Was ist Krav Maga?

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Krav Maga (hebräisch für „Nahkampf“) ist ein einfaches, aggressives System der Selbstverteidigung aus Israel, das leicht zu erlernen und leicht im Gedächtnis zu behalten ist. Im Mittelpunkt des Krav-Maga-Trainings stehen Prinzipien statt einzelner Techniken, denn kein Angriff gleicht dem anderen.

Selbstverteidigung: Kein Mensch gleicht dem anderen.

Es ist sogar so, dass ein bestimmter Mensch auf eine bestimmte Bedrohung an jedem Tag anders reagiert. Das Wesen von Krav Maga lässt sich aus einigen dieser Prinzipien herauslesen.

Zu den Prinzipien, die das System Krav Maga definieren, gehören die folgenden Techniken:

– Sie sollten aus Bewegungen bestehen, die natürlichen Instinkten entspringen.

– Die Techniken müssen sich gegen die unmittelbare Gefahr richten.

– Sie müssen gleichzeitig Abwehr und Gegenangriff sein.

– Eine Abwehrtechnik muss gegen die unterschiedlichsten Angriffe wirksam sein.

Das System muss eine Einheit bilden, sodass die auf dem einen Gebiet erlernten Bewegungen den auf einem anderen Gebiet erlernten Bewegungen nicht widersprechen, sondern sie ergänzen.

Die Techniken müssen von durchschnittlich fitten Menschen beherrscht werden können, nicht nur von Sportlern

– Krav Maga muss auch aus einer ungünstigen Position heraus funktionieren.

– Das Training muss den Stress mitberücksichtigen, der bei echten Angriffen auftritt

Diese Prinzipien bilden die Leitlinien des Trainings aus Israel und helfen bei der Einschätzung einzelner Techniken. Wenn wir eine Schwachstelle finden oder eine Variante erwägen, stellen wir uns Fragen in Bezug auf die genannten Leitlinien. Wenn ein Trainer beispielsweise vorschlägt, eine bestimmte Technik zu verändern, erproben wir sie nicht mit unseren besten, sondern mit unseren unsportlichsten Schülern, um zu sehen, ob sie die Alternative ausführen können. Falls Sie Krav Maga lernen, oder Seminare bzw. ein Probetraining in einem örtlichen Budocentrum, z.B. bei der IKMF oder der GKMF, vereinbaren möchten, unterstützt sie eine der gängigen Suchmaschinen bei Ihrer Suche.

Die Wirksamkeit von Abwehrtechniken beim Krav Maga messen wir daran, ob sie auch bei verzögerter Reaktion funktionieren!

Was ist Krav Maga? Fragen und Antworten!

Krav Maga: Abwehr und Gegenangriff gleichzeitig!

Funktioniert Krav Maga nur, wenn man vorbereitet ist oder einen zeitlichen Vorsprung hat, suchen wir nach einer besseren Lösung. Als wir einmal auf einem Seminar mit Polizeibeamten Abwehrmethoden trainierten, mussten wir die Krav-Maga-Techniken an ihre bereits eingeübte Taktik beim Betreten von Räumen anpassen. Der schönste Moment in diesem Seminar war, als eine unserer Entwaffnungstechniken einfach nicht zu der Fußstellung des eintretenden Polizisten passen wollte. Während wir nach einer Lösung suchten, schlug einer der Beamten eine Schrittfolge vor, die sich von all dem unterschied, was wir bisher gezeigt hatten. Ein anderer Polizist erwiderte sofort: „Nein, das wäre ja das einzige Mal, dass unsere Männer diesen Schritt machen. Das würde entweder keiner machen, weil es so anders ist, oder es würde den Rest des Trainings durcheinanderbringen.“ Dieser Polizeibeamte hatte Krav Maga begriffen.

Krav Maga ist keine Kampfkunst sondern Selbstverteidigung

Was ist Krav Maga? Fragen und Antworten!

Die Techniken sollten aus Bewegungen bestehen, die natürlichen Instinkten entspringen

Eines sollte Ihnen klar sein: Krav Maga ist keine traditionelle Kampfkunst – den Begriff „Kampfkunst“ verwenden wir überhaupt nicht. Traditionelle Kampfsportarten halten oft starr und dogmatisch an den von den alten Meistern überlieferten Traditionen fest. Außerdem legen manche Kampfkunstrichtungen in ihren Seminaren Wert auf elegante, minutiös ausgeführte Bewegungen. All dies spielt bei Krav Maga keine Rolle. Die meisten Kampfkunstsysteme bleiben außerdem im wettkampforientierten Denken stecken und stellen Regeln auf, die die Kämpfer einschränken. Selbst MMA-Kämpfer (viele von ihnen sind unsere Freunde, und wir achten sie sehr) kämpfen in einem geregelten Rahmen, der bestimmt, was sie tun dürfen und was nicht.

Auch einige sehr effektive Selbstverteidigungssysteme bleiben der wettkampforientierten Denkweise verhaftet. Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) ist beispielsweise ein höchst wirkungsvolles System. Jeder, der es im Bodenkampf zu etwas bringen will, sollte unbedingt mit einem BJJ-Instructor arbeiten. Viele Studios unterrichten BJJ allerdings als eine Sportart: ohne Schlagen, ohne Beißen, ohne Augenstechen und ohne explizit zu lehren, wie man aufsteht und der Gefahr entkommt.

