Sportverletzung Ermüdungsbruch

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Ermüdungsbrüche sind teilweise oder komplette Brüche des Knochens, die durch wiederholte Belastung während sub-maximaler Tätigkeit verursacht werden. Sie resultieren aus der Unfähigkeit des Knochens, dem auf ihn einwirkenden Druck standzuhalten.

 Es gibt zwei Hauptarten von Ermüdungsbrüchen: Die Stressfraktur und die Insuffizienzfraktur. Eine Stressfraktur resultiert daraus, dass auf einen Knochen mit normalem elastischen Widerstand abnormale Muskelbelastung ausgeübt oder er einem starken Drehmoment ausgesetzt wird. Außerdem ist die Stressfraktur mit neuer oder ungewohnter, bzw. anstrengender oder wiederholter Tätigkeit verbunden. Die Insuffizienzfraktur resultiert aus normaler Muskeltätigkeit, die den Knochen belastet, und ist bei postmenopausalen und/oder amenorrhoischen Frauen verbreitet, deren Knochen es an Mineralien oder elastischer Widerstandskraft mangelt.

 

Ermüdungsbrüche treten am häufigsten in den unteren Gliedmaßen auf, auch wenn der spezifische anatomische Ort von der Sportart abhängt. Turner und Kricketspieler können Brüche in der Lendenwirbelsäule erleiden, während bei Tänzern eher der Fuß betroffen ist. Ermüdungsbrüche kommen bei fast allen Sportarten vor, einschließlich Schwimmen und Ringen.

 

Was verursacht sie?

Es gibt zwei Theorien über den Ursprung von Ermüdungsbrüchen. Die „Ermüdungstheorie“ besagt, dass Muskeln bei wiederholten Anstrengungen (wie beim Laufen) nicht mehr in der Lage sind, das Skelett beim Aufprall des Fußes auf den Boden zu stützen. Die Belastung wird auf den Knochen übertragen, anstatt dass sie von den Muskeln aufgefangen wird. Wenn die Belastung die Anpassungskapazität des Knochens übersteigt, kommt es zu einem Bruch. Die „Überbelastungstheorie“ besagt, dass gewisse Muskelgruppen derart kontrahieren, dass sie die angegliederten Knochen biegen. Nach wiederholtem Kontrahieren und Verbiegen bricht der Knochen.

 

[MAM]Ermüdungsbrüchen geht vermutlich eine Periostitis (Entzündung der Knochenhaut, die die Oberfläche des Knochens überzieht) voraus, die Schmerzen im Knochen und bei Bewegungen verursacht. Schienbeinschienen bringen Erleichterung, wenn jedoch die Symptome nach 2 Wochen weiter nicht nachlassen, besteht der Verdacht auf einen Ermüdungsbruch. Wenn die Schmerzen sogar 6 Wochen oder länger andauern, ist ein Ermüdungsbruch die wahrscheinliche Ursache. In etwa 50 % der Fälle entwickeln sich die Symptome langsam, während sie bei der anderen Hälfte ohne Warnung auftreten. Zuerst werden die Schmerzen nur während des Trainings, nicht aber im Ruhezustand wahrgenommen. Mit anhaltendem Training und steigender Intensität verstärkt sich der Schmerz. Der Schmerz besteht nach der Übung weiter und ab einem gewissen Zeitpunkt kommt es zu lokalen Schwellungen und Druckempfindlichkeit an der Bruchstelle. Ermüdungsbrüche sind beim Röntgen zunächst nicht zu sehen, was die Diagnose schwierig macht. Die Behandlung der Ermüdungsbrüche besteht in der Vermeidung der üblichen gewichtstragenden Tätigkeit für ungefähr 4–8 Wochen, solange, bis der Schmerz vorüber ist.

 

Wie verbreitet sind Ermüdungsbrüche?

Ermüdungsbrüche kommen tendenziell bei Läufern häufiger vor, als bei allen anderen Sportarten zusammen. Sie machen ungefähr 10 % aller Sportverletzungen und zwischen 4,7 % und 15,6 % aller Laufverletzungen aus. Bei weiblichen Läufern haben einige Studien festgestellt, dass Ermüdungsbrüche zu 49 % bei denjenigen mit sehr unregelmäßiger Menstruation und zu 39 % bei denjenigen mit leicht unregelmäßiger Menstruation auftraten. Zusätzlich neigten Läuferinnen mit Menstruationsunregelmäßigkeiten zu mehrfachen Ermüdungsbrüchen.

