Stress und Immunsystem

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Seit langem ist bekannt, dass ein Zusammenhang zwischen physiologischem und psychologischem Stress und der Immunfunktion besteht. Das Phänomen, dass nach starker körperlicher Belastung die Konzentration von Immunmarkern abnimmt (Immunsuppression nach Belastung), ist ebenfalls gut dokumentiert. Weniger erforscht ist jedoch die Wechselbeziehung zwischen der Abnahme der Immunmarker und der Infektion der oberen Atemwege (IOA) bei Sportlern nach einem exzessiven Training.

Diese Frage wollte eine Gruppe britischer Wissenschaftler in einer Studie klären. Hierzu wurden 38 Teilnehmer der Segelregatta America’s Cup über einen Trainingszeitraum von 50 Wochen beobachtet. Den Sportlern wurden Speichelproben entnommen, und es wurde die Konzentration des so genannten sekretorischen Immunglobulins A (s-IgA) gemessen. Hierbei handelt es sich um einen Antikörper mit einer wichtigen Schutzfunktion für das Gewebe des oberen Respirationstraktes (Nase, Hals und Lungen). Die Entnahme der Proben erfolgte wöchentlich, mindestens 38 Stunden nach der letzten Trainingseinheit und immer zur gleichen Tageszeit. Die s-IgA-Messungen wurden dann mit dem Vorkommen von Infektionen, der Trainingsbelastung und der empfundenen Ermüdung verglichen.

Im wöchentlichen Vergleich konnte bei den Sportlern keine signifikante Beziehung zwischen der absoluten s-IgA- Konzentration und dem Auftreten einer IOA festgestellt werden. Bei der s-IgA-Konzentration kam es allerdings zu deutlichen interindividuellen Schwankungen.

Die Wissenschaftler stellten jedoch fest, dass die s-IgA-Konzentration bei allen Teilnehmern in den 3 Wochen vor einem Infekt der oberen Atemwege deutlich abnahm. Außerdem beobachteten sie, dass das s-IgA innerhalb von 2 Wochen nach einer IOA gewöhnlich wieder auf den Normalwert zurückging. Eine weitere Feststellung war die, dass ein Sportler ein signifikant höheres Risiko hatte, an einer IOA zu erkranken, wenn sein s-IgA-Wert auf unter 40 % der durchschnittlichen s-IgA-Konzentration in gesundem Zustand abfiel. In der Regel erkrankte jeder 2. Sportler (50:50).

Die Ergebnisse dieser Studie implizieren zweierlei: Auch wenn man die s-IgA-Werte von Sportlern eigentlich nicht unbedingt miteinander vergleichen sollte, so zeigte sich zum einen, dass eine Abnahme des s-IgA für den Einzelnen ein deutlich erhöhtes Risiko bedeutet, in den nachfolgenden 3 Wochen an einer IOA zu erkranken. Zum anderen macht der Zusammenhang zwischen s-IgA und dem Auftreten einer IOA diesen Marker zu einem sehr nützlichen Kontrollwerkzeug für Trainer und Sportler.

Medicine & Science in Sports Exercise. 2008, Bd. 40 (7), S. 1228–1236
 

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