Verletzungsindikator Triggerpunkte

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Stellen Sie sich ein Gummiband vor, bei dem ein kleiner Abschnitt seine Elastizität verloren hat, und stattdessen hart und spröde geworden ist. Genauso verhält sich ein Triggerpunkt (TP): der Muskel ist fester, steifer, häufig schwächer und gleichzeitig doch sehr angespannt. Ein TP ist schmerzhaft, wenn Sie darauf drücken, und Sie können ein dickes Band spüren, das Sie mit Ihren Fingern verschieben können.

 

Eine große Anzahl an Sportverletzungen aller Art hat ihren Ursprung in der Entwicklung eines Triggerpunktes im Muskel oder in der Muskelhaut. Dieser TP ist sehr häufig das erste Anzeichen einer Überlastung, und ab dann beginnt das Domino von Ursache und Wirkung: ein Gewebe reißt, was dazu führt dass ein anderes überlastet wird und reißt, und so weiter. Triggerpunkte führen zu Entzündungen, dann Schmerzen, dann Schwäche, dann zu Gelenk- und Nervenfunktionsstörungen und schließlich zum strukturellen Zusammenbruch des Gewebes und einer ernsten Sportverletzung, die Sie für Wochen, Monate oder sogar Jahre außer Gefecht setzen kann, je nachdem, wie lange Sie versuchen, sich weiter abzuquälen, ohne den ursprünglichen TP zu behandeln.

 

Ein TP ist folglich ein Alarmsignal – ein erstes Warnzeichen, dass die Dinge nicht gut stehen in Ihrem biomechanischen System. Zu Lernen auf die Alarmsignale Ihres Körpers zu hören ist eine bedeutende Fähigkeit, die viele Verletzungen verhindern kann. Häufig werden sich Athleten, mit ihrem gesteigerten Gesamtkörperempfinden, der Triggerpunkte bewusst, bevor sie maßgeblich genug sind, um tatsächlich Schmerz zu verursachen, wenn die einzige Beschwerde „Anspannung ist oder das Gelenk oder der Muskel sich nicht „richtig“ anfühlen.(20,32)

 

Ein häufiges Phänomen

Es entwickeln wohl alle Sportler früher oder später in ihrer sportlichen Karriere Triggerpunkte. Diese können die Leistung hemmen und sie für eine Weile herunterbremsen, oder sie können ausbrechen, und eine ernste Verletzung verursachen. Sie sind ein normaler Bestandteil des Trainings und Wettkampfes, weil unsere Körper biomechanisch unvollkommen sind und unsere Umwelt willkürlicher ist, als uns lieb ist. In einer vollkommenen Welt würden unsere Körper nicht zusammenbrechen, wenn sie überbelastet sind – und der Fußballplatz wäre gerade weich genug, um Druckbrüche zu verhindern, und dennoch hart genug um Bänderrisse zu verhindern, wenn wir über ein Loch im Gras laufen. Aber so ist es nun mal nicht!

 

Im Grunde ist ein TP einfach ein dicker Knoten im Muskel – eine Art des Muskels auf Überbelastung zu reagieren. In gewissem Maße ist ein TP das Äquivalent eines Belastungsbruchs in einem Knochen. Genauer gesagt, ist ein TP ein fühlbarer, schmerzempfindlicher Knotenpunkt des Muskels oder der Muskelhaut. Er kann auch in der Haut, wo sich Narbengewebe befindet, in alten Bänderverletzungen oder gelegentlich in der Knochenhaut auftreten. Unter einem Mikroskop sehen Triggerpunkte dunkler aus, entzerrt und dicker und reichen im Durchmesser von 1–4 mm. Wenn sie sich im Muskel befinden, veranlassen sie ihn dazu, straffe Bänder zu bilden oder „schäbig“ zu werden. Eine Herdinfektion entwickelt sich bereits ziemlich früh und eine Kollagenmatrix bildet sich; Narbengewebe wird ausgelegt, um die schwache Verbindung zu überbrücken, und kann durchaus verdicken und zäh werden, je nachdem, wie lange es bestanden hat.(3,7,8,19,20,23,28) Der Muskel, in dem ein TP gefunden wird, ist normalerweise geschwächt und verkürzt. Der Muskel – oder der Teil, der den TP enthält – befindet sich gewöhnlich in einem Zustand der unfreiwilligen Spannung oder in erhöhter „Spannkraft“. Schlimmstenfalls kommt es um einen sehr schlimmen und entzündeten TP herum zu einem Muskelspasmus, der zu Krämpfen führen kann.(21)

