Sportverletzung: Die Gehirnerschütterung

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Die Gehirnerschütterung ist die leichteste Form des Schädel-Hirn-Traumas. Tyische Verletzungsmechanismen sind Stürze auf den Kopf oder Zusammenstöße z. B. beim Sport. Alles über Anatomie, Symptome, Diagnose, Heilung und Langzeitschäden.

Das Gehirn ist die Schaltzentrale des Körpers und zuständig für die Steuerung des Bewegungsapparats und der Versorgung der inneren Organe. Nicht alles kann willkürlich gesteuert werden, sodass einige Mechanismen von selbst als Schutz des Körpers ablaufen. Es werden Veränderungen des Körpers wahrgenommen und registriert, unbewusst handelt das Gehirn im Sinne des Organismus. Dazu zählen beispielsweise Hunger, Durst, Schmerz und Hitze.

Über die Nervenstränge, die durch den Wirbelkanal verlaufen und in Verbindung mit dem Gehirn stehen, werden Informationen über die verschiedenen Rezeptoren weitergeleitet. Reize, die für die Muskelreflexe zuständig sind, werden auf Rückenmarksebene geschaltet.

Die Ansteuerung der Muskulatur, um bestimmte Bewegungen einzuleiten, beginnt im Humunculus – der Gehirnrinde. Durch die absteigenden Nervenbahnen kommt der Reiz zur Muskelzelle.

Die zwölf Hirnnerven sind zuständig für unsere Sinne: Schmecken, Riechen, Hören, Sehen, Tasten.

 

Nerven 

Wie schon in dem Artikel der Muskelphysiologie angedeutet, kommt am Muskel über ein Axon das Aktionspotenzial an. (Physiologie: Der Aufbau und die Funktion der Skelettmuskulatur) Aber wie gelangt es dorthin? Dazu schauen wir uns zunächst eine Nervenfaser an.

Sie besteht aus vielen Dendriten (das sind Äste, die Reize zur Nervenzelle führen), einem Zellkern (Soma) und einem Axon, das das Aktionspotenzial weiterleitet. Wie auch die Muskelmembran hat der Nerv an seiner Membran ebenfalls ein Ruhepotenzial. Über die Dendriten kommen nun viele Reize an der Nervenzelle an. Einige erregen, andere hemmen.

– Erregende Reize öffnen die Natriumkanäle, damit das Natrium in den Zellkern eintreten kann und die Spannung weniger werden lässt. Das Potenzial wird also positiver. Diesen Vorgang nennt man exzitatorisches postsynaptisches Potenzial (EPSP).

– Hemmende Reize öffnen die Kaliumkanäle, damit das Kalium austreten kann und Ionenkanäle, damit Ionen eintreten können. Beide Vorgänge führen zu einer steigenden Minusladung in der Nervenzelle. Dies nennt man inhibitorisches postsynaptisches Potenzial (IPSP).

Alle ankommende Reize werden verrechnet. Wenn die Spannung in der Zelle dann positiv genug ist, fängt die Reizweiterleitung an. Ob ein Aktionspotenzial weitergeleitet wird oder nicht, läuft nach dem Alles-oder-nichts-Prinzip ab: Entweder wird der Schwellenwert von 15-20 mmV erreicht oder eben nicht. Dabei ist die Summe der Reize, welche zeitlich und auch örtlich ankommen, entscheidend.

 

Die Gehirnerschütterung

Die Gehirnerschütterung, auch Commotio cerebri genannt, ist die leichteste Form des Schädel-Hirn-Traumas. Tyische Verletzungsmechanismen sind Stürze auf den Kopf oder Zusammenstöße. Es kann aber auch durch starke Beschleunigungen, ruckartiges Abbremsen oder Drehung des Schädels zur Erschütterung kommen. Sie ist eine häufig auftretende Sportverletzung.

Symptome, die auf eine Erschütterung hindeuten, sind Benommenheit, die bis zu einer Bewusstlosigkeit von 15 Minuten bis 3 Stunden reichen kann, fahle Hautfarbe, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Amnesie und Fehlfunktionen der Nervenzellen. Durch die Erschütterung funktionieren manche Nervenzellen zeitweise nicht mehr normal, d. h. das Verrechnen von Reizen sowie das Weiterleiten funktioniert nicht wie gewohnt. Diesen Schaden kann das Gehirn aber meist kompensieren.

