Hashimoto: Definition, Ursachen und Symptome

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Die Krankheit Hashimoto ist für viele Menschen ein Fremdwort. Dabei ist sie eigentlich keine Seltenheit: Statistisch gesehen leidet in Deutschland jede zehnte Frau an Hashimoto. In diesem Artikel erfahren Sie alles was genau die Krankheit ist, welche Ursachen sie hat und welche Symptome typisch sind.

Anatomie und Funktion der Schilddrüse

Nachdem es sich bei Hashimoto um eine Erkrankung der Schilddrüse handelt, empfiehlt es sich diese zu Beginn erstmal genauer anzusehen und zu verstehen.

Der medizinische Fachbegriff für die Schilddrüse ist Glandula thyreoidea. Glans aus dem Lateinischen bedeutet »Drüse«, thyreoeides aus dem Griechischen »schildförmig«. Sie sondert innerhalb des Körpers Hormone und andere wichtige Stoffwechselsubstanzen ab.  Die Schilddrüse befindet sich vorn am Hals, vor der Luftröhre und knapp unterhalb des Kehlkopfes. Von vorn betrachtet hat die Schilddrüse in etwa die Form eines Schmetterlings.

Bei Frauen ist sie ungefähr 15 bis 18 Gramm schwer, bei Männern wiegt sie etwa 20 bis 25 Gramm. Nahezu alle Organe im menschlichen Körper werden durch die Schilddrüsenhormone Thyronin (T4, ebenso durch das oft verabreichte Mittel Thyroxin) und Triiodthyronin (T3) in irgendeiner Art beeinflusst. Sie spielen vor allem eine wichtige Rolle für den Energiestoffwechsel und das Wachstum der Zellen.

Die Funktion der Schilddrüse

Funktioniert die Schilddrüse normal, produziert sie entsprechend dem Bedarf des Körpers eine ausreichende Anzahl an T3- und T4-Hormonen. Sie arbeitet dabei Hand in Hand mit anderen endokrinen Drüsen. Der Hypothalamus überwacht den Ablauf einer großen Anzahl von Körperfunktionen und den Einfluss äußerlicher Faktoren wie Hitze, Kälte oder Stress. Registriert der Hypothalamus, dass er auf einen dieser Faktoren reagieren muss, erzeugt er das Thyreotropin Releasing Hormon (TRH). Er schickt das TRH zur Hirnanhangsdrüse und bewirkt an deren Vorderlappen die Freisetzung des TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon). Die Schilddrüse wiederum setzt daraufhin T3 und T4 frei.

Die Schilddrüsenhormone gelangen mittels eines Trägerproteins namens TGB (Thyroxin bindendes Globulin) in den Blutkreislauf und damit zu den Organen. In den Geweben angekommen, interagieren die Hormone mit Rezeptoren, die sich in den Zellkernen befinden und so den Befehl zu einer erhöhten Arbeitsgeschwindigkeit bekommen. Sobald der Hypothalamus durch ein Rückkopplungssystem erkennt, dass genügend T3 und T4 im Umlauf sind, drosselt er die TRH-Produktion. Dadurch sinkt der TSH-Wert, die Schilddrüse verringert die Hormonproduktion. Durch dieses System stellt der Körper sicher, dass die überwachten Funktionen in der dem Bedarf des Körpers und den Umständen angemessenen Geschwindigkeit laufen.

Hashimoto thyreoiditis – die Definition

Bei Hashimoto Thyreoiditis (Autoimmunthyreoiditis) handelt es sich um eine chronische Entzündung der Schilddrüse. Diese Entzündung wird allerdings nicht durch Viren oder Bakterien ausgelöst, sondern durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Antikörper lagern sich an Proteinen im Schilddrüsengewebe an. Das wiederum weckt das Immunsystem aus seinem Schlaf – ein Krieg zwischen den Immunzellen und der eigentlich friedlichen Schilddrüse beginnt. Beim fehlgeleiteten Versuch, den Eindringling (die Antikörper) abzuwehren, zerstören die aggressiven Immunzellen nach und nach das körpereigene und überlebenswichtige Schilddrüsengewebe. Deswegen zählt man Hashimoto Thyreoiditis zu den Autoimmunerkrankungen.