 

Die Triggerpunkte kommen entweder als aktiv/„lebendig“ oder latent/„ruhend“ vor, je nachdem ob sie Schmerz „fortleiten“.(3,11,30,32) Mit einem aktiven Triggerpunkt (ATP), wenn Sie auf den Punkt drücken und versuchen, eine lokale Zuckungsreaktion „hervorzurufen“(eine unfreiwillige Zuckung, durch den Schmerz der von dem Drücken auf einen empfindlichen Punkt herrührt), wird dies konsistent irgendwo sonst in Ihrem Körper Schmerzen erzeugen. Latente Triggerpunkte (LTP) hingegen schmerzen nur im Bereich um den TP herum. Je intensiver der Schmerz beim Pressen auf den TP und je eindeutiger die Reaktion der lokalen Zuckung ist, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass fortgeleiteter Schmerz besteht.(12) Manchmal kann ein ATP sogar „Satelliten“-Triggerpunkte in dem Bereich bilden, auf den die Schmerzen fortgeleitet wurden.(25)

 

Abgesehen vom Finden eines wunden Punktes, können Sie einen TP auf 3 Arten identifizierenen:

  • Schmerz – normalerweise beginnt es irgendwo zu schmerzen.(2,4,20,26) Der Schmerz kann in ziemlich großem Abstand vom TP (fortgeleiteter Schmerz) auftreten, es kann als beträchtliche Verletzung wie eine Achilles-Sehnenentzündung oder Schulter-Impingement zum Vorschein kommen, oder es könnte in dem Muskel oder Gelenk, welches überbelastet wurde, einfach höllisch weh tun.(14,16,21,22,30,32) Manchmal ist das erste, was schmerzt, ein Gelenk, das mit einem bestimmten Muskel verbunden ist: Z. B. könnten patellofemorale Gelenkschmerzen im Knie das 1. Zeichen eines TP im vastus lateralis und/oder vastus medialis (Teile des Oberschenkelmuskels) sein.
  • Änderung des Bewegungsmusters – das erste Anzeichen eines Triggerpunkts könnte sein, dass sich etwas einfach nicht „richtig anfühlt“; was einmal eine geschmeidige Bewegung war, mit Kraft dahinter, ist jetzt unbeholfen und unkoordiniert.(8, 14, 24) Ihre Bahnzeiten sind schlecht und Ihr Trainer hat das ebenfalls bemerkt. Irgendwann hat sich Ihre Biomechanik gewandelt und das Zündmuster Ihrer Muskeln ist verändert, weil Muskeln mit TP eine niedrigere Zündschwelle (das bedeutet überaktiv) oder eine höhere Schwelle (das bedeutet träge und verspätet) aufgrund der mit der Muskelkontraktion verbundenen Schmerzen haben können.(32)
  • Schwäche – Ein Muskel mit einem oder mehreren Triggerpunkten verliert seine Kraft, bis der TP behandelt ist.(8,14,20,24) Das kommt entweder daher, weil seine Nervenversorgung durch den TP kompromittiert ist oder, weil der TP eine Schmerzhemmung verursacht (das bedeutet, es schmerzt, einen Muskel zu kontrahieren oder ein mit ihm verbundenes Gelenk zu bewegen).(14) Wenn ein Gelenk nicht ausreichend vor übermäßigen Scherkräften durch einen Muskel geschützt wird, der zu schwach ist, sendet es Schmerzmeldungen, entzündet sich und beginnt bald zu degenerieren. In dieser Situation ist es definitiv nicht genug, ins Kraftstudio zu gehen und sich „durch den Schmerz durchzutrainieren“. Häufig verschlimmern sich die Schmerzen, es sei denn der TP wird gleichzeitig behandelt und Gelenk-, Stabilitäts- und Umlern-Übungen werden verschrieben.
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    Was verursacht Triggerpunkte?

