Koffein und Muskelschäden

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Oft werden nur die leistungssteigernden Eigenschaften von Koffein für Sportler besprochen. Neuen brasilianischen Untersuchungen zufolge könnte sich die Verwendung von Koffein zur kurzfristigen Leistungssteigerung jedoch langfristig als zweischneidiges Schwert erweisen.

Die potenziellen Vorteile von Koffein auf die sportliche Leistung sind hinreichend beschrieben worden. Koffein hat eine anregende Wirkung auf das zentrale Nervensystem, und in zahlreichen Studien konnte nachgewiesen werden, dass Koffein in der Ernährung die Müdigkeit vertreibt und die Leistungsfähigkeit steigert. (Lesen Sie dazu auch: Wirkung von Koffein) Neuen brasilianischen Untersuchungen zufolge könnte sich die Verwendung von Koffein zur kurzfristigen Leistungssteigerung jedoch langfristig als zweischneidiges Schwert erweisen.´

 

Der Versuchsaufbau

In dieser Studie untersuchten Forscher die Auswirkungen von Koffeingenuss auf die Verteilung der weißen Blutkörperchen und die Marker für eine Muskelverletzung an Profifußballern während des Trainings. 22 Fußballspieler absolvierten 2 identische Trainingsprogramme, mit denen ein Fußballspiel simuliert werden sollte. In der anschließenden Erholungsphase wurden die Sportler regelmäßig untersucht. Bei einem Versuch wurde den Probanden 60 Minuten vor Beginn 5mg Koffein pro kg Körpergewicht verabreicht, während die andere Versuchsgruppe ein koffeinfreies Placebo erhielt. Durch Bluttests wurde die Konzentration von Leukozyten, Monozyten und segmentkernigen Leukozyten bestimmt. Wie man weiß, steigt die Konzentration dieser weißen Blutkörperchen nach einer Muskelverletzung oder einem Muskeltrauma an. Darüber hinaus untersuchten die Wissenschaftler auch den Blutenzymspiegel, einschließlich Plasma ALT (Alanine Aminotransferase), der als Parameter für eine Leberfunktionsstörung dient.

 

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse überraschten, denn die Wissenschaftler stellten fest, dass die Kombination von Koffein plus Training eine größere Auswirkung auf die Leukozytenzahl hatte als reines Training. So ergab z. B. die Analyse der Leukozyten bei der mit Koffein supplementierten Gruppe eine fünffach höhere Konzentration als bei der reinen Sportgruppe, die kein Koffein erhalten hatte. Die Lymphozytenzahl wurde durch das Training um rund 38 % erhöht, stieg jedoch in Kombination mit Koffein um weitere 35 % an. Zudem führte Koffein – unabhängig vom Training – zu einem Anstieg der im Blut zirkulierenden Monozyten, während durch die Kombination von Training und Koffein eine Synergiewirkung bei den segmentkernigen Leukozyten entstand. Die Plasma-ALT-Konzentration stieg zwar bei beiden Gruppen an; bei der Gruppe, der Koffein verabreicht worden war, war der Anstieg allerdings höher.

 

Das Fazit

Daraus zogen die Wissenschaftler folgende Schlussfolgerung: „Der deutliche Anstieg der weißen Blutkörperchen bei der mit Koffein supplementierten Gruppe resultierte aus einer höheren Muskelbeanspruchung und folglich aus einer stärkeren Endothel- und Muskelverletzung, was auf die Möglichkeit hindeutet, dass Koffein für die beobachtete Veränderung der Leukozytenzahl mit verantwortlich sein könnte und darüber hinaus bei Sportlern das Risiko von Muskelschäden erhöhen kann.“ Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass dies lediglich das Ergebnis einer einzelnen Studie ist und wesentlich mehr Untersuchungen erforderlich sind, ehe man daraus verbindliche Schlussfolgerungen über mögliche schädliche Auswirkungen von Koffein ziehen kann.

British Journal of Sports Medicine, 2007, Mai Ausgabe

 

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