Faszien-Yoga: Übungen, Ganzheitlichkeit und Flexibilität

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Yoga Faszientraining mit Katherina Brinkmann: Rollender Pflug   

Sie möchten wieder fitter und schmerzfreier durchs Leben gehen? Dann tun sie etwas für ihre Faszien, die mit zunehmenden Alter verkleben und verfilzen: Mit Faszien-Yoga können sie die Haltung verbessern, werden beweglicher und Rückenschmerzen entstehen erst gar nicht.

Die FaYo-Checkliste:

– Was ist neu?

– Warum Faszien-Yoga?

– Was ist Faszien-Yoga?

– Was kann Faszien-Yoga?

– Was ist Yoga?

– Was sind Faszien?

– Wie sind Faszien aufgebaut?

Yoga und Faszien – Was ist neu?

Auf den ersten Blick scheinen die Faszienwelt und die Yogaphilosophie zwei völlig gegensätzliche Bereiche darzustellen. Die Faszienforschung – ein moderner Forschungsbereich, der noch in den Kinderschuhen steckt – versucht, die Erscheinungsformen und Funktionen der Faszien im Detail zu erklären und anatomisch-physiologische Zusammenhänge herzustellen. Yoga ist eine altindische Bewegungs- und Lebenslehre, die ganzheitlich-energetisch Körper und Geist mit einbezieht. Yoga basiert auf den jahrtausendealten Lehren und Erfahrungen, die sich durch das Erleben und Spüren von Bewegung herausgebildet haben. Zwei Sichtweisen, die unterschiedlicher nicht sein können. Sie werden jedoch feststellen, dass Gemeinsamkeiten und Schnittstellen die Yoga- und die Faszienwelt miteinander verbinden. Was Yogis seit tausenden Jahren spüren, wird nun auch wissenschaftlich erklärbar und greifbar.

Warum Faszien-Yoga?

Yoga ist Faszientraining! Definitiv, allein die klassischen Yogahaltungen sind durch das langkettige Dehnen ein hervorragendes Faszientraining. Faszien lieben es, gedehnt und gestreckt zu werden, wie es im Yoga der Fall ist. Und sie sind wahre Bewegungskünstler, die Bewegungsvielfalt benötigen. Hüpfende, federnde Bewegungen gehören genauso dazu wie langsame und kleine Bewegungsimpulse. Faszien sind das wohl vielfältigste Gewebe in unserem Körper und genauso vielfältig sind die Trainingsmöglichkeiten. Im Faszien-Yoga wird Ihr Fasziengewebe weit über das Dehnen hinaus beansprucht. Faszien-Yoga macht Ihre Yogapraxis »faszialer«, Ihren Körper geschmeidiger und öffnet neue kreative Blickwinkel zur klassischen Yoga-Ausrichtung. Im Unterschied zu klassischen, statischen Yogastilen werden Sie im Faszien-Yoga selten länger als ein paar Atemzüge in einer Haltung verweilen. Kreativität und Neugier auf neue Bewegungsmuster, Bewegungsgenuss und der Blick auf das äußere und innere »Netzwerk« zeichnen diesen »faszinierenden« Yogastil aus.

Was ist Faszien-Yoga?

Fascial-Yoga ist bewegtes und abwechslungsreiches Yoga mit Fokus auf dem wohl interessantesten Gewebe in unserem Körper. Faszien-Yoga besteht aus mehreren Bausteinen, mit denen man das Fasziennetz auf allen Ebenen anspricht. Betrachten Sie die Bausteine als Blütenblätter einer prachtvollen Blume. Jedes Blatt hat seine Daseinsberechtigung und seinen eigenen Charme. Jedes Blatt macht die Blüte vollkommen und zusammen bilden sie eine Einheit.

Die fünf Blätter der Faszien-Yoga-Blüte stehen für die fünf Trainingselemente im Faszien-Yoga:

– Verspannungen lösen

– Fasziales Dehnen

– Stärke und Stabilität

– Elastizität

– Atmen

Was kann Faszien-Yoga

Fayo bringt das Fasziennetz in Balance. Es betrachtet den Körper als Einheit, nicht nur physiologisch, sondern auch auf der Ebene von Geist und Seele.

