Folgen der Dehydrierung – und wie sie vermieden werden können

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Eine ausgeglichene Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr  ist wichtig, doch es gibt keine allgemein gültige Strategie, die jederzeit und auf jeden Sportler passt. Es braucht eine Beurteilung des individuellen Bedarfs, um eine persönliche Strategie für die Flüssigkeitsaufnahme zu erarbeiten.

Einer der Kernbereiche, in denen die Ernährung einen direkten Einfluss auf die Leistungsfähigkeit hat, ist die Hydrierung. Es gibt schlüssige Beweise, dass Spieler, die an Flüssigkeitsmangel leiden, schneller erschöpft sind. Zudem kommt es bei ihnen zu einem größeren Leistungsabfall und einer erhöhten Verletzungsgefahr. Darüber hinaus gibt es eindeutige Erkenntnisse darüber, dass ein erhöhter Schweißverlust, und hier im Besonderen der hohe Salzverlust, für diverse Muskelkrämpfe, die Spieler im Training oder im Wettkampf erleiden, verantwortlich sind.
In der letzten Zeit haben immer mehr Vereine erkannt, dass eine ausgeglichene Flüssigkeits- und Elektrolytzufuhr wichtig ist und dass keine allgemein gültige Strategie existiert, die jederzeit und auf jeden Spieler passt. Dies führte zu einer Beurteilung des individuellen Bedarfs, um eine Strategie für die Flüssigkeitsaufnahme für jeden Spieler zu erarbeiten.

Diese Praxis scheint im American Football zunehmend Anwendung zu finden, da das Vorsaisontraining normalerweise bei extremer Hitze stattfindet und 2 Trainingszeiten pro Tag absolviert werden müssen. In den letzten Jahren haben einige Todesfälle, die in der Öffentlichkeit große Beachtung fanden, darunter auch der Tod von Korey Stringer in der NFL (National Football League), ein Bewusstsein dafür geschaffen, was passieren kann, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen. Mehrere der englischen Topvereine verfügen inzwischen über Überwachungsstrategien vor Ort.

 

Analyse des individuellen Flüssigkeitsbedarfs

Auf der untersten Ebene kann durch das Wiegen der Spieler vor und nach dem Training ein Hinweis auf ihren Grad des Wasser- und Elektrolytverlusts und dem damit verbundenen Risiko einer Hitzeerkrankung ermittelt werden. Dabei wird die Menge des Schweißverlusts ebenso wie die Menge der getrunkenen Flüssigkeit mit einbezogen und eine daraus resultierende Nettobilanz errechnet. Ein geringer Teil des Gewichtsverlusts resultiert aus den für die Energiegewinnung verbrauchten Energieträgern (meist Kohlenhydrate und etwas Fett), doch dieser Teil ist relativ klein. Auch über Lungen und Haut kommt es zu Wasserverlusten. Im Allgemeinen entspricht ein Gewichtsverlust von 1 kg einem Nettoverlust von 1 l Körperflüssigkeit.
Eine etwas genauere Messmethode ist das Wiegen der Spieler vor und nach dem Training oder einem Wettkampf (immer ohne Kleidung und abgetrocknet) und der Trinkflasche der Spieler vor und nach dem Spiel. Dabei geht man davon aus, dass jeder Spieler nur aus seiner eigenen Flasche trinkt und dass alle Flüssigkeit auch geschluckt und nicht ausgespuckt oder verschüttet wurde. Rechnet man die Gewichtsabnahme der Trinkflaschen zu der Gewichtsabnahme der Spieler hinzu, erhält man den tatsächlichen Schweißverlust sowie eine Übersicht über das Trinkverhalten der Spieler.
All dies lässt sich einfach durchführen. Man braucht lediglich eine Küchenwaage für die Trinkflaschen und eine zuverlässige Waage für die Spieler – und jemanden mit Organisationstalent. Die Kosten belaufen sich auf nahezu null, nur ein geringer Zeit- und Arbeitsaufwand seitens eines Mitarbeiters des Betreuerstabs sind erforderlich. Eine weitere Messung könnte als Ergänzung nützlich sein, doch dazu benötigt man eine spezielle Apparatur, so dass sie den Topvereinen vorbehalten ist: die Messung des Salzverlustes über den Schweiß.