     

    Im Allgemeinen können wir die verursachenden Faktoren wie folgt in drei Kategorien unterteilen:

    1. Überbeanspruchung– äußere Faktoren. Diese umfassen:

    • Trainingsfehler, wie übermäßiges Volumen oder Intensität, schnelle Steigerung oder plötzliche Änderung, übermäßige Erschöpfung und unzulängliche Erholung;
    • Unzulängliche Vorbereitung – einschließlich Vorkonditionierung, Aufwärmung zur Stimulanz des Blutflusses, angemessene und sport-spezifische Dehnübungen, Gehirn-anregende Bewegungsdrills;
    • Unzulängliche Massage für wunde und müde Muskeln. Der Nutzen regelmäßiger Massage einmal pro Woche ist hinlänglich bewiesen;
    • Übermäßig harte oder weiche Oberflächen. Die Wölbung einer Laufbahn sollte eine ausgeglichene Muskelentwicklung fördern. Der Wechsel von einer Außenbahn auf eine Innenbahn kann ebenfalls einen Effekt haben;
    • Ungeeignete/abgetragene Schuhe/Ausrüstung;
    • Umfeldbedingungen – zu heiß, zu feucht oder auch zu kalt – können den Blut- und Wasserfluss zu den Muskeln kompromittieren, wodurch sie deren Temperatur und den Fluss der Mineralien beeinflussen, die für die Muskel/Nervenfunktion nötig sind.

    2. Überbeanspruchung – immanente Faktoren. Diese umfassen:

    • Schlechte Biomechanik – es gibt kein ideales biomechanisches System, das  anzustreben wäre, aber es gibt Grundregeln, die den Muskeln erlauben, auf beiden Seiten eines Gelenks ausgewogen zu bleiben. Egal ob Sie unter Senkfüßen oder schlechter Haltung leiden, die eigentliche Frage ist, ob Ihre Muskeln das Gelenk stützen können. Einige der besten Sprinter der Welt haben Senkfüße, aber diese Füße sind extrem gut gestützt, sodass ihre Muskeln einen guten biomechanischen Vorteil erhalten. Nichtsdestotrotz benötigt schlechte Fußbiomechanik gute orthopädische Einlagen (Senkfußeinlagen) um zu verhindern, das sich in den Beinen oder im Rücken Triggerpunkte entwickeln.(24) Gute Biomechanik führt zu richtiger Muskelbalance und folglich zu guter Muskelleistung und Gelenkschutz. Wann immer ein Muskel oder ein Gelenk wiederholt zu weit über seine „neutrale Zone“ hinaus gelassen wird, entwickelt sich ein TP. Zum Glück ist der Körper sehr empfänglich was das Wiedererlernen guter Bewegungsmuster angeht; Sie werden überrascht sein, wie gut der Körper sich mit Hilfe konzentrierter Bemühungen an ein gesünderes Bewegungsmuster anpasst, Muskelbalance bewahrt und Triggerpunkte in Grenzen hält.
    • Muskelermüdung – wiederholte Bewegung oder Belastung über einen bestimmten Punkt hinaus ermüden einen Muskel und verursachen schließlich einen Zusammenbruch innerhalb seiner Struktur, wodurch sich ein TP bildet. Dies geschieht unabhängig von biomechanischen Faktoren. Geben Sie dem Muskel Zeit und andere hilfreiche Faktoren, um ihm eine gute Erholungschance zu bieten.
    • Muskelschwäche – wie oben, nur dass nicht Ausdauer das Thema ist, sondern eher die Kapazität des Muskels, genügende Kraft unter Belastung zu erbringen. Wenn Sie ein Bewegungsmuster unter Belastung durchführen, z. B. sprinten aus dem Start heraus, könnte es sein, dass Ihnen nicht bewusst ist, dass Ihr Gesäßmuskel nicht stark genug ist, Ihr Becken in einer stabilen Position zu halten, sodass er über seine Kapazität hinaus kontraktiert und sich hier ein TP entwickelt. Zuerst könnten Sie Schmerzen im unteren Rücken oder angespannte, schmerzende Achillessehnen bemerken. Die spezifische Stärkung der Stabilitätsmuskeln (z. B. Bauch, Gesäß und Schulter- und Rotatorenmanschettenmuskeln) sowie der offensichtlicheren Hauptbewegungsmuskeln (z. B. Brustmuskel, Latissimus, Quadrizeps und Oberschenkelmuskel) ist wesentlich.
    • Gelenk-Instabilität/Hypermobilität – Wenn ein Gelenk nicht mehr durch nicht-kontraktiles Gewebe (z. B. ein Knöchel, der einen Bänderriss hatte) gehalten wird, werden Muskeln, die dieses Gelenk stützen, gezwungen, sich überzubelasten, um das Gelenk vor Schaden zu schützen. In diesem Muskel entwickeln sich dann Triggerpunkte.(18, 20, 28)
    • Mangel an Muskelflexibilität – generelle Muskelanspannung neigt dazu, das Risiko für Triggerpunkte zu erhöhen, aber dies hängt wieder mehr mit dem Muskelungleichgewicht um ein bestimmtes Gelenk zusammen.(10, 16, 20) Verspannungen in bestimmten Muskeln, die aufgrund der Anforderungen des Sports flexibel sein müssen – z. B. Oberschenkelmuskel bei Rugby-Kickern – führen definitiv zu Triggerpunkten.