Das Faszientraining:

– hält Ihr Fasziennetz geschmeidig und elastisch und sorgt gleichzeitig für Stabilität und Widerstandsfähigkeit.

– fördert das Körpergefühl und schult die Sensorik. Sie werden sich selbst spüren und neue Bewegungsräume entdecken.

– lädt Sie ein zum Entdecken und Kreativsein.

– kann bei Schmerzen, Verspannungen und Verletzungen helfen. In den Faszien, vor allem in der großen Rückenfaszie, sitzen eine Vielzahl von Rezeptoren aller Art.

– macht Spaß!

Dennoch: Faszien-Yoga ist kein Allheilmittel. Aber es ist eine wunderbare Möglichkeit, den eigenen Körper besser kennenzulernen. Die Faszientherapie, um Verspannungen und Verklebungen zu lösen und das Bindegewebe wieder in Form zu bringen.

Was ist Yoga?

Yoga ist ein umfassender Begriff, der weit mehr als eine körperliche Entspannungsmethode beschreibt. Yoga wurzelt tief in der indischen Kultur und Tradition und kann als ein ganzheitliches System betrachtet werden, das Körper, Geist und Seele in Einklang bringt.

Mit den Yogasutren des Patanjali beginnt nach unserem Verständnis die klassische Yogatradition. Patanjali beschrieb vor etwa 2000 Jahren in seinem Werk den achtgliedrigen Yogaweg mit konkreten Techniken und Methoden, um das Ziel der Yogapraxis, die Erkenntnis zu sich selbst, zu erreichen. Diese Auffassung ist bis heute aktuell und fließt auch in die Faszien-Yoga-Praxis mit ein.

Was ist Yoga?

Was ist Yoga?   © squaredotmedia

Im Laufe der Zeit haben sich aus dem körperlichen Hatha-Yoga viele Yogaformen und -traditionen entwickelt, in denen sich bei genauer Betrachtung stets der achtgliedrige Pfad als Kernstück wiederfindet. Kraftvolle und körperorientierte Yogastile wie Iyengar-Yoga, Power-Yoga oder Anusara-Yoga oder auch spirituelle, dem indischen Stil angepasste Stile wie Kundalini-Yoga oder Kriya-Yoga machen deutlich, wie facettenreich und wandelbar der Yogabegriff verwendet werden kann. Eines haben alle Stile gemein: Der Mensch mit all seinen Facetten steht im Mittelpunkt. Yoga ist darauf ausgelegt, die Eigenwahrnehmung zu verbessern, um den eigenen Körper und Geist zu verstehen und Klarheit zu erlangen. Eine Antwort auf die Frage, was Yoga ist, lieferte Patanjali selbst:

Yoga ist also ein Nach-innen-Schauen, das uns mehr Klarheit über uns erfahren lässt.

Der achtstufige Yogapfad nach Patanjali

» Yama: Umgang mit der Welt

» Niyama: Umgang mit sich selbst

» Asanas: Körperübungen

» Pranayama: Regulierung des Atems

» Pratyahara: Zurückziehen der Sinne

» Dharana: Konzentration

» Dhyana: Meditation

» Samadhi: Erleuchtung

Was sind diese Faszien eigentlich?

Unter dem Begriff »Faszie« werden alle bindegewebigen Strukturen des Körpers zusammengefasst.

Unter dem Begriff »Faszie« werden alle bindegewebigen Strukturen des Körpers zusammengefasst.   © squaredotmedia

Fest steht, dass sie derzeit das wohl populärste Gewebe in der Sportwissenschaft und auch über den wissenschaftlichen Bereich hinaus in aller Munde sind. Das Wissen über die vielfältigen Funktionen der Faszien bereichert die Sport- und Yogawelt gleichermaßen. Faszien sind jedoch schon immer Teil unseres Körpers, sie sind nicht neu dazugewachsen. Neu sind die Erkenntnisse der letzten Jahre, die sich durch wissenschaftliche Studien ergeben haben, sodass wir unsere Vorstellungen über unser Bewegungssystem überdenken und ergänzen können. Bisher gingen wir davon aus, dass Bewegungen allein durch das Zusammenspiel von Muskeln, Knochen und Nervensystem entstehen. Diese Vorstellung ist keineswegs falsch, doch lassen Sie uns diese Betrachtung durch eine weitere wichtige Komponente ergänzen, die einen großen Einfluss auf unser Bewegungssystem hat: Faszien.