Natürlich sind diese Einschränkungen notwendig, damit Anfänger die Techniken überhaupt erlernen können (der Triangle Choke lässt sich schlecht üben, wenn der Partner einen ins Bein beißt), aber wenn die anderen Elemente einer Prügelei nie dazukommen, trainiert man eben eine Sportart und nicht Selbstverteidigung.

Krav Maga als Selbstverteidigungssystem ist anders

Was ist Krav Maga? Fragen und Antworten!

Krav Maga als Selbstverteidigungssystem ist anders

Selbstverständlich haben wir Übungen und Trainingsmethoden, bei denen die Handlungsmöglichkeiten der Schüler eingeschränkt sind – aber wir Trainer erinnern sie andauernd (aus ihrer Sicht wohl eher: zwanghaft!) daran, dass sie nicht nach den Regeln kämpfen sollen. Sie sollten beispielsweise immer versuchen, sich aus dem Kampf zu lösen und wegzulaufen oder einen Gegenstand zu finden, der sich als Waffe einsetzen lässt. Es geht uns nicht darum, uns oder dem Angreifer zu beweisen, dass wir eine bestimmte Technik draufhaben. Unser einziges Ziel ist es, heil nach Hause zu gelangen. Krav Maga ist vor allem „Kampf“ und nicht so sehr „Kunst“. Es sieht nicht immer hübsch aus, aber es wirkt. Wir bezeichnen Krav Maga lieber als ein System von Abwehrtaktiken – ein taktischer und logischer Ansatz zum Umgang mit gewaltsamen Konfrontationen.

Seminare und Grundlegende Prinzipien

Wie bereits erwähnt, basiert das Krav-Maga-Selbstverteidigungssystem auf Prinzipien.

Krav Maga Technik: Hebel am Hals des Angreifers

Krav Maga Technik: Hebel am Hals des Angreifers

Selbstverständlich haben wir bestimmte Techniken, aber als Lernender sollte man nie eine Technik als der Weisheit letzten Schluss ansehen. Wenn Sie diese Selbstverteidigungstechniken studieren, sollten Sie sich eines vor Augen führen: Die Techniken sind nicht das Ende, sondern der Anfang Ihres Lernprozesses. Als Beispiel dafür zeigen wir Ihnen unten die Abwehr einer Umklammerung. Die Verteidigerin setzt einen Hebel am Hals des Angreifers an, indem sie seinen Kopf mit der entfernteren Hand umschlingt, ihn am Gesicht und an der Nase packt und sein Kinn von ihrer Brust wegschiebt. Das ist eine hervorragende Technik – aber doch nur ein Beispiel für das Prinzip. Eine ähnliche Technik bestünde darin, dem Angreifer die näher liegende Hand gegen Nase und Augen zu stoßen. Ist die eine Technik besser als die andere? Nein! In der einen Situation ist vielleicht die erste Technik, in einer anderen womöglich die zweite wirkungsvoller. Es geht darum, die Technik nicht mit dem zugrunde liegenden Prinzip zu verwechseln. Die gezeigte Technik besteht darin, den Kopf mit dem Arm zu umschlingen – das Prinzip ist jedoch, einen Hebel am Hals anzusetzen.

Als Trainer müssen wir selbstverständlich mit konkreten Methoden beginnen. Würden wir den Schülern abstrakte Prinzipien vorsetzen, könnten sie gar nicht anfangen zu trainieren. Das wäre so, als würde man ein paar Töne auf der Gitarre klimpern, von Musiktheorie reden und dann dem Schüler das Instrument überreichen, damit er selbst ein Lied einstudiert. Dieser Schüler wäre verloren. Stattdessen bringen wir ihm das Notenlesen bei, erklären ihm einfache Stücke und Akkordfolgen, sodass er bald verstehen wird, wie sich die Töne und Akkorde unendlich variieren lassen.

Mit Selbstverteidigungstaktiken ist es genauso: Wir beginnen mit Grundstrukturen, sodass ein effektiver Informationsfluss entsteht. Am Ende seines Trainings versteht der Schüler dann auch die Theorie und kann seine eigene Musik spielen.

Unser Buchtipp aus der Redaktion:

Krav Maga

Das umfassende Handbuch mit über 230 Selbstverteidigungs- und Kampftechniken

Das hocheffektive Selbstverteidigungs- und Nahkampfsystem Krav Maga wurde eigens für die israelischen Streitkräfte entwickelt. Heute wird es von Militär-, Spezial- und Polizeieinheiten, Sicherheitsdiensten und Personenschützern, aber auch von Zivilisten auf der ganzen Welt eingesetzt. Die Techniken erfordern nur geringen Kraftaufwand, sind aber sehr wirkungsvoll, da sie auf unseren natürlichen Reflexen und Reaktionsmustern basieren und die Schwächen des Angreifers gezielt ausnutzen. Ob Mann oder Frau, Jung oder Alt – jeder kann Krav Maga trainieren und anwenden, um sich selbst und andere zu verteidigen. Dieses Buch lehrt sowohl schnelle Befreiungs- und Abwehrtechniken als auch kraftvolle Gegenangriffe. Es zeigt eine Fülle von Übungen vom Anfänger- bis zum Fortgeschrittenenlevel und ist die perfekte Ergänzung zur Trainingspraxis.

Zur Leseprobe

Sie können das Buch auch direkt hier im Shop oder über Amazon bestellen.

Autor: Darren Levine

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