     

    3. Überbeanspruchungsunabhängige Faktoren. Diese umfassen:

    • Traumata – Muskeltraumata wie ein teilweiser oder vollständiger Riss des Wadenmuskelgewebes führt unweigerlich zu weit verbreiteten Triggerpunkten. Sie müssen auch im Zuge der Rehabilitierung des Muskelfaserrisses behandelt werden.
    • Postoperative Faktoren – Triggerpunkte bilden sich häufig während der Rehabilitation nach einer Operation, wenn ein Muskelstärkungsprogramm durchgeführt wird. Dies ist in Schwäche begründet, die zu Muskelungleichgewicht führt. In einer neuen Studie bemerkten 10 Patienten mit unaufhörlichen Schmerzen nach einer großen Knieoperation eine deutliche Verbesserung nach einer TP-Behandlung.(6)
    • Ernährungs- und Gesundheitsfaktoren – Schilddrüsenunterfunktion, Folsäure- und Eisenmangel werden immer wieder in der TP-Literatur zitiert.(8, 20, 27) Auch Vitamin- und Mineralmängel (die Bs, Vitamin C, Ca, K und Magnesium) können Auswirkungen haben. Es ist schlüssig, anzunehmen, dass ungesundes Muskelgewebe weniger Genesungskraft besitzt und anfälliger ist. 
    • Psychologische Faktoren – Schlafstörungen, übermäßiger Stress und Depression können über psychosomatische Wege (Körper-Gehirn Beziehungen) miteinander in Verbindung stehen. Jedoch wirken auch Triggerpunkte auf Ihr autonomes Nervensystem und können selbst seelische Belastung verursachen.(20)

     

    Wie man die eigenen Triggerpunkte findet

    Achten Sie darauf, dass Sie und der betroffene Muskel vollständig entspannt sind, nicht gedehnt und wenden Sie dann eine der folgenden Techniken an, um den TP zu ertasten.(20,30)

    • Flaches Abtasten. Dies beinhaltet, dass Sie einfach mit etwas Druck mit den Fingerspitzen quer über die Muskelfasern wandern, bis Sie ein „straffes Band“ lokalisieren. Wenn Sie diesen verspannten Abschnitt des Muskels gefunden haben, suchen Sie hier entlang, um den Punkt maximaler Druckempfindlichkeit mit minimalem Druck ausfindig zu machen: das ist der TP. Mit etwas Übung dauert es nicht lang, um die straffen Bänder in einem Muskel zu finden. Machen Sie sich um den Schmerz, den Sie möglicherweise erzeugen nicht allzu viele Gedanken, da Sie sich hier keinen Schaden zufügen können!
    • Zangen-Abtasten. Einige Muskeln – z. B. der obere Trapezmuskel (Hals) oder Gastrocnemiusmuskel (Wade) – können vom umgebenden Gewebe mit dem Daumen und Zeigefinger angehoben werden, um den TP zu lokalisieren. Der Muskel beinhaltet normalerweise ein „straffes Band“ indem sich der TP befindet; wenn Sie über den richtigen Bereich streichen, sollte es eine Zuckung im Muskel oder in diesem Körperteil geben, welche als „ lokale Zuckungsreaktion“ (LZR) bekannt  ist.(3,12,13,20) Kommt es zu keiner LZR, könnte der TP chronisch sein, in diesem Fall wird sich ein Teil des Muskels wie ein klumpiges Seil oder ein Knoten anfühlen.

