Der plötzliche Herztod

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Die Aussage, dass Sport gut für das Herz sei, lässt sich durch die Vielzahl an Herztoden bei Sportlern einschränken. Ausdauersport in Maßen ist gut für das Herz. Doch sind Leistungssportler im Allgemeinen durch ein höheres Risiko gefährdet, da der Herzmuskel unter sehr hoher Belastung steht.

Herzrhythmusstörungen und -flimmern sind nicht selten der Grund für das Karriereende von Leistungsportlern. 0,5 bis 2 Sportler pro 100.000 sind betroffen, allein in Deutschland gibt es jährlich 900 Fälle. Sportarten wie Triathlon, Basketball, Fußball, Football und Laufen tauchen sehr häufig in den Statistiken auf. Doch treten Herzerkrankungen nicht nur im Sport auf, auch emotionaler Stress wie beispielsweise beim Anschauen von spannenden Ereignissen, wie etwa Endspielen, ist Auslöser. Es sind mehr Männer als Frauen betroffen. Weitere Einflüsse sind das Alter und das Verhältnis von Trainingsintensität zum Trainingszustand. Eine hohe Trainingsintensität verträgt sich nicht mit einem mittelmäßigen oder gar schlechten Trainingszustand.

 

Was genau sind die Ursache und der Auslöser für den plötzlichen Herztod?

Die Ursachen für einen Herztod sind Herzerkrankungen. Häufig zählen strukturelle Erkrankungen dazu:

– hypertrophe Kardiomyopathie – eine asymetrische Verdickung der Muskulatur der linken Herzkammer

– angeborene Koronaranomalie – Fehlbildungen der Koronararterien

– Myokarditis – Herzmuskelentzündungen

– Arrhythmien – Herzrhythmusstörungen

– Herzerkrankungen, die durch übliche Untersuchungen nicht diagnostiziert werden können

– angeborene Herzfehler

– bei älteren Sportlern meistens koronare Erkrankungen – z. B. Veränderungen der Blutgefäße, die das Herz versorgen

– Herzmuskelentzündungen

 

Der Verdacht, dass Doping einen Einfluß auf den Herztod hat, besteht, da Anabolika und Wachstumshormone zu krankhaften Veränderungen des Herzmuskels führen können. Allerdings können nach dem Tod im Blut meist keine Dopingsubstanzen mehr nachgewiesen werden.

Herzmuskelentzündungen können sich beim Sport vermehrt bei Erkältungen bilden. Der angeschlagene Organismus muss viel leisten und das Herz wird überbeansprucht. Der Herzmuskel entzündet sich und kann sich nur durch eine lange Pause zu 90 % regenerieren. Die zerstörten Zellen werden durch Bindegewebe ersetzt.

Auslöser für den plötzlichen Herztod (PHT) ist die starke sportliche Belastung. Auch bis zu einer Stunde nach dem Sport kann der plötzliche Herztod eintreten, wie etwa bei dem norwegischen Schwimmweltmeister Alexander Dale Oen, der erst beim Duschen starb.(Erkrankungen und Todesfälle bei Sportlern – der plötzliche Herztod)

  

Wie kann man vorbeugen?

Eine 100 %ige Prävention gibt es leider nicht. Im Leistungssport sind Kardiogramme, Ultraschall und andere bildgebende Verfahren sowie eine gründliche Anamnese Grundlage der präventiven Untersuchung. Allerdings kann man damit nicht alle Erkrankungen erkennen, z. B. angeborene Herzfehler, die erst bei starker Belastung zu Rhythmusstörungen führen, oder Herzmuskelentzündungen, die sich durch eine Überlastung beim Sport wegen Erkrankungen wie beispielsweise Erkältungen bilden.

Herzerkrankungen zeigen nicht zwingend typische Symptome. Einige Warnsymptome sind:

– Schwindel

– Ohnmachtszustände

– Luftnot

Schmerzen

– Leistungseinbrüche

– Familienanamnese

– Herzfrequenzveränderungen

– Rhythmusstörungen

 

Eine Sportpause ist bei Fieber und Erkältungen, bei akut geschwollenen Lymphknoten sowie bei erhöhter Herzfrequenz in Ruhe und bei Belastung zwingend notwendig – das „Ausschwitzen“ von Infekten ist sehr gefährlich.

Eine volle Belastbarkeit ist meistens auch bei wieder normalen Laborwerten noch nicht gewährleistet, da Infekte einige Tage bis Wochen nachwirken können. Ein wichtiger Punkt sollte daher sein, dass der Sportler lernt, auf seinen Körper zu hören. Häufig werden Symptome „überhört“, da wichtige Qualifikationen wie etwa die Olympischen Spiele, große Wettkämpfe, Turniere oder Endspiele anstehen, an denen der Sportler unbedingt teilnehmen will, oder wenn er vor Vertragsverhandlungen steht und keine Schwäche zeigen möchte. Doch schadet das „Zähne zusammenbeißen“ unterm Strich nur wenn der Herzmuskel entzündet ist und der Körper weiter hohe Leistungen bringen muss. Das Risiko zu kollabieren und seinem Körper zu schaden ist viel zu hoch! Eine Pause im Krankheitsfall ist unumgänglich.

Gerade im Breitensport, wenn der Trainingszustand nicht gut ist oder der Sportler erst wieder angefangen hat zu trainieren, sollte die Intensität langsam gesteigert und bei Infekten pausiert werden.

 

Tritt der plötzliche Herztod auch bei Zuschauern auf?

Wie Forscher des Universitätsklinikums München-Großhadern rausfanden, sind auch Zuschauer bei spannenden Spielen im Stadion oder vor dem Fernseher betroffen. Hierbei ist der Auslöser der emotionale Stress während des Zuschauens. Bei der WM 2006 wurden die Notfälle, die rund um den Anpfiff zu den Spielen der Deutschen eingeliefert wurden, mit denen der anderen Spiele verglichen, aber auch mit den Zahlen aus den Jahren 2003 und 2005. Die Zahlen aus 2006 waren bis zu 3-mal so hoch. Die Männer waren mit einem 3,26-fachen gesteigerten Risiko davon stäker betroffen als die Frauen, die ein nur 1,28-faches erhöhtes Risiko hatten.

Die Sanitäter in den Stadien mussten rund 100-mal pro Spiel ausrücken, um Zuschauer und Spieler zu versorgen, und kamen somit doppelt so häufig zum Einsatz wie bei normalen Ligaspielen.

Britische Forscher haben schon 1998 anhand von Fußballspielen festgestellt, dass stressige Ereignisse einen Infarkt auslösen können, da am Tag, als England im Elfmeterschießen verlor und an den 2 darauffolgenden Tagen 25 % mehr Herzinfarktpatienten im Krankenhaus aufgenommen wurden.

 

Angi Peukert

 

Quellenangaben

1. http://www.sgsm.ch/files/file_ressource_properties/file/21/de_5-sm_info_herz.pdf

2. http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/fussball-wm-2006-herzinfarkt-beim-elfmeterschiessen-608587.html

3. http://vmrz0100.vm.ruhr-uni-bochum.de/spomedial/content/e866/e2442/e2722/e2931/e2936/e2972/index_ger.html

4. http://www.uni-saarland.de/page/scd/ploetzlichertod/k.html

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Angi Peukert

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