Ist das Doping doch weiter verbreitet, als wir denken?

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Saarbrücker Sportwissenschaftler untersuchten mithilfe einer ausgeklügelten sozialwissenschaftlichen Erhebungstechnik den Anteil von Dopern unter den deutschen Leistungssportlern.

Vor allem, weil man über die konkrete Häufigkeit von angewendeten Dopingpraktiken zu wenig weiß, ist das eine sehr aufschlussreiche Untersuchung. Da aber kaum zu erwarten ist, dass ein Sportler auf die Frage „Haben Sie jemals gedopt?“ ehrlich antworten würde, wendeten die Wissenschaftler eine Methode an, mit der mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten „Lügen“ und „ehrliche Antworten“ voneinander zu unterscheiden sind. (Lesen Sie mehr über Nahrungsergänzung)

 

Die Studie

Die Befragung erfolgte „webbasiert“ unter Anwendung der so genannten randomized response technique (RRT), bei der Fragen in dem folgenden Format gestellt wurden: „Haben Sie in der laufenden Saison unerlaubte Dopingmittel oder Methoden zur Steigerung Ihrer sportlichen Leistung verwendet?“ Zusatz: „Wenn Sie in den Monaten Januar bis April geboren sind, antworten Sie bitte mit ,ja‘, wenn Sie in einem anderen Monat geboren sind, geben Sie bitte eine ehrliche Antwort.“

Die in den ersten Monaten des Jahres geborenen Sportler werden also gebeten, auf jeden Fall mit „ja“ zu antworten, egal, ob sie Dopingmittel genommen hatten oder nicht. Aus der Verteilung der „ja“- und „nein“-Antworten und der bekannten Wahrscheinlichkeit der Verteilung der Geburtsmonate kann der Anteil der gedopten Sportler berechnet werden. (Lesenswert: Koffein beeinflusst die Sprintleistung nicht)

 

Die Ergebnisse

Für die Frage, ob ein Sportler leistungssteigernde Praktiken eingesetzt hatte, ergaben sich aus der Untersuchung eine untere Grenze von 25,8 % und eine obere von 38,7 %, so dass der Anteil der wirklichen Doper dazwischen liegen muss. Der Anteil ehrlicher Nichtdoper liegt für 2 Erhebungszeiträume zwischen 51,9 % und 61,3 %.

 

Fazit

Das bedeutet, dass das Dopingproblem wohl doch erheblich größer ist, als die Anzahl der als positiv getesteten Sportler glauben machen will! 

 

Quellen:

Leipziger Sportwissenschaftliche Beiträge, 2005, Bd. 46 (2), S . 63–77.

 

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