    Um festzustellen ob der TP aktiv oder latent ist, wenden Sie etwas stärkeren Druck im schmerzhaften Bereich an: ein aktiver TP ist extrem schmerzhaft verglichen mit einem latenten TP, aber, noch wichtiger, er sollte die Schmerzen auf einen anderen Bereich im Körper fortleiten. Während unterschiedliche Triggerpunkte auf verschiedene Bereiche fortleiten, ist das Schmerzfortleistungsmuster bei allen Menschen ziemlich ähnlich. Manchmal muss ein TP für bis zu 10 Sekunden gedrückt oder darübergestrichen werden, bevor die fortgeleiteten Schmerzen offensichtlich werden.

    Die direkte Behandlung des Triggerpunktes (im Gegensatz zur Behandlung des kompletten Problems, von dem der TP nur ein Teil darstellt), ist verhältnismäßig einfach und beruht hauptsächlich darauf ein „gutes Händchen“ zu haben das fühlen kann, was im Muskel geschieht. Ein Muskel, der seinen TP losgeworden ist, fühlt sich bei der Berührung weicher, formbarer und „lockerer“ an. In dieser Hinsicht ist eine TP-Behandlung mehr eine Kunst als eine Wissenschaft, da sie vom Instinkt und der Sensibilität des Therapeuten abhängt, während er oder sie mit dem Patienten arbeitet. Aus demselben Grund geht es vielen Leuten nach einer Behandlungsrunde nur 80 % besser: Es bedarf Ausdauer und Geduld (und starke Hände!) um dran zu bleiben, bis die Triggerpunkte so weit gelöst sind, dass sie keine Schmerzen mehr verursachen.

     

    Die praktischen Behandlungsmethoden

    Befassen wir uns zunächst mit den verschiedenen praktischen Techniken, die Wunder bei der Schmerz- und Steifheitslinderung in den Muskeln wirken können.

     

    1. Ischämische Kompression

    Triggerpunkte können “deaktiviert“ werden, indem vorübergehend ihre Blut-versorgung unterbrochen wird, was zu einer reaktiven Zunahme der Blutversorgung führt, wodurch die entzündlichen Exsudat- und Schmerzstoffwechselprodukte effektiv aus den Muskeln gespült werden, Narbengewebe aufgespalten wird, und der Muskeltonus verringert wird. Der Muskel wird durch den zusätzlichen Blutfluss genährt, Nervenenden werden desensibilisiert, und Narbengewebe wird aufgespalten, damit die Muskelfasern sich besser bewegen können.

     

    Im Wesentlichen beinhaltet dies, dass nachhaltiger Druck mit genügender Kraft auf den TP angewandt wird, damit die Blutversorgung verlangsamt wird und die Verspannung aus dem Muskel herausgepresst wird.(30) Der Muskel sollte in eine leicht gestreckte Position, mit wenig oder keinem Schmerz gebracht werden. Der Patient muss bequem und entspannt sein, und die Kompression sollte stufenweise mit dem Finger, dem Daumen oder dem Ellbogen angewandt werden. Dieser Druck sollte sich danach richten, wie viel Schmerz der Patient ertragen kann, da zu große Schmerzen tendenziell Spannungen im Muskel verursachen und der Behandlung entgegenwirken.

     

    Der Druck wird stufenweise angewandt, beibehalten und dann stufenweise gelöst. Er kann sogar für 60 Sekunden aufrechterhalten werden, der gewünschte Effekt tritt jedoch normalerweise nach 10–20 Sekunden ein. Der Therapeut sollte dann pausieren bevor er 3 oder 4 weitere Male stufenweise Druck anwendet und möglicherweise auf einen anderen Muskelabschnitt übergeht, wenn der behandelte Bereich sich bei der Berührung „lockerer“ oder weicher anfühlt. Anfänglicher Druck auf einen TP muss allmählich erfolgen, in der Bemühung eine Zunahme an Spannung zu minimieren und somit dem Kern des Triggerpunktes näher zu kommen. Für ein optimales Behandlungsergebnis ist es wichtig, die LZR zu reproduzieren.(13)

     

    Ischämische Kompression kann als prophylaktische (vorbeugende) Maßnahme bei Athleten mit latenten Triggerpunkten, die ihre Leistung beeinträchtigen, angewandt werden, obgleich die Technik bei der Massage vor dem Wettkampf vorsichtig angewandt werden muss, da sie zu Schmerzen führen kann.(32) In einer Behandlungsituation ist ischämische Kompression, meiner Erfahrung nach, besser für die Behandlung akuter (neuentwickelter, entzündeter) Triggerpunkte als für etabliertere und chronischere Triggerpunkte, die einer energischeren Herangehensweise bedürfen.