Benannt ist Hashimoto Thyreoiditis nach seinem Entdecker, dem japanischen Arzt Dr. Hakaru Hashimoto (1881–1934), der diese Erkrankung erstmals 1912 beschrieb. Es gibt zwei unterschiedliche Verlaufsformen. Zum einen die hypertrophe Variante, die durch unkontrolliertes Wachstum von Zellen zu einer Vergrößerung der Schilddrüse führt. Und zum anderen die atrophe Variante, bei der Schilddrüsengewebe zerstört und abgebaut wird und wodurch die Größe des Organs immer mehr abnimmt. Im Allgemeinen tritt die atrophe Form häufiger auf: Rund 80 Prozent der Erkrankten leiden darunter. Circa 90 Prozent davon sind Frauen.

Zwei Fakten sind hier besonders wichtig:

  1. Hashimoto ist nicht heilbar!

Oft werden Patienten von ihrem Arzt oder Heilpraktiker als völlig geheilt entlassen, weil die Blutwerte in Ordnung sind oder keine Antikörper mehr im Blut auftauchen (mehr dazu im folgenden Kapitel). Das bedeutet aber leider nicht, dass man kein Hashimoto mehr hat. Die nichts ahnenden Patienten setzen ihre Hormontabletten ab und wundern sich, dass es ihnen nach kürzester Zeit wieder schlecht geht. Das ist höchst fahrlässig und auch nicht ungefährlich. Sicher kann man den Gesundheitszustand stabilisieren, den Körper in bessere Balance bringen, einzelne Baustellen eliminieren und dafür sorgen, dass man sich mit der Krankheit so gut es geht arrangiert – aber geheilt werden kann man bisher leider nicht.

  1. Hashimoto ist keine Erkrankung der Schilddrüse, sondern des Immunsystems!

Das ist so elementar, weil durch diese falsche Annahme der Fokus nur auf die Schilddrüse gerichtet wird und sämtliche andere Symptome im Körper vernachlässigt werden. Wenn diese Tatsache mehr in den Mittelpunkt der Behandlung gestellt würde, wäre es selbstverständlich, sich auch die Faktoren anzuschauen, die das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen: Allergien, Umweltbelastungen, Entzündungen im Körper, Stress und vieles mehr. Bei der Schilddrüse anzusetzen, hilft nicht. Man kann durch eine Beruhigung des aufgehetzten Immunsystems das Fortschreiten der Zerstörung verlangsamen und so vielen Symptomen den Nährboden nehmen.

 

Die Symptome

Die Symptome von Hashimoto können von Betroffenem zu Betroffenem komplett variieren. Allen gemein ist nur, dass sie das ganze Leben verändern. Aber eine allgemein gültige, für alle Betroffenen zutreffende Symptomliste kann man guten Gewissens definitiv nicht erstellen. Und schon gar nicht kann man ausschließen, dass es nicht noch mehr Beschwerden im Zusammenhang mit Hashimoto gibt. Andererseits muss natürlich nicht jeder Hashimoto-Kranke all die aufgezählten Symptome zeigen.

Typische Überfunktions-Symptome:

– Nervosität/Reizbarkeit

– Zittern (insbesondere der Hände)

– Schlafstörungen

– Schweißausbrüche und feuchtwarme Haut

Herzklopfen, Herzrasen und Herzrhythmusstörungen

– Heißhunger und verstärkter Durst

– Durchfall

– Gewichtsverlust bei normaler Nahrungsaufnahme

– Störungen im Menstruationszyklus

 

Typische Unterfunktions-Symptome:

– niedrige Körpertemperatur und erhöhte Kälteempfindlichkeit

– heisere oder tiefe Stimme (teilweise ausgelöst durch ein Stimmbandödem)

Depressionen, Antriebslosigkeit

– Schwächegefühl

– Muskelabbau

– trockene, juckende Haut, unreine Haut

– brüchige Haare und Nägel

– Haarausfall

unkontrollierbare Gewichtszunahme

– verringerte Libido

– veränderter Menstruationszyklus (sehr starke, schwache oder auch ausbleibende Regel)

– ständige Müdigkeit

Ursachen

Die genauen Ursachen und Auslöser für die Entstehung der Hashimoto Thyreoiditis sind bisher noch nicht ausreichend wissenschaftlich erforscht. Vermutet wird jedoch, dass es nicht eine einzige Ursache gibt, sondern dass mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, damit es tatsächlich zum Krankheitsausbruch kommt.

