Sportverletzungen: Der Muskelfaserriss – Risikofaktoren und Therapie

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Um das Prinzip des Muskelfaserrisses besser verstehen zu können sind einige anatomische Grundkenntnisse der Skelettmuskulatur wichtig. Erfahren Sie hier alles über die Anatomie des Muskels, Risikofaktoren für eine Verletzung, Symptome, Diagnose und Therapie.

Anatomischer Aufbau eines Skelettmuskels

In einem Skelettmuskel sind die Muskelfasern und das Bindegewebe miteinander verknüpft.

Abb. 1: Anatomischer Aufbau eines Skelettmuskels

Abb. 1: Aufbau eines Skelettmuskels

Die Muskelfaszie, eine Bindegewebshülle aus straffem kollagenem Bindegewebe, umgibt diesen und macht ihn gegenüber seiner Umgebung verschiebbar. Ein Muskel setzt sich aus Faserbündeln zusammen. Die einzelnen Faserbündel setzen sich wiederum aus vielen Muskelfasern zusammen, die ebenfalls von einer Bindegewebsschicht (Endomysium) umgeben sind. In diesen Muskelfasern befinden sich die Myofibrillen, die man in die kleinste Einheit des Skelettmuskels einteilen kann, das Sarkomer (vgl. Abb. 1).

Muskel -> Faserbündel -> Muskelfasern -> Myofibrille -> Sarkomer

 

Bildliche Darstellung des Sarkomeraufbaus

Die kontraktilen Fibrillen in einer Muskelfaser bestehen aus

Abb. 2: Anatomie des Skelettmuskels: Sarkomeraufbau

Abb. 2: Sarkomeraufbau

Aktin- und Myosinfilamenten, die für die Kraftproduktion durch Querbrückenbildung zuständig sind, und die hochelastischen Titin- Filamente, die für den Zusammenhalt innerhalb des Sarkomers wichtig sind.(1) Begrenzt wird das Sarkomer durch die sogenannten Z-Scheiben. Für das vereinfachte Verständnis des Muskelfaserrisses reicht es aus, wenn man sich auf die ineinander greifenden Aktin- und Myosinfilamente innerhalb des Sarkomers konzentriert.

  

Das Prinzip von Muskelzerrung, -faserriss, -bündelriss und Muskelriss

Es handelt sich dabei immer um denselben Verletzungs-Mechanismus. Der einzige Unterschied liegt im Ausmaß der Schädigung.

Die Einteilung nach Schweregrad lautet: 

– Zerrung: es kommt es zur Überdehnung innerhalb der Sarkomere

– Faserriss: Reißen einzelner Muskelfasern

– Bündelriss: Reißen eines Sekundärbündels (Fleischfaser)

– Muskelriss: Abriss eines kompletten Muskels

 

Die wichtigsten Fakten zum Muskelfaserriss 

Was passiert genau bei einem Faserriss?

– Einreißen der Muskelfaser sowie der sie umhüllenden Schicht (Endomysium)

– Lokale Entzündung innerhalb der Muskulatur sowie eine Einblutung

– Tonusminderung

– Einzelne Muskelfasern ziehen sich in Richtung der jeweiligen Sehne zurück

 

Diagnostik

– Muskelfunktionstests (MFT), werden vom Physiotherapeuten oder Arzt durchgeführt

– Palpation

– Ultraschall

– MRT

(Bestehen die Schmerzen noch nach einer Woche, sollten Sie einen Arzt oder Physiotherapeuten aufsuchen. Sehen Sie auch unser Video: Vorbeugung und Hilfe bei Sportverletzungen)

 

Entstehung

– Oft durch muskuläre Überbeanspruchung oder traumatisch

– Plötzlich einschießender Schmerz (-> Faserriss)

– Ein sich langsam aufbauender Schmerz (-> eher Zerrung)

– Je nach Ausprägung muskuläre Funktion deutlich eingeschränkt bis nicht möglich

 

Risikofaktoren

– Schlafmangel

– Zu wenig getrunken

Stress

– Überbelastung / zu wenig Ruhephasen

– Schlechte / keine Aufwärmübungen

 

Differenzialdiagnose

Thrombosen, Myositis, Sehnenriss, Prellung, u.a.

 

Therapie

– PECH (= Pause, Eis, Kompression und Hochlagern) gilt für die ersten 48 Stunden um eine weitere Einblutung zu vermeiden

– Schonung, in schweren Fällen Ruhigstellung (dies hängt vom Schweregrad der Verletzung ab)

– Abtransport (z. B. durch klassische Massage oder physikalische Therapie)

!Leichte muskuläre Kontraktionen sollten schon in einem frühen Stadium der Verletzung stattfinden um eine Vernarbung innerhalb der Muskulatur zu vermeiden!

 

Mögliche Folgen

– Vernarbung innerhalb der Muskulatur

– Kraftverlust

– Bewegungseinschränkung

– Bewegungsabhängige Schmerzen

 

Björn Reindl

 

Quellenangaben:

1.  Wiemann 1994, 42f

2. Schünke 2000

3. Silbernagel 2001

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Über den Autor

Björn Reindl

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