Die ISG-Blockade lösen: Therapiemöglichkeiten und Übungen

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Eine ISG-Blockade (Iliosakralgelenk) ist eine unangenehme Erfahrung. Man verspürt starke Schmerzen im unteren Rücken und kann sich nur noch eingeschränkt bewegen. Und es ist mitnichten eine medizinische Ausnahme: Tatsächlich haben gut ein Viertel (!) aller Rückenleiden etwas mit dem Iliosakralgelenk zu tun.

So lösen Sie Ihre ISG-Blockade

Wie geht man am besten mit der Diagnose ISG-Blockade um? Es gibt verschiedene Therapien und Übungen, mittels derer man der Blockade zu Leibe rücken kann. Welche dies sind und wie Sie zu Hause selbst etwas zur Linderung der Schmerzen beitragen können, lesen Sie nun hier.

Die Krux: Eine ausgeprägte Rumpfmuskulatur

Iliosakralgelenk-Blockade, Schmerzen im unteren Rücken, Piriformis-Syndrom

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Eine Iliosakralgelenk-Blockade ist häufig, aber nicht immer, das Ergebnis von Muskelverspannungen im Bereich der Lendenwirbel und des Beckens. Insbesondere, wenn diese Verspannungen über einen langen Zeitraum existieren. Ist die dort angesiedelte Rumpfmuskulatur nicht stark genug, um die Iliosakralgelenke (wir haben zwei davon) zu stützen, neigen sie dazu, sich zu verschieben oder zu blockieren.

In seltenen Fällen entsteht eine ISG-Blockade durch rasche Bewegungen oder eine falsche Belastung. Also zum Beispiel bei schnellen Richtungswechseln während des Fußballspielens oder beim Heben schwerer Gegenstände.

Die Diagnose beim Arzt

Es nützt nix: Haben Sie den Verdacht, dass bei Ihnen eine ISG-Blockade vorliegt, ist der Gang zum Arzt unvermeidbar. Ein guter Arzt bzw. Physiotherapeut kann schon nach wenigen Handgriffen feststellen, ob es sich um eine ISG-Blockade oder ein anderes Rückenleiden handelt.

Dabei hilft es ihm bei der Diagnose, wenn Sie ihn vorab über Folgendes informieren:

  • Wann haben Sie derartige Schmerzen das erste Mal verspürt? Hatten Sie vor Kurzem einen Unfall oder waren körperlich auf irgendeine Art und Weise eingeschränkt?
  • Bei welchen Bewegungen sind die Schmerzen am schlimmsten? Haben Sie, vielleicht unbewusst, Ihre Haltung und Ihren Gang verändert, damit es weniger weh tut?
  • Haben Sie den Eindruck, dass die Schmerzen auf andere Bereiche übergreifen? Etwa in die Hüfte oder ins Bein? Sind vielleicht sogar Taubheitsgefühle und ein Kribbeln dabei?

So läuft die Untersuchung ab

Um herauszufinden, ob die Wurzel der Schmerzen eine ISG-Blockade ist, wird der Arzt zunächst Ihre Körperhaltung begutachten. Den Sitz des ISG, also den Gelenkspalt zwischen Kreuz- und Darmbein, kann er gut ertasten. Er wird Sie dabei vermutlich auffordern, sich bitte nach vorn zu beugen sowie sich auf den Bauch und den Rücken zu legen.

Wenn der Arzt in diesen Positionen das Verhalten und die Lage des Gelenks überprüft, kann er adäquat beurteilen, ob auch tatsächlich eine Blockade vorliegt. Unvermeidbar, aber schlussendlich natürlich nützlich, ist es dabei, dass das Gelenk in bestimmten Positionen wehtut. Aber diese Indikatoren helfen dem Arzt, eine profunde Diagnose zu stellen.

Röntgenaufnahmen & MRT: Welche Bereiche sind betroffen?

Röntgenaufnahmen oder ein MRT können ebenfalls nützlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu bestimmen. Dabei erkennt der Arzt genau, welche Bereiche ebenfalls betroffen sind. So kann er andere Erkrankungen, wie das Piriformis-Syndrom oder Wirbelbrüche, ausschließen respektive attestieren.

Morbus Bechterew? Auch eine Blutuntersuchung kann helfen

Selbst eine Blutuntersuchung kann beim Verdacht auf eine ISG-Blockade erfolgen, sofern zugleich der Verdacht auf Morbus Bechterew besteht. Bei dieser entzündlich-rheumatischen Krankheit ist auch das Bindegewebe betroffen, was zu einer Entzündung von Wirbelsäule und Iliosakralgelenk führen kann.

Bei vielen der Morbus-Bechterew-Patienten sind im Blut der Wert des C-reaktiven Proteins und die sogenannte Blutsenkungs-Geschwindigkeit erhöht. Zudem verfügen mehr als 90 Prozent der Morbus-Bechterew-Betroffenen über ein spezielles Körpereiweiß auf den Zellen-Oberflächen (HLA-B27). Auch dies kann mittels Bluttests überprüft werden.