 

Vermeiden von Muskelkrämpfen durch Salzzufuhr

Es gibt viele Methoden zur Messung des Salzverlusts im Schweiß. Die praktikabelste sind Kompressen mit einem klebrigen Plastikfilm. Normalerweise werden vor dem Training 4 Kompressen an unterschiedlichen Körperstellen angebracht, die 1 Stunde dort bleiben. Nach dem Entfernen werden Schweiß- und Salzanteil im Pflaster gemessen, um so die Spieler mit salzigem Schweiß zu identifizieren. Wir haben diese Messungen bei dem 1. Mannschaftskader einiger europäischer Topvereine durchgeführt und ungefähr 20–30 Spieler pro Verein getestet. Die Ergebnisse waren bei ähnlichen Trainingszeiten einheitlich innerhalb der Vereine, die Unterschiede zwischen den einzelnen Spielern jedoch groß. Hauptergebnisse eines typischen 90-Minuten-Trainings:

– Der mittlere Schweißverlust liegt bei ungefähr 2 l, variiert jedoch von 1 bis über 3 l, selbst wenn alle Spieler im Training die gleichen Übungen unter gleichen Bedingungen ausführen und die gleiche Kleidung tragen.

– Die durchschnittliche Flüssigkeitsaufnahme beträgt normalerweise 800–1.000 ml, variiert jedoch von 250 ml bis über 2 l.

– Es besteht kein Zusammenhang zwischen der Menge an Schweiß, die ein Spieler verliert, und der Menge der aufgenommenen Flüssigkeit.

– Der Salzgehalt im Schweiß variiert stark: Die besser akklimatisierten Spieler weisen einen niedrigeren Salzgehalt auf, doch auch hier finden sich individuelle Unterschiede. Der Salzverlust (Natriumchlorid) im Schweiß kann bei Spielern in einem einzigen Training bis zu ca. 10 g betragen, und zwar bei 2-maligem Training pro Tag. Andere Spieler weisen in derselben Trainingszeit nur einen geringen Salzverlust auf – 2 g und weniger.

– Findet das Training in der Kälte statt, kann der Schweißverlust trotzdem so hoch sein wie bei einem Training an einem heißen Tag. Die Spieler trinken sehr viel weniger und dehydrieren daher ebenso stark oder stärker.

Diese Resultate mögen bis auf das letzte Ergebnis einfach und vorhersehbar erscheinen, doch ermöglichen sie dem Trainerstab eines Vereins, der ernsthaft die Chancen seines „menschlichen Potenzials“ steigern will, die Ermittlung einer auf den Bedarf eines jeden Spielers abgestimmten Flüssigkeitsaufnahme. Ziel sollte sein, dass die Spieler ausreichend trinken, um den Gewichtsverlust auf nicht mehr als 1–2 % des Körpergewichts vor dem Training zu begrenzen, aber auch nicht zu viel, wie viele Spieler das praktizieren.
Es besteht der Verdacht – und ich möchte betonen, dass es sich derzeit wirklich nur um einen Verdacht handelt –, dass Spieler mit einem sehr hohen Salzgehalt im Schweiß öfter zu Krämpfen neigen und dass dieses Risiko durch eine zusätzliche Salzzufuhr reduziert werden kann.
Diese einfachen Maßnahmen können den Unterschied zwischen denjenigen, die in der letzten Minute das entscheidende Tor schießen und denjenigen, an denen das Spiel vorbeiläuft, ausmachen. Es überrascht nur, dass der professionelle Fußball das nicht schon früher begriffen hat.

 

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