Ungefähr 20–25 % der Ermüdungsbrüche treten im Wadenbein, im Schienbein und in den Metatarsalknochen auf. Läufer haben am häufigsten Schienbeinbrüche.

 

Tatsachen über Knochen

Es gibt zwei Arten von Knochen. Der kortikale (harte, kompakte) Knochen befindet sich in der Achse von langen Knochen. Trabekuläre Knochen (schwammig, spongiös) findet man am Ende langer Knochen.

 

Die Knochenbildung verläuft in einem Zyklus von 5 Stadien mit dem Ergebnis, dass „alter“ Knochen abgebaut wird und „neuer“ Knochen entsteht. Normalerweise entspricht die Menge, die abgebaut wird, genau der Menge, die neu gebildet wird. Osteoclasts sind für Knochenresorption (Abbau) verantwortlich, während Osteoblasts bei der Bildung neuer Knochen helfen. Die Stimulanz für Osteoblast-Rekrutierung kann in mechanischer Belastung, Muskeltätigkeit und Schwerkraft bestehen. Osteoblasts sind für die Synthese des Kollagens, des Hauptbestandteils der neuen Knochen, verantwortlich. Der Reifeprozess und die letztendliche Stärke des neuen Knochens hängt von der Kalzium- und Phosphatversorgung ab. Schließlich bedingt auch die Lage der Kollagenfäserchen innerhalb des Knochens die mechanische Kraft des Knochens. Diese gerüstartige Anordnung ist bei älteren Personen häufig nicht mehr intakt, was in einer schwächeren Knochenstruktur trotz normalem Mineralgehalt resultiert.

 

Die Menge an Knochenmasse in unserem Körper steigt gewöhnlich bis zum 35. Lebensjahr. Die letztendliche Knochenmasse wird durch folgende Hauptfaktoren bestimmt: Genetische Anlagen, Umweltfaktoren (einschließlich körperlicher Betätigung), Ernährung (Kalziumzufuhr) und die negativen Auswirkungen von Zigarettenkomsum, Koffein und Alkohol. Auch der Hormonhaushalt hat Einfluss auf die Knochenbildung (relevant sind hauptsächlich Östrogen und Progesteron bei Frauen und Testosteron bei Männern).

 

Was sind die Risikofaktoren?

Es gibt eine große Anzahl an Faktoren, die allgemein mit dem Risiko für Ermüdungsverletzungen in den Knochen in Verbindung gebracht werden.

 