Die Injektion schmerzhemmender Mittel

Um die Ursachen einer Iliosakralgelenk-Entzündung zu determinieren, sind zudem Injektionen gebräuchlich. Hierbei werden schmerzhemmende Substanzen direkt ins Gelenk gespritzt. Wenn Sie als Patient nach der Injektion weniger Schmerzen verspüren, dann ist klar, dass das ISG selbst die Quelle der Schmerzen ist. Dauern die Schmerzen an, muss es eine andere Erklärung für die Schmerzen geben.

Die Therapie: Wie wird eine ISG-Blockade konkret behandelt?

Ein wichtiger Aspekt in Bezug auf die Therapie einer ISG-Blockade ist zunächst, ob es sich um eine erstmalige Blockade handelt. Ist dies der Fall, dann lässt sie sich in der Regel gut behandeln. In einigen Fällen renkt sich das Gelenk gar von allein wieder ein und der Arzt muss gar nicht viel tun.

Komplizierter gestaltet es sich, sofern die Beschwerden schon länger auftreten. Dann handelt es sich um eine chronische Iliosakralgelenk-Entzündung. Deren Therapie benötigt in der Regel viel Zeit und eine aktive sowie stete Mitarbeit des Patienten.

Die manuelle Therapie: Mobilisation oder Manipulation?

Üblicherweise wird eine ISG-Blockade mittels einer manuellen Therapie behandelt. Um diese durchführen zu können, muss der Physiotherapeut über eine spezielle Weiterbildung verfügen. Innerhalb der manuellen Therapie ist zwischen zwei Methoden zu unterscheiden:

  • Bei der sogenannten Mobilisation bewegt und dehnt der Physiotherapeut das Iliosakralgelenk nur leicht innerhalb seines natürlichen Gelenkspielraums.
  • Im Gegensatz dazu übt der Physiotherapeut bei der Manipulation einen kurzen, aber kräftigen Impuls auf das Gelenk aus. Auf diese Weise renkt es sich wieder ein. Sofern es sich um eine erstmalige ISG-Blockade handelt, gilt die Manipulation als besonders wirksam.

Auch Wärme kann helfen

Zu Beginn der Therapie ist es häufig so, dass Ihre Gelenke überdurchschnittlich schmerzen werden. Das ist nur logisch, schließlich müssen sie sich erst wieder daran gewöhnen, „normal“ zu arbeiten. Daher ist es nicht unüblich, in den ersten Tagen der Therapie mit schmerzlindernden Medikamenten und Injektionen zu arbeiten. Fangopackungen und andere Mittel, die Wärme spenden, helfen zusätzlich dabei, die steifen Muskeln zu lockern.

Kraft ist (T)Rumpf: Der Schlüssel zur Schmerzfreiheit

Beide Methoden sorgen zwar für eine Lösung der ISG-Blockade. Sie eliminieren aber nicht die muskulären Unausgeglichenheiten, die die eigentliche Ursache der Blockade sind. Um langfristig einer erneuten Blockade vorzubeugen, ist es daher ratsam, spezielle Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur auszuüben. Je ausgeprägter das muskuläre Fundament ist, desto unwahrscheinlicher, dass erneut eine Blockade eintritt.

Titanstäbe im Knochengewebe bei ISG-Arthrose

Ist das ISG von einer fortgeschrittenen Arthrose betroffen, dann ist sogar eine Operation eine Möglichkeit. Mittels Titanstäben werden hierbei Kreuz- und Darmbein verbunden, um ein Blockieren bzw. Ausrenken zu unterbinden. Die Stäbe verwachsen regelrecht mit den Knochen und wirken als zusätzliches Trägerelement.

Diese drei Übungen können beim Lösen einer ISG-Blockade helfen:

Mit vergleichsweise einfachen Mitteln können Sie daheim etwas dafür tun, Ihre Blockade zu lösen und den Gelenken mehr Mobilität zu spenden:

