Sportverletzungen im Basketball

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Physiotherapeut, Coach und Basketballer Bogdan Suciu erzählt im Interview mit trainingsworld von seinen Erfahrungen mit Sportverletzungen im Basketball, vom Tapen, der Rolle von Ernährung und von Trainingsmängeln auch bei professionellen Basketballspielern.

Mit Sportverletzungen im Basketball kennt sich Bogdan Suciu besonders gut aus. Er ist staatlich geprüfter Physiotherapeut und betreute in den letzten Jahren viele verletzte Basketballer in der Rehabilitation. Selbst auf Korbjagd ist Bodgan unter anderem für die Sg Sechtem (Regionalliga) und die 2. Mannschaft der Telekom Baskets Bonn (Regionalliga) gegangen. Seit dem Jahr 2000 betreute Bogdan verschiedene Mannschaften, u. a. die Damenmannschaft der BG Rentrop (2. Bundesliga) sowie die Damen des Regionalligisten aus Rhöndorf. Aktuell ist der 34-Jährige zusätzlich Coach bei den Telekom Baskets Bonn und für eine Jugend- und Seniorenmannschaft verantwortlich, in dem Verein, wo er sein Trainerengagement begonnen hat.

Im Interview mit trainingsworld erklärt Bogdan, dass die Ernährung Verletzungen vorbeugen kann und wieso Stabilisationsübungen so wichtig für die Prävention sind.

 

trainingsworld:Bogdan, was sind die typischen Verletzungen, die sich Basketballspieler zuziehen?

Bogdan Suciu: Die typischen Verletzungen, die sich Basketballspieler zuziehen können, finden sich im Bereich der unteren Extremität, hauptsächlich oberes Sprunggelenk und Knie. Häufig haben wir es mit äußeren Kapsel-Band-Verletzungen am Sprunggelenk zu tun, dem sogenannten Supinationstrauma. Im Bereich des Knies kommt es häufig zum Riss des vorderen Kreuzbands. Die schlimmste Form davon ist das „Unhappy triad“, also die Verletzung des vorderen Kreuzbandes, des Innenmeniskus und des Innenbandes. (Koordination in der Verletzungsprävention und bei der Behandlung von Sprunggelenksverletzungen) In den letzten Monaten hatte ich es bei den Damen des Öfteren mit dem inneren Schienbeinkantensyndrom (auch eine häufige Verletzung bei Läufern) zu tun. Gelegentlich haben wir Verletzungen der Finger. Beim Ballfangen kann es zum Umknicken der Finger kommen. Dies kommt aber eher bei Jugendlichen als bei Erwachsenen vor.

 

trainingsworld:Wie kommt es in der Regel zu diesen Verletzungen?

Bogdan Suciu: Basketballspieler sind in den letzen Jahren athletischer geworden. Das Spiel ist dadurch noch schneller, intensiver und körperbetonter geworden. Die Spieler müssen ständig Tempo- und Richtungswechsel machen sowie eine Vielzahl von Sprüngen ausführen. Verletzungen im oberen Sprunggelenk entstehen meist am Ende der Flugphase oder der Abstoppphase, wenn der Fuß Bodenkontakt bekommt. Oft ist eine Landung auf dem Fuß eines Mit- oder Gegenspielers für ein Umknicken verantwortlich. Auch schnelle Side-Step-Bewegungen beim Block oder in der Verteidigung können Ursachen für Verletzungen sein. Beim Knie verhält es sich ähnlich.

Häufig sind aber auch Ermüdung, Überlastung und oder ein schlechter Trainingszustand der Athleten eine Ursache für Verletzungen. Die Muskeln sind dann nicht in der Lage, reaktiv (nachgebend) ihre Arbeit zu leisten und können so die Gelenke nicht ausreichend stabilisieren. Das sieht man immer häufiger, dass Athleten ohne Fremdeinwirkung umknicken und sich schwer verletzen. Wir sind athletischer geworden, aber nicht in der Lage einen Einbeinstand auszuführen.

 

trainingsworld:Wie, und vor allem wie gut, kann man dem präventiv entgegnen?

