Wenn der Kopf nicht mitspielt

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Aus aktuellem Anlass möchte ich heute über die Psyche eines Torwartes sprechen, denn mein Schützling hat im Moment genau das „Problem“. Problem? Was für ein Problem? Wer selbst Torwart war oder ist, kennt die Phasen, in denen sich alles gegen einen zu verschwören scheint und nichts zusammenläuft.

Man bekommt unglückliche Tore, mehrere, sieht einfach unbeholfen bei vielen Aktionen aus und man fängt an zu grübeln, stellt die eigenen Fähigkeiten in Frage. Die „fachkundigen Zuschauer“ tragen ihren Anteil dazu bei. Dann kommt die Selbstanalyse. Wie aktuell bei meiner Torhüterin. Die Gründe können ganz unterschiedlicher Herkunft sein. Formtief, fehlende Fitness, private Schwierigkeiten, nicht auskurierte Verletzung etc. Oder einfach: Viel, viel Pech.

 

Die selbsterfüllende Prophezeiung

In meinem Fall, beziehungsweise in dem Fall meines Schützlings, bin ich der Überzeugung, dass genau das der Fall ist. Viel Pech. Sie ist mittlerweile der Ansicht, Dinge schlichtweg „verlernt“ zu haben. Jetzt ist der Psychologe im Torwarttrainer gefragt. Dies ist ernst zu nehmen. Hier sind viele Gespräche erforderlich, viel zuhören und auch Fragen stellen um der Sache auf den Grund zu gehen.

Seit längerer Zeit beobachte ich bei meiner Torhüterin verschiedene Verhaltensmuster, die ich mit ihr auch alle schon angesprochen und besprochen habe:

 

Negative Körpersprache

Schaut man einem Torhüter vor einem Pflichtspiel in die Augen, weiss man, ob er den Siegeswillen mit auf den Platz nimmt. Stellt euch einen Oliver Kahn vor, wie er „geil“ auf die kommenden 90 Minuten ist. Keine hängenden Schultern, aufrechter Gang, gegenseitiges Aufheizen und Motivieren innerhalb der Mannschaft, dem Gegner in die Augen schauend. Da fällt mir Rocky ein, „the eye of the tiger“ (auch wir, die Torhüter, tragen ja Handschuhe…..). Schon beim Einlaufen ist die Körperspannung von der Fußsohle bis in die Haarspitzen zu erkennen.

 

Fehlende Präsenz

Präsenz ist nicht nur, einen 20 Meter-Schuß zu entschärfen. Zur Präsenz eines Torhüters auf dem Platz gehört mehr. Da ein Torhüter auch die Rolle des klassischen Liberos im heutigen Spiel übernommen hat, muss er seine Abwehrleute mehr dirigieren, konkrete Kommandos geben, laut und deutlich. Dies ist aber oft auch eine Mentalitätsfrage und so manch ein Torhüter muss hier über seinen Schatten springen. Gleiches gilt für Flanken. Beim Loslaufen schon rufen, nicht erst beim Fangen. Mitspielen ist angesagt. Anspielbar für seine Abwehr sein und dies auch zeigen und verbal äußern.

 

Ich bin davon überzeugt, wenn meine Torhüterin anfängt diese „einfachen und simplen“ Dinge nach und nach umzusetzen, laufen die Fußball-Spiele auch wieder anders und sie kann wieder an sich glauben. Denn das sie es kann, hat sie mir schon so oft im Training gezeigt und bewiesen. Das Torwartspiel war schon immer auch eine Kopfsache und ein Stück weit Psychologie.

Helft euren Keepern, wenn ihr glaubt, er/sie ist in einem Tief – welches Tief auch immer.

(Autogenes Training und Stressabbau vor dem Kampf)

 

Frank Tübbing

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Frank Tübbing

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