Akute Höhenkrankheit vermeiden?

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Die Einnahme von Arzneimitteln wie Acetylsalicylsäure (Aspirin), Paracetamol und Ibuprofen bei AMS, bzw. zur Vermeidung der Symptome, ist bei Bergsteigern eine gängige Praxis. Auch das Medikament Acetazolamid wird häufig zur Prophylaxe von AMS empfohlen.

Die Wissenschaftler sind sich jedoch nicht sicher, ob die Wirkung vornehmlich auf einer Analgesie (Aufhebung des Schmerzempfindung) oder aber auf der Vermeidung von AMS beruht. Außerdem ist der Wirkungsgrad dieser Medikamente nicht sicher bekannt.

Um sich hierüber Klarheit zu verschaffen, führten Wissenschaftler eine Untersuchung an Probanden durch: Die Gruppe war die Belastung des Höhenbergsteigens nicht gewöhnt und unternahm für die Zwecke der Studie einen „schnellen Aufstieg“ auf den Kilimandscharo (Höhe 5.896 m). Sie bestand aus 93 Teilnehmern (Durchschnittsalter 39 Jahre, 85 % Männer, 15 % Frauen). Es standen mehrere Medikamente zur Auswahl. Die Teilnehmer entschieden sich wie folgt:

– 44 Probanden nahmen Acetazolamid (500 mg pro Tag)

– 15 Probanden nahmen Calciumcarbasalat (ein Analogprodukt von Aspirin – 380 mg pro Tag)

– 16 Probanden nahmen ein Placebo (ohne Wirkstoff)

Die restlichen 18 Probanden lehnten eine Teilnahme an der Studie ab und nahmen keine Medikamente.

Während des Auf- bzw. Abstiegs wurde bei den Probanden der Ausprägungsgrad von AMS mittels eines standardisierten Fragebogens (Lake Louise Score) und einer ärztlichen Untersuchung erfasst. Die Untersuchungsergebnisse lauteten wie folgt:

– Nur 3 der 44 Probanden, die Acetazolamid eingenommen hatten, mussten auf AMS behandelt werden. Allerdings bekam ein Teilnehmer ein Höhenhirnödem. Er wurde mit Dexamethason und Sauerstoff behandelt und sofort in tiefere Lagen abtransportiert.

– Calciumcarbasalat in der Dosierung von 380 mg pro Tag hatte keine präventive Wirkung auf AMS und keine Auswirkung auf die Intensität von Kopfschmerzen.

– In der kombinierten Gruppe aus Carbasalat-Placebo lag die Häufigkeit von AMS bei 84 % gegenüber lediglich 55 % in der Acetazolamid-Gruppe.

Die Wissenschaftler zogen aus den Ergebnissen 2 wesentliche Schlüsse. Zum einen folgerten sie, dass niedrig dosiertes Calciumcarbasalat zur Prävention von AMS nicht wirksam ist. Darüber hinaus sahen sie aufgrund dieser Ergebnisse die Meinung bestätigt, dass bei Bergtouren mit typischen Steilhängen, wie sie die kommerzielle Tour auf den Kilimandscharo bietet, selbst die übliche Empfehlung von 500 mg Acetazolamid pro Tag nicht ausreicht, um AMS zu vermeiden bzw. die Intensität der Symptome (bei etwa der Hälfte der Teilnehmer) zu reduzieren.

High Alitute Medicine & Biology. 2008, Bd. 9, S. 15–23.

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