  • Alter: Das Risiko scheint mit zunehmendem Alter zu wachsen, da der Knochen bei älteren Personen weniger resistent gegen Ermüdungserscheinungen ist. Auch  abnehmende Fitness spielt eine Rolle.
  • Trainingsfehler: Im Allgemeinen kommen Ermüdungsbrüche als Folge einer Änderung der Tätigkeit oder Intensität oder einer Zunahme gelaufener Meilen vor. Übermäßiges Laufen auf harten Oberflächen, die den Tritt schlecht dämpfen und das Laufen auf asphaltierten Straßen, das zu einer ungleichen Verteilung des Gewichts auf den Fuß führt, sind beteiligt. Wenn nach einer vorübergehenden Pause das Training wieder mit gleichem Umfang und gleicher Intensität aufgenommen wird, hat der Athlet ein erhöhtes Risiko, sich Ermüdungsbrüche zuzuziehen. Anfänger sind ähnlich gefährdet.
  • Fitnessentwicklung: Es wird vermutet, obwohl es nicht bewiesen ist, dass unsportliche und wenig fitte Menschen, die ein Sportprogramm beginnen, sich mit höherer Wahrscheinlichkeit Ermüdungsbrüche zuziehen. Eine stufenweise Steigerung der Trainingsbelastung ist also wichtig.
  • Schuhwerk: Gardner und seine Kollegen berichteten in einer Studie (1988) mit Marinerekruten, dass der Preis von Trainingsschuhen (teuer gegenüber billig) keinen Unterschied bezüglich der Häufigkeit von Ermüdungsbrüchen machte. Der einzige bedeutende Faktor in Verbindung mit Ermüdungsbrüchen während des Rekrutentrainings war das Alter der Laufschuhe. Die, die neuere Schuhe trugen, erlitten weniger Brüche.
  • Endokriner Status: Der Höchstwert der Knochenmasse kann bei verlängerter Amenorrhö (Fehlender Menstruation) in Gefahr geraten. Die weiblichen Athleten, die unter Amenorrhö leiden, sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, vor allem, wenn ihre Ernährung wenig Kalzium enthält. Obwohl Studien zeigen, dass die Knochendichte in den kortikalen Knochen bei amenorrhoischen weiblichen Athleten meist normal ist, sind diese Knochen weiterhin die am meisten gefährdeten Stellen für Ermüdungsbrüche. Grimston und seine Mitarbeiter (1991) haben gezeigt, dass Läuferinnen vor der Menopause häufiger Ermüdungsbrüche erlitten, als diejenigen, die in höherem Alter begonnen hatten zu trainieren. Auch hartes Ausdauertraining kann den Androgenstatus bei Männern beeinflussen, was zu verminderter Knochenstärke führt. Zurzeit ist allerdings erst wenig über diese Wechselbeziehung bekannt.
  • Ernährungsfaktoren: Trainings-, Ernährungs- und hormonelle Faktoren sind tendenziell eng mit Ermüdungsbrüchen verbunden (siehe Peak Performance Nr. 59, 1995, S. 4–7). Die empfohlene Kalziummenge nach der Pubertät ist 800 mg/Tag, wobei Ermüdungsbruchpatienten dazu angehalten werden, 1500 mg Kalzium täglich zu sich zu nehmen.
  • Biomechanische Faktoren: Am meisten wurde dies bei Militärrekruten erforscht und die Resultate haben gezeigt, dass biomechanische Faktoren, die anatomische Veränderungen verursachen, eine wichtige Rolle bei der Entstehung eines Ermüdungsbruches spielen. Gilati und Abronson (1985) zeigten, dass Schienbeintorsion (Verdrehen/Verbiegen des Schienbeins) und der Grad der externen Rotation der Hüfte mit dem Vorkommen von Ermüdungsbrüchen in Zusammenhang standen. Wenn keiner der beiden Faktoren vorlag, lag die Häufigkeit der Ermüdungsbrüche bei 17 %, waren jedoch beide vorhanden, erhöhte sich die Häufigkeit auf 45 %. Das Erkennen von solchen „Mängeln“ erfordert im Allgemeinen hoch entwickelte Geräte, die leider nicht leicht verfügbar sind.

Andere Faktoren die mit dem Vorkommen von Ermüdungsbrüchen verbunden sind, sind zum Beispiel: hoher gewölbter Fuß, übermäßige Pronation (Einwärtsdrehung) oder Supination (Auswärtsdrehung) des Fußes, ein längerer zweiter Zeh und Bunion am großen Zeh. All dies beeinflusst den Laufmechanismus und die angrenzenden Strukturen sowie letztendlich die Knochen, die infolgedessen einer anormalen Belastung ausgesetzt werden.

 

Prävention

Obgleich das Vorkommen von Ermüdungsbrüchen und -reaktionen auf den Knochen häufig von mehreren Faktoren verursacht wird und nicht sehr gut erforscht ist, gibt es einige wichtige Präventivmaßnahmen, die ein Athlet vornehmen kann:

  • Vermeiden Sie plötzliche Zunahmen des Gesamttrainingsvolumens und  der Trainingsintensität. Machen Sie ausreichende Pausen.
  • Kaufen Sie weniger teure Schuhe und wechseln Sie sie häufig. Im Allgemeinen neigen Laufschuhe dazu, ihre stoßdämpfende Wirkung nach ca. 650 km (400 Meilen) zu verlieren.
  • Die Knochenausrichtung kann bis zu einem gewissen Grad durch Verwendung von orthopädischen Einlagen in den Schuhen und durch Bandagieren des Fußes und/oder des Knöchels modifiziert werden. Diejenigen mit stark einwärts gedrehten Füßen sollten Schuhe mit maximal steifer Ferse wählen. Für die korrekte Wahl der Einlegesohlen und Bandagiertechniken ist Expertenrat erforderlich.
  • Weibliche Athleten sollten dem Training, dem hormonellen Status und der Ernährung besondere Aufmerksamkeit schenken und sich eine mögliche Essstörung eingestehen.
  • Ein Beitrag von Pirkko Korkia

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