Judo: Koordinationsanforderungsprofil in der Praxis

0

Im folgenden Artikel wird die praktische Handhabung des in Artikel 4 vorgestellten KAR aufgezeigt und anhand einiger Trainingsbeispiele aus dem Buch „Koordinationstraining im Judo“ verdeutlicht.

Koordinationstraining im Judo

Lesen Sie auch Teil 4 der Artikelserie: Koordinationstraining im Judo ‐ Ein anderer Denkansatz

Ein Trainer muss im alltäglichen Techniktraining den erhöhten (und ständig steigenden) Anforderungen des modernen Wettkampfes gerecht werden. Hierzu können spezielle koordinative Übungen das traditionelle und klassische Techniktraining ergänzen und bereichern.

Teil 1: Koordinationstraining grundlegender Teilelemente

In einem ersten Teil gehen die Autoren auf ein paar grundlegende Teilbewegungen und Teilelemente, die die Basis für Judo‐Wurftechniken bilden, ein. Zusätzlich werden spezielle Übungsformen der Sportart Judo hervorgehoben. Mit diversen Fotoreihen werden die die Übungen jeweils dargestellt und in einer Tabelle befinden sich viele Ideen für die Umsetzung im Trainingsalltag.

Teil 2: Komplexes Koordinationstraining

Beispiel: Diese Übung könnte sinnvoll als physische Vorbelastung für (Griffkampf)‐Nage‐komi oder ‐Randori dienenThema des zweiten Teils ist das komplexe Koordinationstraining, wobei die Gesamtbewegung, also die Judotechniken an sich im Vordergrund stehen.

Es wurden hierzu eine Vielzahl Übungen für unterschiedliche Wurftechniken, den Übergang Stand‐Boden und auch für Standardsituationen am Boden unter veränderten Informations‐ und Druckbedingungen ausgewählt. Die Aufgaben wurden aufgrund typischer, häufig vorkommender Handlungssituationen ausgesucht.

Grundsätzlich gilt, je offener eine Situation ist, desto höher auch der koordinative Anspruch. Wie in vorangegangenen Artikeln zu diesem Thema bereits erwähnt, ist nach verschiedenen Nage‐komi‐Formen, das Randori, also der Übungswettkampf bzw. auch der Trainingswettkampf (TWK) die höchste Form des Techniktrainings. Auch diesem Thema ist im Buch ein Kapitel mit vielen Trainingsideen gewidmet.

Mitarbeit und das Mitdenken der Athleten

Das System lässt viel Platz zum Individualisieren des Trainings. Die zum Teil auch sehr offenen Aufgabenstellungen des komplexen Koordinationstrainings fördern neben der Kreativität auch die aktive Mitarbeit und das Mitdenken der Athleten. Das Einbinden der Athleten in die Planung und den Trainingsprozess ist sinnvoll. Es fördert die Selbständigkeit und das bewusste Trainieren.

Diese Herangehensweise kann man beliebig ergänzen und anpassen. Gerade durch Regeländerungen (siehe Artikel Änderungen der Wettkampfregeln 1 und 2) entstehen in unserer Sportart immer wieder neue Situationen, an welche sich ein Athlet gewöhnen und anpassen muss. Es entwickeln sich jedoch auch immer wieder neue Wettkampftechniken oder Technikvarianten und dadurch neue Wettkampfsituationen, die im Trainingsalltag berücksichtigt werden müssen.

Koordinationstraining im Judo: Fazit

Die in den letzten beiden Artikeln beschriebene Theorie und Herangehensweise von Neumaier und die dazugehörenden judospezifischen Praxisbeispiele sind ein Muss für jeden ambitionierten Judoka und Trainer. Dies verstärken auch die Trainingsempfehlungen der neuen Rahmenkonzeption des DJB. Im Technikteil der Konzeption wird mehrmals auf die die Theorie und Übungssammlung des Buches verwiesen.

Der KAR gilt als Basis, bietet einen Denkrahmen, lässt jedoch jedem Trainer genügend Spielraum und die vielen Trainingsbeispiele im Buch „Koordinationstraining im Judo“ lassen sich mit eigenen Ideen und eigener Kreativität unendlich erweitern.

Karin Ritler Susebeek

Quellenangaben

Kopien aus Lippmann, R./Ritler Susebeek, K (2006). Koordinationstraining im Judo, Sportverlag Strauss Köln.

Literaturangaben

  1. Lippmann, R./Ritler Susebeek, K (2006). Koordinationstraining im Judo, Sportverlag Strauss Köln.
  2. Kurath, M./Ritler, K. (2003), Vom Anfänger zum Könner – Langfristiges, systematisches Technik‐ und Koordinationstraining. Studienbegleitende Arbeit an der Trainerakademie Köln (unveröff.)
  3. Neumaier, A. (1999). Koordinatives Anforderungsprofil und Koordinationstraining. Grundlagen – Analyse – Methodik. Sport und Buch Strauß GmbH Köln.
Teilen

Über den Autor

Karin Ritler Susebeek

Leave A Reply