Zahngesundheit und Sport

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Auf den ersten Blick stellt sich die Frage, inwiefern Diabetes und Zahngesundheit zusammenhängen. Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass insbesondere die Paradontitis in einer engen, wechselseitigen Beziehung mit Diabetes mellitus steht.

Dabei wird sowohl das Entstehen als auch der Verlauf einer Paradontitis duch Diabetes beeinflusst1. Zudem ist das Risiko von Diabetes Patient an einer Paradontitis zu erkranken um ca. das Dreifache erhöht während gleichzeitig Paradontitis negative Auswirkungen auf die glykämische Kontrolle hat. 

Zahngesundheit beeinflusst Glukosestoffwechselerkrankungen

Es zeigt sich also, dass die Zahngesundheit bezogen auf Entzündungsreaktionen des Zahnfleisches und Glukosestoffwechselerkrankungen in einer wechselseitigen Beziehung stehen. Im Rahmen einer Untersuchung eines Forschungsverbundes von Wissenschaftlern aus Hannover, Gießen und Bratislava in Kooperation mit dem Gesundheitswesen der Volkswagen AG wurde eine Interventionsstudie von Sporttherapie auf die Paradontitis untersucht. Die Trainingsumfänge waren dabei eher moderat und wurden in 3 Gruppen durchgeführt. Während die erste Gruppe ein moderates Krafttraining über 30 Minuten 2 mal wöchentlich ausübte, machte die 2 Gruppe ausschließlich Ausdauertraining im genannten Umfang und die 3 Gruppe führte ein kombiniertes Kraft und Ausdauertraining durch1.

Zahnblutungen bei Männern reduziert

BeiMännern verringerten sich die Blutungen signifikannt von 12,6 Blutungspunkten auf 4,9 Blutungspunkte im Mittel. Bei den Frauen reduzierten sich die Blutungen von 16,8 Blutungspunkte auf 6,0 Blutungspunkte im Mittel. Auch die Taschentiefe verringerte sich von 2,1 mm auf 1,5 mm bei den Männern und von 2,4 mm auf 1,7 mm bei den Frauen. Der Plaqueindex veränderte sich hingegen weder bei Männern noch bei Frauen signifikant. 

Sport führt zur Verbesserung von Zahnblutungen

Im Ergebnis zeigte sich, dass Sport unmittelbar eine Verbesserung der Blutungen und der Taschentiefe auslöste. Der unveränderte Plaqueindex weist darauf hin, dass die Veränderung unmittelbar durch die sportliche Aktivität und nicht auf eine veränderte Zahnhygiene zurück zu führen ist. Insgesamt zeigt diese Studie, wie vielfältig die Effekte sportlicher Aktivität sein können, wohingegen der ge- ringe Trainingsumfang ein Hinweis darauf ist, wie gering der Trainingszustand zum Start der Untersuchung war, wenn bereits ein derart geringer Trainingsumfang derart positive Ergebnisse auslösen vermag!

Lebenslang Sport treiben! 

Sport treiben unter kontrollierten Bedingungen fällt oftmals etwas leicht! Wenn Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 2 an einem organisierten Trainingsprogramm teilnehmen sind deshalb positive Anpassungen zu erwarten. Wie sieht es aber aus, wenn die Patienten wieder sich selbst überlassen sind. Sich um das Sporttreiben kümmern müssen, Termine mit Mitläufern aus machen bedeutet einen zusätzlichen Aufwand. Ob also Patienten und auch ohne Termindruck Bewegung beibehalten? Dieser Frage gingen Wissenschaftler des Universitätsklinikum Tübingen nach und überprüften die Teilnehmer an einem einjährigen überwachten Ausdauertraining2. 

Test von Diabetessportgruppen

Dabei wurden unangekündigt bei Teilnehmern von Diabetessportgruppen retrospektiv Trainingsdaten erhoben und Stoffwechsel- und Leistungsparameter in einem Testverfahren auf dem Laufband erhoben. Nach Erfassen der Trainingsdaten konnten die Patienten in 3 Gruppen unterteilt werden, wobei die erste Gruppe keine Trainingssteigerung aufwies2. Gruppe 2 wie eine Steigerung der Trainingsumfänge pro Woche von 45-95 Minuten auf2. Gruppe 3 hingegen steigerte die Trainingsumfänge pro Woche um mehr als 95 Minuten. 

Messbare Effekte und langfristige Anpassungen

Insbesondere bei der letzten Gruppe konnten Anpassungen bezogen auf die individuelle aerobe und anaerobe Schwelle festgestellt werden. Gruppe 1 wies einen gesenkten systolischen Blutdruck auf und Gruppe 2 ein gesenktes Gesamtcholesterin und LDL-Cholesterin2. Insgesamt zeigte sich in dieser Studie zum einen, dass Effekte und Anpassungen langfristig messbar sind. Wichtig ist auch, dass die Patientengruppe auch ein Jahr nach einem überwachten Trainingsprogramm im Folgejahr ohne Kontrolle das Training beibehalten2. Die unterschiedlichen Anpassungen in den gemessenen Parameter deuten darauf hin, dass auch bei selbstgesteuerten Training eine leistungsdiagnostische Kontrollmessung pro Jahr sinnvoll sein kann. So können dem Sportler wichtige Hinweise in Bezug auf die Trainingsintensität und die Trainingsumfänge gegeben werden, um auch langfristig von Anpassungen und Trainingseffekten profitieren zu können. Das Ziel muss sein Diabetes mellitus Typ 2 Patienten zu lebenslangem Sporttreiben zu animieren! 

Lesen Sie weiter:

Sport und Diabetes

Ausdauertraining und Immunsystem

Sport und Diabetes – Fazit

Literatur: 

1 Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 2012, Bd. 63 (7+8). S. 210 
 

2 Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 2012, Bd. 63 (7+8). S. 226 
 

3 Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin, 2012, Bd. 63 (7+8). S. 210

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Über den Autor

Dennis Sandig

Dennis Sandig arbeitet als Sportwissenschaftler am Institut für Sportwissenschaften der Julius-Maximilians Universität in Würzburg.

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