     

    Die meisten Triggerpunkte benötigen einige Behandlungsrunden, um sie zu deaktivieren und um die damit in Verbindung stehenden kausalen Faktoren zu behandeln.(9) So wie sich der TP löst, kommt es zu einer begleitenden Abnahme an fortgeleitenten Schmerzen und einer Verbesserung anderer damit verbundener Aspekte wie Schwäche, Muskelkrämpfe, Gelenk-Impingementsyndrom etc. Der TP selbst sollte weniger empfindlich sein, und es wird schwerer sein, einen schmerzhaften Punkt zu finden.

     

    2. Spezifische Mobilisierung des Weichgewebes

    Die spezifische Mobilisierung des Weichgewebes ist eine weitere manuelle Technik, die von den Physiotherapeuten angewandt wird, um die Fähigkeit eines Gewebes mit Belastung fertig zu werden, „wieder herzustellen“. Es verwendet gestaffelte und progressive Kraftanwendungen, in nächstmöglicher Anlehnung an das Stadium des Heilungprozesses, um das Gewebe auf den Stand seiner ursprünglichen Dehnfestigkeit zurückzubringen.

     

    Dieser Ansatz ist von Glen Hunter  entworfen worden, um die Heilung in verletztem Gewebe zu fördern; jedoch kann meiner Erfahrung nach die spezifische Mobilisierung des Weichgewebes effektiv auch im späten Stadium und bei der Behandlung chronischer TPs verwendet werden, aufgrund der großen Steifheitskomponente, die das späte Stadium der TP-Entwicklung kennzeichnet.(33)

     

    Nach einem gründlichen Gutachten wird an der verletzten Stelle oder am Triggerpunkt, in senkrechter Richtung und auf gleicher Ebene der Faserrichtung oszillierende Kraft angewandt. Wie auch bei der ischämischen Kompression, ist die Stärke des angewandten Drucks abhängig vom Stadium der Heilung.

     

    3. Friktion

    Diese kann im gleichen Zusammenhang wie die spezifische Mobilisierung des Weichgewebes verwendet werden – das bedeutet für die Behandlung im späten Stadium, wenn mehrfache Querverbindungen zwischen Kollagenfasern zu beträchtlicher Steifheit oder Narbengewebe  führen. Friktion (Reibung) „befreit“ das Narbengewebe innerhalb eines Triggerpunktes, was Muskelfasern erlaubt, sich normaler zu bewegen, den Blutfluss durch das Gewebe erhöht und Nervensensibilität verringert.(7,19,28)

    Friktionen werden mit einiger Druckkraft quer über die Oberseite des Gewebes, für mehrere Minuten am Stück durchgeführt. Die Schmerzniveaus sind zunächst ziemlich hoch, lassen aber im Verlauf der Friktion nach.

    4. Massage

    Die Gesamtbehandlung eines verspannten oder wunden Muskels und seiner Triggerpunkte kann irgendeinen oder alle oben genannten Behandlungsmethoden, sowie Standardmassagetechniken, wie Tiefengewebsmassage (die starken längslaufende Striche, um die Länge des Gewebes zu fördern) oder Effleurage (weite ausgedehnte Bewegungen, die das Gewebe von überschüssiger Lymphflüssigkeit befreien) umfassen. Zusammen haben sie eine reiche Vielzahl an Effekten, die zusammenwirken, zunächst um Triggerpunkte zu behandeln, dann um die Muskelfasern zu lösen, die durch Narbengewebe gebunden sind, um Gesamtmuskelflexibilität zu verbessern, mögliches angesammeltes Ödem (Flüssigkeit) abzubauen und die gute Versorgung des Muskel über eine verbesserte Blutversorgung wieder herzustellen. Eine regelmäßige Sportmassage ist ein großartiger Weg, um das muskulöse System zu überholen und viele dieser Effekte, wenn auch in kleineren Dosen zu erzielen.

