Dopingmittel im Sport

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Die Verwendung von Dopingmitteln im Sport ist nichts Neues, aber sie wird immer effektiver. Trotz der Gesundheitsrisiken und trotz der Verbote, ist ihr Gebrauch weit verbreitet. Heutzutage zuckt kaum jemand mit den Wimpern, wenn ein berühmter Athlet den Dopingtest nicht besteht.

Der Gebrauch leistungsfördernder Mittel in der neuzeitlichen Olympiade ist schon seit den 3. Olympischen Spielen aktenkundig: Thomas Hicks gewann den Marathon, nachdem er mitten im Rennen eine Strychnin-Injektion erhalten hatte.(1) Das 1. amtliche Verbot „anregender Substanzen“ durch eine Sportorganisation wurde 1928 durch die International Amateur Athletic Federation eingeführt.

Die Verwendung von Dopingmitteln um im Sport zu betrügen ist nichts Neues, aber sie wird immer effektiver. 1976 gewann die ostdeutsche Schwimmmannschaft 11 der 13 olympischen Wettkämpfe und verklagte später die Regierung für die Vergabe von anabolen Steroiden.(2) Trotz der Gesundheitsrisiken und trotz der Versuche der Regulierungsbehörden, Dopingmittel aus dem Sport zu beseitigen, ist der Gebrauch der illegalen Substanzen bekanntermaßen weit verbreitet. Heutzutage zuckt kaum jemand mit den Wimpern, wenn ein berühmter Athlet den Dopingtest nicht besteht.
1992 interviewte Vicky Rabinowicz kleine Gruppen von Athleten. Sie fand heraus, dass olympische Athleten im Allgemeinen glaubten, dass die erfolgreichsten Athleten alle verbotene Substanzen verwenden.(3)
Viel von dem, was über den Gebrauch von Dopingmitteln im Sport geschrieben wird, beruht auf solchen anekdotischen Beweisen. Es gibt sehr wenig harte und objektive Belege, weil die Athleten etwas tun, das Tabu ist, illegal und manchmal in hohem Grade gefährlich. Das anekdotische Bild zeigt uns, dass unsere Versuche, Dopingmittel aus dem Sport zu verbannen, gescheitert sind. In Ermangelung eines stichhaltigen Beweises benötigen wir eine analytische Auseinandersetzung, um festzulegen, was wir tun sollten.

 

Das Betrügerspiel

Wir haben die Tage der sportlichen Amateurwettkämpfe längst weit hinter uns gelassen. Eliteathleten können 10 Millionen Dollar im Jahr allein durch das Preisgeld verdienen und Millionen mehr durch Sponsoring und Werbeverträge. Die Verlockung des Erfolgs ist groß. Die Strafen für das Betrügen hingegen sind klein. Ein 6-monatiger oder 1-jähriger Wettkampfausschluss ist eine kleine Strafe, für viele weitere Jahre mit Multi-Millionen-Dollar-Erfolgen. 
 Dopingmittel sind heutzutage viel wirkungsvoller, als sie zur Zeit der Strychnine und Schafshoden waren. Die Studien, die das anabole Steroid Androgen zum Gegenstand haben, zeigen, dass selbst um einiges kleinere Dosen als die, die von den Athleten verwendet werden, die Muskelstärke um 5–20 % verbessern konnten.(4)
Für die meisten Athleten ist es auch verhältnismäßig unwahrscheinlich, überhaupt getestet zu werden. Die International Amateur Athletic Federation schätzt, dass nur 10–15 % der teilnehmenden Athleten pro bedeutendem Wettkampf geprüft werden.(5)
Die enormen Verlockungen für den Sieger, die Wirksamkeit der Dopingmittel und die niedrige Testrate tragen dazu bei ein „Betrügerspiel“ zu kreieren, das für den Athleten unwiderstehlich ist.
Dopingmittel wie Erythropoietin (EPO) und Wachstumshormone sind natürliche Chemikalien im Körper. Mit dem Fortschritt der Technologie ist es schwieriger geworden Dopingmittel aufzudecken, weil sie natürliche Prozesse nachahmen. In einigen Jahren wird es viele unaufdeckbare Dopingmittel geben. Die Analyse von Haugen sagt das Offensichtliche voraus: Wenn die Gefahr, erwischt zu werden, gleich null ist, werden alle Athleten beschließen zu betrügen.(6)
Die olympischen Spiele in Athen waren die 1., die der Einführung eines globalen Anti-Doping-Kodex folgten. Von der Hinführung zu den Spielen bis zum Ende der Wettkämpfe wurden 3.000 Dopingtests durchgeführt: 2.600 Urintests und 400 Blutproben auf das ausdauerfördernde Dopingmittel EPO.(7) Hierbei wurde bei 23 Athleten eine verbotene Substanz festgestellt – soviel wie noch nie bei olympischen Spielen.(8)
 

Das Ziel des „Reinemachens“ im Sport ist unerreichbar

Bleibt uns das Betrügen demnach erhalten? Rein menschlicher Sport ist anders als Sport mit Tieren, wie Pferde- oder Hunderennen. Das Ziel eines Pferderennens ist, das schnellste Pferd ausfindig zu machen. Pferde werden in einer Reihe aufgestellt und geschlagen. Es siegt derjenige mit der besten Kombination aus Biologie, Training und Reiter. Im Grunde genommen ist dies ein Test des biologischen Potentials. Das war die alte naturalistische athenische Ansicht des Sports: den stärksten, schnellsten oder fähigsten Mann zu finden. Dopingmittel, die unser natürliches Potential verbessern, widersprechen dem Grundgedanken dieses Leitbilds des Sports. (Lesen Sie dazu auch: Doping – Individueller Betrug oder Systemzwang?)

