Der Sirenenbezwinger

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Der Buzzer Beater oder Sirenenbezwinger ist eines der aufregendsten „Plays“ im Sport. Besonders der letzte Wurf eines Basketballspiels ist hochspektakulär und kann noch über den Ausgang des Spiels entscheiden.

Als Buzzer Beater, wörtlich übersetzt „Sirenenbezwinger“, wird im Basketball ein Wurf bezeichnet, der kurz vor Ertönen der Schlusssirene eines Spiels erfolgt und der das Spiel in letzter Sekunde entscheidet („Game Winner“) oder auf Gleichstand bringt. Allerdings werden auch Würfe, die vom Spielstand unabhängig, zum Ende eines Viertels oder Halbzeit erfolgen, als Buzzer Beater bezeichnet. Damit ein erfolgreicher Buzzer Beater zählt, muss der Ball vor der Schlusssirene die Hand des werfenden Spielers verlassen haben. Der Ball selbst kann mit oder sogar erst nach der Sirene durch den Korb fliegen.

Der Buzzer Beater ist eines der aufregendsten „Plays“ im Sport. Besonders der letzte Wurf eines Spiels ist hochspektakulär. Häufig erfolgt der letzte Wurf unkontrolliert oder aus größerer Entfernungen, da er unter Zeitdruck und nervlicher Anspannung herausgespielt und abgeschlossen werden muss. Während der Ball in er Luft ist, scheint die Zeit dabei scheinbar still zu stehen. Das Spiel ist in der Schwebe, der Wurf entscheidet über Sieg oder Niederlage. Jeder im Stadion, zu Hause oder in einer Bar hält den Atem an und niemand weiß, was passieren wird. Es gibt nichts, was man tun kann, außer abwarten, bis der Basketball durch das Netz zischt oder vom Ring abprallt.

Doch was geht eigentlich kurz vor einer spielentscheidenen Situation im Kopf eines Spielers vor, der die gesamte Last auf seinen Schultern trägt? Ich habe Professor Dr. Jens Kleinert vom Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule Köln hierzu gefragt:

„Wenn wenige Sekunden vor Schluss der entscheidende Wurf gemacht werden soll, besitzt die Situation aus psychologischer Sicht sowohl hohen Zeitdruck, Nichtwiederholbarkeit als auch höchste Bedeutung. Nichtwiederholbarkeit bedeutet hierbei, dass der Spieler keine Chance hat, einen möglichen Fehler wieder gut zu machen. Insgesamt ist also die situative Belastung extrem hoch. Ein guter Spieler beherrscht es nun, sich psychisch vollständig von diesen situativen Bedingungen zu lösen. Oder anders: Er konzentriert sich nur auf die Ausübung des Wurfes, er ist gedanklich „im Hier und Jetzt“, ohne an Folgen oder Konsequenzen zu denken. Seine ganze Konzentration ist auf den Korb gerichtet und auf das automatische Abrufen einer Bewegungsfolge mit dem Ziel „Treffen“. Durch diese Konzentration und Fokussierung werden andere Gedanken ausgeschaltet (z. B. „Was passiert, wenn ich nicht treffe?“).“ 

  

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Wer zuletzt lacht, der lacht bekanntlich am besten

Der spektakulärste Buzzer Beater, den ich je gesehen habe, wurde am 25. April 2010 im Spiel zwischen Cibona Zagreb (Kroatien) und Partizan Belgrad (Serbien) getroffen. Im entscheidenen Playoff-Spiel um die NLB-Meisterschaft (adriatische Basketball-Liga mit Vereinen aus Ex-Jugoslawien) gewann Partizan vor 16.000 Zuschauern mit 75:74 quasi nach der Schlusssirene durch einen Buzzer Beater von Dusan Kecman, der den Ball 0,6 Sekunden aus 20 Metern mit Ertönen der Schlusssirene auf den Korb warf. Vorher waren die Cibona Spieler und Fans bereits in turbulenten Jubelszenen und mehrere Duzend Spieler und Fans jubelten bereits auf dem Spielfeld und feierten den sicher geglaubten Sieg, denn zuvor hatte der Zagreber Bojan Bogdanovic mit der vermeintlich letzten Aktion des Spiels die Führung per Dreier erzielt (72:74). Aus Sicht von Cibona Zagreb lässt sich nur sagen: Wie gewonnen, so zerronnen.

 

Hier das Video

  

Ramy Azrak

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