 

Erstversorgung der Gehirnerschütterung

Die Maßnahmen der Ersten Hilfe beginnen mit dem Beruhigen, um einen Schock zu vermeiden. Eine ärztliche Untersuchung ist empfehlenswert, damit das Ausmaß der Verletzung bestimmt werden kann. Wenn Blut oder eine helle Flüssigkeit aus Mund, Nase oder Ohren austritt, besteht der Verdacht auf einen Schädelbasisbruch.

Im Normalfall, wenn keine Flüssigkeit austritt, ist eine gängige Untersuchung die Beurteilung nach der Glasgow-Coma-Skala (GCS). Hierzu zählen Tests, die die Reaktionen der Augen, Kommunikation und der motorischen Reflexe beurteilen. Hierbei werden Punkte verteilt, die dann die Schwere der Verletzung bestimmen:

– 13-15: leichtes Schädel-Hirn-Trauma → Gehirnerschütterung

– 9-12: mittelschweres Schädel-Hirn-Trauma

– 0-8: schweres Schädel-Hirn-Trauma

 

Weiterhin sollte die Reaktion der Pupillen sowie deren Weite mitbeachtet werden. Die Beurteilung des Muskeltonus sowie der Atmungsform spielt auch eine Rolle, um Rückschlüsse bezüglich der Lokalisation der Schädigung ziehen zu können.

Zur weiteren Erstversorgung zählen andere neurologische Tests, um sich einen Überblick zu verschaffen, und die chirurgische Versorgung bei Platzwunden. Bildgebende Verfahren wie das MRT und das Röntgen können den Ausschluss einer Gehirnblutung sowie einer Halswirbelsäulenverletzung bringen.

Ein Knackpunkt kann sein, dass die Verletzung als solche nicht bemerkt wird, da die Symptome erst verspätet auftreten. Durch das normale Weiterleben ohne Schonung kann es dann zu Hirnblutungen kommen. Meist muss man zur Beobachtung für einen Tag im Krankenhaus bleiben. Wenn es nicht zu Gedächtnisstörungen kommt, ist ein längerer Aufenthalt nicht notwendig.

Für zu Hause ist es wichtig, sich einige Tage körperlich zu schonen, Fernsehschauen, Computerarbeiten, längeres Lesen und Sport zu vermeiden. Die Gehirnerschütterung ist nach einigen Tagen ausgeheilt. Selten kommt es zu Konzentrationsstörungen und Licht- und Geräuschempfindlichkeiten.

 

Wie schaut es mit Langzeitschäden aus?

Alzheimer gilt als der größte und schlimmste Langzeitschaden, wie Forscher der Boston University bei Footballern feststellten. Durch diverse Untersuchungen konnten braune Flecken im Gehirn gefunden werden, die auf Schädigungen der Zellen hinweisen. Diese Bilder sieht man normalerweise bei Demenz- und Alzheimerpatienten im hohen Alter. Die untersuchten Footballer waren zwischen Ende zwanzig und Anfang vierzig. Häufig werden die Erschütterungen nicht diagnostiziert, sodass die Sportler weiterspielen und es in der Summation immer wieder zu leichten Erschütterungen kommen kann, die das Gehirn irreparabel schädigen können.

Der Moment des Zusammenstoßes beim Football ist vergleichbar mit einem Aufprall im Auto gegen eine Betonmauer mit 70 km/h. Da wundert es nicht, dass bei Footballern im Alter von 30 bis 49 Jahren ein 19-mal so hohes Alzheimerrisiko als bei Nicht-Footballern besteht. Im Alter der über 50- jährigen ist das Risiko noch 5-mal höher.

 

Angi Peukert

 

Quellenangaben:

1. http://www.spiegel.de/sport/sonst/verletzungen-im-football-der-feind-in-meinem-kopf-a-716943.html.

2. Zalpour, Christoff: Anatomie Physiologie. 2. Auflage, München/Jena: Urban & Fischer.

3. Niethard, Fritz et al.: Duale Reihe Orthopädie. 5. Auflage, Stuttgart: Thieme, 2005.

4. Masuhr, Karl F. Et al.: Duale Reihe Neurologie. 6. Auflage, Stuttgart: Thieme 2006 .

5. Hüter-Becker, Antje et al.: Physiotherapie in der Neurologie.3. Auflage, Stuttgart: Thieme 2010.

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