Bogdan Suciu: Nun, da spielen mehrere Faktoren eine wichtige Rolle. Ein großer Faktor ist aber die Ernährung. Häufig trinken wir zu wenig und essen zu ungesund. Das hat Einfluss auf den Stoffwechsel, auf unser Bindegewebe.

Dann wird, meiner Meinung nach, zu wenig im koordinativen Bereich gearbeitet. Wir sind auf der einen Seite athletischer geworden, auf der anderen Seite sind wir aber nicht in der Lage, einfache koordinative Sachen, wie den Einbeinstand, auszuführen. Und wir müssen im Bereich der Körperstabilisation besser werden, um Verletzungen vorzubeugen.

 

trainingsworld:Was sollte man beim Rehatraining Deiner Meinung nach beachten und worauf kommt es an?

Bogdan Suciu: Man sollte meiner Meinung nach nicht zu früh anfangen und die Zeiten der Wundheilungsphasen beachten. Häufig stehen die Athleten unter Druck des Trainers, schnell wieder zurückzukommen und zu spielen. Wenn wir diese Wundheilungsphasen nicht beachten, bildet der Körper aber schlechtes Gewebe, das immer wieder kaputt geht.

Ein gutes Rehatraining führt den Athleten Stück für Stück zu seiner alten Stärke zurück und macht ihn vielleicht besser und fitter, als er vorher war. Dazu gehört definitiv das Koordinationstraining sowie das körperstabilisierende Training, auch Core-Training genannt.

 

trainingsworld:Sollte man nach einer Verletzung nur noch getaped trainieren und spielen? Gibt es bestimmte Regeln, die man beachten sollte?

Bogdan Suciu: Das Tape ist sicherlich in der 1. Phase ein wichtiges Hilfsmittel für den Kopf des Spielers. Es hat auch den Vorteil, dass man es Stück für Stück abbauen kann, sodass am Ende nur 3 Streifen reichen, um den Kopf zu beruhigen. Ich persönlich bin kein Freund vom Dauer-Tapen. Lieber das gute alte Wackelbrett auspacken und häufiger Koordinationsübungen ins Training einbauen. Das ist auf Dauer günstiger. (lacht)

Im Profisport, gerade in der NBA, wird jeder Spieler vor jedem Training und vor jedem Spiel getaped. Das hat aber mehr mit den Versicherungen zu tun und ist bei den hohen Belastungen nachvollziehbar.

 

trainingsworld:Es kursiert der Mythos, dass Profis nach Verletzungen grundsätzlich schneller genesen als Amateure, auch bei gleichem Befund. Wie ist Deine Erkenntnis?

Bogdan Suciu: Es ist sicherlich richtig, dass Profis schneller genesen als Amateure. Das hat in erster Linie mit der Betreuung der Spieler durch Mannschaftsärzte und Physiotherapeuten zu tun. Die Spieler werden optimal betreut. Da hat sich in den letzen Jahren so viel getan. Den normalen Masseur gibt es ja nicht mehr. Das sind alles top ausgebildete Therapeuten, die sich mit den Wundheilungsphasen des Körpers, der Physiologie, der Psychologie, ja sogar der Trophologie (Ernährungswissenschaft) bestens auskennen. Sie sagen den Spieler beispielsweise wann und in welcher Phase sie was essen sollen etc.

Es gibt aber auch Fälle, wo die Spieler zwar schnell zurückkommen, aber leider viel zu früh. Da ist natürlich der Druck durch den Trainer, den Verein und die Sponsoren groß. Die Athleten spielen dann mit schlecht genesenem Bindegewebe und verletzen sich wieder. Prominente Beispiele aus dem Fußball sind Mario Götze oder Michael Ballack, die genau diese Fehler gemacht haben. Aber auch Basketballprofi Vincent Yarbrough von den Telekom Baskets Bonn haben immer wieder auftretende Verletzungen zum Karriereende gezwungen. Manchmal ist weniger mehr!

 

trainingsworld:Bogdan, ich bedanke mich für das nette Gespräch!

Im nächsten Artikel bohre ich noch etwas tiefer und thematisiere die typische Sprunggelenksverletzung im Basketball. Ich erkläre, wie man nach einer Verletzung schnell wieder auf die Beine kommt und was man unbedingt beachten sollte.

 

Ramy Azrak

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