  

Warum Musiker Dopingmittel zu sich nehmen

Klassische Musiker nehmen gewöhnlich Betablocker, um ihr Lampenfieber in den Griff zu bekommen. Dieses Medikament senkt den Puls und Blutdruck, was wiederum die körperlichen Auswirkungen des Stresses verringert. Es hat sich gezeigt, dass die Qualität einer musikalischen Vorführung sich verbessert, wenn der Musiker diese Medikamente einnimmt.(9) Obgleich klassische Elitemusiker wohl ebenso im Wettstreit liegen, wie Elitesportler und die Entlohnung ähnlich ist, haftet dem Gebrauch dieser Dopingmittel kein Makel an. Der Wettbewerb zwischen Elitemusikern unterliegt Richtlinien – sie können nicht das Violinenspiel einer Hintergrund CD imitieren. Aber es gibt keine Richtlinien gegen den Gebrauch von chemischen Leistungsverbesserern.

 

Ein genetisches Kartenspiel

Menschen sind erfolgreich im Sport aufgrund der genetischen Lotterie, die ihnen ein Siegerblatt ausgeteilt hat. Wenn Sie eine Art Trumpfgen haben, sind Sie besser bei Langstreckendisziplinen. Wenn Sie ein anderes haben, sind Sie besser auf kurzen Distanzen. Dunkelhäutige Afrikaner sind besser in Kurzstreckendisziplinen aufgrund ihrer biologisch überlegenen Muskelart und Knochenstruktur.
Das krasseste Beispiel ist der finnische Skifahrer Eero Maentyranta. 1964 gewann er 3 Goldmedaillen. Später fand man heraus, dass er aufgrund einer genetischen Veränderung „von Natur aus“ 40–50 % mehr rote Blutkörperchen hatte als der durchschnittliche Sportler.(10)

Die Fähigkeit, bei Sportereignissen gute Leistungen zu erbringen, wird durch die Versorgung der Muskeln mit Sauerstoff bestimmt. Der Sauerstoff wird durch rote Blutkörperchen transportiert. Je mehr rote Blutkörperchen Sie haben, desto mehr Sauerstoff können Sie aufnehmen. Dies wiederum bestimmt die Leistung eines Athleten in aeroben Übungen. EPO ist ein natürliches Hormon, das die Produktion der roten Blutzellen anregt und den Hämatokritwert (PCV) hebt – der Prozentsatz roter Blutkörperchen im Blut. Athleten begannen in den 70er-Jahren, sich rekombinantes menschliches EPO einzuspritzen, 1985 wurde es offiziell verboten.(11)
 

Große Gesundheitsrisiken

Wenn der Hämatokritwert zu stark angehoben wird, kann dies Gesundheitsprobleme verursachen. Das Schadensrisiko steigt schnell, wenn der Hämatokritwert über 50 % erreicht. Auf diesem Niveau würde ein gesteigerter Hämatokritwert verbunden mit Bluthochdruck das Hinrschlagrisiko verneunfachen. Im Ausdauersport verursacht Dehydrierung eine Verdickung des Bluts des Athleten, was weiterhin die Blutviskosität und den Blutdruck anhebt.(12) Was als relativ kleines Risiko eines Hirn- oder Herzschlages beginnt, kann während des Trainings akut ansteigen.
Es gibt andere Wege, die Zahl der roten Blutkörperchen zu erhöhen, die offiziell zugelassen sind. Höhentraining kann den Hämatokritwert auf ein gefährliches, sogar tödliches Niveau forcieren. Erst kürzlich sind Hypoxikatoren benutzt worden, um Höhentraining zu simulieren. Der Körper reagiert, indem er natürliches EPO freigibt und mehr Blutkörperchen produziert, damit er mit jedem Atemzug mehr Sauerstoff aufnehmen kann.
Es besteht kein Unterschied ob Sie Ihr Blutbild durch Höhentraining, Hypoxikatoren oder EPO verändern, letzteres jedoch ist illegal. Einige Wettkämpfer haben hohe Hämatokritwerte und Vorteile aufgrund von Glück. Einige können sich Hypoxikatoren finanziell leisten. Ist das fair? Aber so ist die Natur nun einmal. Ian Thorpe hat enorm große Füße, die ihm einen Vorteil geben, den kein anderer Schwimmer erreichen kann, egal wie viel er trainiert. Einige Turner sind beweglicher, und einige Basketballspieler sind 2,10 m groß.

Wer hart trainiert und an sich arbeitet kann sehr wohl sportliche Erfolge verbuchen. Auch ohne Doping.

 

Quellenangaben

1. House of Commons, Select Committee on Culture, Media and Sport 2004. Seventh Report of Session 2003–2004, UK Parliament, HC, S. 499–501

2. New York Times 2004, 20. Januar, Sektion D, S. 1

3. Psychology Today 1992, Bd. 25, S. 52–53

4. Sports Medicine 2004, Bd. 34, S. 513–554

5. IAAF, 2004. www.iaaf.org/ antidoping/index.html

6. Journal of Sports Economics 2004, Bd. 5, S. 67–87

7. Wilson S, Boxer Munyasia fails drug test in Athens. Athens: Associated Press, 2004, 10. August

8. New York Times 2004, 29. August, Late Edition, S. 1

9. American Journal of Medicine 1982, Bd. 72, S. 88–94

10. Acta Physiologica Scandinavia 1998, Bd. 162, S. 343–350

11. Journal of the American Medical Association 1996, Bd. 276, S. 231–237

12. Advanced Internal Medicine 1991, Bd. 36, S. 399–424

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