  • Einseitiges Beckenheben: Stellen Sie sich im Vierfüßlerstand auf eine stabile Bank. Die Fußgelenke sind übereinander gekreuzt. Positionieren Sie sich so weit an der Kante, dass ein Knie frei in der Luft schweben kann. Das Bein mit dem schwebenden Knie heben Sie nun mehrmals hoch und lassen es nach unten fallen. Wenn Sie auf einer sehr hohen Bank positioniert sind, können Sie auch versuchen, das Bein in voller Länge nach unten fallen zu lassen und anschließend das Becken nach unten zu lassen und wieder zu heben.
  • Mobilisierung von ISG und Lendenwirbelsäule: Begeben Sie sich in Rückenlage. Stellen Sie Ihre Füße auf, während die Arme im rechten Winkel vom Körper gestreckt sind und die Handinnenflächen zur Decke zeigen. Kippen Sie jetzt die geschlossenen Knie langsam, so weit wie es geht, zu einer Seite nach unten. Die Schultern dabei am Boden halten. Jetzt etwa 30 Sekunden in dieser Position verharren. Dann die Knie langsam zum Ausgangspunkt führen und das Ganze für die andere Seite wiederholen. Als Variante können Sie die Übung mit nur einem Bein durchführen, während das andere auf der Unterlage liegt.
  • Abwechselndes Beinschieben: Legen Sie sich mit ausgestreckten Beinen auf den Rücken. Schieben Sie nun abwechselnd das rechte und das linke Bein aus der Hüfte heraus für einige Zentimeter nach unten. Wichtig: Das Bein auf der Unterlage halten und NICHT anheben.

Ein starker Rumpf schützt vor vielen Rückenleiden

Wie schon erwähnt, ist es ratsam, die Rumpfmuskulatur zu stärken, damit es erst gar nicht zu ISG-Blockaden kommt. Das erspart Ihnen nicht nur dadurch unnötigen Ärger, als dass Sie das Risiko minimieren, dass sich Ihr Iliosakralgelenk ausrenkt. Denn eine ausgeprägte Rumpfmuskulatur unterstützt alle umgebenden Elemente wie die Wirbelsäule, die Wirbelgelenke und das Becken. Das schützt Sie in zunehmendem Maße vor ähnlichen Leiden wie dem Piriformis-Syndrom oder einem Bandscheibenvorfall.

Darüber hinaus macht Sie eine ausgeprägte Rumpfmuskulatur robuster und weniger verletzungsanfällig. Gerade für Menschen, die gerne und regelmäßig Sport machen, ist dies ein weiteres Plus.

Übungen zur Kräftigung der Rumpfmuskulatur

Mit diesen Übungen tragen Sie zu einer profunden Rumpfmuskulatur und damit einem gesunden Iliosakralgelenk bei:

  • Plank: Diese Übung ist auch als Ellenbogenstütz bekannt. Sie ist ein echter Klassiker, denn sie trainiert die gesamte Rumpfmuskulatur, insbesondere aber die tieferliegenden Muskeln. Begeben Sie sich aus dem Vierfüßlerstand in die Liegestützposition. Statt mit den Händen stützen Sie sich allerdings mit den gesamten Unterarmen ab. Nun das Gesäß anspannen, nach unten schauen und mit dem gesamten Körper eine möglichst gerade Linie bilden. Nun diese Position so lange wie möglich, am besten einige Minuten, halten.
  • Dehnen des Hüftbeugers: Der Hüftbeuger sitzt an der Wirbelsäule und führt durch den Bauchraum bis hin zur Innenseite der Oberschenkel. Wer viel sitzt, verfügt häufig über einen verkürzten Hüftbeuger. Ergo: Es zieht an der Lendenwirbelsäule und es kommt zu Schmerzen im unteren Rücken. So trainieren Sie Ihren Hüftbeuger gezielt: Knien Sie sich auf eine Matte und setzen Sie einen Fuß mittels Ausfallschritts weit nach vorn. Das andere Bein legen Sie lang nach hinten ab. Mithilfe der Hände stützen Sie sich links und rechts ab, um in Balance zu bleiben. Jetzt schieben Sie die Hüfte langsam nach vorn unten. Sie spüren jetzt, wie sich etwas im Bereich Ihrer Leiste dehnt. Bleiben Sie jetzt etwa 30 Sekunden in dieser Position (ohne federnde Bewegungen auszuführen) und wiederholen Sie das Ganze mit dem anderen Bein.
  • Seitlicher Stütz: Legen Sie sich seitlich auf eine Matte. Stützen Sie sich mit einem Arm ab, um sich seitlich aufzurichten. In dieser angespannten Stützposition harren Sie nun so lange wie möglich aus. Der Körper bildet dabei idealerweise eine gerade Linie. Wiederholen Sie den Stütz nach einer kurzen Pause mit der anderen Körperseite. Als Variante können Sie das obere Bein während des Haltens ein wenig anheben.

Die beste Prophylaxe: Viel(fältig) bewegen

Selbstredend ist jede Art von Sport, sofern sie nicht exzessiv ausgeübt wird, die beste Prophylaxe, um sich vor Rückenleiden wie der ISG-Blockade zu schützen. Abwechslung ist hierbei wichtig. Dazu gehören moderates Ausdauertraining, wie Joggen oder Radfahren, kombiniert mit Dehnübungen für die Faszien und Krafttraining. Denkbar sind zum Beispiel Yoga, Pilates und vergleichbare Sportarten. Und auch klassisches Krafttraining, ob nun an Geräten oder via Bodyweight-Training, ist eine gute Idee.

 

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Über den Autor

Niklas Nowak

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