Unter dem Begriff »Faszie« werden alle bindegewebigen Strukturen des Körpers zusammengefasst.

Zum Fasziengewebe zählen:

» Bänder 

» Sehnen

» Sehnenplatten

» Unterhautgewebe

» Organ- und Gefäßhüllen

» Nervenhüllen

Muskeln, Knochen, Nerven und Organe – alles ist von Faszien umhüllt. Dieses Bindegewebe verbindet alles in unserem Körper und trennt auch alles voneinander ab. Es ist das Bindeglied zwischen den äußeren und inneren Körperstrukturen. Was besonders interessant ist: Faszien sind trainierbar! Sie können also mit Faszientraining selbst etwas für ein gesundes, flexibles Fasziennetz tun.

Aufbau der Faszien

Aufbau der Faszien

Aufbau der Faszien

Was haben unsere Faszien mit Orangen zu tun? Gemeint ist hier nicht die umgangssprachliche »Orangenhaut «, die durch schwaches Bindegewebe entstehen kann. Vielmehr lässt sich anhand des Querschnitts einer frisch aufgeschnittenen Orange wunderbar der Aufbau unserer Faszien darstellen. Das Fruchtfleisch ist von weißen Fasern umhüllt, die dem Fleisch Form und Stabilität verleihen. So ähnlich würde es auch bei einem Querschnitt durch unseren Körper ausschauen. Die weißen Fasern sind auf allen Ebenen des Körpers zu finden und umhüllen alle anatomischen Strukturen. Jedes Organ, jeder Nerv, jedes Gefäß, jeder Muskel und jede Muskelfaser werden von einer Faszie umhüllt. Faszien dringen jedoch auch in das Innere ein, um dort für die Organe und Gefäße schützend zu wirken.

Leitbahnen des Körpers – die Faszienketten

Faszien bilden eine untrennbar miteinander verbundene Einheit. Dennoch lässt sich das Fasziengewebe grob in drei Bereiche untergliedern:

» Faszien des Zentralnervensystems

» Faszien der Organe

» Faszien des Bewegungsapparates

Die Faszien des Bewegungsapparates, sind im Yoga von großer Bedeutung, denn sie übertragen Kräfte und koordinieren die Bewegung. Die noch in vielen Köpfen verankerte Vorstellung, dass Knochen durch die Kraft einzelner Muskeln bewegt werden und die Muskelkraft dabei isoliert über eine Sehne auf den Knochen übertragen wird, muss mit dem heutigen Wissen über die Faszien revidiert werden. Die Faszien, das bis dato fehlende Bindeglied, arbeiten bei der Kraftübertragung Hand in Hand mit der Muskulatur. Auch Zug- und Druckbelastungen, wie sie beim Dehnen entstehen, werden von einer Körpereinheit zur nächsten weitergegeben, damit sich die Belastung über den ganzen Körper verteilt.

Die Faszien des Bewegungsapparates

Die Faszien des Bewegungsapparates

Übungsbeispiel: Die Faszien des Bewegungsapparates   © squaredotmedia

Sie werden auch als »Myofaszien« bezeichnet. Das Wort »Myofaszie« beschreibt die untrennbar miteinander verbundene Einheit aus Muskelgewebe (Myo-) und dem bindegewebigen Fasziengewebe (Faszie). Häufig werden diese Linien auch als myofasziale Meridiane bezeichnet. Damit keine Begriffsverwirrung entsteht: Die Linien der myofaszialen Leitbahnen sind keine Akupunkturmeridiane, denn üblicherweise versteht man unter den Meridianen die energetischen Transmissionslinien in der Akupunktur. Es existieren eindeutig Überschneidungen, sie sind aber keinesfalls äquivalent.