     

    Andere Ansätze zur TP-Behandlung

    1. Dehnen. Dies ist ein immenses Thema an sich, aber eines, das hier mindestens angerissen werden muss. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Dehnen in zweierlei Hinsicht dabei hilft, Triggerpunkte zu verhindern:

     

    • Aufwärmprogramme. Nach einiger Muskelaufwärmtätigkeit, etwas sport-spezifischem Dehnen und Drills (Sie können es „dynamisches Stretching“ nennen, wenn Sie mögen), ist es keine Frage, dass Sie die Bildung von Triggerpunkten durch die erhöhte Durchblutung und darausfolgende Gefügigkeit und bessere Ausrichtung der Muskelfasern und -haut erheblich vermindern.
    • Flexibilität. Regelmäßiges „statisches Stretching“ bedeutet, dass Sie viel mehr „Spiel“ in den Gelenken und im weichen Gewebe haben, was das Risiko von Triggerpunkten verringert. Im umgekehrten Fall behindern steife Gelenke die Muskeln in ihrer Umgebung – und genau dann tritt ein Muskel – oder Sehnenschaden auf.
    • Wie sieht es mit dem Dehnen, um tatsächliche Triggerpunkte zu reparieren, aus? Dies ist ein heikles Thema: Wir wissen von einer Studie, dass ischämische Kompression mit Dehnübungen wirkungsvoller ist als nur Mobilitäts-Übungen, und von einer anderen Studie, dass das Dehnen die zweitbeste Methode nach der ischämischen Kompression ist, um Triggerpunkte zu behandeln.(9,11) Aber es kann sehr schwierig sein, eine Dehnübung auf den spezifischen Teil des Muskels zu begrenzen, in dem sich der TP befindet. Der scheinbare Rückschluss ist, dass das Dehnen am besten als Ergänzung zur ischämischen Kompression angewandt wird.

     

    2. Spray und Stretchen.(30) Dies beinhaltet, den Muskel zu dehnen und kaltes Spray auf die Länge des Muskels anzuwenden, um die Krämpfe, Verspannungen und Entzündungen zu verringern, die die Bildung eines TPs begleiten.

     

    3. Elektrotherapie. Physiotherapeuten können Ultraschall anwenden, um den Heilungsprozess des TPs  zu beschleunigen, oder sie können „Tens“ oder andere elektrische Geräte verwenden; um den gleichen Effekt zu erzielen.(11,30) Jedoch werden all diese Therapien am besten als Ergänzung zur manuellen Behandlung angewandt.

     

    4. Spritzen. Die einschlägige Literatur spricht Bände über die in hohem Grade wirkungsvolle Anwendung von TP-Einspritzungen, um den vollständigsten Grad der Auflösung von TPs  zu erzielen.(1,3,5,6,12,20) Dies ist jedoch eine Domaine von nur einigen wenigen spezialisierten muskoloskeletaler Ärzten und Sportmedizinern. Zuerst wird die Nadelspitze in die Mitte des TPs geführt, wo sie vorsichtig die Muskelfasern und das Narbengewebe trennt, die innerhalb des TPs verbunden sind; dann können verschiedene Mixturen eingespritzt werden, um einen vermehrten Nutzen zu erzeugen – wobei 0.5 % Lidocaine das bemerkenswerteste ist, um Schmerzen nach der Behandlung zu verringern.(13)

    In einer Studie verkürzte sich die Behandlungzeit durch TP-Einspritzungen um massive 83.9 %, verglichen mit Wärmebehandlung, elektrischer Stimulanz, Stretching und Entspannungübungen für Patienten von Plantar Fasciitis (Fersenschmerzen), und die Wirkungen bestanden für 2 Jahre nach der Behandlung weiter.(15)

     

    Entscheidend ist, dass einige Behandlungen anderen in beträchtlichem Ausmaß überlegen sind. Was die Selbstbehandlung angeht, ist die wirkungsvollste Technik ischämische Kompression, da sie nicht allzuviel Bewegung erfordert.

     

    Während Sie mit der Selbstbehandlung von TPs nicht wirklich falsch liegen können, sollten Sie zu Anfang immer vorsichtig vorgehen, bis Sie es einige Male durchgeführt haben und wissen, was Sie zu erwarten haben. Denken Sie daran, dass die Schmerzen, die sie während der Behandlung haben, ziemlich stark sein können, sie sollten jedoch nie stechend und lähmend sein. Wenn der Bereich anschwillt, wenn es im Inneren warm wird, oder es zu irgendwelchen Nervenproblemen kommt (das hei

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