Viele Hashimoto-Patienten haben ebenfalls Betroffene in der Familie. Wahrscheinlich wird die Krankheit von der Mutter auf die Tochter, seltener auf den Sohn, übertragen. Wenn zu dieser Vorbelastung noch großer Stress, chronische Infektionen, eine übermäßige Jodzufuhr oder anderes dazukommen, kann die Krankheit ihren Lauf nehmen. Das Epstein-Barr-Virus und das Pfeiffersche Drüsenfieber werden aktuell von Wissenschaftlern ebenfalls als Auslöser für eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse diskutiert.

Ein weiterer Faktor, der als Auslöser für unzählige Autoimmunerkrankungen heute von vielen (ganzheitlichen) Ärzten und Wissenschaftlern ernsthaft in Erwägung gezogen wird, ist die immer stärker werdende Umweltverschmutzung. Dazu gehört auch die ständige Vergiftung, die wir uns unbemerkt durch die Nutzung von Plastik in allen Bereichen des alltäglichen Lebens zufügen. Der Körper lagert das Gift im Fettgewebe und/oder einzelnen Organen ab. Das wiederum ruft das Immunsystem auf den Plan, das den »Eindringling« zu bekämpfen versucht. Je nachdem, welchen persönlichen Schwachpunkt man hat, können so das zentrale Nervensystem (Multiple Sklerose), Gelenke und Sehnen (Rheumatoide Arthritis), die Betazellen der Bauchspeicheldrüse (Diabetes mellitus Typ 1) oder eben bei Hashimoto die Schilddrüse angegriffen werden.

 

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Hashimoto-Thyreoiditis ist eine Autoimmunerkrankung, in deren Verlauf der Körper die eigene Schilddrüse angreift und letzten Endes zerstört. Über zehn Millionen Menschen in Deutschland, v. a. Frauen, leiden daran – nur wissen es viele nicht.

Denn die Symptome sind unspezifisch und bei jedem Betroffenen sieht das Krankheitsbild anders aus. Vielen Ärzten fällt es deshalb schwer, die richtige Diagnose zu stellen. Schlafstörungen, Depressionen, unkontrollierte Gewichtszunahme, Zyklusveränderungen, plötzlich auftretende Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Haarausfall – die Bandbreite der Symptome ist so umfangreich wie unspezifisch.

Vanessa Blumhagen durchlitt eine dreijährige Odyssee zu unterschiedlichsten Ärzten und erhielt eine Menge falscher Diagnosen bis man endlich herausfand, was ihr fehlte. Doch auch die Behandlung stellte sich als kompliziert heraus, denn kein Mediziner wusste genau, wie eine erfolgreiche Therapie aussehen könnte. So suchte sich die gelernte Journalistin Hilfe bei amerikanischen Experten, recherchierte in Internet-Foren und probierte vieles aus, um ihre Beschwerden in den Griff zu bekommen.

Ihre persönlichen Erfahrungen hat sie in diesem Buch zusammengefasst. Sie erzählt von ihrem Leidensweg, ihrer Hartnäckigkeit, ihrer zerstörten Badezimmerwaage, auf der sie aus Wut so lange herumgesprungen ist, bis diese den Geist aufgab, und davon, was ihr schließlich geholfen hat. Sie gibt allen Betroffenen Hoffnung auf ein lebenswertes und normales Leben mit Hashimoto.

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Autorin: Vanessa Blumhagen

 

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Über den Autor

Fabi Meinberger

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