Kann man mit Nierenproblemem Sport machen?

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Die Niere ist der wichtigste Filter im Körper und wer eine schwache Niere hat, hat oft mit vielen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Doch dass man auch mit Nierenproblemen Sport machen kann, haben in der Vergangenheit bereits einige Fälle gezeigt.

In Deutschland ist der aktuelle Spieler des FSV Mainz 05, Ivan Klasnic, wahrscheinlich der bekannteste Fall für einen Fußballprofi mit Niereninsuffizienz. 2011 wechselte der polnische Nationalspieler Slawomir Peszko zum 1. FC Köln. Das Besondere an dem Transfer war nicht, dass ein Nationalspieler in die Domstadt wechseln wollte, sondern dass Peszko eine sogenannte Doppelniere hat. Statt 2 hat Pezko 4 Nieren, was ihm in Fankreisen auch den Spitznamen „Vier-Nieren-Pole“ eingebracht hat. Doch trotz dieser Einschränkung haben sowohl Klasnic wie auch Peszko, der mittlerweile bei den Wolverhampton Wanderes sein Geld verdient, eine stattliche Karriere vorzuweisen.

 

Doppelt gemoppelt

Ein Phänomen wie bei Peszko wird medizinisch als Doppelanlage der Niere bezeichnet und kann auf einer, wie im Fall des Polen auch auf beiden Seiten vorliegen, und ist gar nicht einmal so selten. Schätzungen zufolge hat rund 1 % der Bevölkerung diese Doppelniere, ohne deswegen Probleme zu bekommen. Meistens fällt es auch erst auf, wenn sich die Betroffenen wegen eines Harnwegsinfekts behandeln lassen. Denn die Wahrscheinlichkeit für eine Harnwegsinfektion steigt aufgrund dieser Anomalie. Doch das ist auch das einzige Problem der Gesundheit, mit dem es die Betroffenen zu tun haben. Dass man mit der Extra-Niere öfter auf die Toilette muss, ist dagegen nur ein Irrglaube. Die Nieren teilen sich die Arbeit, die ansonsten nur eine Niere verrichten würde. Daher haben die Betroffenen weder einen Vor- noch einen Nachteil.

 

Schwache Niere

Während Peszko eine Doppelniere und dadurch keine Probleme hat, liegt der Fall bei Klasnic etwas anders. Der gebürtige Hamburger litt unter einer Niereninsuffizienz, also an einer schwachen Niere. Hier arbeitet die Niere nicht mit voller Kapazität. Teilweise stellt sie sogar ganz die Arbeit ein. Die Folge davon ist, dass Giftstoffe nicht mehr aus dem Organismus herausgefiltert werden. Sofern man es nicht früh bemerkt, vergiftet sich der Körper langsam selber. Dies fängt zunächst mit harmlosen Faktoren wie Müdigkeit, Angeschlagenheit, Anfälligkeit für Krankheiten und einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit an. Dies kann natürlich auf eine Vielzahl an Krankheiten hindeuten und kann nur bei einer umfassenden Blutuntersuchung erkannt werden. Unbehandelt kann die Niereninsuffizienz zum Tod führen.

Leider gibt es nach dem heutigen Stand der Medizin keine Therapie für die schwache Niere – außer einer Transplantation. Bis eine Spenderniere gefunden wird, müssen die Betroffenen in der Regel 3-mal pro Woche für ein paar Stunden zur Dialyse, bei der das Blut gereinigt wird. Im Jahr kommt man so insgesamt leicht auf 600 bis 1.000 Stunden, die man bei der Dialyse verbringen muss. Findet man einen geeigneten Spender, muss man hoffen, dass der Körper die neue Niere auch annimmt. Hierzu muss der Patient in der Regel entsprechende Medikamente einnehmen, damit der Körper das fremde Organ nicht abstößt.

 

Sport treiben nach Transplantation

Ivan Klasnic bekam recht schnell von seiner Mutter eine Niere. Dies zeigt, dass man auch mit einer neuen Niere wieder sportliche Höchstleistungen vollbringen kann. Eine Einschränkung gibt es dennoch, auch wenn die Spenderniere angenommen wird: Die fremde Niere sitzt nicht so gut im Körper und ist weniger von schützendem Fett- und Bindegewebe umgeben. Sie wird in den Bauchraum oberhalb des Beckens transplantiert und ist daher nicht so gut vom Körper geschützt. Kontaktsportarten und Kampfsportarten sollten deswegen nach einer Nierentransplantation besser vermieden oder zumindest mit entsprechender Vorsicht vor Verletzungen ausgeübt werden.

 

Sport mit Niereninsuffizienz

Etwas schwieriger ist es mit einer akuten Niereninsuffizienz. Da die Dialyse sehr anstrengend ist und sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, ist es schwierig, ausreichend Zeit und Energie fürs Training aufzubringen. Spitzensport mit einer Niereninsuffizienz ist also kaum möglich. Das heißt aber nicht, dass man keinen Sport treiben darf.

Denn auch Dialysepatienten sollen Sport treiben, teilweise sogar während der Blutreinigung. So soll es an der Kölner Uniklinik in Zusammenarbeit mit der Deutschen Sporthochschule Köln bald ein Pilotprojekt geben, bei dem Kinder und Jugendliche mit Niereninsuffizienz während der Behandlung auf einem Spinning Bike trainieren sollen. Nach ersten Pre-Tests soll dies die Leistungsstärke wieder verbessern. Dadurch kann der extreme Leistungsknick unmittelbar nach der Dialyse abgemildert werden. Zudem wird die Lebensqualität der Patienten im Allgemeinen durch Sport verbessert. Allerdings sollten die Sport-Pläne mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

 

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Christian Riedel

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