung aber eben auch sehr spannend.

Es bestehen zahlreiche wissenschaftliche Definitionsansätze für die Sportpsychologie. Deren gemeinsames Kernelement ist jedoch die wissenschaftliche Betrachtung des Menschen im Kontext Sport und Bewegung. In dieser Hinsicht erforscht sie einerseits die psychologischen Grundlagen und Einflussfaktoren auf das Erleben und Verhalten des Menschen bei Sport und Bewegung. Andererseits befasst sie sich mit deren psychologischen Effekten. Dabei ist die Sportpsychologie keine isolierte Wissenschaft, sondern steht in enger Beziehung und Verzahnung zu Psychologie, Medizin und Sportwissenschaft/Sportpraxis.

Die für den Menschen, der in welcher Weise auch immer dem Sport verbunden ist, vielleicht wichtigste Leistung der Sportpsychologie ist schließlich die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Ableitung konkreter Anwendungsmöglichkeiten und Trainingsmaßnahmen, die – global gesagt – letztlich dazu dienen, Erleben und Verhalten des Menschen bei Sport und Bewegung zu optimieren.

 

Fazit

Diese Beschreibung lässt bereits erahnen, wie umfangreich und vielfältig das sportpsychologische Betätigungsfeld ist. Der Fokus kann dabei zum Beispiel auf klassischen Anwendungsfeldern, konkreten Themengebieten, Inhalten und Anwendungsformen der Sportpsychologie liegen. In diesen vielen Facetten werden exemplarisch die diesbezüglichen Möglichkeiten und Grenzen der Sportpsychologie  abgesteckt.

 

Jörg Schönenberg

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Über den Autor

Jörg Schönenberg

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