Die Betrachtung unseres Körpers als eine Einheit ermöglicht bei Haltungsfehlern eine ganzheitliche Analyse der Problemursache. Haltungsfehler, wie zum Beispiel ein ausgeprägter Rundrücken im Brustwirbelbereich, führen zu einem Ungleichgewicht zwischen hinterer und vorderer Faszienkette: Eine Seite ist verkürzt, die andere wird zu sehr aufgedehnt. Der Körper versucht, dieses Ungleichgewicht durch eine chronische Muskelanspannung auszugleichen. Auch die Faszien kontrahieren und verdicken sich.

Die Leitbahnen unseres Körpers stellen im Faszien-Yoga eine wunderbare Orientierungshilfe zur Kategorisierung der Haltungen dar. Sehen Sie diese Einteilung wie eine »Körperlandkarte«, die Ihnen hilft, die Wirkung der Dehnung und der Kraftverteilung zu verstehen.

Folgende Leitbahnen werden im Faszien-Yoga unterschieden:

» hintere Faszienkette

» vordere Faszienkette

» seitliche Faszienkette

» spiralig verlaufende Faszienkette

» Armlinien

Je nach Leitbahn werden durch Dehnung und Aktivierung unterschiedliche Wirkungen erzielt:

Hintere Faszienkette:

» Erdung der Füße und Beine auf der Matte

» aufrechte und stabile Körperhaltung

Vordere Faszienkette:

» Atemräume der Körpervorderseite öffnen für eine tiefe und freie Atmung

» Angst- und Schutzhaltung lösen

Seitliche Faszienkette:

» Körperseite öffnen, um die Lungenflügel auszubreiten

» seitliche Körperstabilisation

Spiralige Faszienkette:

» stabiler Stand (Schlinge um die gesamte Fußsohle)

» entspannter Schulter-Nacken-Bereich (Schlinge um die Schulterblätter)

Armlinien:

» Stabilität in armgestützten Haltungen

» geöffneter Brustraum

» entspannte Schultern

Wenn Sie in eine Einheit Übungen zu allen Faszienketten integrieren, können Sie Ihren Körper im Ganzen spüren. Vielleicht werden Sie merken, dass Ihnen die Übungen einer Faszienkette besonders leicht gelingen, während Ihnen andere Übungen wiederum eher schwerfallen. Seien Sie achtsam und nehmen Sie diese Unterschiede als Faszientherapie wahr. Das wird Ihnen helfen, Dysbalancen ausfindig zu machen.

Video-rollender-pflug

Praxis

Die Faszien und die Besonderheiten des Faszien-Yogas sind Ihnen nun vertraut – mit dieser Grundlage geht es jetzt auf die Yogamatte! Sicherlich sind Sie schon gespannt, wie sich das theoretische Faszienmodell am eigenen Körper spüren lässt.

Video

Autorin: Katharina Brinkmann

Unser Buchtipp aus der Redaktion:

Yoga-Faszientraining

Unser Bindegewebe, auch Faszien genannt, ist ein feines Netzwerk, das unsere Muskeln und Organe umschließt und unseren Körper stabilisiert. Wer fit, beweglich und schmerzfrei durchs Leben gehen will, sollte etwas für seine Faszien tun, denn diese verfilzen und verkleben mit zunehmendem Alter bei einseitiger Belastung. Dadurch werden wir unbeweglich und steif. Yoga ist ideales Faszientraining. Im Vergleich zu sanften, aber auch aktiven Yoga-Stilen werden beim Yoga-Faszientraining die Positionen länger gehalten, um Blockierungen in den Energiebahnen zu lösen und die Muskeln und das tiefer liegende Bindegewebe zu dehnen. Dabei verfolgt dieses Buch im Vergleich zum eher schonenden Yin Yoga eine dynamische und belebende Herangehensweise. Die hier aufgeführten Übungen dienen der Kräftigung und Stabilisierung der Körpermitte, eines zentralen Elementes im Yoga. So wird die Haltung insgesamt verbessert und Rückenschmerzen können erst gar nicht entstehen. Mit seinem umfangreichen Übungskatalog und einem optimal an die Faszien angepassten Sonnengruß, dem Fasziengruß, ist dieses Buch der ideale Begleiter, um mit Yogaübungen das Bindegewebe zu trainieren und ein Leben lang geschmeidig, beweglich und verletzungsfrei zu bleiben.

Sie können das Buch gleich hier im Shop oder über Amazon bestellen.

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