Bei Verletzungen ist ein sicheres Umfeld wichtig!

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Viele Sportler erleiden mindestens eine (oft schwerwiegende) Verletzung. Dann ist ein stabiles Umfeld wichtig, um wieder zu alter Leistungsstärke und zum Vertrauen in den eigenen Körper zurückzufinden. Gerade im Teamsport ist man aber schnell außen vor. Lesen Sie was u.a. Mats Hummels dazu sagt.

Kreuzbandriss: Verletzung Holger Badstuber

Es war die tragische Szene des Bundesliga-Spitzenspiels am vergangenen Wochenende: Nationalverteidiger Holger Badstuber verdreht sich das Knie, reißt sich das vordere Kreuzband und wird ein halbes Jahr verletzt ausfallen.

Dabei ist die Verletzung samt Reha nur ein Problem. Er verliert zudem den Anschluss an das Team und sein gewohntes Umfeld. „Selbst auf der Bank ist man glücklicher,als verletzt zu sein, da man weiß, dass in zwei Tagen wieder das nächste Spiel kommt und man wieder dran kommen kann“, beschreibt Mats Hummels jüngst im Rahmen einer Veranstaltung an der Deutschen Sporthochschule Köln (DSHS) sein Gefühl. Hummels war auch einmal ein halbes Jahr verletzt und entfernte sich von Tag zu Tag mehr vom Team und dem Gemeinschaftsgefüge.

Dabei passiert dies gar nicht bewusst, doch der Alltag des Teams mit Training, Reisen und Spielen geht natürlich unaufhaltsam weiter, während man selber eher bei Ärzten und Physiotherapeuten unterwegs ist. Hummels: „Normalerweise sieht man sich jeden Tag. Die Reha ist aber oft zu anderen Zeiten.“ Dazu kommt die räumliche Trennung. Auf der Tribüne ist man halt nicht so nah dran wie auf der Bank. „Beim ersten Spiel merkt man das noch nicht. Beim 8., 9., oder 10. ist man dann doch schon weit weg.“ Der BVB-Profi sucht daher auch Kontakt zu Menschen, die verfügbar sind, auch wenn das Team unterwegs ist. Das gibt ihm Sicherheit und eine feste Basis.

Ein Sportler braucht Selbstvertrauen und Sicherheit auf dem Platz

Für eine junge Karriere kann eine langwierige Verletzung aber auch schon mal das Aus bedeuten. Prof. Dr. Jens Kleinert von der DSHS beschreibt das so: „Für einen Fußball-Profi sind zwei Beziehungen wichtig: zu Menschen und zu seinem Körper.Wenn er verletzt ist, ist die eine schon einmal gestört.“ Daher sind in solchen Phasen Personen wichtig, die einen stärken. Dies kann die Familie sein, der Arzt oder der Physiotherapeut. Ein schlechtes Zeichen kann aber sein, wenn man mehrere Ärzte konsultiert und evtl. widersprüchliche Aussagen bekommt. Das schürt Unsicherheit.

Doch auch wenn der Körper vermeintlich wieder gesund ist, ist man auf das Selbstvertrauen, aber auch auf das Vertrauen des Trainers und des Teams angewiesen. Kleinert: „Unsicherheit ist der entscheidende Punkt für Angst.Daher ist ein soziales Umfeld wichtig, dass dem Spieler Sicherheit gibt. Eine gute Karriere besteht daraus, dass man gut mit Verletzungen umgeht.“ Ein Sportler braucht Selbstvertrauen und Sicherheit auf dem Platz.

Dazu gehört auch, dass er sich voll auf seine Aufgabe und seine Stärke konzentrieren kann und weiß, dass er auch Fehler machen darf. „Jeder Spieler muss sich auf dem Feld auf die Dinge konzentrieren, die zu machen sind“, sagt Prof. Kleinert. „Wenn er z.B. an eine Verletzung oder mögliche Fehler denkt ist das schlecht.“

Der Trainer spielt eine entscheidende Rolle

Wie eine Karriere auch laufen kann, erlebte Timo Heinze. Er durchlief die Jugendmannschaften des FC Bayern, war Junioren-Nationalspieler, Kapitän der 2.Mannschaft des FC Bayern – und auf dem Sprung in den Profi-Fußball. Dann fiel er für ein Jahr aus. Nach einem weiteren Aufbau-Jahr bei den Bayern-Amateuren versuchte er sein Glück noch einmal in Unterhaching, bevor er den Traum Profi-Fußballer aufgab.

Warum es letztendlich nicht mehr geklappt hat, kann er bis heute nicht genau sagen. Er ist sich sicher, dass mehrere Faktoren eine Rolle gespielt haben. „Neben der Verletzung war auch der Trainer ein Aspekt, zudem habe ich mich mental nie richtig erholt“, sagt Heinze, der heute Sport an der DSHS studiert. „Wie schnell es gehen kann ist extrem. Die Hierarchien im Team verschieben sich schnell und wenn eine wichtige Person vom einen auf den anderen Tag nicht mehr auf deiner Seite ist,ist alles anders.“

Vertrauen und psychologische Hilfestellungen

Das Vertrauen, das man so dringend benötigt, war weg. Mittlerweile stellen sich die Vereine anders auf und bieten ihren Spielern auch psychologische Hilfestellungen. Denn wenn ein Spieler im Kopf nicht frei ist und Angst hat, etwas falsch zu machen oder sich erneut zu verletzen ist das kontraproduktiv. Letztendlich kann eine Abwärtsspirale entstehen und der Druck wird sich permanent erhöhen.

Holger Badstubers Karriere wird voraussichtlich nicht in Gefahr sein. Schließlich ist er als Nationalspieler etabliert und wird auch eine entsprechende Unterstützung erfahren. Für manchen Jugendspieler, den eine Verletzung in der Übergangsphase vom Jugend- zum Herrenbereich ereilt, kann das jedoch ganz anders aussehen.

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Über den Autor

Thomas Spoering

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