Playoff Basketball – Kopfsache oder Beinarbeit?

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Die Telekom Baskets Bonn treten vor vollen Rängen zuhause gegen den Meisterschaftsfavoriten Bamberg an. Zwar haben sie ihn letztes Mal besiegt, doch das steigert den Druck eher noch – die Erwartungen sind riesig. Und die Bonner verlieren.  Über die Rolle von Stress und Psyche im Basketball.

Das 2. Spiel der 1. Basketball Playoff Runde: Die Telekom Baskets treten am 09.05.2012 mit Heimvorteil gegen die Brose Baskets Bamberg an. Doch die Gastgeber geraten schnell mit 1:12 in Rückstand. Die Bonner erzielten erst nach 5:34 Minuten ihren ersten Feldkorb. trainingsworld analysiert die Gründe dafür und stellt fest, dass der Kopf über die Beine regiert.

 

Die Psyche muss mitspielen

Nach dem Sieg in Bamberg war es für meine Spieler mental schwierig, die Erwartungen zuhause zu erfüllen, da der Druck im ausverkauften Dome schon da war“, sagt mir Michael Koch, der Trainer der Telekom Baskets Bonn kurz nach dem Spiel, auf die Frage, wieso seine Mannschaft sich so schwer tat, ins Spiel zu finden.

Selbst gut bezahlte Profis, die fast täglich ihrer Arbeit akribisch nachgehen, können bestimmte Umwelteinflüsse nicht einfach per Knopfdruck ausschalten. Neben der Tagesform spielen natürlich auch mentale Prozesse bei jedem einzelnen Spieler eine wichtige Rolle. Wer diese nicht kontrollieren und die Ruhe bewahren kann, hat es schwer.

Wir haben uns in Einzelaktionen verzettelt. Jeder wollte das erste Signal setzen, anstatt als Mannschaft weiterzuspielen und so fing die Niederlage heute an“, analysiert Michael Koch und ergänzt: „Ich glaube schon, dass die Mannschaft nervös war und den Druck verspürt hat. Da muss man fürs nächste Mal versuchen die Nervosität schneller abzulegen, das haben wir heute nicht geschafft.“

Treffen die ersten Würfe im Spiel ihr Ziel, dann schwindet auch die Nervosität bei den Spielern. Bleibt das Erfolgserlebnis aus, so kann es schnell zu Übereifer und sogar zu Frustration kommen.

Das sieht auch der Baskets Trainer so: „Wenn das Selbstvertrauen von Anfang an nicht da ist, dann wird es schwer und besonders wenn man immer einem Rückstand hinterher laufen muss. Wenn man dann noch in einer Phase nicht gut trifft, dann wird die Frustration dann enorm hoch und das war heute dann der Fall“.

In der entscheidenden Phasen, und das ist nun mal die Playoff-Phase, ist die Kontrolle der mentalen Prozesse ein wichtiger Erfolgsfaktor. Nicht zu Unrecht spricht man von „nervenstarken“ Spielern, die in spielentscheidenden Momenten die Verantwortung übernehmen. Diese Spieler geben einer Mannschaft den nötigen Halt und strahlen immer eine Sicherheit aus, auch in schwierigsten Situationen. Einigen Spielern ist diese Gabe angeboren. Sie lieben die Challange und werden durch Pfiffe der gegnerischen Fans zu Bestleistungen förmlich angestachelt. Andere Spieler versagen kläglich. (Mehr Selbstvertrauen im Sport!)

Bei den Telekom Baskets Bonn war im 2. Playoff Spiel zumindest kein Spieler in der Lage, in den ersten knapp 6 Minuten die nötige Ruhe ins Spiel zu bringen. In den USA ist man da übrigens schon mehrere Schritte voraus und arbeitet daran, die Spieler mental fitter zu machen. Fast jedes Profi-Team hat in den USA einen Mentaltrainer und man ist sich sicher, dass die mentale Stärke mithilfe der Sportpsychologie genauso trainiert und verbessert werden kann, wie die Athletik oder die Wurftechnik.

 

Ramy Azrak

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